Endstand
1:5
1:3 , 0:2
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"Die selben Namen, andere Spieler" - Traum-Einstand für Beichler

Der "Bullen"-Coach hat ein perfektes Debüt als Salzburg-Trainer gegeben und bekommt danach sogar Lob von Didi Kühbauer. An welchen Hebeln er genau angesetzt hat:

"Die selben Namen, andere Spieler" - Traum-Einstand für Beichler Foto: © GEPA

"Wenn man dieses Spiel von Salzburg heute gesehen hat und die in den Monaten davor, glaubst du, das sind zwar die selben Namen, aber nicht die selben Spieler."

Ein größeres Kompliment als dieses von Dietmar Kühbauer hätte Daniel Beichler nach seinem Debüt als Trainer des FC Red Bull Salzburg nicht bekommen können.

Ähnlich wie dem LASK-Coach dürfte es allen Menschen gegangen sein, die das Topspiel des 20. Spieltags der ADMIRAL Bundesliga verfolgt haben, in welchem die Salzburger mit einem 5:1 in Linz (Spielbericht>>>) ein deutliches Ausrufezeichen im Meisterrennen setzten.

Statt unkreativen "Bullen", die teils kläglich an ihrer eigenen Chancenverwertung scheiterten, war am Sonntag-Abend in der Raiffeisen Arena eine so spielfreudige wie eiskalte Mannschaft zu sehen.

Trainereffekt, oder doch mehr?

Auf spektakuläre Art und Weise kamen die Salzburger diesmal zu zahlreichen Chancen, die fast selbstverständlich auch den Weg ins gegnerische Tor fanden.

Trainereffekt deluxe also - und das trotz nur vier gemeinsamen Trainingstagen. Wie ist das möglich?

"Er hat bei vielen Dingen den Hebel angesetzt, hat Kleinigkeiten verändert, die das Gefüge durcheinander wirbeln. Außerdem gibt es einen neuen Konkurrenzkampf, jeder will sich beweisen. Es sind ein paar Dinge zusammengekommen", so der Erklärungsansatz Stefan Lainers.

Beichler sei als Typ "sehr klar und gibt die Richtung vor", erklärt der Routinier. Kapitän Mads Bidstrup meint: "Er hat wirklich Feuer. Er passt gut zu uns."

Beichler hat die Zügel angezogen

"Wir haben von Tag eins versucht, den Jungs klar zu machen, was uns in der Zusammenarbeit wichtig ist - auch außerhalb des Platzes."

Daniel Beichler

Trotz seiner Jugendlichkeit gilt der 37-Jährige als eher strenger Trainertyp - und wurde unter anderem aus diesem Grund auch zum Salzburger Cheftrainer befördert.

"Er versteht es, klare Leitplanken zu setzen, damit die Spieler wissen, in welchen Bereichen sie sich frei bewegen können und wo sie klare Vorgaben befolgen müssen", erklärte Sportchef Marcus Mann bei Beichlers Vorstellungs-Pressekonferenz.

Nach seinem erfolgreichen Debüt verrät der Grazer, dass es ihm in seinen ersten Tagen viel weniger darum ging, alles über den Haufen zu werfen, sondern: "Wir haben von Tag eins versucht, den Jungs klar zu machen, was uns in der Zusammenarbeit wichtig ist - auch außerhalb des Platzes."

Inhaltlich sei ihm wichtig gewesen, "Dinge zu dosieren. Du kannst nicht in vier Tagen alles reinpressen. Wir haben versucht, die richtigen Hebel finden", so Beichler.

Neues Spielsystem! "Wollen die Jungs bestmöglich auf ihre Positionen bringen"

Einer dieser Hebel wurde am Spielsystem angesetzt. Vorgänger Thomas Letsch versuchte sich in seiner rund einjährigen Amtszeit in mehreren Grundordnungen, hauptsächlich kam ein 4-2-2-2 zum Einsatz, bei dem man oftmals das Gefühl hatte, nicht alle Offensivspieler würden auf ihren Idealpositionen einlaufen.

Beichler machte bei seiner Vorstellung am Mittwoch noch ein Geheimnis daraus, welches System er bevorzugen wird; am Sonntag war es dann ein offensives 4-3-3 bzw. 4-2-1-3.

Kerim Alajbegovic und Edmund Baidoo konnten so als klassische Flügelspieler agieren, Sota Kitano rückte von außen auf die Zehn - all diese drei Spieler fühlten sich auf ihren angelernten Positionen merklich wohler.

"Unsere Aufgabe als Trainerteam ist es, unsere Jungs bestmöglich auf ihre Positionen, in ihre Räume zu bringen, in denen sie zeigen können, welche Qualität sie haben. Was mir gefallen hat: Die einzelnen Spieler haben glänzen können, weil das Team gut funktioniert. Genau in dieser Reihenfolge soll es sein", erklärt Beichler dazu.

Lainer: "Darf auf diesem Niveau nicht passieren"

Die Systemumstellung brachte allerdings auch mit sich, dass Salzburgs Restverteidigung speziell in Halbzeit eins nicht immer nach Wunsch funktionierte. Nach Ballverlusten liefen die "Bullen" in gleich mehrere Linzer Konter, die mit einem Ticken mehr Genauigkeit und Konsequenz zu Toren führen hätten können.

"Aber das liegt weniger am neuen System. Leichtsinnige Ballverluste tun immer weh. Es waren ein paar dabei, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen. Das müssen wir abstellen", fordert Lainer.

Auch Beichler sieht trotz des klaren Resultats "speziell in der Thematik Boxverteidigung noch Punkte, wo wir uns verbessern müssen".

Insgesamt ist er aber hochzufrieden: "Darin, wie die Jungs aufgetreten sind, war von der ersten Sekunde an eine coole Energie zu spüren, auch draußen auf der Trainerbank."

Über dieses Tor freute sich Beichler am meisten

Besagte Trainerbank blieb dabei am Sonntag nur selten besetzt. Beichler selbst wieselte über 90 Minuten seine Coaching-Zone auf und ab, auch seine Co-Trainer Raphael Ikache und Zlatko Junuzovic standen ihm oft zur Seite.

Letzterer war vor allem bei seinem Spezialgebiet Standardsituationen immer mit an vorderster Front dabei und gab lautstarke Anweisungen.

Belohnt wurde der Aufwand schlussendlich mit einem Eckballtor durch Karim Konate - dem ersten Salzburger Treffer nach einem ruhenden Ball seit einer gefühlten Ewigkeit.

"Darüber habe ich mich am meisten gefreut, weil wir dort Verbesserungsbedarf gesehen haben. 'Zladdi' (Junuzovic, Anm.) hat in den letzten Tagen sehr akribisch mit der Mannschaft daran gearbeitet. Wenn einstudierte Dinge funktionieren, ist das top", strahlt Beichler.

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Damir Redzic stellte sich in Salzburg mit einem absoluten Zaubertor vor
Foto: ©GEPA

Zum Drüberstreuen eines perfekten Salzburger Tags gab es kurz vor Spielende sogar noch ein Jokertor durch Winterneuzugang Damir Redzic. Der Ungar schlenzte die Kugel am Ende einer schönen Einzelaktion traumhaft ins Kreuzeck. "Das Tor hat er in der Trainingswoche auch das ein oder andere Mal gezeigt", verrät sein Trainer grinsend.

"Shut up and keep working"

Durch diesen Kantersieg gehen die Salzburger wahrscheinlich als Tabellenführer, mit Sicherheit aber als großer Titelfavorit in die Meistergruppe.

Wie Beichler persönlich dieses Traumdebüt einordnet? "Dass viel drinnen ist, aber wirklich nur, wenn wir genau in dieser Tonart wie in den letzten Tagen weitermachen. Und das erwarte ich mir auch von den Jungs."

Ähnliches verlangt auch Captain Bidstrup: "Wir haben es heute wirklich gut gemacht, jetzt geht es um Konstanz. Ich kann nur sagen: Shut up, and keep working."

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