Potzmann: "Rapid ist noch immer Nummer größer"

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Sturm hat in Österreich derzeit scheinbar Hochsaison.

Damit ist jetzt nicht das Wetter gemeint, sondern eher die Tatsache, dass Leistungsträger von Vizemeister und Cupsieger Sturm Graz lieber woanders ihr Glück suchen – vor allem in Wien.

Auch Marvin Potzmann, der aufgrund einer starken Saison im Juni erstmals auch im ÖFB-Team schnuppern durfte, suchte eine neue Herausforderung und fand diese beim SK Rapid.

Im LAOLA1-Interview verrät der 24-jährige Defensiv-Allrounder, was dahinter steckt und was seine Beweggründe waren.

Djuricin über Potzmann: "Er ist wirklich eine Maschine"

Zuallererst schätzt jedoch Trainer Goran Djuricin die Qualitäten seines neuen Außenbahnspielers ein, der auch weiter vorne oder im zentralen Mittelfeld einsetzbar ist.

„Marvin ist sehr kompakt in all seiner Arbeit. Er ist relativ schnell und kann sehr gut Fußball spielen. Ich glaube, mit ihm werden wir eine Riesenfreude haben. Er muss jetzt natürlich noch die ganzen Abläufe kennenlernen. Wir haben jetzt einmal angefangen, mit ihm unsere Philosophie durchzugehen, Spielaufbau und so weiter. Es wird natürlich ein bisschen dauern, aber ich denke, mit ihm haben wir eine Riesen-Verstärkung“, lobt Rapids Chefbetreuer, wie sich Potzmann von Anfang an bei den Grün-Weißen einen guten Ruf erarbeitet hat.

Körperlich ist der gebürtige Wiener trotz einer langen, intensiven Saison topfit. Das beweist die Tatsache, dass er vom Staff sofort einen interessanten Spitznamen bekommen hat: "Maschine".

„Er ist wirklich eine Maschine, zusätzlich ein sehr intelligenter Spieler und dadurch auf vielen Positionen einsetzbar. Das ist natürlich immer praktisch für einen Trainer“, erklärt Djuricin.

Im LAOLA1-Interview spricht Potzmann über seine Entscheidung für Rapid und (vorerst) gegen das Ausland, seinen Werdegang, seinen Antrieb und warum ihm Rapids Spielphilosophie entgegenkommt.

LAOLA1: Wie sind die ersten Eindrücke von Rapid? Wie hast du dich eingelebt? Was kannst du schon über die Mannschaft sagen?

Marvin Potzmann: Ich bin wirklich top aufgenommen worden. Das hätte ich mir nicht gedacht, dass das so schnell geht. Die Jungs sind wirklich super zu mir. Deswegen bin ich auch sehr positiv gestimmt. Ich habe mich schon davor sehr auf Rapid gefreut, und jetzt umso mehr.

LAOLA1: Welche Stärken hast du bei Rapid bereits am Platz wahrgenommen und was willst du mit deinem neuen Klub erreichen?

Potzmann: Darüber, dass Rapid eine irrsinnige Qualität hat, brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir haben sehr viele Einzelspieler, die ein Spiel entscheiden können, aber auch als Mannschaft können wir sehr, sehr stark sein.

LAOLA1: Warum und wie schnell hast du dich für Rapid entschieden? Es dürften ja auch andere Angebote für dich hereingeflattert sein.

Potzmann: Wir haben einfach sehr gute Gespräche geführt. Jenes mit Fredy Bickel war überragend, das muss ich so sagen. Ich habe auch das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie mich unbedingt wollen – was für mich eine Voraussetzung war. Es hat auch andere Angebote gegeben, aber bei Rapid habe ich im Endeffekt das beste Gefühl gehabt.

LAOLA1: War auch das Ausland für dich schon ein großes Thema oder wolltest du dich vorher noch woanders in Österreich beweisen?

Potzmann: Angebote aus dem Ausland waren schon auch dabei, aber wie du gesagt hast, wollte ich mich hier noch einmal ein Jahr oder halt länger beweisen. Ich weiß selber, dass ich bei Sturm ein richtig gutes Jahr gehabt habe und das gilt es jetzt zu bestätigen.

LAOLA1: Die Gerüchte mit Rapid und dir gab es schon lange, du hast anfangs dementiert. Wie weit war das schon fixiert und warum hat die Bestätigung so lange gedauert? Aus Respekt vor Sturm und den noch wichtigen Spielen zum Saisonende?

Potzmann: Genau, ich habe dem Verein sehr früh mitgeteilt, dass ich nicht verlängern werde. Das war schon Ende März, damit da Klarheit herrscht. Weil ich wollte eben nicht auf Zeit spielen, das wäre dem Verein gegenüber auch nicht fair gewesen. Und dass es an die Öffentlichkeit gelangt ist, dass ich nicht verlängere, war auch der Wunsch von beiden Seiten, sonst hätte es Sturm nicht bekanntgegeben. Eben, damit man keine Unruhe vor den wichtigen Spielen reinbringt und ich mich auf das Sportliche konzentrieren kann. Das ist uns zum Glück gut gelungen.

LAOLA1: Aber Sturm hätte schon mit dir verlängern wollen?

Potzmann: Ja, das schon.

LAOLA1: Was waren dann die Beweggründe für deinen Abschied von Sturm? Es fällt auf, dass du einer von vielen bist, die derzeit den Vizemeister, Doublesieger und Champions-League-Starter Sturm verlassen.

Potzmann: Sturm ist ein super Verein. Die drei Jahre dort habe ich mich wirklich sehr wohl gefühlt. Aber im Endeffekt ist Rapid noch immer eine Nummer größer – vom ganzen Drumherum, Infrastruktur, Fans. Das war für mich ausschlaggebend, dass ich mal wieder was Neues ausprobieren will, einen neuen Reiz setzen wollte und mich dort auch weiterentwickeln kann.

LAOLA1: Interessent könnten die Wiener Derbys in Zukunft werden, das wird dann fast wie ein Klassentreffen alter Sturm-Teamkollegen.

Potzmann (lacht): Ja, das wird sicher interessant.

LAOLA1: Für dich ist es auch eine Rückkehr zu den Wurzeln, du bist gebürtiger Wiener, dein erster Verein war der Post SV. Hat das in deinen Überlegungen auch eine Rolle gespielt?

Potzmann: Naja, die ersten sieben Jahre als Kind habe ich in Wien gewohnt, davon weiß ich nicht mehr so viel. Aber mein Papa hat auch eine Wohnung in Wien, weil er dort arbeitet, die Tante wohnt jetzt auch in der Nähe von mir. Das waren schon so Kleinigkeiten, aber im Endeffekt haben sie nicht so groß den Ausschlag gegeben.

LAOLA1: Wie hat es dich dann ins Burgenland verschlagen, wo du es von der Akademie bis zu den Mattersburg-Profis geschafft hast?

Potzmann: Meine Eltern kommen ja aus dem Burgenland und wir haben dann dort Haus gebaut. Dadurch sind wir dann wieder ins Burgenland gezogen. Nach den ersten sieben Jahren in Wien hat der Papa dann immer gependelt.

LAOLA1: Du warst in der Burgenland-Akademie. Wie wichtig war diese Erfahrung für deine weitere Entwicklung?

Potzmann: Ich war noch ein Jahr in der alten Akademie in Mattersburg, habe aber dann das Glück gehabt, dass ich dann im 2. Jahr in der HAK schon in der neuen Akademie war. Vom Infrastrukturellen war das halt top, wir hatten sogar den Unterricht in der Akademie, was richtig cool war. Von dem her ist Mattersburg richtig gut aufgestellt.

