Die Austria und ihr Investor

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Im September 2013 hat Markus Kraetschmer bei LAOLA1 erstmals laut über den Verkauf von AG-Anteilen nachgedacht.

Damals war die Wiener Austria gerade in der UEFA Champions League, die Zukunft sah rosig aus. Nicht ganz sieben Jahre später ist sehr viel anders. Die Veilchen spielen zwar in einem runderneuerten Stadion, sind sportlich von der Konkurrenz aber abgehängt worden und finanziell ziemlich in Schieflage geraten.

In Sachen Verkauf von AG-Anteilen befindet sich der FAK inzwischen in der Zielgeraden. 49,9 Prozent sind zu haben. "Das Ziel sollte sein, im Laufe der kommenden Saison 2020/21 diese Entscheidung getroffen zu haben", sagt Kraetschmer im LAOLA1-Interview.

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Gerüchte gibt es zuhauf. So soll etwa Brentford- und Midtjylland-Eigentümer Matthew Benham Interesse gezeigt haben. In der Pole Position steht derzeit aber angeblich ein Konsortium aus Saudi-Arabien.

Der Austria-Vorstand gibt Auskunft über den Stand der Dinge:

LAOLA1: Wie nervös sind Sie vor dem Spiel in Hartberg?

Markus Kraetschmer: Ich bin nicht nervös, ich freue mich darauf. Es ist fraglos ein wichtiges Spiel für uns.

LAOLA1: Was bedeutet der Ausgang dieses Spiels für die finanzielle Lage der Austria?

Kraetschmer: Wir haben als vorsichtige Kaufleute im abgegebenen Lizenzbudget und auch in unserem internen Budget mit keiner Europacup-Teilnahme kalkuliert. Die Qualifikation ist eine sehr harte Mühle – noch dazu, weil sie ja diesmal in nur einem Spiel entschieden wird. Außerdem ist es fix ein Geisterspiel. Eine Europacup-Teilnahme hätte jedenfalls zwei Effekte: Einerseits lebt die Chance auf direkte Europacup-Einnahmen und andererseits können wir neuen Partnern und Spielern eine andere Perspektive bieten. Das würde uns das eine oder andere Gespräch erleichtern.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Sie haben die schwierigen Rahmenbedingungen angesprochen. Ab wann wirft eine Europacup-Teilnahme ernsthaft Gewinn ab?

Kraetschmer: Es gibt viele Fragezeichen, aber in der Gesamtkonstellation würde sich der Europacup erst ab einer Gruppenphase wirklich rechnen.

LAOLA1: Wie prekär ist die finanzielle Lage der Austria aktuell?

Kraetschmer: Sie ist im Moment nicht prekär, sie ist herausfordernd. Es ist – wie für alle anderen Bundesliga-Klubs auch – eine große Phase der Unsicherheit. Es sind sehr viele Fragen offen. Wie wird sich der Transfermarkt entwickeln? Wie wird sich der Sponsorenmarkt entwickeln? Können wir wirklich im Herbst Zuschauer zulassen? Werden die TV-Rechte halten? Wir haben als Austria einen Plan erarbeitet, den wir abarbeiten. Wenn wir die vorher gestellten Fragen vernünftig beantworten können, haben wir die Lage absolut im Griff.

"Es gilt, den besten Partner zu finden, und nicht nur primär das Monetäre ins Auge zu rücken, um dann vielleicht einen Pyrrhussieg zu feiern, der vielleicht kurzfristig toll aussieht, aber dich dann langfristig behindert"

LAOLA1: Die Gerüchte verdichten sich, dass sich die Austria in Sachen „strategischer Investor“ auf der Zielgeraden befindet. Stimmt das?

Kraetschmer: Nein, das stimmt nicht. Ich möchte Gerüchte nicht kommentieren, darf auch vertraglich gar nicht über einzelne Themen sprechen. Bestandteil unseres Planes ist, dass wir einen strategischen Partner finden wollen. Dass die Austria offensichtlich interessant ist, zeigt die Vielzahl der Interessenten, die über "schauma mal" hinaus gehen und bereit sind, konkrete Prozess-Papiere zu fertigen. Es gilt, den besten Partner zu finden, und nicht nur primär das Monetäre ins Auge zu rücken, um dann einen Pyrrhussieg zu feiern, der vielleicht kurzfristig toll aussieht, aber dich dann langfristig behindert. Eine strategische Partnerschaft ist mehr als ein Sponsorvertrag. Wenn einmal Anteile an der AG verkauft sind, ist das eine Grundsatzentscheidung, die getroffen wurde. Es wird wahrscheinlich noch einige Zeit dauern, bis wir hoffentlich den richtigen Partner für die Austria gefunden haben.

LAOLA1: Ich frage nochmal konkret nach: Gibt es ein saudisches Konsortium, das ernsthaft mit der Austria über eine Übernahme von AG-Anteilen verhandelt?

Kraetschmer: Aufgrund der Verschwiegenheit möchte und darf ich nicht konkret über Einzelheiten, das sind Firmen- oder Ländernamen, sprechen.

LAOLA1: Wenn ein Investor AG-Anteile übernimmt, wie weit hat die Austria dann Einfluss auf einen etwaigen Weiterverkauf an einen anderen Investor?

Kraetschmer: Das ist einer der Punkte, die wir unter dem Arbeitstitel „Welche Formen von Rückkaufrecht kann man vereinbaren“ diskutieren. Da geht es auch um Matching-Rights. Da sind wir auch beim Thema Financial Fair Play. Es ist ganz entscheidend, sich mit Exit-Szenarien auseinanderzusetzen, um dann keine böse Überraschung zu erleben. Ein Investor ist kein Gönner, der sagt vielleicht nach einer gewissen Zeit: Jetzt haben wir eine Wertsteigerung erreicht, jetzt möchte ich wieder aussteigen. Dann muss man sehr aufpassen, weil nicht jeder Partner geht. Wir könnten dann nationalen und internationalen Limitierungen ausgesetzt sein – wir könnten dann ein Problem mit dem Financial Fair Play bekommen oder vielleicht nicht Europacup spielen dürfen. Genau solche Themen müssen wir sehr genau analysieren.

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LAOLA1: Die Austria sucht ja einen Partner, der im Fußball-Geschäft schon Erfahrung hat, keinen kompletten Neueinsteiger. Das erschwert die Situation mit etwaigen Europacup-Teilnahmen, etc. sicher.

Kraetschmer: Richtig. Deswegen suchen wir ja keinen reinen Investor, sondern einen strategischen Partner. Der Partner, der einsteigt, würde ja Anteile vom Verein an der Austria Wien AG erwerben. Und da gibt es verschiedene Zugänge. Es gibt Partner mit Erfahrungen, es gibt Partner, die bereits Gruppen gegründet haben, es gibt solche, die die Gruppen aufbauen wollen, es gibt Partner, die sich sehr genau mit dem Thema Datenmanagement beschäftigen. Wir haben abzuwägen: Was ist die beste Option für die Austria? In solch einem Prozess muss man sich die Zeit geben, um nicht am Ende des Tages sagen zu müssen: „Ui, da haben wir jetzt eine falsche Entscheidung getroffen, weil wir geblendet wurden.“ Ich möchte nicht negieren, dass es ums Geld geht, aber es geht nicht ums höchste Angebot, sondern ums beste Angebot.

LAOLA1: Wie groß ist aufgrund der finanziellen Lage die Gefahr, da vorschnell zu entscheiden?

Kraetschmer: Wir haben uns mit der Thematik ja schon länger auseinandergesetzt. Jetzt haben wir eine andere Beschlusslage und eine andere Marktlage – nicht nur wegen Covid-19, das den einen oder anderen Fall aber natürlich nochmal beschleunigt hat – nicht nur in Österreich. Wenn man sich am Markt umhört, ist etwa in Polen und Belgien extrem viel in Bewegung, teilweise mit einer anderen Rechtsituation. Die 50+1-Regel ist bei uns ein großes Thema. Dieses Spezifikum hat am Markt den einen oder anderen schon abgeschreckt. Wir bekommen viele Anfragen, teilweise über Mittelsmänner, die wirklich unseriös sind. Es ist ein genaues Evaluieren der Partner nötig. Die Austria ist ein Traditionsklub, wir sind uns der Verantwortung gegenüber dem Verein, den Fans, den Partnern und der Stadt bewusst.

LAOLA1: Habe ich das richtig verstanden, dass durch den Umstand, dass durch Covid-19 mehrere Klubs in finanzielle Schieflage geraten sind, die Konkurrenz unter den Klubs, die um strategische Investoren buhlen, größer geworden ist?

Kraetschmer: Ja, das würde ich so sehen. Es setzen sich ungleich mehr Klubs mit dieser Thematik auseinander. Uns hilft aber wiederum, dass wir schon vor Covid-19 mit der Planerstellung begonnen haben. Dadurch haben wir eine sehr seriöse und fundierte finanzielle und sportliche Planung aufgestellt. Viele Klubs sind aber in einer viel prekäreren Situation als wir, die schon seit Monaten intensiv daran arbeiten.

LAOLA1: Wann gibt es Klarheit für die Austria-Fans?

Kraetschmer: Wir wollen natürlich so schnell wie möglich Klarheit haben, aber es ist eine sehr penible und genaue Arbeit, die von vielen Faktoren abhängig ist. Und leider sind es nicht nur Faktoren, die wir als Austria selbst beeinflussen können. Das Ziel sollte sein, im Laufe der kommenden Saison 2020/21 diese Entscheidung getroffen zu haben – ob das jetzt im nächsten Quartal passiert oder bis zum Sommer 2021 dauern kann, da möchte ich mich nicht festlegen.

LAOLA1: Abschließend noch eine Frage zu einem anderen Thema. Ist das so richtig: Trainer Christian Ilzer steht nicht zur Disposition, außer es findet sich ein Verein der Ablöse zu zahlen bereit ist und Christian Ilzer will unbedingt eine neue Aufgabe annehmen.

Kraetschmer: Richtig! Wir haben im letzten Jahr einen Dreijahresvertrag abgeschlossen. Ohne über Vertragsinhalte zu besprechen: Es wurden gewisse Klauseln definiert, insbesondere für ausländische Vereine. Wenn jemand auf uns zukommt, der Christian Ilzer unbedingt haben möchte, und er will sich mit dieser Aufgabe auseinandersetzen, werden wir uns natürlich darüber unterhalten – das sind wir dem Klub und dem Trainer schuldig. Weder er, noch wir sind bis dato mit einer solchen Anfrage konfrontiert worden. Unser Plan ist aber klar, die Zusammenarbeit vertragsgemäß fortzusetzen. Nachdem wir gemeinsam eine vernünftige Saisonanalyse gemacht und eine Perspektive für die neue Saison erarbeitet haben.

Textquelle: © LAOLA1.at

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