Was wurde aus Salzburgs Abgängen des Sommers 2019?

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Beim FC Red Bull Salzburg stand man ziemlich genau vor einem Jahr vor ungewissen Zeiten.

Im Angesicht der erstmaligen Champions-League-Teilnahme der Klubgeschichte verließ nicht nur Erfolgstrainer Marco Rose die "Bullen", sondern auch auf Spieler-Seite kam es zum größten Umbruch der vergangenen Jahre. 73 Saisontreffer verließen die Mozartstädter in Form von Munas Dabbur, Hannes Wolf, Xaver Schlager und Co., 73 Millionen Euro wurden dadurch alleine im vorigen Sommer eingenommen.

Während weithin bekannt ist, dass bei Salzburg trotz des Mega-Umbruchs dank Kickern wie Erling Haaland, der im Winter allerdings ebenfalls ging, oder Dominik Szoboszlai nochmal ein Schritt nach vorne gemacht wurde, gingen die einstigen Helden der "Bullen" etwas aus den Augen verloren.

LAOLA1 beleuchtet nochmal alle 17 Sommer-Abgänge aus dem Vorsommer, und was aus ihnen geworden ist:

(Text folgt unter dem VIDEO)

Munas Dabbur (17 Millionen Euro zum FC Sevilla)

Der Israeli trat im Vorsommer als doppelter Torschützenkönig und bester Spieler der Bundesliga-Saison seinen verdienten Abgang aus Salzburg an, um sich dem FC Sevilla anzuschließen. Zwischen Dabburs Transferverkündigung und seiner Ankunft in Andalusien wurde in Sevilla allerdings die komplette sportliche Führungsriege ausgetauscht, mit Sportdirektor Monchi und Trainer Julen Lopetegui waren plötzlich zwei große Namen am Werk, die wenig von den fußballerischen Fähigkeiten eines Dabbur hielten. Nur zwei Kurz-Einsätze durfte der Angreifer in La Liga absolvieren, einzig in der Europa League war er gesetzt und erzielte in sechs Gruppenspielen drei Treffer.

Im Winter war für Dabbur klar, dass ein Abgang her muss. 20 Vereine sollen am israelischen Torjänger dran gewesen sein, die TSG Hoffenheim bemühte sich allerdings besonders um den technisch beschlagenen Stürmer und konnte ihn schließlich um zwölf Millionen Euro von seinem andalusichen Alptraum befreien. In Sinsheim zahlte Dabbur das Vertrauen zunächst nur mit guten Leistungen zurück, Treffer ließen zumindest in der Bundesliga bis nach der Corona-Pause auf sich warten. Vier Tore plus ein Assist gelangen dem 28-Jährigen schließlich in 14 Einsätzen in der deutschen Bundesliga, dazu kommt ein Doppelpack beim 2:4-Pokalaus Hoffenheims gegen die Bayern.

Fazit:

So richtig ausgezahlt hat sich für Dabbur sein Salzburg-Abgang erst im Winter. In Hoffenheim kam er bei einem Verein unter, wo auf ihn gebaut wird und für die kommende Saison große Sachen erwartet werden. Den Wechsel nach Sevilla darf man als absoluten Flop und mit einer Bekanntgabe des Transfers bereits im Jänner 2019 als etwas überhastet bezeichnen.

Xaver Schlager (15 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg)

Dem ÖFB-Teamspieler gelang ein ganz starker Start in Deutschland. Oliver Glasner, der Schlager während seiner Zeit als LASK-Trainer in der Bundesliga kennen und fürchten gelernt hat, nahm ihn mit nach Wolfsburg und setzte von Beginn an großes Vertrauen in den Blondschopf, das dieser mit einem Assist im allerersten Spiel in der deutschen Bundesliga beim 2:1-Auftakterfolg gegen den 1.FC Köln zurückzahlte. Nach nur drei Spieltagen in Deutschlands höchster Spielkasse sah es plötzlich nach einem abrupten Ende des kometenhaften Aufstiegs von Schlager aus: Der Linksfuß blieb ohne Fremdeinwirkung im Rasen hängen und zog sich einen Knöchelbruch zu.

In Wolfsburg ging man von einer mehrmonatigen Pause aus, eine Rückkehr vor Jahresende erschien unmöglich. Nicht allerdings für Schlager, der gebürtige Oberösterreicher ließ sich von Wolfsburg entschuldigen und absolvierte seine Reha in Salzburg. Dort wurde er so schnell wieder hingebogen, dass er nur unfassbare 85 Tage nach seiner schweren Verletzung schon wieder auf dem Bundesliga-Rasen stand - am 23. November 2019 und damit deutlich vor Jahresende. Bei den "Wölfen" erarbeitete sich Schlager schnell wieder seinen Stammplatz zurück und war bis zum Saisonende im linken zentralen Mittelfeld von Wolfsburg gesetzt. Unter Glasner spielt der zweikampfstarke Mittelfeld-Arbeiter eine etwas defensivere Rolle als noch in Salzburg, weshalb es im ersten Jahr in Deutschland nur einen Treffer von Schlager zu bestaunen gab.

Fazit:

Schlager dürfte in Wolfsburg die perfekte erste Auslandsstation gefunden haben. Mit Glasner hat er einen Coach, der ihn bestens kennt und ihm von Anfang an vertraute. In Hinsicht auf die EURO, die der elffache ÖFB-Teamspieler nach aktuellem Stand als Stammspieler angehen wird, gilt es, auf eine weiter so kontinuierliche Entwicklung Schlagers zu hoffen.

Stefan Lainer (12,5 Millionen Euro zu Borussia Mönchengladbach)

Der ÖFB-Rechtsverteidiger folgte im Vorsommer nicht nur dem Ruf der deutschen Bundesliga, sondern auch dem von Ex-Coach Marco Rose zu Borussia Mönchengladbach. Lainer ist - fast Salzburg-untypisch - als erfahrener Spieler aus Salzburg abgegangen und erweckte deswegen eine gewisse Erwartungshaltung unter den Gladbach-Fans. Diese konnte der mittlerweile 27-Jährige auf Anhieb bestätigen, seine Rolle als Dauerläufer auf der rechten Außenbahn, der keinen Ball verloren gibt, konnte er auch bei den "Fohlen" ausfüllen.

Bis auf zwei Spiele vor dem Jahreswechsel, die der Salzburger aufgrund einer Knieverletzung verpasste, und einer Gelbsperre absolvierte Lainer alle Spiele für Gladbach. 39 Partien waren es aufgrund der Dreifachbelastung der Gladbacher am Ende, die die "Pferdelunge" zum überwiegenden Großteil durchspielte. Vier Assists gelangen dem Rechtsverteidiger dabei, dazu kommt ein Tor. Am Ende einer sowohl persönlich als auch mannschaftlich starken Saison durfte Lainer mit den Borussen den direkten Champions-League-Einzug feiern.

Fazit:

Auch für Lainer stellte sich der Schritt weg aus Salzburg nach Gladbach als der absolut richtige heraus, nachdem ein Jahr zuvor ein Wechsel in die Serie A zum SSC Napoli aufgrund eines "Bullen"-Vetos gescheitert war.

Hannes Wolf (12 Millionen Euro zu RB Leipzig)

Der 21-jährige Steirer hat eine Saison zum Vergessen hinter sich. Dabei verließ Wolf im vergangenen Juni den FC Red Bull Salzburg mit großen Ambitionen. Der Plan war, mit Österreich eine erfolgreiche U21-Europameisterschaft in Italien zu spielen und sich daraufhin bei seinem neuen Klub RB Leipzig möglichst schnell in die Startelf zu spielen. Vukasin Jovanovic, seines Zeichens ehemaliger Verteidiger des serbischen U21-Nationalteams, hatte allerdings etwas dagegen und brach Wolf noch im ersten Gruppenspiel der U21-EM mit einem Brutalo-Foul den Knöchel.

Bis Ende November musste Wolf für eine Rückkehr kämpfen, Anfang Dezember durfte er schließlich in einem Kurzeinsatz erstmals deutsche Bundesliga-Luft schnuppern. Dem ehrgeizigen Offensivspieler ging es daraufhin aber nicht schnell genug, was die Spielzeit betraf, weshalb er im Winter 2020 einen Wechselwunsch bei Leipzig deponierte. Das kam wiederum bei RBL-Coach Julian Nagelsmann überhaupt nicht gut an, der Wolf für sein Verhalten öffentlich kritisierte und ihn als Erziehungsmaßnahme in den ersten sechs Spielen nach Jahreswechsel auf der Bank schmoren ließ. Insgesamt kam Wolf in der abgelaufenen Saison nur auf fünf Einsätze, weswegen er die Leipziger im Sommer auf jeden Fall verlassen will. Auch eine neue Destination dürfte schon gefunden sein: Mit seinem ehemaligen Förderer und Coach Marco Rose bzw. dessen Klub Borussia Mönchengladbach soll bereits eine Einigung bestehen.

