Heiko Vogel: "Demut steht vor unseren Zielen"

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Heiko Vogel hat ein neues Lieblingswort: Situationselastisch.

Den Ausdruck, der von einem früheren Verteidigungsminister geprägt und 2014 Wort des Jahres in Österreich wurde, hat der Deutsche von Präsident Christan Jauk gelernt und ist auf unterschiedliche Art und Weise auf die Arbeit des neuen Sturm-Trainers umlegbar.

Zum einen im Hinblick auf seine Spielphilosophie. Vogel macht kein Hehl daraus, dass er gerne sogenannten Ballbesitz-Fußball spielen lässt. "Ich glaube aber, dass man nie so stur sein darf, um auf sein Konzept zu pochen, sondern man muss es den Bedingungen anpassen."

Gleiches gilt auch für den Umgang mit der Mannschaft, die er am 4. Jänner erstmals trainieren wird. "Man muss wissen, wann die Mannschaft Ruhe braucht. Manchmal braucht sie auch einen verbalen Arschtritt. Dafür bin ich mir nicht zu schade", sagt Vogel.

Dass er seine Karriere nach Stationen in Ingolstadt, Basel und im Nachwuchs des FC Bayern nun bei Sturm fortsetzt, führt er auf die für ihn außergewöhnliche Herangehensweise von Sportchef Günter Kreissl zurück.

"Die Treffen mit Günter Kreissl waren nicht nur hoch professionell, sondern auch total überzeugend. Wir haben öfters intensive Gespräche geführt. Das habe ich geschätzt, das kommt in der Branche nicht immer so oft vor", sagt Vogel. 

Bevor er das Kommando in Graz übernimmt, wird er sich aber noch im Hintergrund halten und in den verbleibenden beiden Spielen des Kalenderjahres auch nicht im Stadion sein: "Ich denke, dass es der Respekt gebührt, den man Franco Foda und seinem Team zollen muss."

HEIKO VOGEL ÜBER...

...DEN SK STURM: Ich habe mir viele Spiele angeschaut. Was ich gesehen habe, hat mich total begeistert. Ich bin ein Trainer, der eine Fantasie mit dem Kader haben muss, der eine Fantasie mit den Spielern haben muss. Die ist de facto vorhanden. Ich möchte auch gleich sagen: Die Arbeit, die Franco Foda und sein Team leisten, ist sensationell gut. Es spricht für Harmonie und ein klares Konzept. In solchen Kategorien fühle ich mich sehr wohl.

...FRANCO FODA: Ich kenne Franco seit 2000, da haben wir in Duisburg zusammen die A-Lizenz gemacht. Danach haben wir uns in regelmäßigen Abständen getroffen, er war auch einmal in München. Ich habe mich jetzt schon mit ihm ausgetauscht und möchte natürlich davon profitieren. Er ist sehr nahe an der Mannschaft, er kennt sie am besten. Außerdem schätze ich ihn als Experten und Kollegen, sodass ich seine Informationen gerne mitnehme.

...DRUCK BEI STURM: Ich verspüre gar keinen Druck, das ist auch gar nicht notwendig. Was ich spüre, ist eine unglaubliche Vorfreude. Ich freue mich auf den ersten Tag, an dem ich mit der Mannschaft auf dem Platz stehen kann. Das ist die Emotion, die aktuell für mich im Vordergrund steht. Mit Druck beschäftige ich mich dann, wenn ich ihn verspüre. Das ist immer subjektiv.

...SEINE SPIELPHILOSOPHIE: Ich betone, dass ich gerne Ballbesitz habe. Ich habe aber vom Präsidenten (Christian Jauk, Anm.) ein schönes Wort gelernt. Das heißt situationselastisch. Genau so handhabe ich es auch. Jeder Trainer hat sein Konzept. Ich glaube, dass man aber nie so stur sein darf, um auf sein Konzept zu pochen, sondern muss es auch den Bedingungen anpassen. Es ist mit Sicherheit so, dass ich mich sehr gerne mit Ballbesitz beschäftige. Das heißt aber auch, dass ich mich damit beschäftige, den Ball wieder zu bekommen, wenn ich ihn verliere. Ich will mich also gar nicht in eine Kategorie pressen lassen.

...DAS NIVEAU DER ÖSTERREICHISCHEN BUNDESLIGA: Ich gehe davon aus, dass sich die österreichische Liga im Vergleich zur Schweizer Liga nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil.

...MÖGLICHE BAYERN-NACWUCHSSPIELER BEI STURM: Ich möchte es nicht ausschließen, aber ich denke, dass der Fokus ganz klar auf den Jungs hier liegt. Wenn man glaubt, diese jungen Spieler hier nicht adäquat zu finden, dann kann man vielleicht ein bisschen weiter schauen.

...SEIN SAISONZIEL MIT STURM: Ich denke, dass wir vor allen Träumen und Zielen das Wort Demut setzen müssen. Es gilt, die Leistung, die man jetzt gebracht hat, zu bestätigen. Das ist am schwierigsten. Wir wollen, dass die Mannschaft das Beste aus sich herausholt. Dafür sind wir verantwortlich. Wohin das dann führt, sehen wir dann, wenn die Spieltage gespielt sind. Für mich ist es immer attraktiv, europäisch zu spielen. Ich glaube, das liegt im Bereich des Möglichen.

...SEINEN ASSISTENTEN PATRICK DIPPEL, DER BEI STURM VIDEOANALYST WIRD: Er ist mein engster Vertrauter. Ich habe ihn bei Bayern kennen und schätzen gelernt. Er ist im Trainerstab federführend dafür verantwortlich, Spielanalyse zu koordinieren und zu machen, Gegner vorzubereiten und Spiele nachzubereiten. Ich kann von mir aus nur sagen, dass ich selten einen Menschen gesehen habe, der das auf dem Niveau so kann.

...DIE FANS BEI STURM: Ich glaube, dass Sturm unglaublich tolle Fans hat, die sehr emotional sind. Sie unterstützen die Mannschaft in jeglicher Hinsicht. Das ist für einen Fußballtrainer doch das Salz in der Suppe. Die Fankultur in Graz ist einzigartig in Österreich. Vor ihnen spielen zu dürfen ist mir eine Ehre.

...SEINE RÜCKKEHR VOM FC BASEL ZUM BAYERN-NACHWUCHS: Für mich war ausschlaggebend, dass ich mich in meiner Arbeit wohlfühle. Bei Bayern habe ich diese Bedingungen vorgefunden. Dort konnte ich dominant Fußball spielen lassen, weil ich positiv formulierte Ziele hatte, es ging nicht darum, den Abstieg zu verhindern. Das ist ein Privileg. Das Privileg genieße ich hier auch. Zudem habe ich Bayern München viel zu verdanken, also wollte ich etwas zurückgeben.

...DIE FÖRDERUNG VON NACHWUCHSSPIELERN: Ich glaube, man kann junge Spieler als Trainer nur dann einbauen, wenn sie die Qualität mitbringen. Der Weg vom Jugendfußball in die erste Mannschaft ist nicht planbar. In Basel gab es Shaqiri und Xhaka. Das sind Ausnahmetalente. Die sind nicht alltäglich und nicht alljährlich. Wenn aber ein Talent dieser Qualität vorhanden ist, dann ist es meine bedingungslose Pflicht, ihm das Vertrauen zu schenken. Aber man kann es nicht erzwingen.

...DIE ROLLE VON KOMMUNIKATION IN SEINER ARBEIT: Ich rede mit meinen Spielern, weil ich eine Verständnis-Basis schaffen will. Ich bin der Meinung, wenn jemand etwas tut, weil er es versteht, macht er es besser als wenn er es nur macht, weil ich es will. Deswegen ist Kommunikation ein wichtiger Faktor meiner Arbeit. Die geht aber von humorvoll bis sehr bestimmt und auch einmal laut. Auch da bin ich situationselastisch. Man muss immer das Fingerspitzengefühl haben, um zu wissen, ob die Mannschaft Ruhe braucht. Manchmal braucht die Mannschaft auch einen verbalen Arschtritt. Dafür bin ich mir nicht zu schade.

 

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Textquelle: © LAOLA1.at

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