Herbert Prohaska: "Inter war damals das Paradies"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Das Duell zwischen dem SK Rapid und Inter Mailand wirft seine Schatten voraus.

Für das Sechzehntelfinale der Europa League hätten die Wiener kaum ein attraktiveres Los ziehen können als die Nerazzurri.

Ein internationaler Top-Klub und Star-Ensemble - damals und heute. Einer, der angesprochen auf Inter aus dem Nähkästchen plauden kann, ist Herbert Prohaska, der selbst von 1980 bis 1982 das Trikot der Mailänder trug und als absoluter Star galt.

"Inter war damals das Paradies", schwärmt Herbert Prohaska im großen LAOLA1-Interview und erklärt die Faszination, die dieser Klub ausstrahlt. Außerdem packt er amüsante Ankedoten aus, verrät, warum er trotz eines Barcelona-Angebots zu Inter ging, was Rapid und Austria den Mailänder-Klubs Inter sowie AC Milan gleichtun hätten sollen und warum sein Ex-Klub nicht über Rapid "drüberfahren" wird.

LAOLA1: Rapid trifft in der Europa League auf Inter Mailand. Ein besonderes Zuckerl oder eine Strafe gegen so einen Top-Klub antreten zu müssen?

Herbert Prohaska: Es ist auf jeden Fall ein besonderes Zuckerl, weil Inter einer der größten Klubs der Erde ist. Du kannst andere Gegner kriegen, die ähnlich stark aber bei weitem nicht so attraktiv sind. Das Stadion ist jetzt nicht mehr supermodern, aber ein richtiger Tempel. Ich glaube, das Los ist dankbar, weil keiner böse sein wird, wenn Rapid ausscheidet. Inter ist sicher klarer Favorit, aber man ist nicht chancenlos. Bei Italienern musst du im Normalfall nicht die Angst haben, dass sie drüberfahren, da ist zu viel Taktik dabei.

LAOLA1: Wie intensiv verfolgen Sie noch den italienischen Fußball?

Prohaska: Wenn Spiele übertragen werden, schaue ich sie mir an. Ich kaufe mir auch immer die Montags-Gazzetta (dello Sport, Anm.). Die kriege ich zwar immer erst am Dienstag, aber mich interessieren die Aufstellungen und Ergebnisse. Ich schaue auch im italienischen Teletext, wo jeder Klub eine Seite hat.

LAOLA1: Wo steht Inter denn heute vom Stellenwert her im Vergleich zu Ihrer Zeit?

Prohaska: Das ist gar nicht mehr zu vergleichen, weil sich viel verändert hat. Überraschend für mich war: In meinen ersten zwei Jahren war ich der einzige Ausländer und 25 Italiener. Heute sind dort 25 Ausländer und ein bis zwei Italiener. Es kam immer mehr Geld dazu. Als ich dort war, hat die Serie A eigentlich erst zu boomen begonnen. Von 1980 angefangen haben dann dort die größten Kicker gespielt, alle sind nach Italien gegangen. Das ist heute nicht mehr der Fall – die gehen alle nach England, zu Barcelona oder Real Madrid. Die Italiener sehen nur gerade, was Cristiano Ronaldo bei Juventus auslöst, da werden andere dann auch aufspringen. Milan hat zum Beispiel um 35 Mio. Euro Lucas Paqueta geholt, der teuerste Brasilianer, der in Italien je verpflichtet wurde. Die Klasse bei Inter ist heute sicher höher als zu meiner Zeit.

"Ich habe Inter genauso gerne wie Roma, wir wurden Pokalsieger, waren im Semifinale des Meisterpokals. Das sind unvergessliche Erinnerungen. Wie du dort behandelt wurdest und wie groß der Klub wirklich ist – das ist einfach eine andere Welt."

LAOLA1: Sie waren von 1980-82 bei Inter, es war ihre erste Auslandsstation. Trotzdem hört man meist nur von Ihrer Liebe zur AS Roma, wo sie nur ein Jahr waren. Wie kam es dazu?

