NEWS

Woran sich "brutal dominante" Bullen die Zähne ausbeißen

Hartberg mauert sich mit kompromisslosem Defensiv-Fußball fast bis in die Meistergruppe. Manfred Schmids "Catenaccio" übersteht in Salzburg auch Daniel Beichlers Trainer-Effekt.

Woran sich "brutal dominante" Bullen die Zähne ausbeißen

90 Minuten Bundesliga-Fußball ohne einen einzigen Treffer. Auch Spitzenreiter Salzburg kann daheim den tiefen Block der Hartberger nicht knacken ( < < < Spielbericht).

Ganz überraschend ist das nicht: Der TSV Hartberg stellt mit 23 Gegentoren aus 21 Partien die zweitbeste Defensive der Liga. Trainer Manfred Schmid hat seine Truppe zu einem Abwehrbollwerk geformt, an dem Spitzenmannschaften zerbrechen.

Die Oststeirer machen alles dicht

Salzburg-Schlussmann Alexander Schlager zollt der Defensiv-Taktik der Hartberger Respekt: "Das ist nicht leicht, du spielst gefühlt gegen 14, 15, Leute. Es ist immer noch irgendein Fuß hinten im Sechzehner."

Es ist kein Zufall, dass Salzburg trotz einer drückenden Überlegenheit in allen Werten von Ballbesitz bis Expected Goals weit besser als Hartberg abschneidet, aber über ein Remis nicht hinauskommt.

Schmid: "Können absolut stolz sein"

TSV-Coach Manfred Schmid ist stolz auf den "Kernöl-Catenaccio", den er in der Oststeiermark aufgebaut hat: "Wir können absolut stolz sein, wenn man gesehen hat, wir uns taktisch verhalten haben im defensiven Bereich. Die Jungs haben sich in jeden Zweikampf reingeschmissen, haben alles am Platz gelassen."

Und das gegen einen auf dem Papier deutlich stärkeren Gegner. "Man darf nicht vergessen," setzt Schmid nach, "wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die dem LASK letzte Woche noch fünf Tore gemacht hat."

Dass das heute nicht geglückt ist, liegt eben am taktischen Ansatz der Hartberger, analysiert Schlager: "Der LASK hat uns dann doch den einen oder anderen Raum mehr gegeben. Vor allem im Umschalten, wenn wir den Ball gewonnen haben. Wir haben ja heute eigentlich durchgehend den Ball gehabt."

Vorgenommen und umgesetzt

Das Meister-Jahrzehnt der Bullen ist längst vorbei, Salzburg ist trotzdem noch ein hartes Pflaster für die Gastmannschaften. In allen ihrer mittlerweile acht Bundesliga-Saisonen waren die Hartberger für neun Spiele bei den Bullen zu Gast, kein einziger Punkt wollte dabei gelingen.

Entsprechend stark favorisiert waren die Mozartstädter vor dem Spiel. "Wir haben gewusst, es wird eine schwere Aufgabe", sagt Tobias Kainz, der heute Jürgen Heil als Hartberg-Kapitän vertreten hat, im SKY-Interview.

Und: "Wir haben uns der Aufgabe gestellt und sind mit einem Punkt herausgegangen."

Mit den überlegenen Spielanteilen der Salzburger hat Kainz kein Problem. "Wir haben gewusst: Es gibt Phasen, wo man leidet gegen so einen Gegner. Deshalb haben wir uns das so vorgenommen und auch umgesetzt."

Salzburg "brutal dominant" und doch torlos

Neo-Red-Bull-Chefcoach Daniel Beichler will bei seinem Heimdebüt kein schlechtes Wort über die Leistung seiner Kicker verlieren.

"Ich hab eine sehr sehr dominante Leistung meiner Mannschaft gesehen. Von der ersten Sekunde bis zur letzten brutal dominant", ist der 37-jährige Jungtrainer mit dem spielerischen Übergewicht zufrieden.

Am bleibt jedoch der Wermutstropfen: "Was uns natürlich nicht gelungen ist, am Ende dann so zielstrebig und so gnadenlos in der Box zu sein, dass wir vielleicht einmal das Tor erzwingen."

Der "letzte Schritt" gelingt noch nicht

Ein systematisches Problem mit der Kreativität will Beichler seiner Mannschaft nicht unterstellen: "Ich finde auf jeden Fall, dass wir genug Lösungen gefunden haben gegen diesen tiefen Gegner. Am Ende haben wir die letzten ein, zwei Pässe nicht sauber ausgespielt. Beim letzten Ball, beim Abschluss waren wir nicht gnadenlos genug."

Mit dem Weg hin zu den letztlich vergebenen Vorlagen und Abschlüssen ist der neue Salzburg-Trainer höchst zufrieden. "Das ist der letzte Schritt. Aber den vorletzten, dort hin zu kommen, den haben die Jungs ganz gut gemacht", lobt Beichler die Bemühungen seiner Kicker.

"Man merkt, bei Salzburg ist wieder mehr Zug drin", sieht auch Hartberg-Kicker Kainz eine positive Entwicklung seit Beichlers Amtsantritt.

Hartberg auf dem Weg in die Meistergruppe

Der späte Ausgleich des SCR Altach gegen Rapid hat den Hartbergern den ganz großen Erfolg noch verwehrt. Hätten die Vorarlberger verloren, wäre Hartberg fix in den Top sechs der Tabelle am Ende des Grunddurchgangs gestanden.

So besteht noch eine theoretische Chance, um die Teilnahme an der Meistergruppe umzufallen. Höchst zufrieden ist Manfred Schmid mit der Saisonleistung seiner Mannschaft trotzdem.

"Wir haben ein Top-Ergebnis erreicht, das uns sehr nahe an unser Ziel bringt. Das wollen wir nächste Woche vollenden, da liegt es an uns und wir haben es selber in der Hand," analysiert Schmid die Chancen seiner Mannschaft auf die Top sechs.

"Gibt kein anderes Ziel als die Top sechs"

Gegen Blau-Weiß Linz reicht den Hartbergern daheim ein einziger Punkt, um den Platz in der oberen Tabellenhälfte endgültig zu fixieren. "Ich bin sehr zuversichtlich. Ich gehe davon aus, dass wir total fokussiert in dieses Spiel gehen werden und alles unternehmen, dass wir es auch gewinnen."

Ähnlich zuversichtlich geben sich Schmids Spieler. Im Interview bei "Sky" wird Keeper-Koloss Tom Ritzy Hülsmann deutlich: "Mit der Ausgangslage gibt es kein anderes Ziel als die Top sechs." Dieses Ziel wäre allerdings auch mit einem weiteren 0:0 gegen die Stahlstädter erreicht...

Der Bundesliga-Tabellenrechner:

Kommentare