Trainer? Das ist der Plan von Stefan Kulovits

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Andere denken im Alter von 35 Jahren längst ans Aufhören oder haben das Karriereende bereits vollzogen.

Nicht so Stefan Kulovits! Die "Kampfgelse" fühlt sich beim SV Sandhausen fit wie eh und je, trägt seine Kapitänsbinde mit Stolz und trauert nur der möglichen Chance auf die deutsche Bundesliga nach.

Ansonsten hat der Ex-Rapidler einen neuen Vertrag beim deutschen Zweitligisten unterschrieben. Nur für ein Jahr - aber nur, weil es Kulovits so will. Und es soll auch nicht sein letzter sein. Nur auf Zwang will sich der Mittelfeld-Rackerer jedoch nicht bis ins hohe Alter über den Rasen schleppen.

Denn er hat auch schon Pläne für danach.

Im LAOLA1-Interview verrät Kulovits, welche Pläne er bereits für die Zukunft geschmiedet hat, wie er die Entwicklung bei Sandhausen selbst miterlebt und auch dazu beigetragen hat, warum ihn die 13. Knochenverletzung nicht aus der Fassung brachte und warum er lieber selbst einen Schlussstrich ziehen würde, als eine schlechte Nachrede zu haben.

LAOLA1: Dein Vertrag beim SV Sandhausen wurde kürzlich um ein weiteres Jahr verlängert. Wie froh bist du darüber, dass deine Zeit in Deutschland eine Fortsetzung findet?

Stefan Kulovits: Wenn man berücksichtigt, dass meine Tochter hier zur Schule geht, ich schon fünf Jahre da bin und welchen Status ich mir hier aufgebaut habe, kann ich schon zufrieden sein. Es spricht auch von Kontinuität, wenn man in seiner ganzen Karriere nur zwei Vereine gehabt hat. Ein Wandervogel bin ich sowieso nicht, das hin- und herziehen ist nicht so meins. Von daher ist es eine super Geschichte, dass ich noch ein Jahr anhängen kann. Ideal wäre natürlich, wenn ich danach noch mal ein Jahr dranhängen könnte, dann wäre die Grundschule meiner Großen vorbei. Also mein Ziel ist es schon noch, dass ich zwei Jahre aktiv spielen kann. Wenn das auf dem Niveau in der 2. Liga stattfinden würde, wäre ich sehr glücklich.

LAOLA1: Also wäre das Karriereende in Sandhausen das Ziel oder kannst du dir danach noch etwas anderes vorstellen?

Kulovits: Also ich muss schon ehrlich sagen, dass ich gerne so lange wie möglich da spielen möchte und solange es mein Körper noch hergibt. Natürlich, wenn nicht irgendwelche Verletzungen dazwischenkommen oder ich die Möglichkeit bekomme, irgendwo als Trainer oder Co-Trainer reinzurutschen. Ich bin jetzt nicht so verbissen, dass es noch drei, vier Jahre sein müssen. Man weiß ja auch nicht, was mit dem Körper passiert, die biologische Uhr tickt auch. Deshalb verlängere ich auch immer nur von Jahr zu Jahr – es ist nicht so, dass das vom Verein ausgeht. Ich möchte das in meiner Hand haben, wenn es mal nicht so passt. Ich fühle mich aber noch fit genug. Deshalb würde ich meine Karriere noch irgendwo anders fortsetzen, wenn hier Schluss wäre.

LAOLA1: Zumindest bis 2019, dann vielleicht noch ein Jahr – dann wärst du auch schon 37 Jahre alt. Das wäre dann ein ziemlicher Vertrauensbeweis des Vereins.

Kulovits: Natürlich, aber es geht gar nicht ums Alter, sondern der Verein sieht, dass ich fit bin und beurteilt, wie sich mich sportlich einschätzen und sehen. Wenn es für sie nicht mehr passt, hätten sie mir keinen neuen Vertrag vorgelegt. Ich denke, wir haben in den letzten fünf Jahren ein gutes Verhältnis aufgebaut, tauschen uns immer wieder aus und ich fühle mich auch selber fit, auch wenn dieses Jahr drei Verletzungen dazwischengekommen sind. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Mit so einem Jahr will ich sowieso nicht aufhören. Aber ich bin wieder gut zurückgekommen, habe mir wieder einen Stammplatz erkämpft. Jetzt schauen wir uns das eine Jahr an und dann reden wir weiter.


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LAOLA1: Der Armbruch war schon ein ein einschneidendes Erlebnis in dieser Saison, oder?

Kulovits: Ja, mit Knochenverletzungen kenne ich mich ja aus (lacht), das war jetzt die 13. Was mir eigentlich ein bisschen mehr Kopfzerbrechen bereitet hat, waren die zwei Muskelbündelrisse, die für mich total untypisch sind. Es war natürlich extrem bitter, wenn du nach zehn Wochen Pause wegen des Muskels zurückkommst und dir im zweiten Spiel den Unterarm brichst. Aber ich bin schon lange genug dabei, weiß, dass ein gewisses Berufsrisiko da ist und habe schon genug mitgemacht. Das wird mich jetzt nicht dazu bringen, deswegen die Karriere zu beenden. Das gehört einfach dazu.

LAOLA1: Wie fasst du die Saison von Sandhausen zusammen? Ihr habt immer wieder vorne geschnuppert, wart stark dabei, am 23. Spieltag noch Vierter, am Ende seid ihr in den letzten zwei Runden noch von Rang acht auf elf abgerutscht und hattet nur drei Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz.

Kulovits: Es zieht sich eigentlich wie ein roter Faden durch, seit ich hier bin. Wir spielen meistens eine sehr gute Hinrunde, sammeln genug Punkte und sind vorne dabei. Wir müssen aber echt so selbstkritisch sein, dass wir es immer in der Rückrunde verspielen. Immer dann, wenn wir die Chance haben, uns oben festzusetzen. Das ist dann vielleicht auch eine gewisse Qualitätsfrage, das muss man ganz ehrlich so sagen. Wenn man alles berücksichtigt und uns aufgrund der Trainingsmöglichkeiten, der finanziellen Situation und Transfers – wir holen Dritt- oder Viertliga-Spieler statt Zweitliga-Spielern - mit anderen Vereinen vergleicht, können wir immer noch zufrieden sein. Aber wir haben es echt die Jahre über verabsäumt, es durchzuziehen. Da müssen wir uns schon etwas überlegen für die Zukunft und aus solchen Fehlern lernen. Wären wir dieses Jahr ein bisschen konstanter gewesen, dann wäre der Aufstiegs-Relegationsplatz drin gewesen. Mit so wenigen Punkten wirst du nie wieder Relegation spielen in der 2. Liga.

LAOLA1: Aufgrund der Grundvoraussetzungen habt ihr euch aber bisher im Mittelfeld der Liga gesehen. Habt ihr in letzter Zeit also immer schon über dem Zenit gespielt oder ging die Entwicklung einfach auch immer weiter nach oben?

Kulovits: Ich sehe es schon so, dass wir uns sportlich die Jahre gut weiterentwickelt haben. Es ist ja schon sehr viel entstanden in diesen fünf Jahren. Wie ich gekommen bin, stand die Haupttribüne – und sonst nichts. Da waren rundherum nur ganz alte Stehplätze. Wenn man sich jetzt die Infrastruktur vom Verein ansieht, dann hat er sich auf der Ebene schon weiterentwickelt. So haben wir das auch sportlich gemacht. Wenn es vor der Saison heißt, Sandhausen liegt nach den 34 Spieltagen im sicheren Mittelfeld, wird das jeder unterschreiben. Aber wenn man die sportliche Entwicklung gesehen hat, wie wir teilweise aufgetreten sind und wie konstant wir gespielt haben, dann ist es schon schade, wenn man sich so eine Chance wie heuer entgehen lässt. Ich weiß nicht, ob die noch einmal so schnell kommen wird.

LAOLA1: Die 2. Liga war in dieser Saison so eng wie nie zuvor. Wie ist das aus deiner Sicht zu erklären, wenn mehr als die Hälfte gegen den Abstieg spielt und auch der Kampf um den Aufstieg bis vor kurzem noch sehr spannend war?

Kulovits: Es hat dieses Jahr einfach nicht diese Favoriten wie im Vorjahr Stuttgart und Hannover gegeben. Das waren zwei Riesen, die abgestiegen sind und wo jeder wusste, dass die ganz oben mitspielen werden. So war es am Ende auch. Auf der anderen Seite haben hinten Mannschaften gefehlt, die total ausgelassen haben und nach 28 Runden bereits abgestiegen waren. Der Glaube war bei den Teams immer da, in den letzten Wochen haben eigentlich immer die Teams von unten gepunktet. So kommt so eine Liga zustande, es waren auch verrückte Ergebnisse dabei. Man braucht sich nur anschauen, in welchen Gewässern sich die Aufsteiger Kiel, Duisburg und Regensburg befinden. Da sieht man schon, dass die Liga heuer sehr ausgeglichen war.

LAOLA1: Bei dir sind es mittlerweile schon fünf Jahre in Sandhausen. Wie hast du dich dort entwickelt und was willst du in deiner Karriere noch erreichen?

Kulovits: Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse. Bei Rapid war es immer so, dass du immer um den Titel mitspielen wolltest und du hast auch gewusst, dass du wahrscheinlich bis zum Ende relativ weit oben stehen wirst. Bei Sandhausen war es das komplette Gegenteil. Sie waren ja sportlich abgestiegen und viele haben mich gefragt, warum ich mich darauf einlasse. Aber ich hatte mich genau erkundigt, habe hier Tage verbracht, das Umfeld, den Präsidenten und den Sportdirektor gut kennengelernt. Und ich habe gemerkt, dass der Verein trotz des sportlichen Abstiegs gute Visionen hat und schon sehr gewillt ist, etwas auf die Beine zu stellen. Deshalb war das ein sehr interessantes Projekt für mich. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es fünf, sechs Jahre werden, das muss ich ganz ehrlich sagen. Ich dachte, es wird eher ein Übergangsjahr, nachdem man einen Wechsel macht. Aber es hat sich auch nie ergeben, weil es für mich super gepasst hat. Der Fußball ist ein bisschen anders als in Österreich, wo mehr auf das Spielerische Wert gelegt wird und in Deutschland geht es halt schon sehr zur Sache, was meinem Spiel entgegenkommt. Ich fühle mich da einfach super wohl. Wir haben uns auch von vielen langen Bällen, die nach der Rapid-Zeit ungewohnt waren, sportlich entwickelt und spielen mittlerweile einen ganz guten Fußball. Durch das Sportliche und das Rundherum hat nie etwas dagegengesprochen, dass ich noch ein Jahr anhänge. Ich bin echt glücklich, dass ich diesen Schritt gemacht habe.

Ich will einfach im Fußball-Business bleiben, da kenne ich mich aus, also warum soll ich das ändern? Es ist ein Job, der mir jeden Tag Spaß macht und ich denke, dass er mir dann auch in einer anderen Tätigkeit Spaß machen wird.

Kulovits über angestrebte Trainerkarriere

LAOLA1: Du bist auch schon lange Zeit Kapitän. Hast du auch im Hintergrund schon Aufgaben im Verein übernommen?

Kulovits: Als ich gekommen bin, war ich sofort Vize-Kapitän. Der Kapitän hat dann nach einem halben Jahr den Verein verlassen, ich habe die Schleife übernommen und von Anfang an einen sehr hohen Stellenwert bekommen. Natürlich muss man sich das auch erarbeiten, aber sie hatten viele unerfahrene Spieler und mir wurde großes Vertrauen entgegengebracht. Wenn man als Österreicher nach Deutschland kommt und gleich einmal die Schleife übernimmt, war das schon eine Riesen-Ehre. Ich denke, ich konnte es am Platz zurückzahlen. Ich komme mit den Leuten im Verein super aus. Man hat auch sehr engen Kontakt mit den Leuten, weil der Verein nicht so aufgestellt ist wie Rapid. Es sind relativ kurze Wege: Es gibt den Präsidenten, den Sportdirektor, dann geht das sofort runter zum Trainer. Da gibt es nicht viele Leute rundherum, die sich einmischen. Das macht es einfacher und wir können in Ruhe arbeiten.

LAOLA1: Ist es dein Ziel, wie von dir angesprochen, Trainer zu werden und so auch schon bei Sandhausen in diese Funktion reinzurutschen?

Kulovits: Ich habe mit der Trainerausbildung begonnen und kann mir auch vorstellen, hier oder dann zurück in Österreich damit zu starten. Freie Plätze sind jetzt auch nicht so großartig vergeben, in Österreich hast du nächstes Jahr 28 Plätze, in Deutschland in den ersten drei Ligen 74 Plätze. Es sind genug Trainerkandidaten da, aber vielleicht kann ich da reinrutschen. Ich will einfach im Fußball-Business bleiben, da kenne ich mich aus, also warum soll ich das ändern? Es ist ein Job, der mir jeden Tag Spaß macht und ich denke, dass er mir dann auch in einer anderen Tätigkeit Spaß machen wird.

LAOLA1: Wann hast du mit der Trainer-Ausbildung begonnen und wie weit bist du schon?

Kulovits: Ich habe jetzt aktuell die B-Lizenz. Jetzt muss ich mit dem Verein abklären, ob ich vielleicht nächstes Jahr unter der Saison die Lizenz weitermachen kann. Das ist noch in der Schwebe, das Fußballerische darf darunter natürlich nicht leiden. Aber ich werde natürlich schauen, dass ich schnellstmöglich den nächsten Schritt machen kann. Das ist schon die Schiene, die ich mir ganz gut vorstellen kann.

LAOLA1: Würdest du dir selbst eingestehen, wenn es fußballerisch nicht mehr geht? Würdest du selbst den Schlussstrich ziehen, bevor es dir womöglich so ergeht, wie deinem alten Freund Steffen Hofmann, dessen Karriere bei Rapid nun unschön ausläuft?

Kulovits: Natürlich habe ich Kontakt zu Steffen, aber es hat sich im Verein viel geändert. Ich möchte mich da gar nicht darüber äußern, wie das abgelaufen ist, weil ich einfach zu weit weg bin. Für mich selber ist es schon so: Der Fußball wird jedes Jahr dynamischer, die Jungen drücken nach, alles wird schneller. Wenn ich einmal merken sollte, dass es für mich nicht mehr passt und mir die Leute um die Ohren rennen im Training, dann werde ich schon selbst den Schlussstrich ziehen. Ich muss jetzt nicht auf Biegen und Brechen bis 37, 38 oder 39 Jahre spielen. Solange es der Körper zulässt und ich merke, es passt noch und ich kann mit den Jungs mithalten, werde ich das durchziehen. Sollte es einmal nicht mehr so sein, werde ich die Schuhe auch an den Nagel hängen. Ich habe jetzt 16 Jahre hinter mir, wenn ich den Vertrag erfülle sind es 17 Jahre. Es war eine schöne Zeit, aber ich möchte den Teil überspringen, dass die Leute fragen: Wann hört er endlich auf? Ich will lieber in Erinnerung bleiben, dass die Leute sagen: Warum hat er nicht noch ein Jahr angehängt?

Textquelle: © LAOLA1.at

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