Wie Rapids Talente-Konzept fruchtet

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Die Entwicklung beim SK Rapid ist in Zeiten des Präsidentschafts-Wahlkampfs eines der Hauptthemen. Nicht alles ist Gold, was glänzt, nicht alles hat positive Auswirkungen.

Definitiv auf einem guten Weg sind die Hütteldorfer allerdings momentan was das Nachrücken junger Talente in die Kampfmannschaft betrifft.

Kelvin Arase, Dalibor Velimirovic, Leo Greiml, Nicholas Wunsch, Melih Ibrahimoglu, Dragoljub Savic, Lion Schuster oder Yusuf Demir sind derzeit das beste Signal, dass man es bei den Grün-Weißen binnen kürzester Zeit bis in die Kampfmannschaft schaffen kann, die Durchgängigkeit ist wieder mehr gegeben als noch Jahre zuvor – dank oft kritisiertem Konzept.

Nachwuchsleiter Willi Schuldes hat ebenso seinen Anteil daran wie Didi Kühbauer. So richtig in Fahrt kam der Youngster-Boom aber erst durch die Rückkehr von Zoran Barisic.

„Ja, aber Selbstlob stinkt, ich bin nur ein kleiner Teil des Ganzen, bin umgeben von lauter guten Mitarbeitern und ich glaube, die Richtung, die wir vorgegeben haben, ist ganz klar erkennbar und stimmt auch. Wir haben die Reset-Taste gedrückt im Sommer“, gibt der Sportliche Leiter im Gespräch mit LAOLA1 zu, verweist aber auch darauf, dass immer der Trainer der Kampfmannschaft entscheidend sei.

„Wir wussten und wissen nach wie vor, dass es sehr hart sein wird in nächster Zeit. Aber wir haben den Entwicklungsprozess in Gang gesetzt und an dem werden wir festhalten. Und ich bin wirklich überzeugt davon, dass wir als Rapid dann in Zukunft auch ernten werden.“

Mut zu Talenten, aber: „Sie haben es noch nicht geschafft“

Der Mut, junge Spieler ins kalte Wasser zu werfen, ist wieder vorhanden. Schuldes ist verantwortlich dafür, dass sich die jungen Wilden im Nachwuchs und bei Rapid II – die auf Kurs Richtung 2. Liga sind – bestmöglich entwickeln. Barisic und Kühbauer sind jenes Duo, das dann dafür sorgt, dass die aufstrebenden Talente auch bei den Profis ihre Chance bekommen.

Sehr überraschend kommt es für „Zoki“ nicht, schon vor seiner Rückkehr beobachtete er Rapid II und wusste, dass viel Potenzial vorhanden ist. Es fehlte jedoch die flüssige Integration und der Mut, mit Eigenbauspielern den Konkurrenzkampf zu forcieren.

„Es bedeutet aber auch für jene, die jetzt schon das eine oder andere Mal in der Kampfmannschaft gespielt haben, dass sie es noch nicht geschafft haben. Da möchte ich schon explizit darauf hinweisen: Sie haben es nicht geschafft! Aber sie bekommen die Chance, genauso wie andere die Chance bekommen werden. Das bedeutet, dass sie noch härter an sich arbeiten müssen, um stärker, besser zu werden, aber auch geduldiger mit sich selbst zu sein, die richtige Einstellung an den Tag zu legen, wenn sie wieder mal in der Zweiermannschaft spielen und nicht bei den Profis. Das sind alles psychologische Aspekte, die miteinfließen, was mit der Einstellung zum Beruf Fußballer zu tun hat. Wir sind gerade dabei, dies den Jungen beizubringen“, erklärt Barisic die aktuelle Vorgangsweise.

Der Prozess bei den gerade einmal 18, 19 oder 20-jährigen Jungspunden sei dadurch nicht abgeschlossen – im Gegenteil. „Wir haben die Türe geöffnet, sie müssen selber durchgehen, aber sie müssen im Raum bleiben. Das obliegt ganz allein ihnen.“

Ausbildung, Förderung, kaltes Wasser – „das klappt jetzt hervorragend“

Diese Philosophie ist eine, die Barisic bereits in finanziell weniger rosigen Zeiten damals als Trainer erfolgreich implementierte und welche Rapid nun wieder gut tun soll. Als Geschäftsführer Sport hat er nun noch mehr Verantwortung, was das Zukunfts-Modell betrifft.

Der 49-jährige Wiener will nicht über Fehler in der Vergangenheit sprechen, die Aufbauarbeit der vergangenen Jahre bietet jedoch ein gutes Fundament, um diesen Weg zu beschreiten.

„Es passiert sehr viel. Die Ausbildung, die die Jungs in der Akademie und im Nachwuchs genossen haben, ist eine sehr gute. Trotzdem dürfen wir nicht stehenbleiben. Es gibt auch noch genug gute Spieler in unserer Akademie, aber niemand darf stehenbleiben, niemand von den Verantwortlichen darf sich auf die Schulter klopfen. Wir müssen schauen, was gut war, aber trotzdem noch das eine oder andere verbessern, um noch besser zu werden“, spricht der Perfektionist aus Barisic.

