Austria Wien: Taumeln am Abgrund

Austria Wien: Taumeln am Abgrund Foto: © GEPA
 

„Lizenz verweigert: FK Austria Wien (finanziell)“ – 47 Zeichen in der Bundesliga-Aussendung vom Dienstag bedeuten den nächsten Tiefschlag für die Veilchen.

2013 noch in der UEFA Champions League, 2021 ohne Zulassung für Österreichs höchste Spielklasse. Der Niedergang des Bundesliga-Rekordmeisters versetzt Fußball-Fans landauf, landab in Staunen.

Zeit, um sich von diesem Schock zu erholen, hat der FAK keine. Die Zeit drängt, die Lage ist höchstbrenzlig. Die Austria hat eine Woche, um sich zu retten.

Am 21. April endet die Protest-Frist. Bis dahin sind ein „neues Vorbringen und neue Beweismittel zulässig“, so die Statuten der Liga. Aber: „Änderungen des geprüften Jahresabschlusses oder betragsmäßige Änderungen der Erwartung und des Budgets sowie des Liquiditätsplans sind jedoch unzulässig.“

Insignia winkt ab

Laut „Krone“ fehlen sieben Millionen Euro, um in zweiter Instanz einen positiven Lizenzbescheid zu erhalten. Am 27. April fällt die Entscheidung. Danach bleibt noch der Gang zum Ständigen Neutralen Schiedsgericht.

Was tatsächlich fehlt, ist unklar. AG-Vorstand Markus Kraetschmer will derzeit keine Stellungnahme abgeben, sondern sich vorerst voll und ganz auf den Protest konzentrieren.

Dabei schien noch Anfang März das größte Übel abgewendet. Mit der „Insignia Group“ präsentierte der Klub einen neuen strategischen Partner. „Wir sind wirtschaftlich abgesichert“, verkündete Kraetschmer. Die versprochene Bankgarantie soll aber nie fixiert worden sein.

Am Tag der Lizenzverweigerung verkündete Luka Sur, von Insignia in den violetten Aufsichtsrat entsandt: „Die Lizenz zu erhalten, war nie unsere Verpflichtung.“ Das Engagement der Gruppe wirkt von Tag zu Tag dubioser. Die Verbindlichkeiten in der Höhe von 78 Millionen Euro drücken die Austria zu Boden. Der Handlungsspielraum ist minimal bis gar nicht vorhanden.

Zu allem Überfluss gibt es an Bord des sinkenden Schiffs anscheinend ein Hauen und Stechen. Einigkeit wird längst keine mehr demonstriert. Kraetschmer, jahrzehntelang letztverantwortlich für die wirtschaftlichen Geschicke des Vereins, darf offenbar weitermachen.

Der Aufsichtsrat der Austria Wien AG:

Funktion Person Tätigkeit
Vorstandsvorsitzender Mag. Markus Kraetschmer
Aufsichtsratsvorsitzender Mag. Frank Hensel
AR-Vorsitzender Stv. Dr. Kurt Gollowitzer GF der Wien Holding GmbH
Aufsichtsrat Mag. Harald Himmer ÖVP-Bundesrat, Unternehmensberater
Aufsichtsrat Mag. Gregor Pilgram Vorstandsvorsitzender der Generali Versicherung AG
Aufsichtsrat Josef Oistric Privatier
Aufsichtsrat Dipl. Ing. Johann Pleininger OMV Vorstand
Aufsichtsrat Dipl. Ing. Josef Pröll Generaldirektor Leipnik-Lundenburger Invest Beteiligungs AG, Ex-Vizekanzler
Aufsichtsrat Dr. Johann Sereinig Aufsichtsratsvorsitzender der Energie Burgenland AG
Aufsichtsrat Mag. Julian Jäger Vorstandsdirektor der Flughafen Wien AG
Aufsichtsrat Mag. Marcel Haraszti Aufsichtsratsvorsitzender der Rewe International AG
Aufsichtsrat Andreas Rudas Präsident der Arthur D. Little GmbH

Klub-Boss Frank Hensel soll im Alleingang eine Vertragsverlängerung um ein Jahr bei vollen Bezügen durchgeboxt haben. Der hochkarätig besetzte Aufsichtsrat, der nicht von Schuld freizusprechen ist, diverse Fehlentscheidungen nachweislich abgenickt hat, soll sich zu großen Teilen gegen einen Verbleib Kraetschmers ausgesprochen haben.

Insolvenz als Ausweg?

Ein Ausweg wäre die „Corona-Insolvenz“. Wie Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer im „ORF“ erklärt, könnten die Veilchen ein Sanierungsverfahren anstreben. „Wenn der Insolvenzverwalter Ja sagt, dann kann man die Lizenz erhalten, wenn das Sanierungsverfahren bis 3. März 2022 abgeschlossen ist.“ Eine solche Insolvenz müsste aber bis 21. April gemeldet werden.

Eine Sonderregel in der Corona-Pandemie besagt: Statt eines Zwangsabstiegs dürfte die Austria in diesem Fall in der Bundesliga bleiben, würde aber u.a. mit einem Sechs-Punkte-Abzug starten und dürfte zwei Saisonen lang kein Geld für Zugänge ausgegeben. Ablösefreie Spieler könnten geholt werden. Bei einer Insolvenz hätten jedoch die derzeitigen Spieler der Austria ein Kündigungsrecht und könnten ihrerseits damit ablösefrei gehen.

Robert Zadrazil, Verwaltungsratsvorsitzender der Austria und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria AG, dürfte von dieser Variante kein Fan sein. Immerhin haben die Violetten dem Vernehmen nach einen Kredit in der Höhe von rund 50 Millionen Euro bei der Bank Austria laufen.

Mit Gerhard Krisch, lange Jahre hochrangiger Mitarbeiter der Bank, hat der größte Gläubiger des Vereins seit Neuestem einen Vertrauensmann als zusätzlichen AG-Vorstand bei der Austria.

VIDEO: Das sagt Klub-Legende Andreas Ogris zum Austria-Drama

(Artikel wird unter dem Video fortgesetzt)

Sollten die wirtschaftlichen Probleme praktisch in letzter Minute geklärt werden, bleiben viele weitere Fragezeichen. Denn in sportlicher Hinsicht ist für die kommende Saison wenig geklärt. Mit Peter Stöger verlässt der General Manager Sport den Verein. Die Verträge des gesamten Trainerteams der Kampfmannschaft laufen aus.

Die sportlich Verantwortlichen rund um Stöger, Alexander Bade, der ebenfalls gehen wird, und Ralf Muhr bereiten diverse Entscheidungen vor, welches Budget künftig zur Verfügung steht, wissen sie aber nicht.

Die sportlichen Fragezeichen

Das Gerücht, wonach die Austria ganz pragmatisch jene Männer befördert, die sowieso laufende Verträge haben, macht die Runde. Muhr könnte (wieder) zum Sportchef werden, Violets-Coach Harald Suchard, der im Winter ein Angebot der SV Ried abgelehnt hat, könnte die Profis übernehmen.

Im Kader steht jedenfalls ein großer Umbruch bevor. Insgesamt laufen 13 Verträge aus, darunter jene von Alexander Grünwald, Michael Madl, Stephan Zwierschitz und Thomas Ebner. Auch Christoph Monschein hat keinen Vertrag über die Saison hinaus, er dürfte sich eine neue Aufgabe suchen.

Manprit Sarkaria hat das bereits getan, er unterschreibt für drei Jahre beim SK Sturm – wieder ein Eigenbauspieler, aus dem der FAK kein Kapital schlagen kann (Alle Infos >>>). Generell ist es dieser Tage aufgrund von Corona schwer, vernünftige Ablösesummen zu lukrieren. Noch schwerer ist es, wenn die sportliche Leistung insgesamt unterdurchschnittlich ist und sich somit kaum jemand ins Rampenlicht spielen konnte.

Wenn die Austria im Sommer doch ein Transferplus erwirtschaften möchte, ist Patrick Wimmer der heißeste Kandidat auf einen Wechsel. Der 19-Jährige steht auf der Wunschliste eines Bundesliga-Topklubs ganz weit oben, hat auch Anfragen aus dem Ausland. Dominik Fitz und Benedikt Pichler sind weitere Transfer-Kandidaten.

Und Insignia? Aleksandar Bursac, Merab Jordania und Luka Sur bringen sich angeblich in die Kaderplanung für die kommende Saison ein, schlagen immer wieder potenzielle Neuzugänge vor. Die finanzielle Machbarkeit ist allerdings unklar.

Kein Thema soll indes sein, die Young Violets „einzusparen“. Die zweite Mannschaft des FAK soll auch weiterhin in der 2. Liga spielen. Aber auch da ist ein positiver Lizenzbescheid Grundvoraussetzung.

Die Aufgaben sind mannigfaltig, die Gremien zerstritten, die Zeit läuft ab. Austrias Kampf ums Überleben ist beinhart.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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