Wisdom: "Heute kann ich darüber lachen"

Aufmacherbild Foto: © GEPA
 

Andre Wisdom wechselte im Sommer leihweise von Liverpool zu Red Bull Salzburg.

Der 23-jährige Engländer mit jamaikanischen Wurzeln kam auch wegen einer Verletzung bislang nur auf neun Einsätze, spielte vor rund zwei Wochen in Krasnodar (1:1) in der Europa League und Tage später beim 0:1 gegen die Admira erstmals zwei Mal hintereinander 90 Minuten.

Der Verteidiger ist nach Colin Ayre (SSW Innsbruck) und Gary Shaw (Austria Klagenfurt) übrigens erst der dritte England-Legionär in der Bundesliga.

Im LAOLA1-Interview spricht Wisdom über seine bisherige Zeit in Salzburg - und über seinen einstigen Porsche-Schlam(m)assel bei Derby County.

LAOLA1: Wie gefällt es dir in Salzburg bislang?

Andre Wisdom: Salzburg ist eine sehr nette Stadt, die Leute sind sehr freundlich und lachen viel. Ich mag die Landschaft, die Berge und es ist alles gut. Auch der Fußball. Nur, dass ich hier rechts fahren muss, daran habe ich mich erst gewöhnen müssen. Ich hätte fast ein paar Unfälle gebaut (grinst). Aber alles ging gut und ich weiß, wohin ich muss und wie ich dort am besten hinkomme.

LAOLA1: Dazu später noch mehr. Erst noch: Wie bewertest du den Fußball hierzulande?

Wisdom: Das Niveau in der Liga ist gut. Jedes Spiel ist schwierig und herausfordernd, egal ob gegen Teams an der Spitze oder weiter unten. Du musst in jeder Partie zu 100 Prozent konzentriert sein. Es ist für mich auch schwierig wegen der Sprache. Kommunikation macht für mich 50 Prozent des Spiels aus. Es macht den Job leichter, wenn jeder versteht, was man macht. So ist es ein Test für mich. Ich spreche nicht sehr gut Deutsch, versuche die Dinge zu lernen, die am Feld notwendig sind. Dem muss man sich im Ausland stellen und es macht mich zu einem besseren Spieler. Man muss hart arbeiten.

LAOLA1: Welche deutschen Worte kannst du schon?

Wisdom: "Servus" und "Mahlzeit", aber auch etliche Worte, die am Feld notwendig sind. Ich lerne langsam dazu, aber ja, es ist nicht einfach. Ich spreche Englisch, aber andere nicht. Da muss ich mich dann anders verständigen, aber manchmal ist es dann am Spielfeld oft schwierig. Paulo (Miranda, Anm.) spricht etwa Portugiesisch oder Dayot (Upamecano, Anm.) Französisch. Chan (Hee Chan Hwang, Anm.) spricht Koreanisch, Taki (Takumi Minamino, Anm.) Japanisch. Wenn ich jemandem etwas sage, kann das dem ganzen Team helfen. Etwa: Positioniere dich etwas anders. Das kann dann weitergehen wie ein Domino-Effekt.

LAOLA1: Beim 0:1 gegen die Admira gab es ein Missverständnis zwischen dir und Upamecano.

Wisdom: Das ist ein perfektes Beispiel. Ich habe ihm geschrien, dass der Gegenspieler hinter ihm sei, aber er hat es nicht verstanden. Ich kam ihm zu Hilfe, aber nicht mehr zum Ball und der Gegner traf. Das sind die kleinen, aber wesentlichen Dinge. Zumal wir dieses Spiel aufgrund dieses Tores verloren haben.

Das angesprochene Tor auf VIDEO:


LAOLA1: Wie denkst du grundsätzlich über den erst 18-jährigen Dayot und sein Spiel?

Wisdom: Er sorgt dafür, dass ich mich alt fühle und ich bin erst 23 Jahre alt. (lacht) Nein, er ist ein toller Spieler mit viel Potenzial. Und er kann alles spielen, ich glaube auch Angreifer. Er erinnert mich an Spieler-Typen wie Yaya Toure oder Patrick Vieira.

LAOLA1: Warum spielt man gegen Krasnodar top und verliert zu Hause dann gegen die Admira?

Wisdom: Fußball ist schwierig. Wir haben gegen Krasnodar wirklich gut gespielt und bekommen dann zum Schluss dieses Gegentor. Dann war natürlich jeder enttäuscht und das ist weniger ein physisches Problem, als mehr ein mentales. Man strengt sich so sehr an und es endet mit einer Enttäuschung. Dann denkst du dir vielleicht, du spielst zu Hause und du brauchst nicht das absolut Letzte zu geben und es fehlen vielleicht ein paar Prozent. Wir sind ein junges Team und hoffentlich lernen wir daraus. Das Wichtigste ist, positiv zu bleiben, mit einem Lächeln zu spielen und immer hart zu arbeiten. Nach einem Sieg sollte man nicht zu selbstbewusst sein und glauben, man ist der FC Barcelona. Nach einer Niederlage sollte man nicht zu niedergeschlagen sein. Fußball ist ein toller Beruf und du kannst immer besser werden. Und wir alle in Salzburg spielen Fußball, weil wir ihn lieben und gut darin sind.

Wisdom im Trikot der "Reds"
Foto: © GEPA

LAOLA1: Wie kam es eigentlich dazu, dass du von Liverpool nach Salzburg gewechselt bist?

Wisdom: Mein Berater hat mir von der Möglichkeit erzählt und ich dachte mir, das wäre etwas anderes. Ich würde eine neue Kultur, eine neue Sprache und eine andere Art von Fußball erlernen. Ich dachte mir, das wäre ein neuer Schritt in meiner Karriere, um mich als Spieler und als Mensch zu verbessern. So habe ich die Chance wahrgenommen.

LAOLA1: Hattest du mit deinen Kollegen Alexander Manninger und Sadio Mane über Salzburg gesprochen?

Wisdom: Ja! Alex ist ein toller Typ, er hat mir davon erzählt, dass er in Salzburg seine Karriere begonnen hat. Sadio sagte, dass es ein toller Verein und wie eine Heimat für ihn sei. Sie sagten auch, dass es ein großer Klub sei, der sich immer zu verbessern versucht. Und man kann um Titel spielen.

LAOLA1: Gab es auch andere Möglichkeiten?

Wisdom: Es gab auch Optionen in England, aber ich wollte eben etwas anderes machen. Ich wurde zuvor an Derby County, West Bromwich und Norwich verliehen. Wenn jemand in einem Büro arbeitet und die Chance hat, im Ausland zu arbeiten, dann erweitert das auch den Horizont. Das ist im Fußball nicht anders. Man bekommt andere Menschen mit, wie sie arbeiten, wie sie leben. Man kommt auch aus der Komfortzone raus. Die ist bei mir England gewesen, weil ich dort Familie und Freunde habe, die Sprache kann. In Österreich kannte ich keinen und wusste nicht, wie sie Fußball spielen. Auf der anderen Seite kannten sie mich nicht und wie ich Fußball spiele. Das braucht Zeit, um Vertrauen aufzubauen. Das ist nach wie vor so.

Ich stieg von meinem Auto in ein anderes. Ich hatte ja vor dem Spiel einen Anzug an und wenn ich da rausgestiegen wäre, wäre ich komplett dreckig gewesen.

Wisdom über den Schlam(m)assel

LAOLA1: Du hast bei Salzburg schon Außen- und Innenverteidiger gespielt. Was bevorzugst du?

Wisdom: Innenverteidiger. Denn das habe ich im Nachwuchs gespielt. Als ich Profi wurde, habe ich bei Liverpool um die 20 Spiele als Rechtsverteidiger gespielt. Aber am Ende spiele ich das, was von mir verlangt wird – und sei es als Torhüter, wenn alle verletzt sind. Dann versuche ich auch das. Ich bin glücklich am Feld zu sein.

LAOLA1: Wie denkst du über Trainer Oscar und deine Kollegen?

Wisdom: Er ist ein guter Trainer. Das habe ich schon gewusst, weil ich gegen seine Teams in England gespielt habe. Aber natürlich jetzt umso mehr, weil ich tagtäglich mit ihm zusammenarbeite. Auch das Betreuer-Team mit Ruben (Martinez, Anm.), Enrique (Sanz, Anm.) und Rene (Aufhauser, Anm.) macht einen guten Job. Oscar gibt uns auch die Freiheit, Fußball zu spielen. Verbunden mit den Basics, hart zu arbeiten und 100 Prozent zu geben. Die Spieler verstehen sich alle gut miteinander, sind Freunde. Dayot ist etwa 18 und Jonny (Soriano, Anm.) 31 Jahre alt – aber das Alter spielt im Fußball keine Rolle. Jeder versucht sich ständig zu verbessern und jeder in diesem Team ist auch gut.

LAOLA1: Wissen deine Kollegen eigentlich von deinem Porsche-Vorfall bei Derby County?

Wisdom: (lacht) Nun es ist so: Einer der Physiotherapeuten, David (Selbach, Anm.), kam einmal lachend zur mir und ich fragte ihn: Was ist so lustig? Er zeigte mir das Foto und fragte mich: Was passierte? Nun ja, ich bin damals zu einem Spiel gefahren und folgte einfach der Anweisung des Navis. Und wenn ich da nicht durchgefahren wäre, wäre ich zu spät gekommen. So bin ich eben durchgefahren und bin steckengeblieben. Zwei andere Spieler haben mich auch darauf angesprochen und fragten, was mit meinem Auto passiert sei und fanden es auch witzig. Ich glaube nicht, dass es viele wissen, aber wenn sie mich fragen, werde ich es ihnen erklären.

LAOLA1: Gut möglich, dass es bald mehrere Kollegen wissen. Aber jetzt lachst du darüber, oder?

Wisdom: Ja, jetzt kann ich auch darüber lachen. Damals dachte ich mir nur, was ist jetzt passiert? Gut, ich hätte einfach umdrehen und eine anderen Weg wählen sollen. Aber solche Dinge passieren einfach.

Wisdom steckte im Schlam(m)assel
Foto: © GEPA

LAOLA1: Wie bist du aus dem Schlamm rausgekommen?

Wisdom: Ich habe Leute vom Klub angerufen und gesagt, dass ich steckengeblieben bin. Sie fragten mich wo, und ich sagte, ich weiß es nicht. Dann habe ich es einigermaßen erklärt und sie kamen an die Stelle und meinten, das wäre anderen auch schon passiert. Und sie lachten. Aber sie kamen zehn Minuten später und ich stieg von meinem Auto in ihres. Ich hatte ja vor dem Spiel einen Anzug an und wenn ich da rausgestiegen wäre, wäre ich komplett dreckig gewesen. So kletterte ich von einem Fenster ins andere und man brachte mich mit einem Truck zum Spiel. Ich war auch nicht zu spät und man kümmerte sich um mein Auto. Aber Leute haben inzwischen natürlich Fotos gemacht, weil es lustig war. (lacht)

LAOLA1: Und wie lief das Spiel dann?

Wisdom: Es lief gut. Ich kann mich erinnern, wir haben gegen Sheffield Wednesday gespielt und 3:0 gewonnen. Nach dem Spiel haben mich die Kollegen gefragt, wo ich denn mein Auto habe. Und ich sagte, ich habe es zu Hause gelassen und dass ein Freund mich gebracht hätte. Zwei Tage später sahen sie die Fotos in der Zeitung und haben mich als Lügner enttarnt (lacht).

LAOLA1: Hat es der Porsche überlebt?

Wisdom: Ja, der Schaden hielt sich sogar in Grenzen. Es musste nur viel gereinigt werden. (grinst)

Ich denke nicht, dass ich nach Liverpool zurückkehre, weil ich nicht auf diesem Level bin.

Wisdom über seine Zukunft

LAOLA1: Zurück zum Sportlichen: Du hast 23 Spiele für Liverpool gespielt. Was ist danach passiert?

Wisdom: Es war für mich eine tolle Saison, aber wir hatten auch tolle Spieler wie etwa Glen Johnson oder Nathaniel Clyne, die vor mir waren. Ich habe nicht immer gespielt und für mich war wichtig, regelmäßig zu spielen. Deswegen war ich dann bei Derby und WBA, da lief es auch gut. Da spielte ich aber immer Rechtsverteidiger, was eben nicht meine angestammte Position ist. Aber ich beschwere mich auch nicht darüber. Hauptsache ich stehe am Feld.

LAOLA1: Wirst du im Sommer nach Liverpool zurückkehren oder ist ein Verbleib möglich?

Wisdom: Ich denke nicht, dass ich nach Liverpool zurückkehre, weil ich nicht auf dem Level bin. Ich werde schauen, wohin mich meine Karriere führt. Wenn es die Möglichkeit gibt hierzubleiben, werde ich darüber nachdenken. Aber im Fußball weiß man nie, es kann sich so schnell alles ändern.


Textquelle: © LAOLA1.at

Premier League: Liverpool schenkt Sieg in Bournemouth her

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare