EURO-Favorit? Das spricht für...

EURO-Favorit? Das spricht für... Foto: © getty
 

Die Vorfreude auf die Europameisterschaft 2021 ist riesig.

Endlich steht nach Corona-bedingten Verschiebungen das nächste Großereignis vor der Tür, die Nationen brennen auf ein gutes Abschneiden bei der diesjährigen EURO.

Das Teilnehmerfeld verspricht Spannung pur, durch die rot-weiß-rote Brille darf man sich auch eine Überraschung des ÖFB-Nationalteams erhoffen.

Doch wer sind die Favoriten auf den Titel? Wer hat die besten Chancen, wer könnte als Geheimfavorit auftrumpfen und welche Asse haben die Top-Nationen im Ärmel?

Die LAOLA1-Redakteure geben ihre Tipps ab. Das spricht für...

FRANKREICH:

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von Johannes Bauer

Amtierender Weltmeister! Vize-Europameister! Dazu überzeugende Vorstellungen in der Qualifikation sowie den jüngsten Test-Auftritten – kein Wunder, dass Frankreich bei den allermeisten Buchmachern als Top-Favorit in die EURO geht, auch wenn die "Todes-Gruppe" F keine ideale Startposition liefert.

Didier Deschamps hat eine Truppe bewährter Superstars unter seinen Fittichen, die der Weltmeister als Spieler und Trainer seit mittlerweile neun Jahren betreut. Karim Benzema ist erstmals seit 2015 wieder im Aufgebot, womit ein weiterer Weltklasse-Stürmer zur Verfügung steht. Kylian Mbappé, Antoine Griezmann, Ousmane Dembélé, Kingsley Coman und selbst der zuletzt etwas formschwache Olivier Giroud, der bei Deschamps aber höchstes Ansehen genießt – es ist ein Luxusproblem, bei dem die größte Aufgabe darstellt, die Einzelkönner auch zu einer Mannschaft zu formen, in der die Reservisten gute Laune bewahren. Gerade hier scheint die Benzema-Rückkehr Positives bewirkt zu haben, das Trio mit Mbappé und Griezmann agierte gegen Wales harmonisch – obwohl seine Ausbootung gerade mit den "Troubles" zusammenhing, die Benzema früher in die "Equipe Tricolore" brachte.

Im Mittelfeld werken mit Paul Pogba offensiv eine Leader-Figur, defensiv mit N’golo Kanté ein frischgebackener Champions-League-Sieger, der von Mitspielern in die Ballon-d’Or-Diskussion proklamiert wird und einer der Garanten des Titels war: Immerhin kassierte Chelsea in der ganzen CL-Saison nur vier Gegentore. Kommt der Gegner an ihm vorbei, warten mit Raphael Varane auch noch einer der besten Innenverteidiger der Welt sowie mit Hugo Lloris ein konstanter Keeper, Fehler im WM-Finale hin oder her. Im Zentrum ist Frankreich über Zweifel erhaben, außen in der Verteidigung werkt mit Lucas Hernandez und Benjamin Pavard ein solides Bayern-Duo.

Dass Vorschuss-Lorbeeren auch ein Hemmnis sein können, erlebte Frankreich vor 19 Jahren bei der WM 2002. Wer mit nur einer Niederlage aus den letzten 18 Spielen zu einer Endrunde fährt, muss aber erst einmal bezwungen werden.

BELGIEN:

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von Alexander Karper

Die Roten Teufel sind reif für einen Titel! Die gute Entwicklung über die vergangenen Jahre, der offensive, beherzte Spielstil und die Dichte an namhaften Stars macht Belgien nicht zum ersten Mal auch bei der EURO 2020 zu einem Geheimfavoriten. Nach der Jahrtausendwende fiel der Verband in ein tiefes Loch, umso eindrucksvoller und nachhaltiger kämpfte man sich mit neuer Philosophie wieder nach oben.

Das Abschneiden bei den vergangenen Turnieren zeugen von stetiger Weiterentwicklung und Annäherung an die Weltspitze. Bei der WM 2014 und EURO 2016 jeweils im Viertelfinale, bei der WM 2018 folgte der größte Erfolg mit dem Vordringen ins Halbfinale, wo man sich dem späteren Champion Frankreich nur knapp mit 0:1 geschlagen geben musste. Kontinuität ist ein wesentliches Stichwort, denn mit Roberto Martinez ist der Erfolgscoach von vor drei Jahren noch immer im Amt, mit Thierry Henry holte man sich nun wenige Tage vor dem Großevent den Co-Trainer des damaligen Erfolges zurück. Anders als womöglich die titelverwöhnten Franzosen könnte der Hunger nach Historischem bei den Belgiern größer sein.

Mit Thibaut Courtois baut man auf einen Weltklasse-Keeper von Real Madrid, Toby Alderweireld, Thomas Vermaelen oder Jan Vertonghen bringen defensiv die nötige Erfahrung mit, im Mittelfeld geben sich Spieler wir Yannick Carrasco, Thomas Meunier, Youri Tielemans oder Axel Witsel die Klinke in die Hand, zudem kann Eden Hazard - im Schlepptau hat er Bruder Thorgan von Borussia Dortmund - trotz Durchhänger immer explodieren, ebenso wie Dries Mertens. Zudem hat man mit Romelu Lukaku einen wahren Goalgetter, der als Zielspieler immer auch zum Knipser werden kann und eine entscheidende Rolle im belgischen Team einnimmt. Bleibt noch das Fragezeichen hinter Kevin de Bruyne - einer der besten seines Fachs, auch wenn er mit Manchester City knapp den Champions-League-Titel verpasste. In diesem zog er sich auch Brüche der Augenhöhle und des Nasenbeins zu, reist zwar zum Team, noch ist aber nicht abschätzbar, welche Rolle er bei der EM spielen kann und von welchem Zeitpunkt an. Mit ihm kann Belgien noch ein deutlicheres Wort um den Titel mitreden. Spannend wird es allemal, aber die Roten Teufel brennen auf die Krönung.

ITALIEN:

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von Harald Prantl

Wenn die "Squadra Azzurra" das Eröffnungsspiel der EURO 2020 gegen die Türkei bestreitet, werden die Herren in ihren schicken blauen Trikots mit einer breiteren Brust ins Römer Stadio Olimpico einmarschieren, als sie Tim Wiese in seinen besten Tagen hatte. Über 1.000 Tage lang hat Italien dann kein Fußballspiel mehr verloren. Im konkreten Fall sind es unglaubliche 25 Spiele. Und davon haben die Italiener 20 gewonnen. Das ist schon ziemlich beeindruckend.

Und wer noch ein paar Zahlen mehr braucht: In der Quali zu dieser Europameisterschaft haben die Italiener in ihrer Gruppe einfach mal alle Spiele gewonnen. In der laufenden WM-Quali? Punktemaximum. Spiele mit mehr als einem Gegentor in den 30 Partien unter Teamchef Roberto Mancini? Ein einziges, und das ganz am Anfang seiner Ära gegen Weltmeister Frankreich.

Der 56-Jährige hat die Italiener wieder zu einer stolzen Fußball-Nation gemacht. Die verpasste WM 2018 war für die Tifosi ein Tiefschlag wie verkochte Pasta von der Mamma. Doch jetzt schmeckt ihnen der Calcio ihrer Mannen wieder. Mancini hat es geschafft, einen sanften Umbruch zu vollführen. Der Mister hat viel ausprobiert, unzählige Hoffnungsträger debütieren lassen und dennoch nie den Erfolgsweg verlassen.

Und so geht eine Truppe ins EM-Rennen, deren Mischung perfekt ist. Die Spieler der Italiener befinden sich praktisch in den "Quattro stagioni" ihrer Karrieren. Die ganz jungen Talente wie Bastoni, Locatelli und Chiesa, eher jüngere, aber schon erfahrenere Kicker wie Donnarumma, Belotti und Bernardeschi, Kicker am Zenit ihrer Karrieren wie Verratti, Jorginho und Insigne und Haudegen wie Bonucci und Chiellini.

Italien wird Europameister e basta!

ENGLAND:

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von Maximilian Girschele

Geht es rein nach den Marktwerten der bei der EURO vertretenen Mannschaften, hat England den Europameistertitel bereits sicher. Über 1,3 Milliarden Euro ist der Kader wert, nur das französische Nationalteam knackt ebenfalls die Milliarden-Grenze (1,03 Milliarden). Dass Geld auch Tore schießt, beweist nicht zuletzt die Entwicklung im Klub-Fußball, wo finanzkräftige Teams seit Jahren beinahe unantastbar an der Spitze stehen.

Tore schießt vor allem Kapitän Harry Kane, der eine goldene Generation der "Three Lions" anführt. Auf den dreifachen Torschützenkönig der Premier League (2015/16, 2016/17, 2020/21), der Weltmeisterschaft 2018 sowie der Qualifikation zur kommenden EM ruhen die Hoffnungen der nicht gerade von Erfolgen verwöhnten Fans. Es ist eigentlich unglaublich, dass das Mutterland des Fußballs gerade einmal einen WM-Titel in der Vita stehen hat, dieser wurde jedoch 1966 (!) errungen.

Seitdem wurde auch kein Finale mehr erreicht, vier Halbfinali waren das höchste der Gefühle. Doch in den vergangenen Jahren war ein klarer Aufschwung erkennbar: Bei der WM 2018 erfolgte zwar das bittere Aus im Halbfinale gegen Kroatien, aber gerade daraus schöpfte die Truppe von Teamchef Gareth Southgate enorme Kraft und das Wissen, dass man nach Jahren der totalen Enttäuschung endlich wieder an der Weltspitze angelangt ist.

Die Mannschaft ist gespickt mit Spielern des Champions-League- und Europa-League-Finales, dazu kommen aufstrebende Spieler von "kleineren Klubs" wie Declan Rice (West Ham United) oder Kalvin Phillips (Leeds United). Mit Kieran Trippier (Atletico Madrid) sowie Jude Bellingham und Jadon Sancho (beide BVB) gibt es nur drei Legionäre, dies könnte sich als großer Vorteil erweisen, kennen sich doch sonst alle Spieler aus der Premier League.

Die "Three Lions" zeigen mit einem Mix aus Jugend und Erfahrung auf, sind auf jeder Position mindestens doppelt besetzt und haben entsprechend Qualität auf der Ersatzbank sitzen, falls diese benötigt wird. Dazu kommt der Heimvorteil, England bestreitet alle drei Gruppenspiele im Londoner Wembley Stadium, könnte bis auf das Viertelfinale auch alle K.o.-Spiele in der Heimat austragen. All das spricht für einen erstmaligen Europameistertitel Englands - und wie tönten ihre Fans bereits bei der WM 2018: Football's coming home - diesmal nun wirklich.

SPANIEN:

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von Daniela Kulovits

Der Glanz der spanischen Nationalmannschaft, die zwischen 2008 und 2012 zwei Europameister-Titel sowie einen Weltmeister-Titel abstaubte, mag zwar ein wenig an Strahlkraft verloren haben, dennoch sollte man die "Furia Roja" bei der diesjährigen Europameisterschaft ganz oben am Zettel haben.

Allzu viel ist von der Hochzeit Spaniens Fußball-Nationalteam nicht mehr übrig. Mit Sergio Busquets (Weltmeister 2010, Europameister 2012) und Jordi Alba (Europameister 2012) finden sich nur mehr zwei Spieler im aktuellen EM-Kader wieder, die das Gefühl kennen, eine Trophäe für Spaniens A-Nationalteam in die Höhe zu recken - und ersterer sorgte nun mit einem positiven Corona-Test für einen Schock. Mit dem etatmäßigen Kapitän Sergio Ramos, der sogar bei allen drei Titeln Spaniens dabei war, musste noch ein Routinier kurz vor Turnier-Start verletzungsbedingt aus dem Kader gestrichen werden. Trotz des schmerzhaften Ausfalls des Real-Kapitäns scheint Spanien die richtige Kombination aus Routine und jugendliche Unbekümmertheit gefunden zu haben.

Während Spieler wie Alvaro Morata, Thiago Alcantara oder Koke bereits reichlich Turniererfahrung mitbringen, wird es für viele andere Spieler das erste große Turnier auf A-Team-Ebene sein. Das heißt aber nicht, dass Spaniens Jungspunde die Turniererfahrung fehlt, so waren mit Unai Simon, Mikel Oyarzabal, Fabian Ruiz und Dani Olmo unter anderem vier Spieler am U21-EM-Titel Spaniens 2019 beteiligt. Neben ihnen werden auch auf Youngsters wie Ferran Torres, Rodri, Marcos Llorente, Eric Garcia, Pau Torres sowie das 18-jährige Barca-Juwel Pedri wichtige Rollen zukommen. Allesamt Akteure, die im von Spanien-Teamchef Luis Enrique praktizierten 4-3-3-System groß geworden sind. Neben dem spanisch-typischen Ballbesitzfußball ist diese junge Generation vor allem auch auf aggressives Pressing und schnelle Balleroberungen geschult. Eine Taktik, mit der man in der Nations League unter anderem Deutschland vor große Probleme stellte und den Weltmeister von 2014 mit 6:0 vom Platz fegte.

Auch wenn man vielleicht nicht zu den absoluten Topfavoriten auf den Gewinn der Europameisterschaft zählen mag, so hat Spaniens junge Truppe dennoch bereits bewiesen, jeder Nationalmannschaft dieses Kontinents ärgern zu können – warum also nicht auch bei der EURO?

PORTUGAL:

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von Christopher Köller

Der amtierende Europameister geht diesen Sommer auf die Mission Titelverteidigung los. Während sich Portugal 2016 noch ein wenig Richtung EM-Titel "mogelte" - nur eines von sieben Spielen nach regulärer Spielzeit gewann, fairerweise aber auch keine einzige jener sieben Partien nach 90 Minuten verlor - wirkt die "Selecao" in diesem Jahr reifer, ausgeglichener und einfach schlichtweg stärker.

Während man sich 2016 dank einer ökonomischen Mannschaftsleistung zum Europameister machte, scheint in der aktuellen Mannschaft etwas mehr an Spielwitz eingekehrt zu sein. Elf Spieler, darunter die beiden Abwehr-Granden Jose Fonte und Pepe, Torhüter Rui Patricio, Mittelfeld-Stabilisatoren Joao Moutinho und Danilo Pereira, Dortmund-Linksverteidiger Raphael Guerreiro, aber natürlich auch Mega-Star und Kapitän Cristiano Ronaldo, haben es vom Europameister-Team 2016 auch 2021 in den endgültigen Kader geschafft. Hinzu gesellen sich in diesem Jahr aber auch etwaige Spieler, die den Unterschied ausmachen können, wie Manchester-United-Spielmacher Bruno Fernandes, Liverpool-Stürmer Diogo Jota, Atletico-Juwel Joao Felix, Frankfurt-Goalgetter Andre Silva sowie die Manchester-City-Fraktion rund um Bernardo Silva, Joao Cancelo und Innenverteidiger Ruben Dias, der dank seiner starken Saison sogar zu Englands Fußballer des Jahres gekürt wurde.

Dass Portugals Nationalmannschaft das Siegen nach dem Gewinn der EURO 2016 nicht verlernt hat, bewiesen sie unter anderem auch mit dem Triumph der 2018/19 erstmals ausgetragenen Nations League. Es war bereits der zweite Titel unter Erfolgscoach Fernando Santos, der Portugal in seiner sieben Jahre langen Amtszeit die ersten beiden Titel in der Verbandsgeschichte bescherte. Die Hoffnung in Portugal ist groß, die Titelsammlung auch in diesem Sommer erweitern zu können. Daran ändert auch die schwere Auslosung, die Portugal in die gleiche Gruppe wie die beiden letzten Weltmeister Frankreich (2018) und Deutschland (2014) verfrachtete, nichts. Dank des neuen Sieger-Gens geht das portugiesische Nationalteam mit einer Menge Selbstvertrauen in die Gruppe, in der ja neben dem Gruppenersten und -zweiten, auch die vier besten Gruppendritten ein Ticket für das Achtelfinale buchen. Und wenn einem die Europameisterschaft 2016 eines gelehrt hat, dann, dass Portugal erst in der K.o.-Phase erst richtig zur Höchstform aufläuft.

DEUTSCHLAND:

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von Peter Rietzler

Anlässlich dieses Formats kann ich den legendären Ausspruch des ehemaligen englischen Stürmer-Stars Gary Lineker wieder einmal auspacken: "Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen!". Okay, das war nach dem Halbfinal-Sieg der Deutschen bei der WM 1990 in Italien, wo unser Lieblingsnachbar dann auch den Titel holte. Seither ist einiges passiert und die Spieler der DFB-Auswahl sind bei der EURO 2000 von ihrem Kaiser Beckenbauer auch schon einmal als "Rumpelfüßler" abgekanzelt worden.

Was soll's: Deutschland ist eine Turniermannschaft – auch so eine Kicker-Weisheit, die bei Großereignisse stets herumgeistert. Das wird es in den nächsten Wochen allerdings nicht spielen, da Deutschland in einer Hammer-Gruppe spielt. Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal garantieren dafür, lassen keinen gemächlichen Start in die EURO 2020 zu. Deutschland muss früh wie selten bei einer Endrunde funktionieren. Bleibt noch so eine Ansage, die immer wieder als Motivationsspritze herhalten muss – Jetzt erst recht! Der ehemalige FC Tirol- und Austria-Wien-Trainer Jogi Löw, seit 2004 beim DFB und seit 2006 Bundestrainer, beendet mit der EM seine Tätigkeit bei der Mannschaft und übergibt nach dem Turnier an Ex-Bayern-Coach Hansi Flick.

Logisch, dass dem Jogi alle einen tollen Abschied bereiten möchten und sich die erfahrenen Spieler für ihren scheidenden Bundestrainer noch einmal ins Zeug legen wollen. Warum Löw also nicht den Titel schenken? Den Deutschen ist alles zuzutrauen.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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