LAOLA1: Gab es einen speziellen Förderer in dieser Zeit? Franz Lederer hat dich dann etwa zu den Mattersburg-Profis hochgezogen.

Potzmann: Mir haben mehrere Leute in dieser Hinsicht geholfen, wie Amateure-Trainer Damir Todorovic und Stefan Fuhrmann, die mir viel beigebracht haben, zudem Franz Lederer und Martin Pucher natürlich.

LAOLA1: Wenn man deine Karriere nachvollzieht, ist viel richtig gelaufen in den letzten Jahren. Mattersburg, Grödig, Sturm, ÖFB-Team – bist du zufrieden mit dem bisher Erreichten?

Potzmann: Zufrieden kann man im Endeffekt nie sein. Eine Einberufung ins Nationalteam ist aber eine Bestätigung für die harte Arbeit. Aber ich will mehr, werde immer Gas geben und hoffentlich das Maximum herausholen.

LAOLA1: Wie passt Rapid in diese Reihe? Wie kannst du hier das Bisherige noch toppen?

Potzmann: Wichtig ist, dass ich mich bei Rapid durchsetze, dass ich gute Leistung bringe. Im Endeffekt wird man alles andere eh erst später sehen. Du kannst im Fußball nichts weit vorausplanen, es geht so schnell. Jetzt ist einmal Rapid das Wichtigste.

LAOLA1: Wie geil war diese Erfahrung, einmal beim ÖFB-Team hineinzuschnuppern, auch wenn es noch nicht zum Debüt gereicht hat?

Potzmann: Es war sicher eine super Erfahrung nach einer tollen Saison. Man kann da auch sehen, wo man im Vergleich zu den anderen steht, die schon im Ausland spielen. Was fehlt einem oder was muss man noch machen? Es war sicher eine tolle Erfahrung und da habe ich mit Sicherheit viel mitnehmen können.

LAOLA1: Welche Zeit war deiner Meinung nach bisher die wichtigste auf deinem Weg bis zu Rapid? Die drei Jahre bei Sturm, wo du doch so richtig den Durchbruch geschafft hast? Oder deine ersten Einsätze bei den Profis in Mattersburg?

Potzmann: Ich glaube, es ist ein Gesamtpaket, von allem ein bisschen. Das ist ja nicht von heute auf morgen entstanden sondern ein stetiger Prozess. Klar gibt es ab und zu einmal Tiefs, aus denen du erst einmal wieder rauskommen musst. Aber bis jetzt ist es eigentlich nicht so schlecht gelaufen.

"Ich habe jetzt beim Cupsieg gesehen, wie schön das ist – auch wenn es nur der Cuptitel ist"

LAOLA1: Du wirst oft als Allrounder bezeichnet. Ärgert dich das ein wenig, dass du keine Fixposition hast oder siehst du es als Vorteil, weil du auf verschiedenen Positionen eingesetzt werden kannst?

Potzmann: Ich glaube, Allrounder ist jetzt nicht negativ zu sehen. Das heißt einfach, dass man mehrere Positionen gut spielen kann. Da, wo dich der Trainer am meisten braucht, kannst du dann spielen. Der Trainer hat dadurch ja auch mehrere Möglichkeiten, die Mannschaft oder dich aufzustellen.

LAOLA1: Wie ist es dir bei Rapid kommuniziert worden? Der eigentliche Plan sieht dich ja als Außenverteidiger vor.

Potzmann: Genau, ich bin als Außenverteidiger eingeplant, aber wenn man mich woanders braucht, ist das kein Problem.

LAOLA1: Bei Rapid hast du dir schnell den Spitznamen „Maschine“ verdient. Wie ist es dazu gekommen? Hast du gleich von Anfang an mit deinen Fitnesswerten überzeugt?

Potzmann: Da muss man den Staff fragen. Die Vorbereitung ist da, dass man ein bisschen leidet, im Endeffekt holst du dir da die Kraft für die ganze Saison. Es freut mich, dass man mich als Maschine sieht. Das passt gut, das muss ich schon sagen (lacht).

