Darum wurde Hütter gegen Salzburg warm ums Herz

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Man kann sich vorstellen, wie Adi Hütter die Fragen nach der Salzburg-Vergangenheit genervt haben müssen. Schöne Erinnerungen ja, aber mehr dann auch nicht.

Eine Niederlage gegen seinen Ex-Klub wäre ihm mit Sicherheit als Schwäche ausgelegt worden, noch dazu mit einem deutschen Top-Klub und Traditionsverein. Doch nach dem souveränen 4:1 ist die Erleichterung groß.

Der 50-jährige Vorarlberger ist stolz auf die Performance: "Wir haben eine tolle Europacuop-Nacht gesehen, ein absolut verdienter Sieg, auch in dieser Höhe. Bei unserer Mannschaftsleistung ist mir warm ums Herz geworden."

Hütter erklärt: "Weil die Mannschaft das Spiel von der ersten Minute so angenommen hat, wie wir das besprochen haben. Sie war unglaublich bissig, agressiv, immer griffig im Spiel, hat super verteidigt, ist immer wieder auch gefährlich nach vorne gewesen. Wir hätten auch höher gewinnen können."

Hütters goldenes Händchen

Damit hat der Ex-Profi sicherlich recht. Selbst trauert er dem vergebenen 5:0 durch Paciencia nach, auch das Gegentor aus einem Elfmeter schmerzt Hütter, da er weiß, dass Salzburg dadurch noch den Funken Hoffnung auf ein Wunder hat.

Dabei gibt er zu, Glück bei der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung gehabt zu haben. Etwa beim 3:0, wo Jerome Onguene den Ball nur streift und dadurch Daichi Tamada nicht im Abseits steht, oder auch beim Elfmeter, der laut Hütter nicht unbedingt gegeben werden müsse.

Mit dem Japaner, der drei Tore erzielte, bewies Hütter ein goldenes Händchen. Für viele sei es überraschend gewesen, dass Kamada in der Startelf steht, doch der 23-Jährige hat es allen bewiesen, da Hütter einen Spieler wollte, der mit dem Ball umgehen kann, in der Halbspur auftaucht und den Ball auch halten kann, wenn man die erste Pressinglinie der Gäste überspielt hat. Mit seinem Triplepack überflügelte er die Erwartungen in seine Person.

"Ich wollte auch den gegnerischen Trainer überraschen. Mit seinen drei Toren hat er den Weg zum Sieg gegebnet", weiß Hütter, dass er mit der Aufstellung vollkommen richtig lag, um diesen "tollen Abend" möglich zu machen und die Ausgangsposition und das Selbstvertrauen für das Rückspiel zu steigern.

Hütter schwärmt: "Die beste Saisonleistung"

Doch an diesem Abend waren alle Frankfurter Gewinner. Von den 47.000 Fans im Stadion angefangen über die Spieler bis hin zu den Mitarbeitern.

"Ich finde, dass wir die beste Saisonleistung gezeigt haben. Gegen eine Mannschaft, die unangenehm werden kann, wenn man einmal unachtsam ist. Die haben auch in Liverpool drei Tore erzielt, wir haben heute fast überhaupt nichts zugelassen. Das zeigt, was wir für eine gute Leistung gezeigt haben, auch defensiv. Vier Dinger reinzuhauen hätte ich mir auch nicht erwartet", war der Frankfurt-Coach euphorisiert.

Logischerweise habe man die Stärken und Schwächen des Gegners analysiert, zudem wurde der Matchplan eindrucksvoll durchgezogen. Was man sich genau gegen Salzburg vorgenommen hat?

"Wir waren eklig, bissig, griffig in den Zweikämpfen. Das musst du gegen die Mannschaft machen, das ist eine junge Mannschaft, die immer nach vorne spielt, die nie aufhört zu spielen. Man muss in jeder Sekunde achtsam sein, aber wir haben ihnen selber wehgetan. In den Zweikämpfen waren wir so, wie sie es lange nicht mehr erlebt haben. So haben wir ihnen den Zahn gezogen."

Kleiner Seitenhieb auf Salzburg

Hütter kennt Salzburg besser als so manch anderer. Er weiß auch, dass sein Ex-Klub nicht den besten Tag erwischt hat, möglicherweise auch mit der tollen Kulisse in der Commerzbank-Arena überfordert war.

"Ich habe schon öfter hier gespielt, tolle Europacup-Nächte hier verbracht. Wenn das für den einen oder anderen Salzburger überraschend war, haben sie die Spiele vielleicht nicht angeschaut", konnte sich der Eintracht-Trainer einen Seitenhieb nicht verkneifen.

"Ich weiß es aber nicht. Uns hat es eher beflügelt. Die Zuschauer werden immer unser zwölfter Mann sein. Die Unterstützung von den Rängen ist einfach beeindruckend. Heute hat es auch zusammengepasst, weil die Mannschaft Schritt halten konnte mit dem Publikum. Das hat sicher das Feuer entfacht auf den Rängen. Ich bin heute sehr beeindruckt, was die Mannschaft geleistet hat."

Trotzdem hält Hütter fairerweise fest, dass die aktuelle Situation für die Bullen nicht einfach ist. Dabei spricht er ganz klar den Verlust von Erling Haaland und Takumi Minamino an. Die Offensivspieler haben im Herbst noch groß für Salzburg aufgespielt - "sonst kommt man nicht nach Dortmund oder Liverpool", macht Hütter deutlich. Gleichzeitig geht er weiterhin davon aus, dass nur zwei Pflichtspiele davor nicht unbedingt ein Vorteil für die Gäste waren.

In der Europa League kann sich die Eintracht noch mehr pushen

Und noch dazu wuchs Frankfurt über sich hinaus. Wieder einmal international, während man in der deutschen Bundesliga als Zehntplatzierter immer wieder Probleme hat.

"Diese Europa League wird hier in Frankfurt einfach gelebt. Ob uns das zehn Prozent mehr gibt oder wir bessere Leistungen bringen", konnte der Chefbetreuer aber auch nicht beantworten.

Aber trotzdem tritt er auf die Bremse, da viele Frankfurt bereits im Achtelfinale sehen. "Wir müssen erst das Rückspiel spielen. Wir sind auf keinen Fall noch durch. Salzburg kann daheim auch sehr gut Fußball spielen. Wenn wer glaubt, dass wir schon durch sind, dann möchte ich dagegenhalten, dass wir noch einmal die gleiche Leistung bringen müssen, dann bin ich auch fest davon überzeugt, dass wir es schaffen."

Deshalb ärgert sich Hütter auch über den Elfmeter und das Auswärtstor, welches Salzburgs Feuer am Lodern hält. Die 50:50-Ausgangsposition, die der Eintracht-Coach mehrfach hervorstrich, hat sich mittlerweile aber in eine klare Favoritenrolle für die Adler gewandelt.

Textquelle: © LAOLA1.at

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