James Holland: Das Leben ist ein Auf und Ab

Aufmacherbild
 

Es ist ein kleines Jubiläum. Wenn am Donnerstag (ab 18:55 Uhr im LIVE-Ticker) das Rückspiel zwischen dem LASK und Alkmaar angepfiffen wird, steht James Holland zum 25. Mal in seiner Karriere bei einem Europacupspiel am Feld.

Und das just gegen jenes Team, bei dem der Australier vor elf Jahren sein Europa-Abenteuer gestartet hat.

Dabei war der Traum von einer Karriere in Europa für den inzwischen 30-Jährigen fast geplatzt, ehe er überhaupt begonnen hatte. Als der Mittelfeldspieler 2008 als junges, hoffnungsvolles Talent in die Niederlande reiste, um ein Probetraining in Alkmaar zu absolvieren, war AZ soeben Meister geworden und hatte mit Louis van Gaal einen prominenten Trainer.

„Nach dem Probetraining hat er mich in sein Büro gerufen und mir diese Worte gesagt: ‚James, du bist taktisch nicht gut genug, und du bist zu alt, um es zu lernen. Du bist zu alt, um zu lernen, also ist es zu spät‘“, erinnert sich Holland.

"Ich saß nur da und hab mich am Kopf gekratzt, mir gedacht: ‚Was ist da passiert?‘“

Daraufhin habe er mit dem Kapitel abgeschlossen und sei nach Hause geflogen. Doch das Leben hält eben immer wieder mal unerwartete Wendungen parat. „Später habe ich einen Anruf bekommen, sie haben mir einen Vertrag für viereinhalb Jahre angeboten. Ich saß nur da und hab mich am Kopf gekratzt, mir gedacht: ‚Was ist da passiert?‘“, so der LASK-Profi.

Offenbar hatte Marcel Brands, damals Sportdirektor in Alkmaar, van Gaal doch noch davon überzeugen können, das Talent aus Down Under zu holen. Dass sich van Gaals Begeisterung für den Youngster dennoch in überschaubaren Grenzen hielt, beweist der Umstand, dass er ihn kein einziges Mal einsetzte.

Kein Land in den Niederlanden

Doch auch seine Nachfolger Ronald Koeman, Dick Advocaat und Gertjan Verbeek konnten sich nicht dazu durchringen, Holland mal in einem Pflichtspiel im Alkmaar-Trikot aufs Feld zu schicken. Also verließ der Australier den Klub nach drei Jahren wieder, ohne jemals für die Profis gespielt zu haben. Im Frühjahr 2011 durfte er immerhin leihweise in der zweiten Liga bei Sparta Rotterdam ein wenig Spielpraxis sammeln.

Ein doch recht heftiger Karriereknick für einen, für den es zunächst sehr schnell bergauf gegangen war. Als Holland im Oktober 2007 sein Erstliga-Debüt für die Newcastle United Jets gab, traf er bereits nach 16 Minuten zur 1:0-Führung. Der 18-Jährige avancierte damit zum jüngsten Torschützen in der noch kurzen Geschichte der A-League.

Foto: © GEPA

„Da war plötzlich viel Aufmerksamkeit da. Für mich als jungen Burschen war das ein tolles Gefühl“, erinnert sich Holland. Damals war der Nachwuchs-Internationale noch Offensivspieler, Tore standen an der Tagesordnung.

Schwer zu glauben, wenn man sich an jenen „Jimmy“ Holland erinnert, der im Jänner 2012 bei der Wiener Austria aufschlug. Über Vermittlung seines Landsmannes Joey Didulica, der in Australien geboren und aufgewachsen war, allerdings für Kroatien spielte, landete er bei den Veilchen. Ablösefrei, Alkmaar ließ ihn einfach so ziehen.

Anlaufschwierigkeiten in Wien

Es war keine einfache Zeit in Wien-Favoriten. Ivica Vastic hatte für Langzeit-Coach Karl Daxbacher übernommen, das Team konnte nie überzeugen, sah sich Protesten der Fans ausgesetzt, verpasste den Europacup. Holland spielte im ersten Halbjahr mal mehr, mal weniger, meist eher schlecht als recht.

Ganz anders die darauffolgende Spielzeit. Die Violetten legten unter Peter Stöger eine unfassbare Saison mit Punkterekord hin. Auch der Australier präsentierte sich auf der Sechs wie verwandelt, räumte alles ab und hielt seinen Vorderleuten wie Alex Gorgon, Tomas Jun, Alex Grünwald und Philipp Hosiner den Rücken frei.

Zur Belohnung gab’s für den Fan-Liebling seine erste und bisher einzige Champions-League-Saison und am Ende dieser ein Ticket für die WM 2014 in Brasilien.

Wenn man so will, war das irgendwie der Knackpunkt. Die „Socceroos“ verabschiedeten sich nach Niederlagen gegen Chile, die Niederlande und Spanien sang- und klanglos, der Austrianer kam kein einziges Mal zum Einsatz. Was die große Bühne werden sollte – Holland träumte stets von Manchester United oder der Serie A – war ein Reinfall.

"Zu Beginn meiner Karriere in Australien habe ich eine Menge Tore geschossen und viele Assists geliefert. Ich hatte die Fähigkeit, mich gut zu postieren, um zu vielen Chancen zu kommen."

Also blieb der Sechser noch eine Saison in Wien, doch Trainer Gerald Baumgartner und er fanden nur schwer eine Basis, es war eine Spielzeit geprägt von mäßigen Vorstellungen. Die großen Angebote blieben aus, dennoch zog er weiter, unterschrieb beim MSV Duisburg in der zweiten deutschen Liga.

Gekommen als Offensivspieler, verließ er den FAK als lupenreiner Sechser. „Zu Beginn meiner Karriere in Australien habe ich eine Menge Tore geschossen und viele Assists geliefert. Ich hatte die Fähigkeit, mich gut zu postieren, um zu vielen Chancen zu kommen. In Holland war das ähnlich. Dann bin ich nach Wien gekommen und zu einem Sechser geworden. Unter Stöger hatte ich kaum Möglichkeiten, in der Offensive aufzutauchen, womit ich gut leben konnte, weil mir meine Rolle gefallen hat“, sagt er einmal.

Inklusive Testspielen war „Jimmy“ 163 Mal für die Austria im Einsatz, lediglich zwei Treffer gelangen ihm – im Februar 2015 in einem Freundschaftsspiel gegen Olimpija Ljubljana, im Cup-Halbfinale 2015 gegen den WAC.

Unstete Zeiten

In Duisburg mussten sie den stets unglaublich motivierten Kicker erst einmal ein bisschen zähmen. Bis Ende Februar handelte er sich wegen seiner ungestümen Spielweise zwei Gelb- und eine Rotsperre ein.

Doch im Frühjahr kam das „Känguru“ bei den „Zebras“ an. „Anfangs war er zu wild, jetzt macht er es richtig gut. Er spielt mit ganz geringer Fehlerquote. Ich brauche James mit seiner Erfahrung vor der Abwehr. Er kann dort nicht nur absichern, sondern auch die Bälle verteilen und für Ordnung sorgen“, lobte ihn Trainer Ilia Gruev einmal. Allerdings verlor der Klub in der Relegation zwei Mal gegen die Würzburger Kickers, musste in die 3. Liga. Holland ging nicht mit.

Sein Rückblick: „Ich hätte bei der Austria bleiben können, aber ich wollte eine neue Herausforderung für mich finden. Manchmal geht es auf, ab und an fällt man auf die Nase. So ist das Leben.“

Foto: © GEPA

Plötzlich war da niemand mehr in Europa, der Interesse an ihm hatte. Eine schwierige Situation. Mangels Alternativen entschied sich der 15-fache Internationale im September 2017 zu einer Rückkehr nach Australien, unterschrieb bei Adelaide United, mit dem Ziel, möglichst rasch zurück nach Europa zu kommen.

Wenige Monate später flatterte ein lukratives Angebot von Liaoning aus China ins Haus. Holland unterschrieb. Was genau in China vorgefallen ist, ist unklar. Der Mittelfeldspieler dürfte, wenn überhaupt, nur einen Bruchteil des versprochenen Gehalts bekommen haben, der australische Verband boxte ihn ein halbes Jahr später aus dem Vertrag raus.

„Ich will nicht mehr viel dazu sagen. Es ist nicht Europa, auch wenn die Infrastruktur und das ganze Rundherum passen. Für mich gab es auch die Sprachbarriere, es ist einfach eine andere Welt. In meinem Herzen trug ich stets Europa“, sagte der 30-Jährige nach seinem China-Engagement.

An Michorls Seite

Die erhoffte Rückkehr nach Europa hat dennoch geklappt. Die Austria wollte zwar nichts von ihm wissen, hielt ihn im Sommer 2017 für ungeeignet. Dafür schlug der Bundesliga-Aufsteiger zu, der LASK stattete ihn mit einem Zweijahres-Vertrag aus.

Ein Goldgriff, wie sich längst herausgestellt hat. Nach einem schwierigen ersten Halbjahr, das vom Erlernen der Glasner’schen Taktik und einigen Verletzungen geprägt war, spielte sich Holland in der Startelf der Linzer fest und ist seither aus dieser nicht mehr wegzudenken.

Der Routinier harmoniert perfekt mit seinem Nebenmann Peter Michorl – in 87 Partien stand das Duo gemeinsam am Feld, in diesen Spielen hat der LASK im Schnitt 2,09 Punkte erobert.

Und auch offensiv strahlt der Australier inzwischen mehr Gefahr aus. Vor allem unter Neo-Coach Valerien Ismael ist es diesbezüglich steil bergauf gegangen – drei Tore und acht Assists in 33 Partien sind für Holland-Verhältnisse schon richtig, richtig viel.

Sein Vertrag beim LASK läuft noch bis Sommer 2023. Es deutet derzeit also viel darauf hin, dass in Zukunft noch einige Europacup-Spiele folgen werden.

Textquelle: © LAOLA1.at

Auf dieser Position will Red Bull Salzburg im Sommer nachrüsten

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare