Knasmüllner: "Es hätte mehr herausspringen können"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

An Christoph Knasmüllner scheiden sich die Geister.

Im Bayern-Nachwuchs und mit seinem Wechsel zu Inter Mailand als Top-Talent gehandelt, folgten weniger erfolgreiche Zeiten in Italien, Ingolstadt und auch bei der Admira brauchte er Anlaufzeit, bis er explodierte. Im halben Jahr beim FC Barnsley folgte ein weiterer Rückschlag.

Seit kurzem ist er Rapids Hoffnungsträger. Die große Frage wird allerdings sein, welches Gesicht er bei den Wienern zeigt. Dass er die Qualität besitzt, hat er in der Südstadt bewiesen.

Im LAOLA1-Interview (siehe unten) gibt Knasmüllner im Bezug auf seine Karriere zu: „Klar, es hätte schon mehr herausspringen können.“ Mittlerweile habe er den Schalter jedoch umlegen können und sich nicht mehr rein auf sein Talent verlassen: „Vielleicht ein bisschen spät, aber es ist noch nicht zu spät.“

Djuricin: „Knasmüllner hat seine Fehler eingesehen“

Bei Rapid trifft der mittlerweile 26-Jährige mit Goran Djuricin auf einen alten Bekannten. Sein neuer Trainer kennt ihn schon, seit Knasmüllner mit dessen Sohn Marco in der U14 der Austria spielte.

„Ich kenne ihn fast in- und auswendig. Bei ihm ging es immer in die Richtung, dass er gewisse Scheuklappen gehabt hat. Er hat da und dort in der Vergangenheit falsche Entscheidungen getroffen, arbeitet aber seither viel in punkto Selbstreflexion. Damit hat er vor ein, zwei Jahren begonnen. Er hat jetzt auch in den letzten Monaten einen Privattrainer gehabt, wie er mir gesagt hat. Das ist schon mal ein Riesenschritt nach vorne. Ich glaube, das könnte eine sehr, sehr gute Geschichte werden, weil er sich entwickelt hat“, analysiert Djuricin, der weiß, dass dem Wiener ein Ruf als Bruder Leichtfuß vorauseilt.

Ob es deshalb ein Vor- oder Nachteil sei, dass er seinen neuen Schützling schon so lange kennt: „Ich habe ihm das auch gesagt, dass das, was er jetzt vor einem Jahr gezeigt hat, mit seinem Talent eigentlich vor fünf Jahren zeigen hätte können oder müssen. Das weiß er. Er hat seine Fehler eingesehen und weiß, woran er arbeiten muss, ist 26 Jahre alt, im besten Fußballalter. Wenn er das ernst nimmt und eine gewisse Gelassenheit hat und sich aufs Kicken konzentriert, kann da noch einiges entstehen“, so der Rapid-Trainer weiter.

Im LAOLA1-Interview erklärt Knasmüllner seine Sicht der Dinge, gesteht Fehler und ein Umdenken und spricht darüber, ob das Ausland aufgrund seiner negativen Erfahrungen für ihn abgehakt ist und dass der lang ersehnte Titel für Rapid durchaus realistisch ist.

LAOLA1: Wie sind deine ersten Eindrücke von deinem neuen Arbeitgeber Rapid?

Christoph Knasmüllner: Es ist auf jeden Fall sehr positiv, ich bin sehr gut aufgenommen worden. Ich habe eine Riesen-Freude, dass ich hier bin. Ich freue mich auf die neue Herausforderung. Ich kenne viele Spieler von früher, Stephan Auer oder Philipp Malicsek zum Beispiel noch sehr gut von der Admira, das ist also kein großes Manko. Ich bin wieder in Wien bei meiner Familie, meinen Freunden – ich fühle mich sehr wohl.

LAOLA1: Was hast du dir selbst bei Rapid als Ziel gesetzt? Was ist dir am wichtigsten in der Anfangsphase?

Knasmüllner: Auf jeden Fall einmal so weit wie möglich nach oben kommen mit Rapid – keine Frage. Ich werde immer Vollgas geben, immer alles für die Mannschaft geben, gleichzeitig aber auch Spaß haben am Fußball spielen. Dann kommen die Ergebnisse von selber, wenn man hart an sich selbst arbeitet.

