Viele Diskussionen nach Rapid-Sturm

 

Der SK Sturm Graz reist am Sonntag mit etwas gemischten Gefühlen aus Wien ab.

Zum einen kann man durchaus stolz darauf sein, dass man trotz einer guten Stunde in Unterzahl gegen Rapid Wien einen Punkt aus Hütteldorf entführen konnte (Spielbericht >>>), zum anderen bereitet aber genau jener Platzverweis von Kelvin Yeboah in der 39. Spielminute noch lange nach Schlusspfiff eine Menge Kopfzerbrechen.

Nach einem Zusammenprall mit Rapid-Torhüter Richard Strebinger außerhalb des Rapid-Sechzehners musste der qurilige Sturm-Angreifer, der bis zum Zeitpunkt des Ausschlusses einer der besten Spieler am Platz war, seinen Platz am Spielfeld räumen - sehr zum Unmut der Grazer.

"Yeboah, der bis dorthin ein fantastisches Spiel gemacht hat, geht auf den Ball, schaut nur auf den Ball. Strebinger kommt raus und es kommt zum Zusammenstoß", beschreibt Sturm-Cheftrainer Christian Ilzer nach dem Spiel gegenüber "Sky" die Szene.

Dass es ein Foul seines Schützlings war, ist für Ilzer zwar unstrittig, die Entscheidung, Rot zu zeigen, ist für den Steirer jedoch unvertretbar: "Man muss sagen, es war ein gefährliches Spiel von Yeboah. Für mich eine klare Fehlentscheidung, maximal eine Gelbe Karte."

Jantscher hinterfragt Schiedsrichter-Argumentation

Auch Jakob Jantscher, der direkt nach Schlusspfiff zu einer Stellungnahme gebeten wurde, zeigt sich mit der Entscheidung von Schiedsrichter Stefan Ebner alles andere als zufrieden. "Was mich ärgert, ist die Argumentation vom Schiedsrichter. Er hat zu uns gesagt, dass er ihn mit dem Fuß am Kopf getroffen hat. Ich habe es nicht gesehen, aber ich glaube nicht, dass das so war."

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Selbst nach erneuter Begutachtung der Szene hält Jantscher an seinem Punkt fest. "Es ist brutal, das ist schon richtig. Ich glaube nicht, dass er ihm mit der Sohle im Gesicht getroffen hat. Das ist für mich die falsche Argumentation."

Schiedsrichter Ebner: "Würde Entscheidung wieder so treffen"

Eben dieser Stefan Ebner steht auch nach dem Spiel bei "Sky" Rede und Antwort, führt für seine Entscheidung, auf Rot zu zeigen, aber nicht unbedingt die gleichen Gründe, wie von Jantscher angegeben, an.

"Yeboah nimmt durch seine Attacke die Verletzung des gegnerischen Torwarts in Kauf. Wir sind im Bereich der übermäßigen Härte. Strebinger spielt den Ball mit dem Kopf weg, so wie Yeboah dann in den Zweikampf geht, ist es kein Kampf mehr um den Ball. Das Verletzungsrisiko für den Torwart war da zu groß", beschreibt der Referee die Szene.

Auch in Nachbetrachtung würde der Referee wieder die gleiche Entscheidung treffen und Yeboah des Feldes verweisen. "Nach der Bildbetrachtung würde ich meine Entscheidung wieder so treffen."

Strebinger: "Torhüter gehören geschützt"

"Ein Schwerpunkt der Schiedsrichter ist immer der Schutz der Spieler. Man kann diskutieren, Strebinger hat weiterspielen können. Wäre Strebinger auf der Bahre rausgetragen worden, dann würde jeder sagen, die Rote Karte ist okay, weil eine Verletzung eingetreten ist. Ich beurteile aber das Vergehen und das war für mich kein gefährliches Spiel, sondern übermäßige Härte", ergänzt Ebner.

Ein großer Befürworter der Erläuterung von Ebner ist Richard Strebinger, der sich dafür ausspricht, Torhüter mehr zu schützen. "International, aber auch in Österreich, herrscht das Gefühl, wenn der Torwart den Strafraum verlässt, ist er selber Schuld, wenn dann was passiert. Da bin ich natürlich auf der Seite pro Torhüter. Ich finde, dass Torhüter in solchen Situation geschützt gehören. Wenn ich mit dem Gestreckten daherkomme, darf ich mich auch nicht beschweren, wenn es dann eine Rote Karte gibt."

Ebner steht auch zu Nicht-Elferpfiff

Doch nicht nur in der 39. Spielminute stand Schiedsrichter Ebner im Mittelpunkt. Auch in der zweiten Halbzeit zog der Unparteiische den Unmut der Grazer auf sich, als er bei einer strittigen Nicht-Entscheidung auf Elfmeter abermals gegen Sturm pfiff.

Mit Kuen und Kiteishvili gingen in der 62. Minute gleich zwei Grazer im Rapid-Strafraum zu Boden, vor allem das zweite Einsteigen von Stojkovic gegen Kiteishvili, hätte laut Meinung der "Blackies" einen Elfmeterpfiff zur Folge haben müssen.

Doch auch bei dieser Situation bleibt Referee Ebner voll und ganz bei seiner bereits auf dem Spielfeld ausgeführten Entscheidung. "Ich bin unmittelbar daneben gestanden. Stojkovic hat den Ball vorher klar gespielt, es kommt nachher zum Kontakt. Aber für mich ist das ein Kampf um den Ball. Auch hier würde ich sagen, dass ich wieder so entscheiden würde."

Ilzer ist auch bei dieser Sachlage naturgemäß einer anderen Meinung. "Beim Foul an Kuen würde ich sagen, das kann man weiterlaufen lassen. Beim Foul an Kiteishvili kann man durchaus über unseren ersten Elfmeter im 25. Spiel diskutieren."

Ilzer: "Waren in Unterzahl gefährlicheres Team"

Was bleibt, ist ein Spiel, in dem Sturm auch trotz Unterzahl eine Reihe an Chancen vorgefunden hat, man aber dennoch mit dem Punkt wohl oder übel zufrieden sein muss.

"Ich glaube, dass es schade ist. Durch die Rote Karte ist das Spiel dann zerfahren gewesen. Wenn wir mit elf Leuten fertiggespielt hätten, wäre mehr drinnen gewesen. Wir haben eine gute Partie abgeliefert, auch in Unterzahl", findet Jantscher.

"Umso länger das Spiel gedauert hat, desto besser haben wir es in den Griff bekommen, bis dann der Schiedsrichter was dagegen hatte und das Spiel massiv verändert hat", beschreibt Ilzer die erste Hälfte. Noch zufriedener zeigt sich der Coach mit der zweiten Spielhälfte seiner Mannschaft.

"Wir sind aus der Pause gekommen und haben gesagt, wir wollen Nadelstiche setzen. Wir haben auf ein Tor gespielt, wir haben es uns zugetraut, auch in Unterzahl ein Tor zu machen. Das hat meine Mannschaft überragend gemacht. Ich denke, wir waren in Unterzahl das gefährlichere Team, haben uns den Punkt so mehr als verdient", so Ilzer.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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