Fazit:

Hannes Wolf hat in seiner ersten Auslandssaison nicht unbedingt das beste Bild hinterlassen, er wirkte nach seiner Verletzung zu ungeduldig und sorgte mit Protz-Videos und dem Verspeisen eines berüchtigten Gold-Steaks für Negativ-Schlagzeilen. Der Sprung nach Gladbach zu "Papa" Rose könnte den hochtalentierten Linksfuß aber wieder auf die richtige Bahn lenken.

Diadie Samassekou (12 Millionen Euro zur TSG Hoffenheim)

Nachdem der Sechser aus Mali immer wieder mit Top-Klubs wie Liverpool, Paris Saint-Germain oder Borussia Dortmund in Verbindung gebracht wurde, wirkte der Wechsel von Samassekou nach Hoffenheim im späten August 2019 ein wenig wie ein panischer Schnellschuss. Doch der 24-jährige Sechser, der unter anderem RB Leipzig abgesagt hat, weiß genauso wie am Spielfeld, wo er das Salzburger Spiel über Jahre von der Sechs aus lenkte, was er tut und machte zunächst den etwas kleineren Schritt Hoffenheim auf dem Weg zu seinem langfristigen Ziel: Manchester United in der englischen Premier League.

In Hoffenheim hatte der 24-Jährige, nachdem er erst unmittelbar vor Saisonstart zum Team stieß, mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen und absolvierte auch wegen eines Muskelfaserrisses erst am 14. Spieltag sein erstes Bundesliga-Spiel von Anfang an. Danach war Samassekou, dessen großes Vorbild David Alaba ist, aber nicht mehr aus der TSG-Startelf wegzudenken und führte die Sinsheimer mit starken Leistungen in die Europa League. Mit seinem tollen Spielverständnis und seiner starken Antizipation wird Hoffenheim genau so wie bei Alaba für Samassekou nur ein Zwischenschritt zu einem absoluten Top-Klub sein.

Fazit:

Auch für Samassekou hat sich der Wechsel nach Deutschland, wo die Salzburger Stärken einfach am meisten geschätzt werden, gelohnt. In der kommenden Saison muss er sich endgültig für die ganz große Fußball-Bühne empfehlen.

Igor (3 Millionen Euro zu SPAL Ferrara)

Der brasilianische Innenverteidiger absolvierte insgesamt zwar nur vier Spiele für die Salzburger Kampfmannschaft, brachte den "Bullen" im Vorsommer aber dennoch ein schönes Millionensümmchen aus Italien ein. Der Grund liegt darin, dass Igor in der Saison 2018/19 bei der Wiener Austria als Leihspieler so sehr überzeugen konnte, dass man in der Serie A auf ihn aufmerksam wurde.

Der technisch starke Linksfuß, der auch beim Youth-League-Titel der Mozartstädter mit dabei war, wurde in Salzburg nie wirklich forciert, weswegen ihm der Wechsel zu SPAL Ferrara ermöglicht wurde. Dort überzeugte der 22-Jährige, der auch als linker Außenverteidiger auflaufen kann, innerhalb eines Jahres so sehr, dass die Fiorentina ihn ins Auge fasste. Igor wechselte im Jänner zunächst leihweise aber mit einer Kaufpflicht in Höhe von fünf Millionen Euro nach Florenz und ist seither an der Seite von Franck Ribery und Co. mehr oder weniger Stammspieler.

Fazit:

Die Personalie Igor war für alle Beteiligten eine absolute Win-Win-Situation: Die Wiener Austria bekam einen starken Innenverteidiger "gratis", Igor die Möglichkeit, sich zu präsentieren, und Salzburg drei Millionen Euro für einen Spieler, der nur vier Mal eingesetzt wurde. In Italien dürfte der Brasilianer genau richtig aufgehoben sein.

Fredrik Gulbrandsen (ablösefrei zu Basaksehir Istanbul)

In Salzburg versuchte man im Vorsommer alles, um den norwegischen Speed-Stürmer doch noch von einem Verbleib in der Mozartstadt zu überzeugen. Doch auch die Aussicht auf die Champions League konnte dem Ruf des Geldes nichts entgegensetzen und so entschied sich Gulbrandsen dafür, seinen Vertrag in Salzburg nicht zu verlängern und eine neue Aufgabe anzustreben. Diese hieß schlussendlich Basaksehir Istanbul und sorgte unter den Salzburg-Fans für Stirnrunzeln.

Bei der türkischen Altstar-Truppe, die aktuell die Süper Lig anführt, spielt Gulbrandsen nur eine Nebenrolle, erst drei Treffer konnte er in 31 Einsätzen erzielen. An der namhaften Konkurrenz im Basaksehir-Angriff, wie Demba Ba, Robinho, Eljero Elia oder Edin Visca gibt es für den norwegischen Sprinter im Moment kein Vorbeikommen. Sein – wahrscheinlich äußerst gut dotierter – Vertrag in Istanbul läuft noch bis 2022.

Fazit:

Gulbrandsen tat sich aus rein sportlicher Sicht keinen Gefallen mit dem Wechsel in die Türkei, finanziell dürfte er allerdings durchaus davon profitiert haben. Ob der 27-jährige Pressing-Angreifer, der vor allem unter Marco Rose richtig aufblühte, auch unter Jesse Marsch bei einer Konkurrenz mit den Namen Hee-chan Hwang, Patson Daka oder Erling Haaland in Salzburg nochmal Stammspieler gewesen wäre, sei allerdings dahingestellt.

Leitgeb, Honsak und Co.

Dann gibt es noch jene Spieler, die nicht zum Stammpersonal der Salzburger gehörten und die "Bullen" im Vorsommer entweder ablösefrei oder um eine kleine Summe verließen. Allen voran steht hier Christoph Leitgeb, der nach zwölf Jahren in der Mozartstadt keinen neuen Vertrag mehr angeboten bekam und zu seinem Jugendklub Sturm Graz zurückkehrte, wo der 35-Jährige in der abgelaufenen Saison zwischen Startelf und Bank pendelte.

Mathias Honsak spülte indes 750.000 Euro in die Salzburger Kassen, nach zahlreichen Leihen verließ der ehemalige ÖFB-U21-Teamspieler die "Bullen" fix und schloss sich dem SV Darmstadt in der 2. deutschen Bundesliga an. Dort spielte der schnelle Linksfuß keine schlechte aber auch keine überragende Saison. Auch Asger Sörensen (500.000 € zum 1.FC Nürnberg) brachte eine kleine Ablösesumme ein. Der dänische Innenverteidiger erzielte zwar sechs Saisontore für den "Club", konnte den Abstieg in die dritte Liga mit Nürnberg aber erst in der Relegation abwenden.

Auch David Atanga (500.000 € zu Holstein Kiel) hatte in Salzburg keine Zukunft und ging in die 2. deutsche Bundesliga, wo er in Kiel nur eine Nebenrolle spielte. Zudem brachte auch Mahamadou Dembele eine kleine, nicht bekannte Ablösesumme ein. Der Abwehrspieler wechselte in seine französische Heimat, kam bei ES Troyes aber kaum zu Ligue-2-Einsätzen.

Dazu kamen wie jedes Jahr einige Leihen, wobei jene von Youba Diarra (FC St. Pauli) und Ousmane Diakite (SCR Altach) aufgrund von schweren Verletzungen der jeweiligen Spieler nicht den gewünschten Erfolg brachten. Auch Darko Todorovic (Holstein Kiel) konnte sich – allerdings aus sportlichen Gründen – nicht durchsetzen.

Einzig Anderson Niangbo (WAC) und Gideon Mensah (Zulte Waregem) konnten bei ihren Leihstationen ihren Wert steigern. Während Niangbo schon im Winter aus dem Lavanttal zurückbeordert wurde, um um vier Millionen Euro nach Gent verkauft zu werden, spielte Mensah die Saison in Belgien bis zum Corona-bedingten Abbruch "fertig" und zog viel Interesse auf sich. So sollen unter anderem portugiesische und belgische Top-Klubs am ghanaischen Linksverteidiger, der in Salzburg noch bis 2024 unter Vertrag steht, dran sein.

Textquelle: © LAOLA1.at

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