LAOLA1: Warum ist die Entscheidung auf Rapid gefallen? War für dich schnell klar, dass du das annehmen willst oder waren auch andere Angebote da?

Knasmüllner: Na gut, Rapid ist einfach der Verein in Wien. Das hat sich halt gut ergeben, da ich in England zuletzt nicht viel gespielt habe. Deshalb bin ich froh, dass Rapid auf mich zugekommen ist. Ich finde schon, dass es die richtige Entscheidung war.

LAOLA1: Du hast das halbe Jahr beim FC Barnsley angesprochen, wo du nur drei Einsätze hattest. In welchem Fitnesszustand bist du? Wie sehr brennst du schon darauf, wieder eine größere Rolle zu spielen?

Knasmüllner: Viel habe ich nicht gespielt (lacht). Aber fit habe ich mich selber gehalten. Schließlich denke ich, dass der Körper das eigene Kapital ist. Man muss schon wissen, was jeder für sich machen muss. Ich bin nicht der Typ, der einfach nur auf der Couch liegt. Ich mache schon einiges auch für mich selber. Ich glaube, das ist sehr wichtig für den Sport und daher bin ich ziemlich fit.

LAOLA1: Warum hat es in England nicht funktioniert?

Knasmüllner: Naja, man kann immer sagen, dass auf einmal der Trainer weg war und dass sofort, wie ich hingekommen bin, ein Wechsel stattgefunden hat. Aber im Großen und Ganzen kann ich es mir selber auch irgendwie nicht erklären. Ich kann es nicht wahrhaben, dass mich ein Verein holt und mich dann nicht spielen lässt. Wir spielen gegen den Abstieg – und ich hatte bei der Admira davor zwölf Tore in einer halben Saison geschossen. Sie haben mich eigentlich gebraucht, aber nicht spielen lassen. Aber das war eine Trainerentscheidung. Ich will aber gar nicht mehr zurückschauen, sondern schaue in die Zukunft mit Rapid.

LAOLA1: Bereust du, dass du für Barnsley ein halbes Jahr „verschwendet“ hast und deinen Status und deine Topform bei der Admira aufgegeben hast?

Knasmüllner: Nein, ich bereue nichts. Im Nachhinein kann man immer sagen: Was wäre wenn. Es hätte auch gut gehen können. Es war trotzdem ein gutes Abenteuer und das war es dann auch eigentlich.

LAOLA1: War die Rückkehr nach Österreich für dich die einzige logische Schlussfolgerung für den nächsten Schritt? Schließlich hast du dich hier schon bewiesen.

Knasmüllner: Ja, natürlich. Vor allem ist es schon eine sehr gute Option, wenn Rapid auf dich zukommt. Mir ist das eigentlich schon sehr schnell bewusst geworden, dass ich diesen Schritt machen will.

LAOLA1: Hand aufs Herz: Ist das Ausland für dich mittlerweile abgehakt? Du hattest mit Bayern, Inter, Ingolstadt und Barnsley doch Stationen gehabt, wo es nicht immer nach Wunsch gelaufen ist. Bist du eher der Typ, der einfach das vertraute Umfeld mit Familie und Freunden braucht, um richtig aufblühen zu können?

Knasmüllner: Das schon! Familie und Freunde sind mir schon sehr wichtig. Aber ob das Ausland deshalb für mich abgeschlossen ist? Ich konzentriere mich jetzt voll auf Rapid. Jeder wird sagen: Wenn ein Angebot kommt, dann muss man darüber reden. Aber das interessiert mich derzeit nicht. Im Vordergrund steht jetzt einfach Rapid, weil ich nicht schon wieder über „Was wäre, wenn ich ein Angebot hätte“ reden will. Das ist nicht der Fall.

LAOLA1: Aber du schließt es nicht aus – du bist jetzt 26 Jahre alt -, dass du irgendwann noch einmal einen Versuch außerhalb Österreichs startest?

Knasmüllner: Vielleicht irgendwann einmal. Jetzt habe ich aber erst einen Dreijahresvertrag unterschrieben und ich fühle mich jetzt schon in den ersten zwei, drei Wochen sehr wohl und das ist auch gut so in der aktuellen Situation.

LAOLA1: Gratulation schon einmal, du wirst bald erstmals Vater! Wie sehr hat das auch bei deiner Entscheidung für Rapid mitgespielt, in Wien wieder das gewohnte Umfeld zu haben?

Knasmüllner: Ja, das hat sicher schon auch eine kleine Rolle gespielt. Daher hat das vom Zeitpunkt her schon auch sehr gut gepasst mit dem Wechsel zu Rapid und der Rückkehr in meine Heimatstadt.

LAOLA1: Würdest du sagen, du bist in den letzten Jahren auch gereift – nicht nur sportlich? Haben sich die Prioritäten, jetzt dann auch mit einer eigenen kleinen Familie, verschoben?

Knasmüllner: Ja, schon. Ich weiß jetzt, was auf mich zukommt. Eine Familie zu gründen, ist, glaube ich, das Schönste, was es gibt.

LAOLA1: Wie würdest du deine sportliche Entwicklung über die letzten Jahre beschreiben? Bist du zufrieden, was du bisher erreicht hast?

Knasmüllner (schmunzelt): Klar, es hätte schon mehr herausspringen können. Früher war ich auch eher einer, der sich gedacht hat: Das Talent wird schon reichen! Aber man muss immer hart an sich selber arbeiten, immer nur an Fußball denken und immer mehr machen. Nur dann funktioniert es. Das war früher bei mir halt nicht der Fall. Aber ich habe da den Schalter umgelegt und weiß, was wichtiger ist. Vielleicht ein bisschen spät, aber es ist noch nicht zu spät.

LAOLA1: Warum bist du davon überzeugt, dass man bei Rapid jetzt wieder den alten Christoph Knasmüllner sieht, der an seine Admira-Zeit anschließt?

Knasmüllner: Ich weiß schon, was ich kann. Das Selbstvertrauen habe ich – auch durch die letzte halbe Saison bei der Admira. Ich weiß schon, was meine Stärken sind und wo ich der Mannschaft gut helfen kann. Mit meiner Kreativität, meiner Übersicht, meiner Torgefährlichkeit – ich glaube schon, dass wir mit Rapid sehr viel erreichen können.

LAOLA1: Was ist mit Rapid möglich? Das Potenzial war in den vergangenen Jahren oftmals vorhanden, aber es schaut am Ende meist nicht das heraus, was sich der Verein gewünscht hätte.

Knasmüllner: Am Platz und außerhalb vom Platz verstehen wir uns innerhalb der Mannschaft sehr gut. Wir haben richtig gute Qualität auf jeder Position, auch viele junge Spieler. Ich glaube, dass wird eine richtig geile Saison, wenn jeder wirklich das abruft auf dem Platz, was er kann.

LAOLA1: Du hast mit der Admira auch schon im Europacup gespielt. Wie wichtig war Rapids Erreichen der Europa-League-Qualifikation für deine Entscheidung?

Knasmüllner: Natürlich war das ein Grund. Denn egal wo man spielt: Man will immer so weit oben spielen, wie es geht – ob es jetzt bei Admira oder Rapid ist. Aber ich glaube schon, dass das eine coole Erfahrung war mit der Admira. Es hat zwar auch ein bisschen länger gedauert, bis ich reingekommen bin, aber ich will nicht zurückschauen. Ich konzentriere mich jetzt auf Rapid, das ist das Wichtigste.

LAOLA1: Wie siehst du die Chancen, mit Rapid einen Titel zu holen? Die Fans, das Umfeld und der Verein warten bereits zehn Jahre darauf. Du hast auch noch keine Titel am Konto. Wie wichtig wäre das für dich persönlich?

Knasmüllner: Das wäre schon sehr wichtig. Ich glaube schon, dass wir dieses Ziel erreichen können. Wir haben eine super Qualität in der Mannschaft und es wäre natürlich sehr leiwand. Auch für die unglaublichen Fans, die wir haben, wäre das schon eine coole Sache, wenn wir den Titel holen.

"LAOLA1 On Air - Der Sport-Podcast" auf verschiedenen Kanälen:

Spotify: http://bit.ly/LAOLA1OnSpotify

iTunes: http://bit.ly/LAOLA1Onitunes

Deezer: http://bit.ly/LAOLA1OnDeezer

Textquelle: © LAOLA1.at

Rapids Djuricin: "Der war schon in einer anderen Welt"

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare