Zwischenbrugger: "Ich habe keinen Fußball zuhause"

 

Vor eineinhalb Wochen - da nahm das Leben in Österreich noch seinen normalen Lauf. Aber nicht mehr für Jan Zwischenbrugger.

Der Altach-Verteidiger wurde am 6. März zum ersten Bundesliga-Spieler, bei dem der Verdacht auf eine Corona-Infektion bestand. Nicht ganz zwei Wochen später ist klar: Der 29-Jährige hat sich nicht angesteckt.

Trotzdem: Seine Freundin und er mussten zwei Wochen in Quarantäne, die am Mittwoch endet. Obwohl auch Zwischenbrugger weiterhin von den Ausgangsbeschränkungen der ganzen Bevölkerung betroffen ist, ein großer Schritt nach vorn - darf er doch endlich wieder Frischluft schnappen. Und sich einen Ball holen, denn der stand in den eigenen vier Wänden gar nicht zur Verfügung.

Wie der Altacher die Nachricht aufgenommen und verarbeitet hat, welche Herausforderungen zu bewältigen waren und warum er dem Verein für Vorgehensweise dankbar ist, bespricht Zwischenbrugger im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Du hast die Nachricht einer möglichen Infektion bekommen, als das Leben ringsherum noch seinen normalen Lauf nahm. Wie hast du sie aufgenommen?

Jan Zwischenbrugger: Ich traf mich mit einem Freund, der einen Tag später erfahren hat, dass er in Kontakt mit einem positiv getesteten Menschen war. Er hatte leichten Husten und ließ sich testen. Er war überhaupt der erste Patient in Vorarlberg und ich hatte das "Glück", noch Zeit mit ihm verbracht zu haben. Es war ein Schock. Ich habe die Corona-Hotline (Telefonnummer 1450, Anm.) angerufen, die mir gleich bestätigt hat, dass ich mit meiner Freundin zwei Wochen in Quarantäne gehen muss. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Nach ein, zwei Tagen habe ich es akzeptiert und versucht, das Beste daraus zu machen.

LAOLA1: Du warst und bist bislang der erste und einzige Bundesliga-Kicker, bei dem der Verdacht bestand. Wie hast du es aufgenommen, als die Meldung mit deinem Namen überall zu lesen war? Das ist zweifelhafter Ruhm...

Zwischenbrugger: Stimmt. Ich habe mir schon ein paar Gedanken drüber gemacht, das war nicht optimal. Aber ich bin dem Verein sehr dankbar, der empfohlen hat, dass wir proaktiv mit meinem Namen an die Öffentlichkeit gehen. Sagen, was Sache ist. Das verschleiern zu wollen, funktioniert sowieso nicht. Dann sind alle Sachen geklärt und es gibt keine Spekulationen. Nach den ersten paar Tagen habe ich nicht mehr drüber nachgedacht. Jetzt ist sowieso alles anders - und längst nicht mehr wichtig, dass mein Name als erster in Zusammenhang mit dem Virus gefallen ist.

LAOLA1: Wie geht es deinem erkrankten Freund?

Zwischenbrugger: Dem geht es gut, sobald er zwei negative Tests abgelegt hat, darf er auch aus der Quarantäne. Er hatte leichten Husten, nichts Schlimmes. Er ist sehr gut mit der Sache umgegangen, hat sich gefühlte tausend Mal bei mir entschuldigt. Es war ihm sehr unangenehm, aber er kann nichts dafür. Es war ein blöder Zufall und ich gebe ihm überhaupt keine Schuld.

LAOLA1: Du hast etwas durchgemacht, was in den nächsten Wochen ganz vielen Menschen anstehen könnte. Wie kann man sich den Ablauf der Untersuchungen vorstellen?

Zwischenbrugger: Da war das Thema in Österreich noch ganz am Anfang. Die Verantwortlichen wussten noch nicht recht, wie sie damit umgehen sollten. Ich und meine Freundin wurden aufgefordert, daheim zu bleiben, aber es ist niemand vorbeigekommen. Falls Symptome aufgetreten wären, hätten wir uns noch einmal melden müssen. Da wir mittlerweile mehr als zwölf Tage daheim sind und nichts aufgetreten ist, hat sich das zum Glück erledigt. Das "Positive", wenn man es so sagen kann: Dass ich nicht alleine war, weil es meine Freundin leider auch betroffen hat. Die Zeit ist viel schneller vorübergegangen als alleine.

LAOLA1: Es gibt positive Fälle in anderen Vereinen, bei denen die ganze Mannschaft unter Quarantäne musste. Wie haben deine Kollegen reagiert?

Zwischenbrugger: Das war meine größte Angst, dass ich die alle angesteckt habe. Ich habe Trainer Alex Pastoor und Sportdirektor Christian Möckel verständigt. Sie haben sich mit Virologen und Ärzten auseinandergesetzt und mir versichert, dass der Zeitraum zwischen meinem Kontakt mit dem infizierten Freund und anderen Menschen zu kurz gewesen ist.

"Nach vier, fünf, sechs Tagen wurde es eine zähe Angelegenheit. [...] Also putzen lenkt schon ab! Da denkst du nichtmal an die Quarantäne."

LAOLA1: Auch von Freunden und Kollegen hat es viel Solidarität gegeben. Wie hat sie sich neben Einkaufs-Hilfen geäußert?

Zwischenbrugger: Durch viele Telefonate und Ablenkung. Es war ein großer Rückhalt und Hilfsbereitschaft spürbar, die man im normalen Leben gar nicht so mitbekommt. Wenn es einem bewusst wird, schätzt man es sehr, wie Familie, Freunde und Mannschaftskollegen hinter einem stehen und alles für einen tun würden.

LAOLA1: Es war eine emotionale Woche für dich – fünf Tage vorher gab es den 3:2-Sieg über Salzburg mit Tor von dir.

Zwischenbrugger: Es war ein Schlag. Das Spiel gegen Salzburg war noch ein echtes Highlight, ein paar Tage später erfährst du sowas. Jammern hilft aber nichts. Ich habe doch nur ein Spiel verpasst, das hätte auf dieser Seite schlimmer ausgehen können. Eine Verletzung setzt dich länger außer Gefecht.

LAOLA1: Du hast jetzt einen "Wissensvorsprung" gegenüber anderen Menschen, wir müssen alle viel Zeit in unseren vier Wänden verbringen. Was waren und sind die größten Herausforderungen im Alltag, die du für dich bewältigen musstest, damit dir die Decke nicht auf den Kopf fällt?

Zwischenbrugger: Die ersten Tage gingen noch. Unser Physiotherapeut brachte mir ein Ergometer, darauf habe ich einige Stunden verbracht, mehr Zeit als sonst. Normal bin ich zu Fuß unterwegs. Nach vier, fünf, sechs Tagen wurde es eine zähe Angelegenheit. Meine Freundin und ich haben den Frühjahrsputz vorgezogen, die ganze Wohnung in Angriff genommen und neue Kochkünste entwickelt.

LAOLA1: Was hat dir neben Fitness am besten geholfen?

Zwischenbrugger: Also putzen lenkt schon ab! Da denkst du nichtmal an die Quarantäne. Wir haben auch viele Serien geschaut, denn irgendwann ist die ganze Wohnung geputzt. Aber ich habe es gut hinübergebracht und freue mich auf einen Spaziergang oder Lauf in der freien Natur, das vermisst man dann schon.

LAOLA1: Hast du mehr trainiert als sonst - und anders?

"Für meine Freunde, Fußball-Kollegen und mich ist es eine scheiß Situation, wir möchten Fußball spielen und raus gehen, klar. Aber schlimmer trifft es die Menschen, deren Immunsystem nicht so stark ist. Es wird vorübergehen. Wir werden alle wieder Fußball schauen und spielen können."

Zwischenbrugger: Der Grundlagen-Ausdauer konnte ich mehr Zeit widmen. Kraftübungen habe ich gemacht, die ohne Gewichte gehen – viel mit Körpergewicht. Ein paar neue Übungen habe ich einfach ausprobiert, die aufgrund der Situation sein mussten. Im körperlichen Bereich habe ich sicher nichts verloren.

LAOLA1: Machst du irgendwas mit dem Ball? Gibt es Übungen, die auf zwei Quadratmetern funktionieren?

Zwischenbrugger: Das Problem ist – ich habe keinen Fußball zuhause! Nur einen Tennisball. Ein Ball am Fuß fehlt einem. Ein Tennisball ist ein schwacher Trost.

LAOLA1: Man sollte meinen, dass der Verein einen Ball vorbeibringen kann.

Zwischenbrugger: Um ehrlich zu sein, ist mir am Anfang gar nicht eingefallen, das Ergometer war wichtiger. Jetzt sind es nur mehr zwei Tage, dann werde ich mir selber einen holen.

LAOLA1: Was ist deine persönliche Meinung, wie es weitergehen sollte?

Zwischenbrugger: In erster Linie finde ich die drastischen Maßnahmen der Regierung gut. Das ist wichtig, dass wir uns alle dran halten! Für meine Freunde, Fußball-Kollegen und mich ist es eine scheiß Situation, wir möchten Fußball spielen und raus gehen, klar. Aber schlimmer trifft es die Menschen, deren Immunsystem nicht so stark ist. Es gibt Wichtigeres als Fußball. Solche Lebensphasen zeigen das, da gilt es, näher zusammenzurücken und die wichtigen Dinge im Leben bewusst zu machen. Es wird vorübergehen. Wir werden alle wieder Fußball schauen und spielen können. Wichtig ist, dass wir diese Zeit gut überstehen und alles andere wird sich eh zeigen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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