Kraetschmer: "Keine faire Diskussion!"

 

Markus Kraetschmer hat schon schönere Wochenenden erlebt. Einerseits ist da die nächste Niederlage seiner Wiener Austria.

„Wir müssen endlich anschreiben, unsere Bilanz im Frühjahr ist desaströs. Das ist viel zu wenig für unsere Ansprüche“, ärgert sich der FAK-Vorstand nach dem 0:1 gegen den SK Sturm. Der Pentz-Patzer im Highlight-Video >>>

Doch dieses Thema ist für den 47-Jährigen nicht das einzige Ärgernis. Das Cup-Finale zwischen Salzburg und Rapid, das am 1. Mai in der Generali Arena stattfinden soll, schlägt seit einigen Tagen hohe Wellen. Von mehreren Seiten wird eine Verlegung des Austragungsortes gefordert. Rapid will nicht in der FAK-Heimstätte spielen, der Cup-Sponsor scheint sich da auch nicht mehr so sicher zu sein, die Exekutive ist auch nicht glücklich und die Austria-Fans erst recht nicht.

„Ich bin über die Diskussion etwas verwundert“, sagt Kraetschmer im LAOLA1-Interview. Die Faktenlage ist klar: Die Austria will das Spiel austragen, es gibt einen Vertrag mit dem ÖFB. Die Veilchen rechnen durch die Miete, die der Fußballverband bezahlt, und die Catering-Einnahmen mit einem sechsstelligen Betrag, der dadurch in die Kassen fließt.

Andererseits gibt es Sicherheitsbedenken. Und nun eben auch heftige Proteste der Austria-Fans (Hier Nachlesen >>>). Kraetschmer erklärt, warum der FAK die Partie dennoch austragen will, wie er mit den persönlichen Anfeindungen umgeht und was ihn bei dieser gesamten Diskussion besonders traurig stimmt.

"Persönlich ist es sicherlich nicht die angenehmste Situation, wobei ich für mich persönlich sehr gut damit umgehen kann. Mehr Sorgen mache ich mir um meine Familie und meine Freunde."

LAOLA1: Die Austria-Fans haben sich vehement gegen ein Cup-Finale in Wien-Favoriten ausgesprochen. Verstehen Sie das?

Markus Kraetschmer: Ich bin über die Diskussion, die seit der Qualifikation von Rapid für das Cup-Finale entstanden ist, etwas verwundert. Ich darf daran erinnern: Wir haben mit der Generali Arena im Juni 2018 die Bewerbung für die Cup-Finali in den nächsten vier Jahren gegen drei andere Stadien gewonnen. Dem ist ein langer Prozess, auch innerhalb des ÖFB – mit den Sponsoren – vorangegangen. Es wurde gesagt, dass das Cup-Finale aufgewertet werden soll – mit einem Finale, wo es möglicherweise eine Ticket-Verknappung gibt, damit man schöne Bilder hat. Jetzt ist eine komplett neue Diskussion entbrannt.

LAOLA1: Und Sie sind plötzlich mittendrin.

Kraetschmer: Dass die Austria-Fans mich als Sündenbock ausgesucht haben, habe ich zur Kenntnis zu nehmen. Ich handle so und habe so gehandelt, wie wir das von Beginn an klar definiert haben. Die Austria hat immer gesagt: Wir können dieses Stadion nur dann bauen, wenn es uns gelingt, für die Refinanzierung andere Spiele und andere Events hier her zu holen. Das funktioniert seit Juli ganz gut: Wir hatten schon ein Länderspiel, werden nächstes Jahr das Champions-League-Finale der Frauen hosten und haben eben für die nächsten vier Jahre auch das Cup-Finale. Das ist eine wirtschaftliche Vorgabe. Da ist es schwierig, wenn man immer abwarten muss, ob Rapid im Cup-Finale ist und es dann plötzlich nicht geht. Ich behaupte: Wenn sich der LASK für das Cup-Finale qualifiziert hätte, würden wir das Interview in dieser Form nicht führen.

LAOLA1: In halb Wien kleben seit Samstag Pickerl mit Ihrem Gesicht, auf denen „Seelenverkäufer“ steht. Die Fans fordern auf einem Spruchband das Ende Ihrer Amtszeit bei der Austria. Wie geht es Ihnen persönlich damit?

Kraetschmer: Ich bin im 22. Jahr bei der Austria, wir haben viele Höhen und Tiefen durchgemacht. Persönlich ist es sicherlich nicht die angenehmste Situation, wobei ich für mich persönlich sehr gut damit umgehen kann. Mehr Sorgen mache ich mir um meine Familie und meine Freunde. Ich bekomme in diesen Tagen aber auch irrsinnig viel Zuspruch. Wenn die Leute einen Sündenbock brauchen und mich dazu auserkoren haben, dann habe ich das zu akzeptieren. Es ist halt so: Die Diskussion wird nicht fair geführt. Sie wird, wenn sie überhaupt geführt wird, populistisch geführt. Es gibt klare Beschlüsse aller Austria-Gremien, diese anderen Spiele und Events zu veranstalten. Meine Aufgabe mit meinem Team ist es, dafür zu sorgen. Wenn die Austria das Cup-Finale erreicht hätte, würde man mich jetzt dafür belobigen. Das ist ein Grundsatz-Thema, dass man anschließend diskutieren muss. Aber die erste und wichtigste Entscheidung ist, ob das Cup-Finale 2019 hier stattfindet. Ich wiederhole: Wir haben einen klaren Vertrag mit dem ÖFB, den wir von unserer Seite erfüllen wollen und werden. Ich habe gestern noch einmal mit ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold gesprochen, der klar gesagt hat, dass der ÖFB von seiner Seite den Vertrag erfüllen will. Aber es gibt das Thema der Behörde. Wenn die Behörde ein solches Spiel untersagt, muss der ÖFB etwas anderes machen.

LAOLA1: Sie hatten sicher schon Kontakt mit der Behörde. Was glauben Sie: Wird das Spiel zugelassen?

Kraetschmer: Die Aussagen, die ich bis dato gelesen und gehört habe, gehen in die Richtung: „Es ist ein schlechter Standort für dieses Finale in dieser Konstellation, aber wir wollen nicht Verhältnisse wie beispielsweise in Holland und wir sagen das Spiel nicht ab.“ Das ist der Status, den ich den Medien am Samstag entnommen habe. Am Montag gibt es eine Sicherheitsbesprechung. Es braucht Klarheit, eine Entscheidung! Es sollte nicht herumgewassert und noch eine Analyse gemacht werden. Klarheit für alle Beteiligten ist das Allerwichtigste.

LAOLA1: Wie ist das vertraglich geregelt?

Kraetschmer: Der ÖFB mietet dieses Stadion, wir übergeben es und wollen es dann wieder zurückhaben. Da gibt es klare Regelungen, was den Zustand des Stadions betrifft, wenn es etwa Beschädigungen gibt. Das hat beim Länderspiel sehr, sehr gut funktioniert, der ÖFB kennt das Prozedere also.

"Nach meinen Informationen gab es vor drei Wochen ein Meeting aller Cup-Finalisten, da hat sich keiner über den Austragungsort Generali Arena beschwert"

LAOLA1: Verstehe ich das richtig: Der ÖFB müsste die Kosten, die durch etwaige Beschädigungen entstehen, übernehmen?

Kraetschmer: Es gibt klare Regelungen. Es gibt Bestandsaufnahmen in allen Bereichen, das Stadion wird in einem bestimmten Zustand übergeben und anschließend gibt es wieder Bestandsaufnahmen. Wenn es dann Beschädigungen gibt, wird man besprechen, wer den Schaden übernimmt und wer für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands sorgt. Wir kennen das ja auch von anderen Stadien – ich erinnere mich, dass wir auch schon Abzüge hatten, als wir selbst im Cup-Finale waren. Eines würde ich noch gerne sagen.

LAOLA1: Was denn?

Kraetschmer: Mich stimmt die ganze Diskussion traurig. Wir hätten ein Cup-Finale zum 100-jährigen Bestehen des Bewerbs, also ein tolles Jubiläum und mit Salzburg gegen Rapid ein attraktives Finale. Und wir sprechen nur darüber, was passieren könnte, was zerstört und beschädigt werden kann. Wir reden nicht darüber, dass ich ein Finale abwickeln kann, wenn ich in ein Stadion gehe und mich so verhalte, wie es jedem der gesunde Menschenverstand sagen würde. Neben allen anderen Diskussionen muss man das schon mal hinterfragen. Und hinterfragen muss man klarerweise auch das Verhalten einiger. Wir haben im Juni 2018 die Austragung des Cup-Finales gewonnen, da haben viele gratuliert. Nach meinen Informationen gab es vor drei Wochen ein Meeting aller Cup-Finalisten, da hat sich keiner über den Austragungsort Generali Arena beschwert. Und jetzt mit dem Aufstieg eine Diskussion anzuzetteln, ist schwierig. Es geht für den ÖFB ja auch um den Ersatzstandort: Wir haben uns damals gegen Klagenfurt, Innsbruck und Linz durchgesetzt. Nach meinen Informationen hat sich das Ernst-Happel-Stadion gar nicht um die Austragung beworben. Aber das ist letztlich eine Aufgabe, die der ÖFB zu lösen hat.

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Textquelle: © LAOLA1.at

Austria-Fans legen im Protest gegen Cup-Finale nach

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