Feuerwehrmann Schmidt: "Es gibt keine Garantie"

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Klaus Schmidt soll die Admira aus dem Tabellenkeller der Bundesliga führen. Nicht zum ersten Mal in seiner Karriere wurde der 51-Jährige sozusagen als eine Art "Feuerwehrmann" engagiert.

„Ich habe Erfahrung darin, wo einzusteigen, wo es Probleme gibt", erklärt der 51-Jährige.

Die Niederösterreicher sind seine siebente Trainer-Station in den letzten acht Jahren. Die Aufgabe im Süden Wiens wird keine einfache werden. Gerade einmal einen Punkt konnte die Admira in sechs Runde holen.

Dazu gelten Schösswendter und Co. als Liga-Schießbude mit offensiver Ladehemmung.

Schmidt gibt offen zu: „Es ist keine Garantie, dass es funktioniert, wenn Klaus Schmidt kommt.“

Zusatz: „Ich versuche aber mein Bestes, damit es auch hier besser wird.“

Im LAOLA1-Interview verrät der Ex-Mattersburg-Coach, wie er die Niederösterreicher aufpäppeln will, warum er sich nicht als „Wandervogel“ bezeichnet und warum es für ihn quasi klar war, dass es bei seinem Debüt gegen Rapid gehen wird.


LAOLA1: Seit etwas mehr als einer Woche sind Sie in der Südstadt in Amt und Würden. Haben Sie sich schon gut eingelebt?

Klaus Schmidt: Es ist erstaunlich gut gegangen, ich fühle mich wohl und habe mich in kürzester Zeit sehr gut eingefunden. Ich kann nur das Beste sagen.

LAOLA1: Welchen Eindruck haben Sie von der Mannschaft bisher gewonnen?

Schmidt: Ich denke, diese Truppe hat sich in den letzten Wochen weit unter Wert geschlagen. Es gibt hier sehr, sehr viele Spieler, die Bundesliga-Niveau besitzen. Ich glaube, die Mannschaft steht zu Unrecht am letzten Tabellenplatz. Doch wenn man einmal hinten drinnen steckt, dann ist es meistens schwer, den Schritt heraus zu finden und vor allem zu machen.

LAOLA1: Die Admira hat nur drei Tore geschossen und schon 17 Gegentore bekommen – sie ist also sowohl offensiv, als auch defensiv das schlechteste Team der Liga. Wo wollen Sie die Hebel ansetzen?

Schmidt: Ja, es ist vorne eine Baustelle und hinten eine Baustelle. Deswegen muss man einfach schauen, dass man vorne irgendwie das eine oder andere Tor macht und hinten die Laden dicht bekommt. Diese Dinge sind im täglichen Training eigentlich normal. In erster Linie muss man aber am Selbstvertrauen bzw. Selbstbewusstsein schrauben. Jeder einzelne muss an sich und seine Fähigkeiten glauben.

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LAOLA1: Wie wollen Sie das Selbstvertrauen stärken – mit Videomaterial, Einzelgespräche…?

Schmidt: Natürlich gibt es viele Gespräche. Ich habe mir von jedem Spieler persönlich ein Bild gemacht. Wie stabil ist er? Wie sieht er die Situation? Dann versucht man mit der ganzen Mannschaft an ihren Stärken zu arbeiten. Aber auch ganz genau darauf hinzuweisen, an was es hapert. Also: Warum ist man im Kollektiv gegen den Ball nicht so gut, oder warum zögert man vor dem Tor in gewissen Situationen. Ich versuche relativ klar alle Dinge anzusprechen – ohne dabei darauf zu vergessen, die positiven Sachen hervor zu streichen. Das ist ein schmaler Grat und immer wieder spannend für mich.

LAOLA1: Als ihr Co-Trainer fungiert Joachim Standfest. Wie ist es dazu gekommen?

Schmidt: Die Situation hat sich ergeben. Joachim hatte keinen Job. Ich kenne ihn schon sehr lang. Als er 19 Jahre alt war, bin ich als junger Trainer zum GAK gekommen. Wir waren dann sieben Jahre gemeinsam dort und hatten danach eine sehr erfolgreiche Zeit in Kapfenberg. Da ist er als gestandener Spieler hingekommen und für mich war es quasi meine erste Position als Cheftrainer. Seitdem sind wir immer wieder in Kontakt gewesen. Jetzt hat sich die Situation ergeben und so wie es ausschaut war es ein richtig guter Schachzug, ihn zu holen.

"Wenn ein Verein mit nur einem Punkt nach sechs Runden Letzter ist, muss man da und dort schon ein Glutnest löschen. Doch so, dass es hier lichterloh brennt, ist es nicht. Es lodert."

Klaus Schmidt

LAOLA1: Sehen Sie sich als Feuerwehrmann der Südstadt?

Schmidt: Wenn ein Verein mit nur einem Punkt nach sechs Runden Letzter ist, muss man da und dort schon ein Glutnest löschen. Doch so, dass es hier lichterloh brennt, ist es nicht. Es lodert. Und dieser Situation muss man sich bewusst sein. Es gibt sicher angenehmere Aufgaben, als sich von ganz unten heraus zu spielen.

LAOLA1: Trainerwechsel in einem recht frühen Stadium der Saison gab es schon in den letzten Jahren. Haben Sie im Sommer „bewusst“ gewartet, dass etwas passieren könnte und deswegen keinen anderen Job angenommen?

Schmidt: Es war eine extrem schwierige Situation für mich, den Vertrag in Mattersburg aufzulösen. Das war eine Seilttanz-Aktion ohne Netz. Man kann nie wissen, ob man in diesem Geschäft noch einmal dran kommt. Dass es für mich gleich beim ersten Trainerjob, der jetzt frei geworden ist, geklappt hat, ist natürlich umso erfreulicher. Dennoch: Davon ausgehen kann man nicht.

LAOLA1: Waren Sie sich vor ihrem freiwilligen Aus beim SVM denn nicht schon mit dem SKN St. Pölten einig?

Schmidt: Nein, das stimmt nicht. Dass ich mit St. Pölten angeblich einig gewesen sein soll, sind Gerüchte, die irgendjemand verbreitet hat. Es hat ein Gespräch mit dem SKN gegeben, der Verein wollte aber nicht lange warten, um einen Trainer zu bestellen. Der jetzige St.Pölten-Coach war lange bevor ich meinen Vertrag in Mattersburg gekündigt habe fix. Das ist die Wahrheit.

LAOLA1: Die Admira ist jetzt ihre siebente Trainerstation in den letzten acht Jahren. Ich würde sie jetzt ab nicht gerade als Wandervogel einschätzen.

Schmidt: Nein. Das bin ich auch nicht und ist nicht meine Intention. Wenn man alle meine Stationen Revue passieren lassen würde, wäre ich bei dem einen oder anderen Verein gerne geblieben. Aber gewisse Personen waren mit meiner Leistung unzufrieden. Bei anderen habe ich dann selbst die Reißleine gezogen. In diesem Fall habe ich meistens eine Verbesserung meiner Situation gesehen – etwas als ich von der 2. Liga in die Bundesliga gewechselt bin oder davon von der Regionalliga in der 2.Liga. Das war eigentlich immer nachvollziehbar. Aber ja, ich sehne mich schon einmal nach einer Station, wo ich länger arbeiten kann.

LAOLA1: Wenn man sich ihre Vita weiter ansieht, erkennt man, dass sie sehr oft während einer Saison geholt wurden.

Schmidt: Ja, das heißt, dass ich Erfahrung habe, wo einzusteigen, wo es Probleme gibt. Und da bin ich jetzt schon zum wiederholten Male geholt worden - mit der Erwartung, dass es besser wird. Natürlich kann man es als eine Art „Feuerwehrmann“-Geschicht bezeichnen. Ich versuche mein Bestes, damit es besser wird. Und meistens hat es bisher funktioniert.

"Ich habe bei der Admira bei keinem einzigen Spielertransfer mitgeredet. Die Spieler sind mir quasi in den Schoß gefallen. Mit diesen Leuten muss ich eine Mannschaft kreieren, die bereit ist, eine sehr schwierige Situation zu meistern. Das ist einerseits sehr spannend, aber auf der anderen Seite auch sehr schwierig."

Klaus Schmidt

LAOLA1: Das zeigt auch die große Wertschätzung ihrer Person gegenüber.

Schmidt: Ja schon, aber es ist immer wieder aufs neue eine Gratwanderung. Man fragt sich schon: Schaff‘ ich das diesmal auch? Denn die Erwartungshaltung der Vereinsführung ist schon so, dass sie mir sagen, dass sie meine Hilfe benötigen, weil es brennt. Doch Mannschaften aufzumöbeln ist nicht so einfach. Es ist keine Garantie, dass es funktioniert, wenn Klaus Schmidt kommt. Es ist ein Erwartungsdruck der Funktionäre, der Spieler und von mir selbst.

LAOLA1: Richtig schwierig stelle ich mir vor, dass sie in vielen Fällen nur mit Spielern arbeiten müssen, die da sind, oder?

Schmidt: Genau! Ich habe bei der Admira etwa bei keinem einzigen Spielertransfer mitgeredet. Die Spieler sind mir quasi in den Schoß gefallen. Mit diesen Leuten muss ich eine Mannschaft kreieren, die bereit ist, eine sehr schwierige Situation zu meistern. Das ist einerseits sehr spannend, aber auf der anderen Seite auch sehr schwierig. Wäre ich am Anfang der Saison zur Admira gekommen, hätte ich zwei, drei Spieler gewusst, die helfen können. Jetzt ist es so, dass ich zum ersten Mal keinen einzigen Spieler im Kader habe, mit dem ich woanders schon einmal zusammen gearbeitet habe. Bisher war zumindest einer immer da. Ich muss mich jetzt sofort an die Spieler gewöhnen und umgekehrt sie an mich.

LAOLA1: Bei ihrem Debüt wartet auf die Admira gleich Rapid. Ist diese Aufgabe Fluch oder Segen?

Schmidt: Ich habe letzte Saison mit Mattersburg sieben Mal gegen Rapid gespielt. Das ist glaube ich Alltime-High. Vier Mal in der Liga, zwei Mal im Duell um den EL-Playoff-Platz und ein Mal im Cup. Jetzt ist mein erstes Spiel gleich wieder gegen Rapid. Ich hätte wahrscheinlich gar nicht die erste Paarung nachschauen müssen und hätte gewusst, dass es Rapid ist (lacht). Ob es Fluch oder Segen ist? Einerseits ist es eine Art Bonusspiel, weil keiner erwartet, dass wir ins Allianz Stadion fahren und dort etwas mitnehmen. Andererseits ist es eine riesen Geschichte für die Jungs, die bis in die Zehenspitzen motiviert sind und dort bestehen wollen. Vielleicht gibt es keine größere Gelegenheit dafür als jetzt. Doch bei allen Überlegungen gehört natürlich auch noch Rapid dazu.

Textquelle: © LAOLA1.at

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