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Mann kritisiert Salzburg: "Man hängt in der Vergangenheit fest"

Der Deutsche findet deutliche Worte als Grund dafür, warum es bei den "Bullen" nicht mehr läuft. Für den Sommer kündigt er große Kader-Investitionen an.

Mann kritisiert Salzburg: "Man hängt in der Vergangenheit fest" Foto: © GEPA

Marcus Mann denkt einen Groß-Umbruch beim FC Red Bull Salzburg an.

Der im Winter zu den "Bullen" gestoßene Sportchef nutzte die ersten Monate seiner Amtszeit, um aus nächster Nähe eine Problem-Diagnostik in der Mozartstadt zu betreiben, und ist zu folgendem Schluss gekommen:

"Man hängt sehr in der Vergangenheit fest", erklärt der Deutsche in der Sendung "Talk und Tore".

Wird Mann in Salzburg blockiert?

"Wir müssen uns öffnen, um uns weiterzuentwickeln. Diese Offenheit spüre ich noch nicht so ganz beim FC Red Bull Salzburg"

Marcus Mann

Dies betreffe zum einen das verzweifelte Festhalten am mittlerweile überholten, teils zu einseitigen Pressing-Fußball, der Salzburg vor rund einem Jahrzehnt international so erfolgreich machte. Andererseits die jahrelang praktizierte Transferpolitik, einzig und allein ganz junge Spieler zu holen, um diese teuer weiterzuverkaufen.

Bisher dürfte Mann bei seinem Reformation-Vorhaben allerdings noch auf Gegenwind stoßen. "Wir müssen uns öffnen, um uns weiterzuentwickeln. Diese Offenheit spüre ich noch nicht so ganz beim FC Red Bull Salzburg."

Der Deutsche wirkt etwas überrascht von den Strukturen in Salzburg und plant, diese aufzubrechen.

"Mir war bewusst, dass es einiges zu tun gibt, aber ich bin auch ehrlich: Es gibt ein paar Sachen, die ich jetzt erkannt habe, die ich im Vorfeld nicht am Schirm hatte. Es ist vielleicht doch etwas mehr zu tun, als mir lieb ist", so Mann.

Keine Wohlfühloase mehr

Es gehe darum, die Qualität auf allen Ebenen zu erhöhen und die Arbeitsmoral im Verein im Gesamten wieder zu erhöhen. "Ich mag das Wort 'Wohlfühloase' überhaupt nicht, trotzdem sind ein paar Sachen in den letzten Jahren entstanden wie etwa Freundschaften, die die Konsequenz in der täglichen Arbeit vermissen lassen. Da müssen wir einen Gang zulegen."

Dass Salzburg in der Vergangenheit große Erfolge mit dem bisherigen Modell gefeiert habe, sei zwar schön und recht, "aber wir bekommen nirgends den Roten Teppich dafür ausgerollt. Das ist schon ein Punkt, den wir verinnerlichen müssen: Dass wir zwar nicht bei Null anfangen, aber einiges zu tun haben", erklärt Mann.

Nicht zuletzt an der Spielidee will er rütteln: "Das Spiel gegen den Ball können jetzt auch die anderen Mannschaften, wir müssen auch wieder Lösungen mit dem Ball finden und mehr Torchancen herausspielen."

"Müssen wieder mehr ausgeben als in den letzten Jahren"

Am direktesten eingreifen kann Mann freilich mit Transfers - und zwar vor allem mit eingehenden. "Die Qualität wieder zu erhöhen, geht eben nicht nur mit Verkäufen, dem müssen wir uns bewusst sein. Das wird sicher ein Punkt sein, den ich relativ deutlich ansprechen werde."

In diesem Atemzug kündigt der 42-Jährige wieder größer angelegte Investitionen - sprich jene jenseits der Zehn-Millionen-Euro-Marke - an, die zuletzt als eher verpönt in Salzburg galten.

"Wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass, wenn wir besser werden wollen, man vielleicht auch wieder mehr ausgeben muss, als man das in den letzten Jahren getan hat", erklärt er. In diesem Zusammenhang spricht Mann von momentan fehlenden "Anker-Spielern".

"Der muss nicht unbedingt 33 sein. Uns fehlt in der Mannschaft momentan einfach jemand im Bereich von 23 bis 27 Jahren. Diese Spieler, die voll im Saft stehen, die aber auch schon ein paar Spiele in den Knochen haben und wissen, wie man ein Spiel beruhigen oder schnell machen kann", lautet Manns Vision.

Der Transfermarkt hat sich verändert

Gleichzeitig ist sich der Sportchef bewusst, dass solche Spielerprofile "am schwierigsten zu überzeugen sind, dass sie zu uns kommen".

Ein Umdenken am Transfermarkt sei allerdings alternativlos, da sich jener in den letzten Jahren stark verändert habe. "Für Red Bull Salzburg ist es nicht mehr so einfach, diese Qualität wie früher zu bekommen, weil es viele andere Klubs gibt, die auch junge Spieler ausbilden und hohe Transfererlöse erzielen wollen. Der Fußball an sich hat sich verändert."

Und der FC Red Bull Salzburg sich nicht mit ihm. "Wir hängen noch in der Vergangenheit fest", wiederholt sich Mann.

Die zukünftigen Haalands und Co. kommen tendenziell nicht mehr nach Salzburg

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Die Dominik Szoboszlais und Erling Haalands der Zukunft sind immer schwerer zu bekommen
Foto: ©GEPA

Freilich sei es auch in den letzten Jahren gelungen, Spieler auszubilden und für viel Geld weiterzuverkaufen; auch im kommenden Sommer werde der ein oder andere Spieler den Sprung schaffen. "Trotz all den Themen, die wir haben, locken unsere Spieler weiterhin Interessen am Markt."

Gleichzeitig weiß Mann: "Ein Szoboszlai, Haaland und so weiter war in den letzten Jahren nicht dabei. Insbesondere im Offensivbereich ist es natürlich schwierig, die ganz großen Juwelen zu bekommen."

"...dann bin ich überzeugt, dass wir in die Erfolgsspur zurückkehren"

Die eigene Akademie soll dennoch weiterhin ein großer Bestandteil im Salzburger Modell sein, die Altersstruktur im Kader wird jünger bleiben als bei den meisten Mannschaften.

Dennoch will Mann mit den "Bullen" einen neuen Weg einschlagen. "Meine Aufgabe ist es, diesen zu definieren, ihn an die jetzigen Gegebenheiten anzupassen und ihn mit Überzeugung zu verfolgen. Dann bin ich überzeugt, dass wir wieder in die Erfolgsspur zurückkehren."

Mann will aktuelle Saison noch nicht abhaken

Auch wenn dieser neue Weg wohl frühestens im Sommer eingeschlagen werden kann, will man in Salzburg die aktuelle Saison nicht abschenken.

"Ich rede von vielen Dingen, die nicht funktionieren, trotzdem muss ich festhalten, dass wir jetzt am zweiten Platz stehen und die Saison nicht abhaken dürfen. Ich kann heute auch nicht sagen, wo wir am Ende landen, weil es jede Woche eine Überraschung ist, wie wir spielen", so Mann.

Genau diese Überraschungsmomente in Bezug auf die eigene Mannschaft möchte der Salzburger Sportchef in Zukunft nicht mehr erleben. Dafür muss sich in der Mozartstadt tatsächlich einiges tun.

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