Prohaska: Inter war schon etwas ganz Besonderes, aber es war halt ganz anders. Im Norden Italiens bist du viel mehr unter Druck. Inter hat immer nur von den Erfolgen von 1963/64 und 1964/65 geträumt, als sie den Europapokal der Meister gewonnen hatten und Weltpokalsieger waren. In Rom war es lockerer, du bist nicht unter Druck gestanden und wir sind nach 41 Jahren Meister geworden, das war der zweite Meistertitel in der Roma-Geschichte. 1983 sind wir mit mir, nicht wegen mir (lacht), Meister geworden. Das war speziell. Zur 100-Jahr-Feier von Inter wurde ich auch eingeladen, aber wenn in Rom etwas gefeiert wird, werde ich immer eingeladen und gelte dort nach nur einem Jahr als Spieler als Legende – was eigentlich unmöglich ist. Das schmeichelt einem natürlich. Hätte ich nur ein Jahr bei der Austria gespielt, würde sich in Österreich kein Mensch mehr an mich erinnern, das wäre jedem wurscht. Aber ich habe Inter genauso gerne, wir wurden Pokalsieger, waren im Semifinale des Meisterpokals. Das sind unvergessliche Erinnerungen. Wie du dort behandelt wurdest und wie groß der Klub wirklich ist – das ist einfach eine andere Welt. Mein Herzensklub wird immer die Austria bleiben, aber gegen Inter und Roma würde ich nie etwas sagen. Mich rufen 100 Journalisten an, wenn Roma gegen Inter spielt. Jetzt hebe ich schon gar nicht mehr ab, weil ich gegen keinen der beiden Klubs sein will. Sonst tippe ich ein „X“.

LAOLA1: Was macht für Sie diesen Reiz, diese Faszination bei den Nerazzurri aus?

Prohaska: Es ist natürlich die Größe dieses Klubs, wenn du das Trainingszentrum und die Möglichkeiten dort siehst. Ich kam als Ausländer und habe alles bekommen. Leute haben für dich eine Wohnung gesucht, haben dir Möbel zum Aussuchen vorgeschlagen, ich habe ein Auto bekommen, hatte 20 Freiflüge und vieles mehr. Sie haben gesagt: Wenn bei dir eine Glühbirne ausfällt, brauchst du sie nicht selber reindrehen. Und dafür verlangen sie absolute Professionalität, also musst du eigentlich 24 Stunden dem Verein zur Verfügung stehen. Das war damals das Paradies. Ich hätte heute noch gerne die Jahresgage, die war für die damalige Zeit super, aber nicht vergleichbar mit heute – da würde ich gleich noch einmal für zwei Jahre unterschreiben. Ich kann nichts Schlechtes über Inter sagen, alles war perfekt, außer vielleicht die Philosophie. Wir wurden Cupsieger und sie wollten neue Ausländer holen. Sie haben nicht unsere Schwachstellen analysiert, sondern geschaut, was gut fürs Geschäft ist. Erst in meinem dritten Jahr durften zwei Ausländer spielen, sie wollten einen Tausch und so kam ich zur Roma. Zum Glück, sonst wäre ich nicht italienischer Meister geworden (lacht). Inter war zwar sehr zufrieden mit mir, aber da sie im Jahr davor Meister wurden, glaubten sie, das muss wieder gelingen, plus Europacupsieg. Dass das so lief, hat mir eigentlich nicht gefallen.

LAOLA1: Somit hat Inter somit schon damals das Geschäftliche über den Fußball gestellt, wie es jetzt die meisten großen Vereine machen.

Prohaska: Ja, nur damals warst du nicht kostenlos frei, das Bosman-Urteil gab es noch nicht. Deswegen war es unglaublich schwierig. Heute ist es eher so, dass der Druck von den Spielern ausgeht, damals von den Klubs. Ich wollte nicht weg, aber zum Glück kam das super Angebot von Roma.

LAOLA1: Stimmt es, dass es fast gar nicht zum Vertrag bei Inter gekommen wäre, weil Sie eine ganz spezielle Klausel haben wollten?

Prohaska: Das stimmt! Eigentlich haben sie alle meine Forderungen in kürzester Zeit abgesegnet, inklusive Italienisch-Lehrerin. Auch eine Putzfrau hätten wir gekriegt, aber wir haben gesagt: Wir putzen selber. Aber da es für mich Neuland war, wollte ich eine Klausel, für den Fall der Fälle, dass ich mich dort nicht durchsetzen kann und sie mich irgendwohin verkaufen wollen. Deshalb wollte ich eine Klausel, durch die ich um 3 Millionen Schilling nach Österreich zurück kann. Für einen österreichischen Verein durfte die Klausel nicht so hoch sein, sonst hätte mich ja keiner zurückholen können. Sie waren dann enttäuscht, weil ich noch nicht einmal da war und schon an die Rückkehr dachte. Ohne Klausel hätte ich aber nicht unterschrieben. Wir haben dann eine Verhandlungspause gemacht und ich habe mich mit meinem Berater Dr. Skender Fani bei einem Spaziergang im Trainingscamp beraten. Mir ist dann etwas Gutes eingefallen, wie ich auf meine Klausel verzichten kann. Damit sie sehen, dass ich nicht gleich weg will, habe ich vorgeschlagen, dass wir die Klausel streichen und ich dafür einen 10-Jahres-Vertrag kriege. Ich habe ihnen gesagt: Ich habe kein Problem, ich bleibe 10 Jahre in Mailand, das ist ein super Klub! Das war ihnen dann doch ein bisschen zu lange, und so haben sie doch die Klausel bewilligt.

"Damit sie sehen, dass ich nicht gleich weg will, habe ich vorgeschlagen, dass wir die Klausel streichen und ich dafür einen 10-Jahres-Vertrag kriege. Ich habe ihnen gesagt: Ich habe kein Problem, ich bleibe 10 Jahre in Mailand, das ist ein super Klub! Das war ihnen dann doch ein bisschen zu lange, und so haben sie doch die Klausel bewilligt."

Prohaska trickste Inter aus

LAOLA1: Interessanter Schachzug! War das dann aber nicht doch ein wenig riskant?

Prohaska: Ja, wobei ich sagen muss, dass ich aus Italien auch Angebote von Milan und Bologna hatte. Damals war das Risiko kalkulierbar, weil ich auch aus England Angebote hatte – auch wenn ich dort nicht spielen wollte, weil die meisten nur Kick and Rush spielten. Auch aus Spanien hatte ich Angebote. Aber ich hätte Inter ohne Klausel platzen lassen, das ist fix.

LAOLA1: Damals wollte Sie ja sogar der FC Barcelona. Warum wurde daraus nichts?

Prohaska: Weil Barcelona einfach viel zu spät dran war. Hans Krankl war damals dort und hat in Barcelona sehr viel Werbung für mich gemacht. Johan Neeskens ist gegangen, aber die damaligen Einkäufer waren ziemlich ahnungslos, weil sie gesagt haben, sie wollen jemanden anderen, weil der Prohaska auch wieder derselbe Typ ist wie Neeskens. Dabei war ich alles – nur kein Neeskens (lacht). Erst als sie erfahren haben, dass Inter mich kaufen will, haben sie bei Fani angerufen, dass wir die Verhandlungen stoppen sollen, weil sie mich doch wollen. Es war noch nichts unterschrieben, aber damals waren wir Inter schon im Wort. Barcelona wäre noch einen Tick höher gewesen, aber ich kann nicht alles ausverhandeln, es fehlt nur mehr die Unterschrift und dann gehe ich doch zu Barcelona – das passt nicht zu meinem Charakter.

LAOLA1: Wie war es damals, von Österreich zu Inter zu kommen? Wurde man da noch belächelt oder hatten Sie bereits einen großen Namen aus der Austria-Zeit?

Prohaska: Ich war schon bekannt. Inter hat zehn verschiedene Leute immer wieder nach Österreich geschickt, die mich beobachtet haben und Berichte abgeben mussten. Ich hatte schon 40 bis 50 Mal im Nationalteam gespielt, hatte die Cordoba-WM hinter mir. Also bin ich jetzt nicht als Top-Star, aber schon als internationaler Star hingekommen. Die Leute haben sich schon sehr viel erwartet von mir. Ich hatte dann das Glück, dass es jedes Jahr eine Woche vor Meisterschaftsbeginn ein internationales Freundschaftsspiel gab. Wir haben 5:2 gegen Gladbach gewonnen und ich habe zum Einstand drei Tore geschossen. Was nicht ganz so gut war, weil sie dann geglaubt haben, dass ich ein Torjäger auch noch bin (lacht). Ich habe ihnen dann gesagt, dass das nicht oft vorkommt. Bei Inter habe ich aber nie das Gefühl gehabt, ich muss um meine Wäsch‘ kämpfen. Ich war unumschränkter Spieler, ich habe nur nicht gespielt, wie ich einmal eine Gürtelrose und eine Leistenzerrung hatte. Leistungsmäßig habe ich mir nie, weder in Rom noch in Mailand, Sorgen gemacht, dass ich nicht spielen könnte.

LAOLA1: Wer waren in Ihrer Inter-Zeit die bekanntesten Mitspieler, die Sie beeindruckt haben?

Prohaska: Alessandro Altobelli war unser Mittelstürmer, der ist dann 1982 Weltmeister geworden. Gabriele Oriali hat fast alle Spiele gespielt, ist auch Weltmeister geworden und war mein Zimmerpartner. Inter hatte damals wirklich gute Italiener. Der Tormann Ivano Bordon war damals die Nummer 2 hinter Dino Zoff in der Nationalmannschaft. Unser Libero Graziano Bini war für mich ein Beckenbauer-Verschnitt, ein unheimlich guter Libero, der technisch gut war und mitgegangen ist. Also die Mannschaft war gut, aber die Ansprüche des Klubs an dieses Team waren wieder zu hoch. Sie meinten, wir müssten alles dominieren – so war es dann aber doch nicht.

