news

Aufstiegsfavorit? Lustenau sieht sich als Underdog

Trotz Aufbruchstimmung sieht sich Austria Lustenau als Underdog:

Aufstiegsfavorit? Lustenau sieht sich als Underdog Foto: © GEPA

Die Premierensaison der HPYBET 2. Liga schloss Austria Lustenau als Tabellendritter ab, konnte mit den beiden Spitzenteams aus Wattens und Ried aber nicht mithalten.

Die Vorarlberger haben den Kader kräftig aufgerüstet, sorgten mit dem neuen Schweizer Investor Ahmet Schaefer für Aufsehen und planen ein neues Stadion. Das sorgt für mächtig Aufbruchsstimmung rund um die Austria. Doch wie geht man beim Klub mit dieser Erwartungshaltung um?

Im großen LAOLA1-Interview spricht Sportdirektor Christian Werner über das Engagement von Schaefer, den Druck als Aufstiegsmitfavorit und die Zukunftsplaung der Austria.

Sportdirektor Christian Werner
Foto: © GEPA

LAOLA1: Herr Werner, in zweieinhalb Wochen beginnt die neue Saison der 2. Liga. Wie weit ist die Vorbereitung bei Austria Lustenau?

Werner: Wir sind schon sehr weit, hatten am Freitag noch ein letztes Testspiel und jetzt liegt der Fokus sowieso schon beim Cup-Match gegen Stadl Paura. Aber natürlich wirft auch das Derby zum Saisonstart schon seine Schatten voraus, da freut sich jeder schon wahnsinnig.

LAOLA1: Acht Neuzugänge, alle mit reichlich Erfahrung ausgestattet, aber trotzdem auch noch jung. War es ein perfekter Transfersommer für die Austria?

Werner: Es war auf jeden Fall ein sehr guter Transfersommer. Wir haben uns sehr viele Gedanken darüber gemacht, wo wir hin wollen. Es ist ein kleiner Paradigmenwechsel und damit sind wir sehr zufrieden. Wir haben viele unserer Wunschspieler bekommen, ich möchte aber nicht ausschließen, dass sich uns noch ein, oder zwei Spieler anschließen.

LAOLA1: Wie sieht dieser Paradigmenwechsel genau aus?

Werner: Wir haben bei der Suche nach neuen Spielern sehr viel auf den Charakter geschaut. Es war uns wichtig, dass wir nicht nur blutjunge Spieler holen, sondern auch eine gewisse Seniorität in den Kader bekommen. Hierfür stehen die Transfers von Christoph Freitag und Matthias Morys. Das sind Spieler, die anderswo bereits sehr gut performt haben und wir sind froh, dass wir sie an uns binden konnten.

LAOLA1: Also war der Faktor Erfahrung ein wichtiger bei der Suche nach neuen Spielern?

Werner: Ja, aber wir wollten auch additiv Spieler verpflichten die ihr Potenzial noch nicht zu hundert Prozent ausgeschöpft haben, von deren möglichen Qualität wir aber trotzdem voll überzeugt sind. Wir wollen ihnen die perfekten Rahmenbedingungen bieten, damit sie zu ihrem besten Niveau finden. Es ist halt so, dass wir manche Ablösesummen oder Gehaltsforderungen schlichtweg nicht bedienen können. Darum müssen wir eigene Scoutingparameter entwickeln. Wir müssen anders scouten und arbeiten als andere, finanzstärkere Vereine - vielleicht auch in anderen Becken fischen.

"Wie bereits erwähnt, müssen wir in Lustenau neue und kreative Wege gehen, um uns von der Konkurrenz zu unterscheiden."

Werner über das Investoren-Engagement

LAOLA1: Ein eigenes Becken, oder besser gesagt einen eigenen Weg, geht Austria Lustenau auch mit dem Einstieg des neuen Investors Ahmet Schaefer. Wie kam es dazu?

Werner: Die ersten Gespräche fanden bereits vor einigen Monaten statt. Wie man sich denken kann, ist das nichts, was einfach von heute auf morgen passiert. Das braucht Zeit, bis jeder weiß, wie es genau ablaufen soll. Ich muss sagen, dass ich von der Zusammenarbeit total begeistert bin. Es wurde sehr schnell gegenseitiges Vertrauen aufgebaut von dem wir jetzt im sportlichen Austausch enorm profitieren. Vor allem die Zusammenarbeit mit Ahmet und mit dem Sportchef Ingo Winter funktioniert außergewöhnlich gut und macht allen Beteiligten extremen Spaß.

LAOLA1: Herr Schaefer hat in der "NEUE Vorarlberger Tageszeitung" ein großes Interview gegeben, in dem er seine Strategie beschreibt. Können Sie diese vielleicht speziell auf Lustenau erklären? Welchen Plan verfolgt Herr Schaefer?

Werner: Es geht darum, Synergieeffekte zu erzeugen und Kompetenzen bestmöglich nutzen zu können. Der Austausch auf den verschiedensten Ebenen hilft - davon bin ich überzeugt - beiden Klubs, um noch mehr herauszuholen. Wir arbeiten alle auf Augenhöhe, das macht es allen sehr leicht. So können wir in Lustenau einem jungen Spieler beispielsweise durch die Verbindung zum zweiten Klub von Herrn Schaefer, Clermont Foot, eine ganz andere Perspektive für seine Karriere bieten. Er wechselt nicht nur nach Lustenau, sondern kann dann auch leicht den Sprung nach Frankreich in die 2. Liga, oder vielleicht sogar bald in die Ligue 1 schaffen. Das kann uns natürlich bei Verhandlungen durchaus helfen. Wie bereits erwähnt, müssen wir in Lustenau neue und kreative Wege gehen, um uns von der Konkurrenz zu unterscheiden.

LAOLA1: Sie haben den Austausch mit Clermont Foot angesprochen. Beide Vereine sollen künftig ein eigenes Netzwerk mit Datenbank erhalten und eng miteinander verbunden werden. Wie funktioniert das genau?

Werner: Dabei geht es u.a. um eine Scoutingsoftware, die wir gemeinsam nutzen und mit Daten füllen. So könnte ein Spieler, der mir auffällt, zwar nicht nach Lustenau passen, dafür aber ideal sein für Clermont. So helfen wir uns gegenseitig, davon können alle extrem profitieren.

Zugänge Abgänge
Michael Lageder (Juniors OÖ) Petar Pavlovic (unbekannt)
Domenik Schierl (Wr. Neustadt) Maximilian Waack (unbekannt)
Sebastian Feyrer (Kapfenberg) Pius Dorn (Vaduz)
Christoph Freitag (Wacker) Timo Friedrich (Dornbirn)
Christian Schilling (Ried) David Otter (Lafnitz)
Matthias Morys (Aalen) Firat Tuncer (Fortuna Köln)
Thomas Mayer (Liefering) William Rodrigues (unbekannt)
Pius Grabher (Ried) SandroDjuric (unbekannt)
Gabryel (unbekannt)
Nicolas Mohr (unbekannt)

LAOLA1: Bei der Austria findet der neue Investor eine gute Infrastruktur vor, mit einem neuen Stadion. War das ein Faktor, warum sich die Firma von Herrn Schaefer für das Investment in Lustenau entschied?

Werner: Das hat sicher für Lustenau gesprochen. Es ist mit dem neuen Stadion auch eine Aufbruchsstimmung rund um den Verein spürbar. Wir sind ein interessanter Partner. Aber die Infrastruktur war sicher auch eines der Argumente.

LAOLA1: Sie haben die Aufbruchsstimmung angesprochen. Haben Sie keine Angst, dass der Druck auf die Mannschaft zu groß wird?

Werner: Nein, gar nicht. Wir geben auch den Aufstieg nicht als Ziel aus. Wir haben immer gesagt, dass wir zeitnah rauf wollen, aber man muss auch realistisch sein. Wir haben acht neue Spieler zu integrieren, bis zum Saisonstart könnten es zehn sein. Das ist eine Riesen-Herausforderung. Wir haben immer gesagt, dass wir uns in den nächsten zwei Jahren mit dem Aufstieg ernsthaft beschäftigen wollen. Nun wären wir im zweiten Jahr, nach dem Umbruch im Präsidium in der letzten Saison, müssen wir aber erst einmal wieder Kontinuität hineinbekommen. Es wäre nicht gut, wenn wir uns jetzt da zusätzlich irgendeinen Druck auferlegen. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass Druck von außen kommt. Wenn man sich mit Fans unterhält, dann freuen sich einfach alle auf die neue Saison. Logisch wollen wir unseren Fans nun auch eine tolle Saison bieten und gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen. Aber der Erfolg lässt sich am Ende nicht zwangsläufig nur an einem Tabellenplatz ablesen.



"Trotzdem sollten wir uns nicht täuschen lassen: Wir sind der Underdog. Ried ist Favorit, wir die Jäger."

Werner über Favoritenrollen

LAOLA1: Trotzdem gilt Austria Lustenau für viele Experten neben der SV Ried als der einzig ernstzunehmender Aufstiegskandidat. Was sagen Sie dazu?

Werner: Ich habe das auch immer wieder gehört, halte es aber einfach für unrealistisch. Dazu muss man nur einmal das Budget von Ried mit unserem vergleichen. Zusätzlich hatten wir am Ende der letzten Saison 13 Punkte Rückstand auf Ried, das ist wirklich eine Menge. Das ganze sportliche Team hat analysiert, warum wir so weit hinter Ried standen und folglich haben wir versucht, vor allem in der Kaderzusammenstellung, Sachen zu optimieren. Wir möchten diesen Rückstand heuer verringern, wenn wir nah rankommen, ist das ein Riesen-Ding für uns. Dass wir als Aufstiegskandidat genannt werden, nehme ich natürlich als Kompliment für den Verein, unseren Trainer Gernot Plassnegger und unsere Spieler auf. Trotzdem sollten wir uns nicht täuschen lassen: Wir sind der Underdog. Ried ist Favorit, wir die Jäger.

LAOLA1: Gibt es denn dann einen Klub, der Ried im Aufstiegskampf ernsthaft gefährden kann?

Werner: Ried ist sicher der absolute Top-Favorit. Bei Wacker weiß man es aktuell nicht so genau, aber ich bin mir sicher, dass sie ein gutes Jahr spielen werden. Ich habe sie in einem Testspiel gesehen, da sind einige sehr talentierte Spieler dabei. Auch Austria Klagenfurt muss man auf dem Zettel haben. Ich sehe drei, vier Teams, die den Anschluss an Ried schaffen wollen. Es wird natürlich das Ziel aller Klubs sein, die Liga spannend zu halten. Ich bin mir sicher, dass es ein ganz heißer Titelkampf wird, wenn alle ihre Hausaufgaben erledigen.

LAOLA1: Aber zu diesen drei, vier Teams, die Sie hinter Ried sehen, gehört Austria Lustenau dazu?

Werner: Definitiv.

LAOLA1: Ist das Engagement von Herrn Schaefer in irgendeiner Form an einen Aufstieg gekoppelt? Sie sprachen vorher von zwei Jahren.

Werner: Nein, an einen Aufstieg ist das Engagement nicht gebunden. Da gibt es einen ganz klaren Austausch, dass wir langfristig zusammenarbeiten wollen.

LAOLA1: Zum Abschluss eine allgemeine Frage: Was erwarten Sie sich von der neuen Saison? Es sind mit dem GAK und Wacker zwei namhafte Klubs dazugekommen, mit Dornbirn gibt es einen zweiten Vorarlberger Klub. Ist diese Besetzung so ziemlich das Beste, was für die HPYBET 2. Liga möglich ist?

Werner: Ich glaube, es ist echt super und verspricht noch mehr Spannung. Bei uns sind natürlich alle sehr erfreut über das Derby, das ist für Vorarlberg eine tolle Sache, wo sicherlich auch sehr viele Zuschauer zu den Spielen kommen werden. Allgemein tun Traditionsklubs dieser 2. Liga richtig gut. Es wird eine geile Saison.

Kommentare