Die jüngste Begegnung gegen Belgien als Vorbereitung auf die EURO in England wurde dagegen von rund einer Million Menschen weniger verfolgt. Rund 100.000 Personen sahen die erste Halbzeit auf ORF 1, 120.000 die zweite. Der Test gegen Dänemark Mitte Juni wurde in der zweiten Halbzeit gar nur von 73.000 Zuseherinnen und Zusehern angesehen.
Dass Frauenfußball mehr Männer anzieht als Frauen, bewahrheitet sich auch für die Übertragungen des ORF. Der prozentuelle Anteil der männlichen Zuseherschaft ist bei Frauen-Spielen noch höher als bei Partien mit Männern auf dem Rasen.
Barca beweist: Frauen-Fußball kann spektakulär sein
Diese Faktenlage lässt sich aber global beobachten. Großereignisse sind eine kurze Auszeit von der Realität, im Ligen-Vergleich offenbart sich in nahezu allen Ländern eine Diskrepanz zu den Männern-Spielen. Bei Partien der deutschen Frauen-Bundesliga, der englischen Women's Super League oder der spanischen Primera Iberdrola liegt die durchschnittliche Zuschauerzahl bei etwa 1.000.
Außergewöhnliche Umstände ebneten auch den Boden für den Weltrekord von 91.648, die für das Frauen-Champions-League-Semifinale FC Barcelona gegen VfL Wolfsburg am 22. April ins Stadion Camp Nou kamen. Zum einen, dass der Club und die UEFA in der K.o.-Phase des Turniers ihre geballte Marketing-Power in die Schlacht warfen. Vereinsmitglieder konnten Tickets - von einer Bearbeitungsgebühr abgesehen - fast gratis erwerben.
Zum anderen ist Barca tatsächlich mehr als ein Club, fast so etwas wie der Stolz einer gefühlt eigenen Nation. Außerdem hat sich Barcelona schon früh eine solide Fanbasis für die Frauen-Sektion geschaffen. Der Zuschauerschnitt in Spanien ist mit nahe 3.000 fast doppelt so hoch wie jener der Atletico-Frauen auf Position zwei.
Selbst im vielfach gelobten Land für Frauenfußball, den Vereinigten Staaten, liegt das Zuschauervolumen klar unter jenem der Männer. Die National Women's Soccer League (NWSL) hält in der laufenden Saison bei 7.300, die Major League Soccer (MLS) steht aktuell bei rund 20.000 pro Spiel.