LAOLA1: Sie waren einer der Stars. Eine Erzählung, die man immer wieder hört, ist jene, dass Adriano Celentano ein großer Fan von Ihnen gewesen sein soll.

Prohaska: Ich denke, er war nicht von mir großer Fan, sondern von Inter. Ich war damals mit meiner Frau in unserem Stammrestaurant essen – ein Familienbetrieb, wo alle fanatische Inter-Fans waren. Auf einem entfernteren Tisch saß Celentano. Ich wollte unbedingt ein Autogramm, aber meine Frau meinte, ich soll ihn erst einmal essen lassen. In der Zwischenzeit kam der Kellner zu mir und sagte, dass Celentano ein großer Inter-Fan ist und er gerne ein Autogramm von mir hätte. Das unterschriebene Bild hat ihm der Kellner dann rübergebracht. Aber irgendwie habe ich dann versäumt, dass Celentano gegangen ist und dann hatte ich kein Autogramm von ihm, aber er eines von mir.

LAOLA1: Kommen wir zurück zum Stadion. Warum hat das San Siro bzw. Giuseppe-Meazza-Stadion so einen besonderen Flair?

Prohaska: Wenn du dort reinkommst, geht es richtig steil hinauf hinter den Toren, eine Laufbahn gibt es auch nicht. Ich habe das selten mitbekommen. Die Italiener springen schon auf und stürmen nach vorne, wenn wer zur Flanke ansetzt. Das schaut dann so aus, als würde die Tribüne aufs Feld stürzen. Das ist so imposant, da erschrickt man am Anfang. Inter ist auch vom Zuschauer-Schnitt her jetzt wieder die Nummer 1, die haben derzeit um die 62.000 Zuschauer. Zu meiner Zeit hatten wir auch so einen Schnitt. Und im Europacup war es eigentlich immer voll mit rund 80.000. Während in Österreich die Fans oft wegen dem Gegner kommen, ist der Gegner in Italien wurscht.

LAOLA1: Wie geteilt ist Mailand prinzipiell? Ist Inter oder AC Milan beliebter oder hält sich die Waage?

Prohaska: In Mailand gibt es keinen großen Unterschied, während in Rom AS Roma viel mehr Fans hat als Lazio. Juventus ist so wie Rapid, weil sie im ganzen Land die meisten Fans haben, auch wenn sie in Turin nicht unbedingt die meisten haben.

"Jetzt ist es auch in Wien zu 99,9 Prozent nicht mehr zu realisieren. Was man versäumt hat, war, dass wir nach dem Zuschlag für die EURO 2008 kein supermodernes Happel-Stadion gebaut haben, wo eine Woche Rapid und eine Woche Austria spielt."

Stadion für Rapid und Austria wie bei Inter und Milan?

LAOLA1: Wie kann es möglich sein, dass Inter und AC Milan in einem Stadion spielen? Die Idee gab es in Wien mit Rapid und Austria auch, aber bis heute ist das unvorstellbar.

Prohaska: Jetzt ist es auch in Wien zu 99,9 Prozent nicht mehr zu realisieren. Was man versäumt hat, war, dass wir nach dem Zuschlag für die EURO 2008 kein supermodernes Happel-Stadion gebaut haben, wo eine Woche Rapid und eine Woche Austria spielt. Natürlich hätten die Klubs dann sagen können, dass sie nicht aus Favoriten oder Hütteldorf weggehen. Aber dann hätte die Stadt Wien die Möglichkeit gehabt, ihnen zu sagen, dass sie sich alles selbst finanzieren müssen und es kein Geld dazu gibt. Ich glaube, dann wäre es realistisch gewesen. Das wäre gut für Österreich gewesen, weil so fürchte ich, dass wir in Wien kein adäquates Stadion mehr haben werden.

LAOLA1: Sie haben betont, dass in Italien wieder mehr Zuschauer kommen. Wie sehen Sie prinzipiell die Entwicklung des italienischen Fußballs, der sich nach Vorfällen wie dem Manipulationsskandal nach einer tiefen Krise wieder erfangen hat?

Prohaska: Vor allem bei den großen Vereinen wie Milan, Inter, Juve, Roma geht es wieder bergauf. Aber man muss sich vorstellen: Wir haben 1982 im Meisterpokal-Semifinale gegen Real Madrid gespielt und ein Ticket hat 1.000 Schilling gekostet. Die Leute haben das trotzdem gezahlt. Bei Roma wurde der Preis für das letzte Liga-Spiel, obwohl wir drei Runden vor Schluss als Meister feststanden, verdoppelt. Bei Testspielen wurden hohe Preise verlangt, obwohl wir gegen unbedeutende Gegner gespielt haben. Der Präsident meinte nur: Wir sind AS Roma, bei uns gibt es nichts umsonst. Durch diese Eintrittspreise gemischt mit den Skandalen sind dann viele Leute ferngeblieben. Dann wurde durch Unruhen, Zwischenfälle und Ausschreitungen alles personalisiert. Sogar als ich auf der Ehrentribüne eingeladen war, musste ich zwei Mal meinen Reisepass herzeigen. Das sind sicherlich Gründe, das ist natürlich schade. Durch TV-Gelder hat England noch dazu alles niedergerissen. Aber es wird wieder besser. Die Italiener haben jetzt auch wieder gesehen, dass sich eine Verpflichtung von Ronaldo auszahlt. Das ist für die ganze Liga gut, und wo CR7 hinkommt, füllt er alleine das Stadion. Deshalb werden die Top-Klubs wieder vermehrt versuchen, Top-Stars zu holen.

LAOLA1: Wie schätzen Sie die aktuelle Mannschaft von Inter Mailand ein? Mauro Icardi oder Ivan Perisic sind nur zwei von mehreren namhaften Spielern im Kader.

Prohaska: Icardi wird sicher eine der Schlüsselspieler sein. Auch als Trainer muss man sehr viel Geduld mit ihm haben, weil er oft überhaupt nicht in Erscheinung tritt. Dann kriegt er im Strafraum zwei Mal den Ball und macht zwei Tore. Das ist nicht der große Mitspieler, aber ein unheimlich guter Goalgetter, der kaum Chancen auslässt. Ansonsten haben Perisic, Brozovic und Co. nach dem Vizeweltmeistertitel ein bisschen einen Durchhänger gehabt. Die brauchen gerade die kurzen Pausen in Italien, um wieder frisch zu werden. Aber es ist natürlich eine Mannschaft, die vielleicht keine Weltklasse im Team hat, aber durchaus klasse Kicker.

LAOLA1: Hat Rapid überhaupt den Funken einer Chance oder könnte das gegen Inter ganz bitter enden?

Prohaska: Den Funken einer Chance hat man immer, wir haben seinerzeit mit der Austria auch Inter rausgehaut. Rapid hat ja ganz klar zwei Gesichter gezeigt in dieser Saison: In der Meisterschaft pfui, in der Europa League hui. Ich würde jetzt nicht sagen, dass das eine glatte Sache wird. Aber Rapid muss im Hinspiel daheim etwas vorlegen, am besten gewinnen oder zu Null spielen, wenn sie drüberkommen wollen. Inter ist klarer Favorit, aber bitter endet es nicht. Das kann ich mir nicht vorstellen.

LAOLA1: Glauben Sie, dass Didi Kühbauer der richtige Trainer für Rapid ist? Sie kennen ihn ja sehr gut, er hat unter ihnen im Nationalteam gespielt.

Prohaska: Didi kenne ich viel zu gut. Er hat mit uns dann später Tennis gespielt und wir haben gemeinsam in einer Mannschaft, der Copa Pele, gespielt. Ich bin völlig davon überzeugt, dass er der richtige Mann ist. Er braucht jetzt nicht nachweisen, dass er als Trainer was zusammenbringt. Er hat Admira und WAC in die Europa-League-Quali geführt. Er ist natürlich zu einem Zeitpunkt bei Rapid eingestiegen, wo man im Normalfall nicht einsteigt. Ich weiß es, weil ich bin nach der Nationalmannschaft noch einmal zur Austria gegangen und da war es die völlig falsche Entscheidung, weil ich mit dem Herz entschieden habe. Didis Traum war es sicher, nach seiner Zeit als Spieler auch Trainer von Rapid zu werden. Jetzt hat er sich dort voll reingehaut, hat aber natürlich richtig Stress. Aber er ist ein guter Trainer und hat das richtige Auge. Bei Admira oder St. Pölten konnte er sich seine Mannschaft zusammenstellen, das kann er sehr gut. Er wird auch Rapid nach vorne bringen. Aber bei Rapid hat man sicher weniger Geduld als bei WAC, Admira oder SKN. Rapid ist Rapid, da musst du im Idealfall nicht heute sondern gestern schon Erfolg haben.

Textquelle: © LAOLA1.at

Europa League: 5.000 Rapid-Fans bei Inter erwartet

Zum Seitenanfang»

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare