Heinz Lindner: "Ich bin für alles offen"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Vor einigen Wochen sangen die Fans von Grasshoppers Zürich: "Außer Lindner könnt ihr alle gehen!"

Angesichts des desaströsen Bilds, das der Schweizer Traditionsverein seit Monaten abgibt, ist dies durchaus als Auszeichnung für die Leistungen von Heinz Lindner zu verstehen.

Die Frage ist nur, ob nicht Lindner trotzdem geht, und zwar im Sommer. Denn sein Vertrag beim Schlusslicht der Schweizer Super League läuft aus.

"Ich bin für alles offen", meint die Nummer 1 im ÖFB-Tor - und dies beinhaltet auch ausdrücklich den aktuellen Arbeitgeber: "Ich habe klar kommuniziert, dass ich mit Grasshoppers Gespräche führen will - rein aus Respekt dahingehend, das ich nicht vergesse, welche Möglichkeit sie mir im Sommer 2017 geboten haben, als Nummer 1 zu spielen, nachdem ich in Frankfurt zwei Jahre auf der Bank gesessen bin."

Möglichst zeitnahe Entscheidung über Zukunft

Gleichzeitig betont der Oberösterreicher: "Ich will mir aber natürlich auch die Möglichkeit offen halten, mit anderen Vereinen reden zu dürfen und bin dahingehend im Sommer für alles offen."

Geht man vom Status quo aus, wäre ein Verbleib bei GCZ zumindest überraschend. Bei einem Abstieg erscheint ein solcher ohnehin kaum denkbar. Aber auch wenn der Klassenerhalt noch gelingen sollte, hat sich Lindner in den vergangenen beiden Jahren ins Rampenlicht gespielt - kombiniert mit seinem Status als Nationalteam-Goalie sollte dies einen interessanten Markt für ihn ergeben.

"Ich kann jetzt keine Namen nennen, aber ich bin gespannt, wo es hingeht", leugnet er das Interesse anderer Vereine nicht wirklich. Eine Entscheidung soll möglichst zeitnah fallen:

"Je früher ich Klarheit habe, desto besser. Aber das ist jetzt einmal wirklich nebensächlich, weil zwei wichtige Aufgaben vor mir liegen. Erstens möchte ich mit dem Nationalteam einen guten Start in die EM-Quali schaffen und zweitens mit dem Klub die Liga halten. Das sind die Aufgaben, in die mein volles Herzblut fließt, auf die ich mich fokussiere. Den Rest wird man sehen."

Negativspirale bei Grasshoppers

Der Klassenerhalt mit den Grasshoppers ist rechnerisch kein Ding der Unmöglichkeit, die Formkurve geht jedoch seit Monaten konstant nach unten. Der letzte Sieg gelang Ende November. In den zehn Liga-Spielen seither setzte es bei einem Remis acht Niederlagen. Das Spiel am vergangenen Samstag gegen Sion wurde bei einem 0:2-Rückstand aufgrund des Verhaltens der GCZ-Fans abgebrochen.

"Ich kann den Unmut der Fans verstehen. Wie sie ihren Unmut gezeigt haben, ist nicht zu verstehen. Das gehört nicht auf den Platz."

Heinz Lindner

"Ich kann den Unmut der Fans verstehen. Wie sie ihren Unmut gezeigt haben, ist nicht zu verstehen. Das gehört nicht auf den Platz", urteilt Lindner, der betont: "Wir hätten auch noch die Möglichkeit gehabt, das Spiel zu drehen. Natürlich wäre es schwer geworden, aber im Fußball ist alles möglich. Dass dann so etwas passiert, wünscht sich keiner."

Letztlich war dies nur ein weiterer Aspekt einer bitteren Negativspirale beim Verein, der sich Anfang März angesichts der Talfahrt von Ex-Austria-Coach Thorsten Fink trennte.

"Wenn du als Rekordmeister und Rekordpokalsieger unten drinnen bist, wird natürlich auch medial versucht, immer wieder etwas Neues herauszuarbeiten. Die Negativschalgzeilen sind nie abgerissen. Aber wir müssen versuchen, dass uns das nicht tangiert und uns wirklich auf das Wesentliche konzentrieren. Es zählt nur der Platz und dass wir versuchen, unsere Leistung zu bringen, um die nötigen Punkte einzufahren. Alles andere können und wollen wir nicht beeinflussen", fordert Lindner.

Lindner: "Der Klub darf nicht absteigen"

Dies sind natürlich Durchhalteparolen, die der frühere Austrianer jedoch als einer der wenigen in die Tat umsetzt. Dass dies mit den erwähnten Rufen auch vom Publikum gewürdigt wird, freut ihn entsprechend:

"Für mich persönlich ist das schön und es freut mich, dass mein Bemühen von den Fans honoriert wird. Ich bin mit meinen Leistungen sehr zufrieden. Es ist aber auch so, dass wir alle im selben Boot sitzen und es nicht um irgendwelche Einzelleistungen, sondern um den Klub geht. Und der Klub darf nicht absteigen! Das müssen wir verhindern."

Nachdem Lindner bei seiner ersten Auslands-Station in Frankfurt Reservist war, bringt es ihm persönlich naturgemäß trotz der schwierigen sportlichen Situation mehr, zum Einsatz zu kommen - denn an Gelegenheiten sich auszuzeichnen, mangelt es nicht:

"Bei uns läuft es nicht, aber als Torhüter bekommt man viel zu tun und hat die Möglichkeit, sich in solchen Situationen zu beweisen. So kommen auch die guten Leistungen von mir zustande, weil ich eben jedes Spiel viele Bälle zu fangen bekomme. Leider bekomme ich meistens auch Tore, aber ich glaube, wenn man sich die Statistik mit den Schüssen aufs Tor anschaut, bin ich oben dabei."

Vereins-Frust kein Problem für Nationalteam

Das Nationalteam bietet Lindner in dieser Woche eine willkommene Abwechslung zum Vereins-Frust. Dass dieser während des ÖFB-Camps in seinem Kopf steckt, glaubt der 28-Jährige nicht:

"Ich glaube, dass ich bereits bewiesen habe, dass ich trotz schwierigen Situationen im Klub meine Leistung abrufen kann, und das Woche für Woche. Wir haben ja nicht erst seit zwei Wochen schwierige Zeiten. Ich habe gezeigt, dass ich diesem Druck standhalten kann und freue mich jetzt, dass es nach der langen Pause wieder mit dem Nationalteam beginnt und gleich mit zwei Quali-Spielen losgeht. Bei mir herrscht eigentlich nur Vorfreude."

Textquelle: © LAOLA1.at

Beste Karriere-Phase: Aber Hintereggers Zukunft ist offen

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare