Rapids Total-Rotation gegen Arsenal: Warum?

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Bei Arsenal kann man verlieren, auch mit 1:4 (Spielbericht>>>).

Definitiv konnte der SK Rapid nicht einplanen, Punkte aus London zu entführen. Trotzdem verwundert es schon ein wenig, dass die Herangehensweise ein wenig einer Selbstaufgabe schon vor dem Anpfiff glich.

Auch wenn die Wiener das "Endspiel" gegen Molde am letzten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase schon sicher hatten, verwundert, dass man sich nicht auch im Emirates Stadium mit der besten Elf teuer verkaufen und möglicherweise überraschen wollte (Hier geht's zur Einzelkritik>>>).

Dass ein wenig rotiert wird, war vorauszusehen. Dass ein paar Spieler nach intensiven Wochen auf dem Zahnfleisch gehen, ist ebenfalls verständlich. Nicht jedoch, dass die Hütteldorfer mit einer klaren B-Elf von der ersten Minute an keinen Auftrag hatten und von der Güte der Gunners profitierte, dass man nicht komplett unterging. Noch dazu hätte es wohl keine Extra-Motivation benötigt, um beim Highlight auswärts gegen Arsenal sein wahres Gesicht zu zeigen.

Deshalb war die Frage an Trainer Didi Kühbauer berechtigt: Warum? "Wir haben gewusst, dass wir eine gute Leistung brauchen. Wir haben aus verschiedenen Gründen durchrotiert. Das Molde-Spiel ist dann schon das wichtigere Spiel - mit einem Sieg können wir überwintern", erklärt der Rapid-Chefbetreuer seine Überlegungen.

Vor allem hält er fest: "Auch mit der Bestbesetzung wäre es sehr schwer geworden, deshalb ist die Niederlage so wie sie ist. Aber wir haben noch sehr viele Spiele in den nächsten Wochen und brauchen auch da noch eine funktionierende Mannschaft."

"Gibt andere Spiele, die wir unbedingt gewinnen wollen"

Vom 1:1 im Wiener Derby blieben mit Maximilian Hofmann, Maximilian Ullmann und Marcel Ritzmaier lediglich drei Stammspieler in der Grundaufstellung. Der totale Umbau verschaffte sogar Paul Gartler im Tor eine Pause, da Richard Strebinger statt ihm auflief.

Und an vorderster Front kam Deni Alar zu seinem Saison-Debüt in der Startelf nach bisher zwei Joker-Einsätzen in der Bundesliga. Selbiges galt für den erst 20-jährigen Lion Schuster, der im defensiven Mittelfeld Schwerstarbeit zu verrichten hatte. Als wäre das nicht schon genug, kam Joker Lukas Sulzbacher sogar überhaupt zu seinem ersten Einsatz für die Rapid-Profis - im Emirates-Stadium, auswärts gegen Arsenal.

Ob sich diese die Aufstellung verdient hatten? "Ich kann elf Mann aufstellen", verteidigt sich Kühbauer. "Alle am Platz haben versucht, ihre Leistung abzurufen." Dabei wären auch die Youngster wie Schuster oder Yusuf Demir durchaus brav gewesen.

"Im Prinzip haben wir verloren, aber es gibt andere Spiele, die wir unbedingt gewinnen wollen. Gegen Arsenal braucht man einen Top-Tag, den hatten wir nicht. Aber es ist auch anderen Mannschaft hier schon so ergangen."

"Wir wollten auch gegen Arsenal überraschen, aber..."

Im Endeffekt könnte Kühbauer sogar alles richtig gemacht haben. Denn dank des noch schmeichelhaften 1:4 und dem 1:3 von Dundalk bei Molde reicht Rapid schon ein 1:0-Heimsieg gegen die Norweger, um sich für die K.o.-Phase zu qualifizieren. Dann würde nach je zwei 1:0-Siegen der Heimteams in den direkten Duellen das Torverhältnis für Rapid entscheiden.

Wären Rapid bzw. Dundalk jedoch noch höher abgeschossen worden, hätte man möglicherweise größere Probleme aufgrund des Torverhältnisses bekommen. "Wir haben definitiv nicht gewusst, wie der Spielstand ist. Aber das war das erste, was ich danach wissen wollte", gibt Kühbauer zu. "Das war dann gut für uns. Jetzt brauchen wir eine gute Leistung gegen Molde."

Zusatz: "Wir wollten auch hier überraschen, aber da braucht man eine außergewöhnliche Leistung, die war es diesmal nicht." Noch dazu sei man nicht in der Lage, von der Kadergröße mitzuhalten, zudem habe man es mit einem Gegner zu tun gehabt, bei dem jeder Spieler über zehn Millionen Euro wert ist.

"Die Niederlage ist verdient, wir haben leider nicht gut in die Partie reingefunden, waren nach 20 Minuten 0:2 hinten. Dann ist es sehr schwierig zurückzukommen", analysiert der 49-Jährige.

Rapid traute sich zu wenig zu

Obwohl seine Mannschaft noch nie in dieser Konstellation zusammengespielt hatte, traute er ihr durchaus mehr zu - vor allem in der schwachen ersten Halbzeit, in der Rapid komplett chancenlos war.

"Für mich haben wir uns erste Halbzeit nach vorne hin zu wenig zugetraut, und hinten haben wir auch nicht so verteidigt, wie man gegen Arsenal verteidigen muss. Dadurch sind wir dann mit einem 0:3 in die Pause gegangen. Zweite Halbzeit haben wir dann gut begonnen mit dem Anschlusstreffer, da haben wir kurzfristig einen Moment gehabt, wo mehr drin gewesen wäre, aber haben uns das selbst mit dem 1:4 zerstört", so Kühbauer.

Auch Abwehr-Routinier Mario Sonnleitner muss zugeben: "Wir waren immer einen Schritt zu spät. Wir haben überhaupt keine Entlastung nach vorne zustande gebracht. Man sieht die Klasse von Arsenal, sie haben immer schnell gespielt. Zweite Halbzeit waren wir dann einen Tick besser." Dabei gab er aber auch zu, dass die Gunners vom Gas runtergingen und die Partie trocken nach Hause spielten.

Kein Bangen um Hofmann und Demir

Was mit der Stammelf alles möglich gewesen wäre, wird man nie wissen. Trotz aller Rotation muss Rapid aber um zwei Spieler zittern. Maximilian Hofmann blieb in der Halbzeit in der Kabine, Yusuf Demir musste mit Magenkrämpfen vom Platz.

Hofmann habe etwas am Fuß gespürt, bei Demir waren es Krämpfe in der Bauchgegend, wie der Coach bestätigt. "Was ich jetzt mitgekriegt habe, geht es ihm schon wieder besser. Ich gehe davon aus, dass beide das nächste Mal wieder dabei sind." Demir bereits wieder am Sonntag gegen Hartberg, Hofmann - aufgrund einer Sperre - dann im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Molde.

Dann gibt es kein Schonen und keine Ausreden mehr. Das 1:4 bei Arsenal soll aber schnell aus den Köpfen der Spieler gestrichen werden. "Ich denke nicht, dass wir jetzt den Kopf in den Sand stecken", bestätigt Kühbauer und fiebert dem Endspiel gegen Molde entgegen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Noten! Die LAOLA1-Einzelkritik zu Arsenal - Rapid

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