Erkenntnisse vom Feldhofer-Debüt als Rapid-Trainer

Erkenntnisse vom Feldhofer-Debüt als Rapid-Trainer Foto: © GEPA
 

Ferdinand Feldhofer wird nicht alles vom einen auf den anderen Tag über den Haufen werfen und einen radikalen Umbruch vollziehen.

Das kündigte der 42-jährige Steirer bei der Präsentation an und er hielt Wort. Bei seinem Debüt als Cheftrainer des SK Rapid holte er im 334. Wiener Derby daheim ein 1:1-Unentschieden gegen die Austria.

Auf den ersten Blick war alles beim Alten. Organisiert in einem 4-2-3-1-System, wieder kein Derby-Premierensieg im Allianz Stadion, wieder hängende Köpfe, weil man die phasenweise offensichtliche Überlegenheit nicht in drei Punkte ummünzen konnte.

Auch wenn nach wenigen Trainingstagen nicht zu viel hineininterpretiert werden darf und es der neue starke Mann verdient, dass man ihm die Zeit gibt, sich in Ruhe einzuarbeiten, war beim genaueren Hinsehen schon jetzt nicht alles beim Alten.

Bereits beim ersten Auftritt Feldhofers bei seiner Rückkehr in den Westen Wiens waren erste Erkenntnisse zu gewinnen, worauf der grün-weiße Übungsleiter besonderen Wert legt, wie er spielen lassen will und welche Spieler dabei besondere Rollen einnehmen. Auch wenn am Ende nicht alles positiv war, merkte Feldhofer schon an: "Was top war, war die Moral der Jungs und wie wir über weite Strecken agiert haben. Das war über einen gewissen Zeitraum sehr nahe dran an dem, wie ich mir die Zukunft vorstelle."

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Umstellungen ohne große Überraschungen:

Schon in der Startelf blieben große Überraschungen aus. Nachdem Steffen Hofmann und Thomas Hickersberger vergangenes Wochenende beim 2:2 in Ried noch heftig rotiert haben, kehrte Feldhofer wieder zur vermeintlichen "Einsermannschaft" zurück - mit einer Ausnahme. Statt Jonas Auer, Srdjan Grahovac, Thorsten Schick und Thierno Ballo begannen wieder Maximilian Ullmann, Dejan Petrovic, Taxiarchis Fountas auf dem rechten Flügel und etwas überraschend Christoph Knasmüllner hinter Spitze Ercan Kara. Schon auffälliger war, dass Ballo aus sportlichen Gründen diesmal nicht einmal im Kader stand. Ansonsten kamen Emanuel Aiwu und Martin Moormann zu ihren Derby-Debüts, weil Maximiian Hofmann nicht rechtzeitig fit wurde.

Am grün-weißen Standardsystem der letzten Jahre, dem 4-2-3-1, wurde vorerst nicht gerüttelt. Aller Voraussicht nach wird man sich wohl auch mit diesem in Genk und bei der Admira in die Winterpause verabschieden. Denn Feldhofers präferierte Systeme unterscheiden sich doch gewaltig vom jahrelang Praktizierten. Ein 4-4-2 mit Raute bedarf einer drastischen Umstellung und Positionierung im Mittelfeld, noch dazu muss die Frage beantwortet werden, ob sich die richtigen Spieler dafür im Kader befinden oder bereits im Winter nachjustiert werden muss. Auch ein beim WAC durchaus eingesetztes 3-4-3 wäre nach der kurzen Eingewöhnungsphase zu früh gewesen.

Flucht nach vorne! Alles um einige Meter verlagert:

Was schon beim Lokalaugenschein beim allerersten Training Feldhofers in Hütteldorf auffiel, war, dass der neue Trainer einfordert, intensiv vorne draufzugehen - ohne Kompromisse. Einige Spieler wussten im ersten Moment nicht, wie sie damit umgehen sollten. Schließlich waren sie aus der Kühbauer-Ära gewohnt, eher abwartend zu agieren und nur nicht zu früh das Pressing anzuziehen. Obwohl eigentlich wie angekündigt nur in beobachtender Rolle, griff Feldhofer dann aber doch beim ersten Trainingsbesuch aktiv ein, nahm sich gleich einmal Koya Kitagawa und Taxiarchis Fountas zur Brust und erklärte ihnen, wie sie den Gegner frühzeitig unter Druck setzen können.

Diese Herangehensweise war sehr wohl schon im Derby erkennbar, vor allem in den ersten 45 Minuten - und das durchaus mit Erfolg. Abgesehen vom Schockmoment des 0:1 nach 49 Sekunden drängte Rapid den Gegner durch das hohe Attackieren weit hinten rein, ließ die Austria bis auf wenige Ausnahmen nicht einmal in die gegnerische Hälfte vordringen. Das Ergebnis waren hohe Ballgewinne in der gegnerischen Hälfte mit kurzen Wegen zum Tor - so wie sich das Feldhofer vorstellt und wie er auch bei seinen Ex-Vereinen spielen ließ. Natürlich fehlten noch Feinheiten, im einen oder anderen Moment die richtige Abstimmung und vor allem trotz Powerplay und Chancenüberschuss die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, doch die Absichten des neuen Trainers waren deutlich erkennbar.

Anders als noch vor wenigen Wochen stellte Rapid im Spielaufbau der Austria nicht nur Räume zu und lief gemächlich an, sondern ging auf lautstarkes Kommando voll drauf, womit der FAK sichtbar Probleme hatte. Vor allem verschob sich das Spiel der Hütteldorfer im Vergleich zur Vergangenheit um mehrere Meter nach vorne. Mit Emanuel Aiwu rückte sogar der letzte Mann teilweise fünf bis zehn Meter in die gegnerische Hälfte vor.

Ganz vorne bohrte man praktisch schon am gegnerischen Strafraum die Dreier-/Fünferkette der Gäste an. Oftmals attackierten mit Kara, Fountas, Grüll, Knasmüllner und einem aus dem Duo Ljubicic oder Petrovic bis zu fünf Spieler an vorderster Front. Ebenfalls Feldhofer-typisch zogen Außenspieler bei den aufrückenden Außenverteidigern weit in die Mitte, wie es Grüll desöfteren vormachte, als er plötzlich auf der Position eines Zehners auftauchte. So konnten die Grün-Weißen viele Fehlpässe erzwingen, längere Ballbesitzphasen unterbinden und nach zwei, drei Pässen des Gegners nach Ballgewinn sofort selbst wieder aktiv nach vorne spielen.

"Lästig und im Gegenpressing extrem präsent"

Feldhofer bestätigte diese Sichtweise bei der Pressekonferenz, dass sein Plan phasenweise aufging. "Wir haben mehrere Situationen gehabt, wo wir lästig, im gegnerischen Drittel vor allem im Gegenpressing extrem präsent, einfach mutig waren im aktiven nach vorne verteidigen. Dann findet man bei Balleroberungen meistens einen unorganisierten Gegner und eine gute Torchance vor."

"Wir haben mehrere Situationen gehabt, wo wir lästig, im gegnerischen Drittel vor allem im Gegenpressing extrem präsent, einfach mutig waren im aktiven nach vorne verteidigen. Dann findet man bei Balleroberungen meistens einen unorganisierten Gegner und eine gute Torchance vor."

Feldhofers bevorzugter Spielstil

Auch dass mehrere Spieler in die erste Linie vordrangen, war Teil des Plans, den Feldhofer in Zukunft verfolgen will - auch wenn es diesmal speziell gegen die tiefstehende Fünferkette der Austria helfen sollte.

"Wir wollten schon die Fünferkette binden mit drei, vier, auch fünf Spielern und uns mit Gegenbewegungen Räume und Tiefe schaffen, mit tiefen Läufen. Das ist uns phasenweise gut gelungen, aber da ist noch viel Luft nach oben. Das war diesmal schon vom Gegner abhängig, weil man sich bei einer Fünferkette schon leicht anpassen muss", bekräftigte Feldhofer.

Der in der zweiten Halbzeit einen Rückfall erlebte. Der Trainer ortete möglicherweise das Problem, dass man dem Tempo der ersten 45 Minuten Tribut zollen musste. Allerdings kamen auch viele Ungenauigkeiten, Fehlpässe und ein Gegner dazu, der nach der Pause besser organisiert war und selbst früher, agressiver attackierte, was den Hütteldorfern nicht behagte.

Mittelweg zwischen Pressing und Ruhe - "Das ist ein Prozess"

Anhand dieser Tatsache sah man wieder, dass Rapid bei weitem noch nicht so gefestigt ist, wie es im ersten Durchgang phasenweise wirkte, als man den Violetten das eigene Spiel aufzwang.

Durch die fehlende Sicherheit zogen sich die Hausherren auch deutlich mehr zurück, agierten abwartender und konnten nicht mehr jenes Pressing forcieren, das bis zur Halbzeit Wirkung zeigte. Die ausbaufähige Passquote trug ihr Übriges dazu bei.

Eine Erkenntnis war durchaus, dass Feldhofer über 90 Minuten jeden Zentimeter der Coaching Zone - oftmals auch mehr - ausnützte, um sein Team aktiv zu coachen. Nicht unbedingt lautstark und wütend wie teilweise unter Kühbauer, sondern viel spezifischer auf einzelne Szenen, Spieler und Situationen bezogen.

Das stößt auch bei den Spielern auf offene Ohren. "Er hat einen richtig guten Schwung reingebracht. Er will, dass wir vorne sehr aktiv pressen. Ich finde es ist ein sehr guter Umschwung", freut sich Kara über die Zusammenarbeit.

Da das extreme Pressing wohl nicht über die gesamte Spielzeit durchzuziehen ist, versuchte es Feldhofer auch mit "Ruhe"-Anweisungen, was nicht so gut klappte. Ein schmaler Grat. Auf LAOLA1-Nachfrage betonte Rapids neuer Chefbetreuer, dass es entscheidend sein wird, diesen Mittelweg zwischen überfallsartigem Pressing und ruhigem Spielaufbau zu finden.

"Das geht nur in der täglichen Arbeit. Das ist ein Prozess. Auch wenn wir diesmal gewonnen hätten, wäre nur ein kleiner Anteil bei mir gelegen. Man kann nicht in drei, vier Einheiten alles verändern, vor allem nicht in dieser Phase der Meisterschaft. Dementsprechend war es ein Schritt in die richtige Richtung, es war über weite Strecken gut - aber schon noch mit großem Entwicklungspotenzial."

Somit geht es vor der Winterpause vor allem darum, nun auswärts gegen Genk das Ziel zu erreichen, im Europacup zu überwintern und auswärts bei der Admira den ersten Dreier unter Feldhofer einzufahren, um die Ausgangsposition fürs Frühjahr im Hinblick auf die Top 6 deutlich zu verbessern. Erst danach wird Feldhofers Arbeit so richtig losgehen. Die ersten Erkenntnisse in der neuen Ära waren aber trotzdem schon ersichtlich.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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