Roberto Carlos: "Wir brauchten keine Regeln"

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"Wir brauchten keine Regeln und waren eine Gefahr für die Kabine", lässt Ex-Fußballprofi Roberto Carlos aufhorchen: "Wir haben alles kontrolliert."

Der Brasilianer schwelgte bei einem TV-Interview für "Channel 11" in Erinnerungen an sein damaliges Engagement bei Real Madrid (1996 - 2007). Eine sehr erfolgreiche Zeit, welche u.a. mit drei Champions-League-Titeln und vier spanischen Meisterschaften gekrönt wurde.

Trotz all dieser Erfolge, blieb die Disziplin der "Galaktischen" Anfang der 2000er Jahre abe rauf der Strecke.

Fußball war eine Nebenrolle

Trotz der Vielzahl an Erfolgen, spielte der Fußball für die Real-Akteure keine übergeordnete Rolle. Im Gegenteil: Trips mit dem Privatjet, Partys und andere Sportveranstaltungen standen im Vordergrund.

"Jedes Spiel endete im Privatjet, Beckham flog irgendwo hin, Figo und Zidane verschwanden. Auch Ronaldo und ich flogen weg, obwohl wir übermorgen wieder trainieren sollten", gab Roberto Carlos zu Protokoll. "Ich hab immer gebetet, dass die Spiele am Samstag stattfinden, damit ich sonntags zur Formel 1 fliegen kann."

Verhaltensweisen, welche nicht jedem Trainer schmeckten, aber durch die unvorstellbare Macht der Superstars dennoch durchgezogen wurden.

Spieler für Trainer-Entlassungen verantwortlich

Diese Macht und der damit verbundene Einfluss kosteten auch so manchem Cheftrainer den Posten, wie etwa José Antonio Camacho (64), der im August 1998 für lediglich eine Woche das Trainerzepter in Spaniens Hauptstadt inne hielt. Der Spanier wollte die Trainingszeiten von 10:30 Uhr auf 7 Uhr vorziehen, ein absolutes No-Go für Roberto Carlos und Co.

Camacho blieb stur, pochte auf die Verschiebung und unterschätze die Machtposition der Superstars. "Wir haben versucht mit ihm zu reden, weil wir unsere Gewohnheiten hatten. Er war nicht lange Trainer", so der Weltmeister von 2002.

Nach 22 Tagen im Amt wurde Camacho noch vor dem ersten Ligaspiel entlassen.

Alkoholkonsum vor den Spielen

Das gleiche Schicksal erlitt Vanderlei Luxemburgo (67), der Real Madrid im Jahre 2005 betreute und ebenfalls einen schweren Stand hatte. Sein Fehler: Er verbot den Stars den Konsum von alkoholischen Getränken. "Wir tranken am Abend vor den Spielen immer unser Bier oder unseren Wein. Auf dem Tisch standen immer zwei Flaschen Wein", sagte der 46-Jährige.

Luxemburgo untersagte den Genuss von Alkohol, wodurch die erste Warnung seitens Roberto Carlos und seinem Landsmann Ronaldo folgte: "Wir haben hier Bräuche, versuchen Sie nicht, diese zu ändern. Nehmen Sie die Weinflaschen und das Bier nicht vor dem Abendessen vom Tisch, sonst haben wir Probleme."

Mahnende Worte, die den 67-Jährigen nicht beeindruckten: "Zuerst nahm er das Bier und dann den Wein weg", erklärte der ehemalige Linksverteidiger. Eine Aktion mit Folgen, denn keine drei Monate später, flog auch Luxemburgo vom Trainerstuhl in Madrid: "Die Welt des Fußballs ist klein, es ging eine Nachricht an den Vorstand und dann: 'ciao'."

Besondere Verbindung zu del Bosque

Wenn es nach dem 125-fachen-Nationalspieler geht, machte einer seinen Trainerjob um Welten besser: Vincente del Bosque (68). "Er hat uns perfekt verstanden und war eher ein Freund. Wir Spieler wussten ganz genau was zu tun ist", schwärmte Roberto Carlos.

Im Gegensatz zu anderen Coaches, ließ del Bosque die Spieler an der langen Leine. "Die Trainingseinheiten fanden erst um 17 Uhr statt, weil er wusste, dass fast niemand früher gekommen wäre"."

Erschrocken über damaliges Verhalten

Obwohl für den Verteidiger die Atmosphäre in der Mannschaft unvergesslich bleibt, zeigt sich Carlos über sein damaliges Verhalten erschrocken.

Das solche Privilegien heutzutage nicht mehr zeitgemäß sind und selbst damals eine Ausnahme darstellten, ist Roberto Carlos bewusst. "Wie war es möglich, dass wir so viel Blödsinn machen konnten?", fragte sich der Superstar, der für die "Königlichen" 527-Einsätze absolvierte.

Textquelle: © LAOLA1.at

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