Salzburg: Fünf Fragen zum Champions-League-Auftakt

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Der FC Salzburg startet am Mittwoch in seine zweite Saison in der UEFA Champions League.

Nachdem die "Bullen" zuvor jahrelang vergeblich über die Qualifikation den Weg in die "Königsklasse" gesucht haben, lösten sie in der Vorsaison dank der Fünfjahreswertung ein Fix-Ticket.

Heuer hat es auch mit der Qualifikation gegen Maccabi Tel Aviv erstmals geklappt, zum zweiten Mal in Folge kommt Salzburg in den Genuss eines Champions-League-Herbsts.

Bevor die "Bullen" zum Auftakt in die neue Saison Lokomotive Moskau in Wals-Siezenheim empfangen (Mittwoch, ab 18:55 im LIVE-Ticker), wirft LAOLA1 fünf fundamentale Fragen auf, die über den Salzburger Erfolg in der heurigen Champions-League-Kampagne entscheiden könnten.

Was haben die "Bullen" aus ihrer Premiere gelernt?

Obwohl Salzburg in der Vorsaison jeden Gruppengegner mindestens fordern konnte, gingen die "Bullen" schlussendlich insofern leer aus, dass sie "nur" ins Sechzehntelfinale der Europa League umsteigen durften. Während Salzburg den KRC Genk zweimal wegschoss, konnten die "Bullen" die beiden direkten Duelle gegen Liverpool und den SSC Napoli nicht für sich entscheiden. Gegen Liverpool setzte es zwei - denkbar knappe - Niederlagen, gegen den SSC Napoli verloren die Mozartstädter unnötig daheim, um kurz darauf im Rückspiel im San Paolo einen Punkt mitzunehmen. Den jungen Salzburgern wurde dabei zumindest zum Teil die eigene Naivität zum Verhängnis. Anstatt gute Ergebnisse einfach mal nachhause zu spielen, kam den Mozartstädtern die eigene Offensiv-Gier gegen Weltklasse-Gegner gleich mehrmals in die Quere.

Beim 3:4 an der Anfield Road, als die Salzburger sich von einem 0:3 gegen Liverpool zurückkämpften und den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielen konnten, kassierten sie nur neun Minuten später den Verlusttreffer. Dominik Szoboszlai vertändelte auch aus jugendlichem Übermut am eigenen Sechzehner die Kugel und ermöglichte Mohamed Salah so den Treffer zum 3:4 aus "Bullen"-Sicht. Auch beim 2:3 gegen Napoli daheim kämpften sich die "Bullen" gleich zweimal nach einem Rückstand zurück. Als Erling Haaland in Minute 72 in der Red Bull Arena zum 2:2 einköpfte, liefen die Salzburger quasi mit dem Wiederanpfiff in einen Konter und kassierten nur wenige Sekunden nach dem Ausgleich das 2:3.

Solche Unachtsamkeiten, die auch von der offensiven und furchtlosen Spielweise der Mozartstädter herrühren, werden von Top-Teams gnadenlos bestraft. Wollen die "Bullen" gegen taktisch extrem clevere Mannschaften wie Atletico Madrid oder die Bayern etwas mitnehmen, müssen Jesse Marsch und Co. einen Weg finden, solche Situationen künftig abzustellen. Salzburg muss aus der ersten Champions-League-Saison mitnehmen, dass einem in der "Königsklasse" gar nichts, aber auch wirklich gar nichts geschenkt wird und jeder Fehler von Weltklasse-Gegnern eiskalt ausgenützt wird.

Wer kann Haaland und Hwang ersetzen?

Hwang und Haaland sorgten im letzten Herbst gemeinsam für elf Tore
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Der Powersturm der Salzburger, der im vergangenen Herbst für so viel Furore und noch mehr Tore sorgte, ist mittlerweile Geschichte. Erling Haaland verabschiedete sich schon im Winter Richtung Borussia Dortmund, Hee-chan Hwang übersiedelte im Sommer zu RB Leipzig. Gemeinsam zeichnete sich das norwegisch-koreanische Duo in der letzten Champions-League-Saison für elf "Königsklassen"-Treffer der "Bullen" verantwortlich. Auch Takumi Minamino, der seit Winter in Liverpool mehr oder weniger regelmäßig kickt, steuerte zwei Treffer und drei Assists bei. Insgesamt konnten die Mozartstädter in sechs Spielen 16 Treffer ezielen - damit waren sie das viertgefährlichste Team der ganzen Champions-League-Gruppenphase.

Mittlerweile haben Patson Daka und Sekou Koita die Rolle als Stürmer-Duo Nummer eins in Salzburg übernommen und gemeinsam schon 16 Treffer in acht Saisonspielen erzielen können. Karim Adeyemi und Mergim Berisha müssen sich im Moment etwas anstellen, die beiden Deutschen gelten als Stürmer Nummer drei und vier. Auch der von Liefering hochgezogene Junior Adamu wird seine Chancen bekommen. Nur mit einem gefährlichen Angriff hat Salzburg die Chance, in der Champions League zu reüssieren. Vor allem in Daka werden in dieser Saison hohe Erwartungen gesteckt, die der Sambier bisher auch erfüllen konnte. Nun muss der 22-Jährige seinen Torriecher auch in der "Königsklasse" unter Beweis stellen. Im Vorjahr kam Daka über einen Treffer in sechs Einsätzen nicht hinaus.

Ist die Defensive heuer Champions-League-tauglich?

Die Abwehr ist und bleibt die große Schwachstelle im Salzburger Spiel. In der Vorsaison kassierten die "Bullen" in den sechs Gruppenpartien 13 Gegentreffer, nur fünf der 32 Mannschaften besaßen eine schwächere Defensive. "Das ist einfach nicht gut genug in diesem Turnier", ärgerte sich Coach Jesse Marsch vor ziemlich genau einem Jahr, als sein Team mit 2:3 gegen Napoli verlor. Seither hat sich bei Salzburg einiges getan, viel geändert hat sich an der Defensiv-Schwäche allerdings leider nicht. In der aktuell laufenden Spielzeit kassierten die Mozartstädter jedem Pflichtspiel ein Gegentor, einzige Ausnahme waren die beiden Cup-Partien gegen Bregenz (10:0) und St. Pölten (3:0).

Marsch experementierte quasi seit seinem Amtsantritt vergangenen Sommer mit einer Dreierkette, in den wenigen Partien, in der diese auch Anwendung fand, stellte sich allerdings nicht der erhoffte Erfolg ein. Die Viererkette wird auch heuer sehr wahrscheinlich die defensive "Bullen"-Ausrichtung bleiben. Verstärkt wurde sich in der Abwehr mit Oumar Solet, der um 4,5 Millionen Euro von Olympique Lyon an die Salzach wechselte. Der junge Franzose wird aber zumindest in den ersten Champions-League-Spielen noch kein Thema für die Startelf sein. Stattdessen werden zumindest beim Spiel gegen Lokomotive Moskau aller Voraussicht nach Andreas Ulmer, Max Wöber, Andre Ramalho und Albert Vallci die Viererkette bilden. Letzterer spielte zu dieser Saison Rasmus Kristensen als Rechtsverteidiger raus. Viel wird davon abhängen, wie sich Salzburg gegen die Bayern oder Atletico rundum die Weltklasse-Stürmer Robert Lewandowski und Luis Suarez anstellt. Nur wenn die Mozartstädter eine halbwegs stabile Defensive auf den Rasen bringen und vielleicht auch mal zu Null spielen können, gibt es ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden.

Kann Szoboszlai endlich auch auf der internationalen Bühne glänzen?

Szoboszlai will auch in der Champions League sein volles Potenzial ausschöpfen
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Jener Spieler, der in der heurigen Champions-League-Kampagne am meisten im Fokus stehen wird, heißt Dominik Szoboszlai. Der 19-jährige Ungar tauchte im Schatten von Haaland und Co. im letzten Herbst etwas ab und bekam nicht die Aufmerksamkeit, die sich das ehrgeizige Top-Talent gewünscht hat. Dazu lieferte der Freistoßspezialist auch sicher nicht sein Leistungsmaximum ab. Mit dem Frühjahr, genauer gesagt ab der Corona-Pause, blühte Szoboszlai aber richtig auf und zog unter anderem das Interesse des AC Milan auf sich.

Die sportlichen Verantwortlichen der Salzburger überzeugten den Edeltechniker aber von einem Verbleib in Österreich, Szoboszlai stimmte mit der Aussicht auf die Champions League und darauf, dort endlich sein volles Leistungsvermögen ausschöpfen zu können, zu. Nun muss der 19-Jährige auch liefern und seinen eigenen extrem hohen Ansprüchen gerecht werden. Mittlerweile ist er der absolute Star der Mannschaft und jener Salzburger, der mit Sicherheit die meiste internationale Aufmerksamkeit in der "Königsklasse" abbekommen wird. Die Performance von Salzburg in diesem Herbst wird mit Dominik Szoboszlai fallen und stehen. Packt der Ungar einen seiner Traumtage auf, kann er Spiele im Alleingang entscheiden - auch gegen Top-Klubs.

Wie sehen die Ziele aus?

Wie schon im letzten Herbst mit dem FC Liverpool bekommen es die "Bullen" erneut mit dem amtierenden Champions-League-Sieger zu tun, der bekanntlich Bayern München heißt. Dazu kommt mit Atletico Madrid eines der am unangenehmsten zu bespielenden Teams in ganz Europa. Der dritte Gegner, Lok Moskau, ist immerhin russischer Vizemeister. Im Lager der Salzburger war man sich einig, dass die Aufgabe heuer noch um einen Tacken schwieriger ist, als jene vom Vorjahr. Realistischerweise wird Salzburg in dieser Gruppe nichts mit dem Aufstieg ins Achtelfinale zu tun haben und sich stattdessen mit Lok Moskau um den Umstieg in die Europa League matchen.

Wunder waren bei Salzburg in den letzten Jahren aber alles andere als eine Seltenheit, immer wieder wurden deutlich höher eingestufte Gegner eliminiert. "Unmöglich ist nichts, wir haben international schon viele gute Spiele abgeliefert. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und keine Angst haben", sagt etwa Andreas Ulmer, der in seinen fast zwölf Jahren in Salzburg schon des Öfteren hautnah miterlebt hat, wie etwas Unmögliches möglich gemacht wurde. Gegen die Bayern, die den Schwung über den Sommer bravourös mitgenommen haben, wird es wenig zu holen geben - auch wenn das letzte direkte Duell, ein Testspiel in der Wintervorbereitung 2014, mit 3:0 für Salzburg ausging. Die direkten Duelle mit Atletico werden die Richtung vorgeben, in die sich die Salzburger Ambitionen bewegen können. Gelingt es Jesse Marsch und Co. einen Matchplan gegen die ausgekochten Madrilenen zu erarbeiten und die weltberühmte Defensive mit Dynamik und schnellem Umschaltspiel zu brechen, könnten die "Rojiblanco" zu biegen sein. Gegen Lok Moskau gilt Salzburg ohnehin als klarer Favorit.

Textquelle: © LAOLA1.at

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