Ismaels Brandrede: "Es war wirklich grausam"

 

Der LASK hat sich teuer verkauft.

In Anbetracht der Umstände und dem Vergleich des letzten rot-weiß-roten Vertreters im Achtelfinale der Europa League mit dem internationalen Weltklasse-Team Manchester United war das 0:5 verkraftbar.

Selbstkritik war vorhanden, sportlich gab es keine Diskussionen über die hohe Heimpleite. Allerdings stellte das Coronavirus-bedingte Chaos alles in den Schatten. Der Erlass der Regierung, die Entwicklungen zum Geisterspiel bis hin zur Fast-Absage wenige Stunden vor dem Anpfiff waren zu viel des Guten.

Auch für einen erfahrenen Ex-Profi wie Valerien Ismael war das alles zu viel.

Nach dem Hinspiel setzte er zur Brandrede an und wurde emotional. Der Franzose leitete eine Frage eines Journalisten an alle weiter: "Eigentlich muss man die Frage in den Raum stellen. Ist es das, was wir sehen wollen? Ist es im Endeffekt, die letzte Konsequenz, die wir haben müssen? Wir müssen wirklich hinterfragen, ob das der Sinn des Fußballs oder des Sports generell ist?"

"Der Sport lebt von Emotion, Freude, Traurigkeit"

Eigentlich hätte an dieser Stelle ein Kommentar des Autors zum unrühmlichen Jahrtausendspiel des LASK stehen sollen, der sich mit der erdrückenden Leere auf der Linzer Gugl beschäftigt und die Frage in den Raum werfen hätte sollen, ob Fußball so überhaupt Spaß macht.

Die Brandrede Ismaels kam diesem jedoch zuvor und deckte sich im Ansatz ziemlich von der Herangehensweise. Denn das triste, kalte Herumgekicke ohne Unterstützung, Zuschauer und Emotionen brachte das Fußballerherz zum Weinen.

"Der Sport lebt von Emotion, das ist Freude, das ist Traurigkeit, dazu braucht man die Emotion. Man hat deutlich gemerkt: Es war wirklich grausam! So wollen wir den Fußball nicht sehen – unabhängig vom Ergebnis. Ich habe am Dienstag PSG gegen Dortmund geschaut - ohne Fans. Das war grausam, parallel ist Liverpool gegen Atletico mit Fans gelaufen. Es ist enfach ein komisches Gefühl. Deswegen ist die Frage: Was ist der Sinn des Fußballs?"

Sollte die Antwort in die Richtung gehen, dass Geisterspiele ebenso ihre Berechtigung hätten wie Spiele im vollen Stadion, wäre dies für Ismael wohl keine zufriedenstellende Antwort. Er fordert Klarheit von den Verantwortlichen.

Ismael fordert konsequente Entscheidungen, kein "Herumgeeiere"

Denn die Vorgehensweise der zuständigen Stellen wie der UEFA haben in diesem Fall ihren Teil dazu beigetragen, dass der französische Ex-Bayern-Profi so reagierte.

"Die Entscheidungen müssen an anderer Stelle getroffen werden. Aber bitte seid einfach konsequent - und nicht so ein Herumgeeiere."

Das Team auf ein Spiel wie dieses vorzubereiten, war ein extrem schwieriges Unterfangen. Motivieren musste man wohl niemand, da es gegen Manchester United ging. Trotzdem sorgten die speziellen Umstände für eine spezielle Vorbereitung für den Ernstfall.

"Das war extrem schwierig. Wir haben uns alle sehr gefreut auf das Spiel. Dann haben wir immer wieder Nachrichten bekommen - zuerst ohne Zuschauer, dann ist das Tempo immer größer geworden, von Stunde für Stunde gab es neue Meldungen, auch am Matchtag wäre noch fast was passiert. Da ist noch einer erkrankt, da passiert auch was", spricht Ismael von Überforderung.

Ein Beigeschmack bleibt auf alle Fälle

Obwohl man sich schon im Hotel auf die 90 Minuten gegen die "Red Devils" einschwor, kam man um diese Themen nicht herum.

"Auch wenn du das nicht willst, aber du bist im Hotel und die Leute reden drüber. Es war auch ein Fragezeichen, ob wir überhaupt spielen. Am Ende des Tages wird für alle, die dabei waren, ein Beigeschmack bleiben, dass wir es nicht zu Ende gespielt haben. Es gehört dazu, leider müssen es so hinnehmen. Aber die Realität ist so, dass wir am Ende des Tages nicht mit einer kompletten Leistung dastehen, wie wir es uns gewünscht hätten."

Denn möglicherweise war das ganze "Herumgeeiere", wie es Ismael beschrieb, umsonst. Eine Absage wäre möglicherweise jener konsequente Schritt gewesen, der dem LASK einige bange Stunden erspart hätte.

Denn kommt es so, wie es die Spatzen von den Dächern pfeifen, könnte die UEFA Anfang nächster Woche alle internationalen Bewerbe einstellen und die EURO 2020 absagen. Dann wäre der Vorstoß des LASK ins Achtelfinale der Europa League in jenem Jahr gelungen, in dem der Bewerb nicht zu Ende gespielt worden ist.

Die besten Bilder zum Europa-League-Kracher LASK gegen Manchester United:

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LASK - Manchester United 0:5

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Denn noch nie zuvor hatte Ismael so schwierige Vorzeichen vor einem Fußball-Spiel erlebt.

"So eine extreme Situation habe ich noch nie erlebt"

Der LASK-Erfolgscoach schließt seine Brandrede mit einem Appell und einer genauen Definition, was die Auswirkungen des Coronavirus für eine angespannte Situation erzeugt hatten.

"Das ist nicht nicht einfach, weil das eine weltweite Geschichte ist. Das ist eine Ausnahmesituation. Eigentlich kann man nicht sagen, dass wir einfach versucht haben, fokussiert zu bleiben auf unsere Leistung. Wir haben selbst Familie, Kinder und machen uns Gedanken, was los ist. Deswegen war es eine extreme Situation, eine extreme Vorbereitungsphase. So eine extreme Situation habe ich noch nie erlebt", gibt Ismael zu.

"Trotzdem Kompliment an die Mannschaft, die es geschafft hat, diesen Fokus zu haben. Dieses Spiel, diese Niederlage, die Leistung - ich muss alles einfließen lassen, um eine komplette Beurteilung von diesem Spiel zu haben."

Sprach er und verstand im Stadioninneren. Wahre Worte waren auf jeden Fall dabei. Denn die Frage, ob Fußball in einer derart angespannten Situation ohne Fans Spaß macht, muss mit einem klaren "Nein" beantwortet werden.

Textquelle: © LAOLA1.at

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