Einer der Brückenbauer ist Schuldes, der mittlerweile seit fünf Jahren die Fäden als Sportlicher Leiter für Rapid II, Akademie und Nachwuchs zieht und mit Barisic und Kühbauer nun zur Ernte ansetzt, da dieses Tandem den ausgebildeten Talenten auch den entscheidenden Schritt in die Bundesliga ermöglicht.

„Das klappt jetzt wirklich hervorragend! Arase, Greiml, Wunsch, Velimirovic, Ibrahimoglu, Schuster, die debütiert haben, Savic, Fuchshofer und Demir auf der Bank – das ist schon viel für vier Monate, so lange die Saison erst rennt. Da gäbe es genauso fünf andere noch bei Rapid II, die diese Fähigkeiten haben“, freut Schuldes die Entwicklung, wie er LAOLA1 verrät.

Talente: Warum klaffte in den letzten Jahren ein Loch?

Das System funktioniere, wenn man den beiden Entscheidungsträgern Glauben schenken darf. Das beweist der aktuell zweite Platz von Rapid II in der Regionalliga Ost ebenso wie jene Spieler, die bereits für höhere Aufgaben herausgepickt wurden.

Die Vielzahl an für die Kampfmannschaft adäquaten Persönlichkeiten überrascht auf den ersten Blick. Deshalb muss die Frage gestattet sein, warum in den vergangenen Jahren ein großes Loch aufklaffte und oftmals auf fehlende Generationen verwiesen wurde.

Es liegt in der Natur der Sache, dass keiner den Vorgängern den Schwarzen Peter zuschieben will. Barisic erklärt jedoch glaubhaft, dass die Talente auch vorher dagewesen wären, jedoch die äußeren Rahmenbedingungen passen müssen, um so wie jetzt diesen Weg zu gehen.

„Nein, die Jahrgänge dazwischen waren nicht so viel schlechter. Aber du brauchst trotzdem eine gesunde Kampfmannschaft, wo du die jungen Spieler ins kalte Wasser reinwerfen und du sie immer wieder hochziehen kannst - zum einen oder anderen Training oder beispielweise in der Länderspielpause. Du musst sehr gute Charaktere haben, wo vor allem die Führungsspieler hohe soziale Kompetenz mitbringen, damit sich die Jungen dort weiterentwickeln können und auch Fehler machen dürfen. Das haben wir, im Moment ist das gegeben. Ich glaube, dass es deshalb für alle Beteiligten auch leichter ist.“

„Generationslöcher“, aber auch fehlener Mut in Krisenzeiten

Dabei hört man schon heraus, dass das instabile Rapid-Konstrukt der vergangenen Jahre - wie etwa in der Seuchensaison, durch das Verpassen des Europacups, durch die vielen Trainerwechsel und Rekordtransfers – keine Förderung der eigenen Talente zugelassen hat.

Oder es waren eben Personen am Werk, die vor diesem Schritt zurückschreckten. Schließlich hat keiner eine Garantie, dass die Emporkömmlinge auch sofort bei den Profis funktionieren. Wer jedoch nicht wagt, der auch nicht gewinnt. So scheint das neue Motto der Hütteldorfer zu lauten, die sich den weitreichenden Möglichkeiten der eigenen Talentförderung nicht verschließen wollen.

Trotz allem sind „Generationslöcher“ möglich, auch wenn man diese durch gezieltes Scouting und Aufbauarbeit in Zukunft minimieren kann.

„Einerseits gehört immer Mut dazu, und wir haben mit Didi einen Trainer, der sehr mutig ist. Zum anderen hat man mal sogenannte Generationslöcher. Und der dritte Punkt ist: Wenn du solche Talente hast, dann ist es oftmals besser, wenn du sie länger unter deinen Fittichen hast und sie nicht zu schnell verleihst, damit sie sich bei dir besser weiterentwickeln können. Weil wenn du die Spieler irgendwohin verleihst, dann ist es ja nicht so, dass sich jeder super weiterentwickelt, weil der Fußball überall anders gespielt wird als bei Rapid."

"Da muss man halt schauen, dass der eine oder andere auch dorthin passt, wohin man ihn verleiht. Da spielen sehr viele Dinge eine große Rolle, die man bedenken muss“, kritisiert Barisic insgeheim wohl schon einige Vorgänge in den vergangenen Jahren. Gerade unter Fredy Bickel wurde eine Vielzahl an Akteuren verliehen, ohne dass diese bei Rapid jemals Licht am Ende des Tunnels sahen.

Fehlendes Konzept? „Jetzt kommt erst der Output der perspektivischen Arbeit“

Dass Nachwuchs-Leiter Schuldes ein akribischer Arbeiter ist, merkt man an seinen Aussagen. Auch im Interview hat er sofort Zahlen und Daten parat, um die Entwicklung und sogenannte Generationslöcher der letzten Jahre anschaulich zu machen.

