Rosenborg: Ernste Lage um "Lord Bendtner"

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Vier Pflichtspiele, zwei Remis, zwei Niederlagen und nur zwei erzielte Tore. Es läuft nicht rund in letzter Zeit beim Rosenborg Ballklub.

Dabei steuert der Gegner des FC Red Bull Salzburg in der UEFA Europa Leauge (Donnerstag, ab 18:55 bei DAZN und im LIVE-Ticker) weiterhin auf den 26. Meistertitel zu.

Dieser ist aber nach den jüngsten Ergebnissen ernsthaft in Gefahr. Am kommenden Wochenende kann Verfolger SK Brann den Traditionsklub aus Trondheim im direkten Duell überholen.

"Trainer Rini Coolen hat schon gesagt, dass der Fokus auf der Partie am Sonntag liegen wird", erklärt Ole Sagbakken, Rosenborg-Experte bei "Adresseavisen", der ältesten norwegischen Tageszeitung, im Gespräch bei LAOLA1.

Bei der aktuellen Lage bei Rosenborg verkommt das Gastspiel in Österreich fast zur Nebensache.

Virus: Trainigszentrum wurde Quarantäne-Zone

"Es sind so unsichere Zeiten wie schon lange nicht mehr", sagt Sagbakken. Die Situation sei in den letzten Wochen gekippt.

"Vor drei Wochen hätte ich noch gesagt, dass sie den Titel sicher verteidigen", so der Journalist. Vor der Länderspielpause fehlten Trainer Rini Coolen, der das Amt vom nach dem CL-Quali-Aus plötzlich geschassten Kare Ingebrigtsen übernommen hat, aber plötzlich neun Spieler der Stammelf verletzungsbedingt.

Beim enttäuschenden 0:0 am Sonntag bei Nachzügler Lilleström kehrten ein paar von ihnen zurück, allerdings schlug unmittelbar davor ein Magen-Darm-Virus zu, der sogar dazu führte, dass das Trainingszentrum zwischendurch zur Quarantäne-Zone wurde.

"Kapitän Mike Jensen, Mittelfeldmann Anders Konradsen und Stürmer Alexander Söderlund fielen aus, Linksverteidiger Birger Meling - einer der besten Spieler - musste zur Pause raus, weil er nicht mehr konnte und Anders Trondsen hat sich gerade so über die Zeit gekämpft", erzählt Sagbakken.

"Lord" in der Kritik: "Oh, Bendtner ist zehn Meter gelaufen"

Immerhin kehrte mit Nicklas Bendtner die schillerndste Figur des Rosenborg-Kaders nach einer Muskelverletzung zurück. Allerdings stand der Auftritt des "Lords" sofort in der Kritik.

Fußball-Experte Kai Bardal teilte auf Twitter ein Video, in dem zu sehen ist, wie Bendtner nach einem Fehlpass in den gegnerischen Strafraum den Zweikampf mit dem klärenden Gegenspieler meidet.

"In dieser Situation zeigt er ganz klar, warum er keinen Bock hat. Es wurde generell zu einer angenehmen Überraschung im Stadion, wenn er sich überhaupt bewegt hat", sagt Bardal dazu in der Tageszeitung "VG".

"Oh, Bendtner ist zehn Meter gelaufen", sei dann auf den Rängen zu hören. "Was mich am meisten überrascht, ist, dass es das Team zu tolerieren scheint. Keiner sagt etwas dazu. Das finde ich komisch", so Bardal.

Anklage nach Prügel-Vorwurf

Alles an Bendtner aufzuhängen, der noch dazu an den unwesentlich besseren Spielen Rosenborgs der letzten Wochen nicht teilgenommen hatte, würde aber zu kurz greifen, meint Göran Sörloth, ein ehemaliger RBK-Angreifer.

"Einzelspieler wie er sind wichtig, aber man muss erkennen, dass das ganze Team derzeit keinen Rhythmus findet. Das führt auch dazu, dass Bendtner ein bisschen verloren aussieht. Er wird auch kaum eingebunden."

Bendtner selbst sah nach dem Spiel das gesamte Team in der Bringschuld, auch sich selbst.

"Man hat gemerkt, dass er nicht glücklich mit sich selbst ist, weil er sich nach der Verletzung noch nicht auf Normallevel befindet. Wir haben ihn allerdings schon härter am Platz arbeiten sehen, als am Sonntag", meint Sagbakken.

Harte Zeiten für den "Lord", der sich obendrein für den Vorwurf, einen Taxifahrer in Dänemark krankenhausreif geprügelt zu haben, nun vor Gericht verantworten muss.

Der Trainer coacht um seine Zukunft

Trainer Coolen fiel sein Job bestimmt schon einmal leichter als im Moment. Auch wenn die zahlreichen Ausfälle das Spiel Rosenborgs beeinflusst haben, ist auch der Anfang des Jahres ursprünglich als Nachwuchsleiter installierte Niederländer nicht mehr unumstritten.

"Er coacht jetzt um seine Zukunft", sagt Journalist Sagbakken. Die nach dem Aus in der CL-Quali souverän geschaffte Quali für die Europa League zählt jetzt nichts mehr.

Der Rosenborg-Vorstand hat bereits eine Shortlist von drei, vier möglichen Trainern für die kommende Saison erstellt. "Er ist einer davon. Aber es steht noch lange nicht fest, dass er es auch wird. Dafür braucht er jetzt Resultate", so Sagbakken.

Coolen werde zwar aufgrund seiner guten Coaching-Fähigkeiten vor und während Spielen vom Vorstand geschätzt, die letzten Wochen hätten aber alle verunsichert. "Auch die Fans sind zwiegespalten. Die nächsten zwei, drei Wochen werden alles entscheiden."

Das Resultat in Salzburg wird bei der Entscheidung um Coolen wohl eher eine untergeordnete Rolle spielen - zu gering scheinen die Chancen für Rosenborg auf einen Aufstieg, zu wichtig ist der Liga-Hit bei Brann.

"Es ist klar, dass er einige Spieler schonen wird. Die Chancen für Rosenborg in der Gruppe sind sehr gering und Salzburg eindeutiger Favorit", sagt Sagbakken.

Auch die deutliche Kritik von Manager Rune Bratseth an der Gruppenkonstellation mit beiden Red-Bull-Klubs sei aufgrund der bisherigen Ergebnisse kein großes Thema mehr in Norwegen: "Solange Rosenborg keine Punkte holt, wird es keine Diskussionen über Absprachen oder solche Dinge geben."


Textquelle: © LAOLA1.at

Fredrik Gulbrandsen: "Rosenborg hat Status wie Salzburg"

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