Empörung bei BVB-Stars - Schiri unter Beschuss

Empörung bei BVB-Stars - Schiri unter Beschuss Foto: © getty
 

Das Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern wurde am Samstag seinen Erwartungen mehr als gerecht.

Hohes Tempo, rassige Zweikämpfe, viele Tore – nach dem knappen 3:2-Erfolg der Gäste aus München stand trotzdem kein Spieler, sondern vielmehr Schiedsrichter Felix Zwayer im Mittelpunkt der Analysen.

Während der Unparteiische in der zweiten Hälfte eine Attacke von Bayern-Verteidiger Lucas Hernandez gegen Marco Reus beim Stand von 2:2 weiter laufen ließ (53.), entschied er sich wenig später bei einer ähnlich umstrittenen Szene – als BVB-Verteidiger Mats Hummels den Ball nach einem Bayern-Eckball mit dem Oberarm klärte – auf Strafstoß für die Gäste (74.). Goalgetter Robert Lewandowski trat an und verwandelte etwas glücklich zum 3:2-Endstand.

Harte Bellingham-Aussagen

Die härtesten Worte für die umstrittenen Szenen fand wohl BVB-Youngster Jude Bellingham im Gespräch mit dem schwedischen Streaming-Anbieter "Viaplay": "Für mich war das kein Elfmeter. Hummels schaut nicht einmal auf den Ball und versucht sich nur aus dem Gedränge freizukämpfen."

In Folge redete sich der junge Engländer allerdings erst so richtig in Rage, unterstellte Zwayer indirekt sogar Spielmanipulation: "Man kann sich auch viele andere Szenen im Spiel nochmal angucken. Aber sie geben einem Schiedsrichter, der schon einmal ein Spiel manipuliert hat, das größte Spiel in Deutschland, was erwarten Sie dann….", spielte Bellingham auf den Schiedsrichter-Skandal um Robert Hoyzer aus dem Jahr 2004 an. Zwayer wurde damals in Folge für sechs Monate gesperrt.

Reus sieht ungleiche Behandlung

Reus regte nach dem Schlusspfiff im Sky-Interview vor allem die ungleiche Behandlung der beiden Situationen auf. Während Zwayer beim Handspiel den VAR konsultierte und danach auf Strafstoß entschied, verzichtete er zuvor bei der Hernandez-Attacke auf dieses Hilfsmittel.

"Der Elfmeter für Bayern war eine 50:50-Situation und hart. Aber was mich noch mehr aufregt. Ich habe ihn (Anm.: Zwayer) dann gefragt: 'Aber meine Elfmeterszene war auch 50:50, warum schaust du dir das nicht auch an?' Da hat er gesagt: 'Es war nur ein bisschen Oberkörper.' Da sage ich: 'Du kannst es dir wenigstens anschauen.'"

Als Reus dies selbst bei der Sky-Analyse tat, wurde sein Ärger umso größer. "Oh, mein Gott! Im Spiel fand ich's gar nicht so klar, aber wenn ich es so sehe, muss er sich das wenigstens anschauen. Im Spiel habe ich das gar nicht so krass wahrgenommen", war für den Dortmunder klar, dass sich die Hernandez-Attacke auf jeden Fall einen Elfmeter verdient gehabt hätte.

Haaland über Zwayer: "Arrogant…"

Das sah auch Stürmer-Star Erling Haaland so, der gegenüber "Viaplay" ebenfalls davon erzählte, dass er den Schiedsrichter aufforderte, sich die Szene doch noch einmal anzusehen. "Er sage nur ‚Das ist nicht notwendig‘, wie so ein arroganter… Nein, ich muss mich beruhigen. Er war arrogant, mehr will ich nicht sagen."

Dortmund-Coach Marco Rose hatte für seine Überzeugung erst gar keine Wiederholung benötigt. Bei beiden Schiedsrichter-Entscheidungen beschwerte sich der ehemalige Salzburg-Trainer bereits im Spiel lauthals, kassierte dafür jeweils Verwarnungen und wurde nach dem Lewandowski-Elfer mit Gelb-Rot auf die Tribüne geschickt.

Rose über Gelb-Rot: "Das ist doof"

"Ich habe relativ emotional darauf hingewiesen, dass er in mehreren Situationen nicht richtig lag. Dafür habe ich Gelb-Rot gekriegt – das ist doof", kommentierte Rose seinen Ausschluss im Sky-Interview trocken.

"Ich habe mich in dieser Saison eigentlich recht gut im Griff gehabt. Heute in diesem wichtigen Spiel, bei dieser Ungleichbehandlung ist es dann einfach aus mir rausgeplatzt", entschuldigte sich der Betreuer für sein Verhalten.

An der Sachlage ändere das freilich nichts: "Wir haben es alle gesehen und gehört. Der Elfmeter an Reus wurde nicht gegeben, dafür wurde jener Elfmeter gegeben, wo Mats Hummels nicht mal den Ball gesehen hat. Es ist schade, dass ein Spiel so entschieden wird. Das Spiel hätte sich einen anderen Ausgang und vor allem eine andere Entscheidungsfindung verdient. Es war ein tolles Spitzenspiel mit Chancen auf beiden Seiten. Es waren zwei Top-Mannschaften mit viel Wille und Zug zum Tor. Es war nicht immer der beste Fußball, dafür war aber richtig Feuer drin."

Ein Wiedersehen mit Schiedsrichter Zwayer würde Rose übrigens nicht ausmachen: "Der Herr Zwayer kann ruhig noch ein paar Mal BVB-Spiele leiten. Wir sind hier, wir sind bereit, wir bereiten uns vor auf all das, was noch kommt. Sie können uns noch ein paar Steine und Stöcke in den Weg legen, aber wir machen weiter."

Thomas Müller hat Verständnis für die Dortmunder

Dortmunds Emre Can erzählte, dass Zwayer Hummels Armhaltung zunächst als "natürlich" eingestuft hatte, er sich dann aber vom VAR vom Gegenteil überzeugen ließ. "Schade, dass so ein Scheißelfmeter das Spiel entscheidet. Das war in der Vergangenheit leider ein bisschen zu oft für Bayern. Das darf einfach nicht passieren, weil wir so viele Schiedsrichter haben."

Bayerns Thomas Müller hatte für den Ärger der Dortmunder durchaus Verständnis: "Ich kann den Frust und Ärger bei den Dortmunder schon verstehen." Der Sieg gehe für ihn aber trotz des diskussionswürdigen Spielverlaufs in Ordnung.

"In der ersten Halbzeit müssen wir fast höher führen, in der zweiten Halbzeit bin ich mir nicht sicher, ob es wir es uns spielerisch verdient haben. Wir waren auf jeden Fall kämpferisch da."

Nagelsmann sieht verdienten Sieg

Ähnlich sah es sein Coach Julian Nagelsmann: "Wir hatten keinen guten Start ins Spiel, haben dann aber sehr gut agiert und hatten den Gegner auch gut im Griff. Da hätten wir schon höher führen müssen. Nach Seitenwechsel war dann ein bisschen der Rhythmus raus. Erst im Finish hatten wir es wieder unter Kontrolle. Unter dem Strich haben wir aber verdient gewonnen."

Die Aufregung der Dortmunder über die Schiedsrichter-Entscheidungen sah Nagelsmann gelassen: "Man hadert nach einer Niederlage immer mit dem Schiedsrichter. Meiner Meinung nach war unser Elfmeter unstrittig, weil Hummels mit der Hand zum Ball geht."

Beim nicht gegebenen Dortmund-Strafstoß war der Bayern-Coach freilich auch der Meinung, dass "es Schiedsrichter gibt, die das geben. Das ist definitiv so."

Zwayer erklärt sein Vorgehen

Zwayer verteidigte später im Sky-Interview folgendermaßen seine Entscheidung, sich die Elfer-Szene von Reus nicht noch einmal anzusehen: "Für mich war es im laufenden Spiel ein Kontakt im Oberkörperbereich, ein herkömmlicher Zweikampf, bei hohem Tempo, aber auch da darf Kontakt stattfinden. Für mich ist es eine Situation, die nicht Schwarz und nicht Weiß ist. Es ist ein robuster Zweikampf und ich habe mich aufgrund meiner großzügigen Linie im gesamten Spiel gegen einen Strafstoß entschieden. Auch das habe ich dem VAR aufgrund meiner klaren Wahrnehmung in dieser Situation kommuniziert. Die Fragestellung war dann noch, ob es einen anderweitigen Kontakt gab, den ich nicht wahrgenommen habe. Das wurde verneint und deswegen war es kein Strafstoß und auch kein On-Field-Review. Ich hatte eine sehr deutliche, eindeutige Wahrnehmung, die auch so am Monitor in Köln überprüft und widergespiegelt werden konnte."

Warum er bei der nachfolgenden Szene anders entschieden habe? "In der Hummels-Situation hatte ich selbst eine faktische Wahrnehmung. Der Ball wird mit dem Arm abgewehrt, die Frage ist die Handhaltung. Dafür brauchte ich eine weitere Perspektive, diese konnte mir der VAR bieten. Er hat mir gesagt: Ich habe ein Bild für dich, das kann ich dir zeigen, damit du deine Entscheidung vollständig treffen kannst. In der anderen Situation hatte ich eine vollständige Wahrnehmung und der VAR hatte keinen anderen Fakt, den er mir liefern kann. Hätte er gesagt, er gab noch einen Schlag mit dem Arm oder unten ein deutliches Beinstellen, dann hätte er mich sicherlich rausgerufen und gesagt: Trotz deiner Bewertung im Oberkörperbereich eines nicht strafbaren Zweikampfes zeige ich dir noch einen anderen Fakt, und den solltest du überprüfen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..