„Man darf nicht vergessen: Da war mal der Hauptjahrgang 1992/93/94, als Zoki Cheftrainer war mit Schaub, Hofmann, Pavelic und der Partie. Danach war ein bisschen ein Loch. Als 1995er war noch Mujakic, 1996 noch Szanto, 1997 hat es dann langsam wieder begonnen mit Ljubicic und Gartler, die noch da sind“, spricht Schuldes über die Vergangenheit.

„Und dann ab 1998 ist unsere Arbeit zu sehen. Da waren ein Wöber und Thurnwald. Der 1999er Jahrgang ist jetzt Arase, Müldür, Obermüller, die jetzt alle in der Bundesliga oder international spielen. Und jetzt kommt dann eigentlich erst der Output der harten, perspektivischen Arbeit der letzten Jahre. Das sind jetzt die Jahrgänge 2000/01/02/03, wo man richtig diese Schattenmannschaften, diese Entwicklung auf den Positionen dann so spürt, wie man es auch geplant hat und wie man es auch in einem Ausbildungsverein wie Rapid spüren soll“, beschreibt der Nachwuchs-Chef jenes neue Konzept, das die Öffentlichkeit oftmals vermisste.

Talent alleine reicht im heutigen Fußball nicht mehr, wie Schuldes festhält. Das Anforderungsprofil und die Voraussetzungen sind vielschichtiger und machen den Weg von der Sichtung über die Förderung bis hin zum Durchburch noch viel komplexer.

Worauf es außer Talent im komplexen, modernen Fußball ankommt

Entscheidend ist, dass die Spieler unter vielerlei Gesichtspunkten bestmöglich ausgebildet werden und bei Rapid die Chance sehen, bis zur Kampfmannschaft durchzumarschieren.

„Gute Sichtung, gut entwickelt, gut ausgebildet, gut trainiert – darum geht es“, erklärt Schuldes und verweist auf das LAOLA1-Talenteranking, wo sieben der neun angeführten Rapid-Talente bereits seit 2011 im Verein sind (Christoph Klarer – seit 2016 bei Southampton – mitgezählt).

Yusuf Demir, die Nummer 1 in dieser Wertung, gilt als Mega-Talent, das auch international umgarnt ist. Doch auch bei ihm wird das Talent alleine nicht reichen.

„Natürlich haben auch die anderen Talent, aber heutzutage reicht Talent alleine nicht mehr. Da redet man immer vom fußballerischen Talent, aber es geht eben um ein sportwissenschaftliches, sportpsychologisches Talent, um einen Zugang zum Leistungssport und eine Ausbildung auf der Position und dann noch innerhalb einer Position um die individuelle Stärke - die auf einer zehnteiligen Skala 10 ausmachen soll -, damit er mit seiner Stärke auf seiner Position den Unterschied auf hohem Niveau im Spiel ausmacht."

"Darum geht es und so nähern wir uns langsam an bei jedem einzelnen. Und da gehört das Scouting dazu, auch der Jugend-, Kinderbereich, die Basis-Fertigkeiten und dann ab der U13 die Ausbildung Richtung Spielphilosophie und Position sowie individuelle Ausprägung der Position – und das ist das Ergebnis davon.“

Von Schaub bis Velimirovic: Vorbilder und Argumente bei Talente-Sichtung

Der Fluss vom Nachwuchs über Rapid II in die Kampfmannschaft und die Vision Ausland – das ist es, was die derzeit in den Führungspositionen befindlichen Entscheidungsträger als am Wichtigsten erachten.

Es wird als wichtigstes Signal auch im Hinblick auf das in Planung befindliche neue Trainingszentrum gesehen. Barisic erwartet sich dadurch einen riesengroßen Mehrwert, bessere Kommunikation, Kontrolle und Gesamtüberblick über alles, was nachkommt.

Zudem soll der Standort im Wiener Prater zusammen mit der Perspektive für junge Spieler schon bei der Sichtung zum schlagenden Argument werden, um Talente von Rapid zu überzeugen.

Die Velimirovic, Demirs und Co. dienen dabei als große Vorbilder. „Es gibt ja mehrere. Es gibt Schaub, Wöber, Müldür, die es innerhalb kurzer Zeit geschafft haben, über die Kampfmannschaft in eine der Top-Ligen zu wechseln, eine Auslandskarriere zu starten. Es gibt genügend Beispiele. Vor allem die momentane Situation spricht für sich, dass wir den jungen Spielern vertrauen, wir auf sie schauen. Geduld ist natürlich ein Wort, das keiner hören möchte, aber auch das ist gefragt. Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig sehr viel Vertrauen schenken, in dem Wissen, dass wir als Klub aus jedem Spieler das Bestmögliche im sportlichen Bereich herausholen wollen“, schließt Barisic seine Ausführungen.

Den Worten sollen weitere Taten folgen, um Rapid wieder auf einen erfolgreichen Weg zu führen – mit Konzept und Fokus auf die eigenen vielversprechenden Talente.

Textquelle: © LAOLA1.at

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