LAOLA1: Wie kannst du Rapid weiterhelfen? Wo siehst du selbst deine Stärken, wo du sagst, die kannst du bei Rapid besonders ausspielen?

Potzmann: Auf der Außenverteidigerposition ist es einfach das sichere Passspiel nach vorne, dass man einen sicheren Spielaufbau hat und nicht hinten die Bälle verliert. Aber ich will auch über die Seiten kommen, im Dribbling bin ich jetzt nicht so schlecht. Ich bin eher der Assistgeber als Vollstrecker im vorderen Drittel. Ich würde auch jetzt mit 24 Jahren schon langsam den Jungen helfen wollen, um hineinzuwachsen. In dieser Rolle sehe ich mich schon. Klar, bei Rapid bin ich jetzt noch neu, das dauert noch ein bisschen. Aber ich will der Mannschaft einfach so schnell wie möglich helfen.

LAOLA1: Bei Rapid können die Außenverteidiger auch viel mitgehen in die Offensive. Wird das etwas an deiner ausbaubaren Torquote ändern?

Potzmann (schmunzelt): Naja, bei Sturm war ich schon weiter vorne in der Dreierkette. Es war aber schon auch ausschlaggebend für Rapid, dass hier die Außenbahnspieler schon weiter vorne agieren, weil mir das einfach mehr taugt als nur hinten herumzustehen. Dazu gehört auch ein gewisses Laufpensum. Mir gefällt die Spielphilosophie bei Rapid und ich hoffe, dass ich so schnell wie möglich hineinfinde.

LAOLA1: Bei Sturm hast du mit dem Cupsieg einen Titel geholt, auf einen Titel wartet Rapid mittlerweile sehr lange. Muss man sich dieses Ziel stecken?

Potzmann: Sicher will man als Spieler Titel holen. Ich habe jetzt beim Cupsieg gesehen, wie schön das ist – auch wenn es nur der Cuptitel ist. Wichtig sind einmal die ersten Spiele, man braucht jetzt nicht gleich anfangen zu träumen von der Meisterschaft oder dem Cuptitel. Das ist ein Prozess, das dauert. Wichtig ist jetzt einmal am Anfang, dass wir ein gutes Gerüst haben und jeder weiß, wie der andere am Feld tickt und sich unterstützt. Dann bin ich zuversichtlich.

LAOLA1: Wie siehst du das Kräfteverhältnis in der Bundesliga? So viel auf einmal hat sich bei den Top-4-Klubs noch selten gleichzeitig verändert. Fast überall ist ein gewisser Neustart oder Umbruch zu erkennen.

Potzmann: Vom Finanziellen her muss man Salzburg halt außen vor lassen. Ich bin mir sicher, dass dann schon Rapid kommt, weil es einfach für mich auch der größte Verein ist. Dahinter kommt halt Sturm und Austria.

LAOLA1: Du hast einen gewissen Humor, nach außen hin locker, aber sportlich verbissen. Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Potzmann: Am Platz versuche ich mein Bestes zu geben, da kann es mich schon auch das eine oder andere Mal aushageln, wenn es nicht so läuft. Verlieren ist nicht so meins, das taugt mir nicht so. Aber abseits vom Platz bin ich eher der ruhige Typ. Ich wohne auch außerhalb von Wien, weil ich den ganzen Trubel in der Großstadt nicht so mag. Ich verbringe lieber Zeit mit der Family.

In der 17. Ausgabe von LAOLA1 On Air - der Sportpodcast spricht Rapid-Trainer Goran Djuricin mit LAOLA1-Redakteur Alexander Karper über seine Jugend, das Leben als junger Vater und Fehler bei Rapid: "Gott sei Dank habe ich sie gemacht, sonst hätte ich nicht gewusst, was falsch war."

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Textquelle: © LAOLA1.at

SK Rapid präsentiert neues Auswärtstrikot

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