"Wie es halt immer so ist, wenn ein Trainer den Klub verlässt - das war bei mir ja nicht anders: Es gibt welche, die traurig sind, welche, die froh sind, und einigen geht's am A... vorbei."
"Ich war selbst 20 Jahre lang Fußballer. Glauben Sie mir, Fußball ist nicht immer einfach. Man will, möglicherweise will man sogar noch mehr, macht dann aber auch Dinge zum richtigen Zeitpunkt falsch."
Hütter will nicht als Erster umfallen
"Ich weiß nicht, welcher Trainer noch nie eine Krise hatte. Schwierige Zeiten sind nie angenehm, und solche drei Spiele, wie wir sie absolviert haben, sind natürlich unerfreulich, darüber braucht man nicht zu diskutieren", meint Hütter und versichert:
"Aber man kann ja nicht vorne als Erster umfallen, wenn Gegenwind da ist. Das mache ich nicht. Es geht darum, dass man stehen bleibt und versucht, das Ganze wieder in die richtige Richtung zu bringen."
Natürlich sei Rückendeckung vom Verein wichtig, bisher gibt es selbige von Sportchef Max Eberl. "Aber das gehört immer auch alles zum Fußball dazu. Da scheint nicht jeden Tag die Sonne."
14 Gegentore in drei Spielen seien jedoch "außergewöhnlich und ungewöhnlich" und somit auch für ihn Neuland.
Fußball ist nicht immer einfach
Immer wieder verweist Hütter darauf, dass man nicht jenen Fehler begehen dürfe, zu dem man bei mangelndem Selbstvertrauen am ehesten neigt, sprich sich zurückzuziehen. Seine Schützlinge sind aufgefordert, weiterhin mutigen und aktiven Fußball zu spielen, wie man dies im Saisonverlauf zuvor bereits gemacht habe.
Dass dies manchmal leichter gesagt als getan ist, weiß auch der Vorarlberger: "Ich war selbst 20 Jahre lang Fußballer. Glauben Sie mir, Fußball ist nicht immer einfach. Man will, möglicherweise will man sogar noch mehr, macht dann aber auch Dinge zum richtigen Zeitpunkt falsch, in guter Verfassung aber zum falschen Zeitpunkt richtig. Das ist für jemanden, der nie Fußball gespielt hat, nicht immer leicht verständlich."
Aktuell sei jedenfalls der Zeitpunkt, an dem individuelle Geschichten und das Ego hintenangestellt werden müssten. Die Devise sei, sich gegenseitig zu unterstützen.
Ein Sieg wäre fraglos eine Unterstützung für Hütter, der vor Saisonbeginn um eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro von der Eintracht nach Gladbach gewechselt war.
Kein ganz anderer Eintracht-Fußball
Der 51-Jährige macht kein Geheimnis daraus, dass dieses Match für ihn ein spezielles ist: "Dass es für mich persönlich emotional sicher noch einmal ein anderes Spiel ist, ist die eine Sache. Aber es geht um unsere Situation und dass wir versuchen wollen, dieses Spiel zu gewinnen. Aber auch wenn wir in der Tabelle weiter vorne wären, ist so etwas für jeden Trainer, der drei Jahre bei einem Verein gearbeitet hat, ein besonderes Spiel."
Er habe nicht das Gefühl, dass Eintracht Frankfurt einen ganz anderen Fußball als während seiner Amtszeit spielen würde, betont Hütter.
"Sie haben lange gebraucht, bis sie zu ihrem dynamischen und aggressiven Spiel, das sie vorhergespielt haben, gefunden haben. Seit Filip Kostic wieder mehr über die Seite kommt, ist Eintracht Frankfurt wieder um einiges gefährlicher. Sie haben außerdem viele Spiele in der Nachspielzeit für sich entschieden. Das zeigt, dass diese Mannschaft immer diesen Charakter und diese Mentalität mit sich bringt, bis zum Schluss an einen Sieg zu glauben."
Frankfurt inzwischen auf "richtig gutem Niveau"
Hütter spricht es an, von heute auf morgen war Glasners Wirken als Nachfolger seines Landsmanns nicht erfolgreich. In den ersten acht Pflichtspielen dieser Saison blieb Frankfurt sieglos, holte dabei jedoch sechs Unentschieden.
Erst am 30. September gelang in der Europa League bei Royal Antwerpen der erste Sieg, den man am darauffolgenden Sonntag mit einem Auswärtserfolg bei Serienmeister FC Bayern München veredelte.
Sieht man vom 2:3 in Hoffenheim Anfang Dezember ab, läuft es für die Eintracht gut. In den acht Spielen davor bzw. danach gab es fünf Siege und drei Remis.
"Wir spielen mittlerweile konstant auf einem richtig guten Niveau und haben dadurch in den letzten Wochen viel Selbstvertrauen getankt. Wir haben uns auch durch die uns selbst zuzuschreibende Niederlage in Hoffenheim nicht aus der Spur bringen lassen", freut sich Glasner.
Nur nicht blenden lassen
Am Sonntag wurde mit Bayer Leverkusen der Tabellendritte 5:2 abgeschossen. Spiele man jedes Mal mit so einer Bereitschaft und Konzentration, "sind wir in der Lage, gegen jede Mannschaft in der Bundesliga zu gewinnen. Es ist schön zu sehen, dass wir die Hebel selbst in der Hand haben."
Umso eindringlicher warnt der 47-Jährige vor dem "äußerst schwierigen Auswärtsspiel in Gladbach. Natürlich kennen wir ihre Situation, dass sie drei Spiele am Stück relativ deutlich verloren haben, auf der anderen Seite ist auch dieser grandiose 5:0-Sieg gegen die Bayern im Pokal noch nicht so lange her. Da haben sie gezeigt, welche Qualität in der Mannschaft steckt."
Es werde Eintracht-intern im Vorfeld noch Thema sein, dass man sich von diesen drei Niederlagen nicht blenden lassen dürfe, sondern mit 100 Prozent Fokus, Respekt und Leidenschaft in das Spiel gehen müsse.
Weniger Thema, zumindest nicht proaktiv von Seiten des Betreuerstabs, war laut Glasner bislang das Wiedersehen mit Hütter.
Kein "Mitleid" mit Hütter
Wobei der Ex-LASK-Coach davon ausgeht, dass es für viele seiner Schützlinge natürlich ein besonderes Spiel sein werde:
"Für jene Spieler, die die ganzen drei Jahre mit Adi Hütter zusammengearbeitet haben, ist es sicher speziell. Auf der anderen Seite wird es kein 'Mitleid' geben, dass wir sagen: 'Dann lassen wir den alten Trainer mal gewinnen.' So viel Ehrgeiz haben wir alle, dass wir in Gladbach gewinnen wollen."
Schmunzelnder Nachsatz: "Aber ich werde das nicht groß thematisieren. Wie es halt immer so ist, wenn ein Trainer den Klub verlässt - das war bei mir ja nicht anders: Es gibt welche, die traurig sind, welche, die froh sind, und einigen geht's am A... vorbei."
Es ist zumindest nicht auszuschließen, dass die Glasner-Eintracht ein wenig Schicksal spielt bezüglich der Zukunft von Hütter in Mönchengladbach.
Fachmann, Könner und superfeiner Kerl
Das Momentum liegt derzeit jedenfalls klar bei Glasner, der Druck bei Hütter. Auch wenn die Situation brisant ist, an gegenseitiger Wertschätzung mangelt es nicht.
So betont etwa Glasner: "Ich schätze Adi als Trainer und Mensch sehr und bin der Meinung, dass er in seinen drei Jahren bei der Eintracht sehr erfolgreich gearbeitet hat und einen wesentlichen Beitrag daran hatte, dass Eintracht Frankfurt international für Furore gesorgt hat. Ich schätze ihn als absoluten Fachmann und Könner, genau wie als superfeinen Kerl, mit dem man auch über andere Themen als Fußball quatschen kann."
Dass es auch am Mittwochabend einiges zu besprechen gibt, steht jetzt schon fest.