Seberg: "Am Platz ist die gute Kinderstube weg!"

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So manche Partie der HPYBET 2. Liga ist ein echtes Schauspiel. Was läge da näher, als sich einen Schauspieler an Bord zu holen?

Gregor Seberg, glühender GAK-Anhänger und Präsident des Hobbyvereins FC Wojtyla, verstärkt LAOLA1 als Co-Kommentator.

Der Grazer wird am Sonntag beim Steirer-Derby Kapfenberger SV gegen GAK am Mikro hängen. Zusammen mit Kommentator Johannes Kristoferitsch führt Seberg durch das LAOLA1-Topspiel der 11. Runde (ab 10:30 Uhr im LIVE-Stream >>>).

Wem Sebergs Stimme schon im Kommentar zusagt, dem bietet sich die Gelegenheit, den Schauspieler auch musikalisch zu erleben: Mit seinem Programm „Seberg off Music“ tritt der 52-Jährige am 28. November im Wiener Theater Akzent auf. Tickets gibt es HIER!

Im Interview mit LAOLA1 spricht der 52-Jährige über seine Liebe zum Fußball, die Beziehung zum GAK und beantwortet zudem die Frage, ob er mit dem ehemaligen GAK-Präsident Peter Svetits auf ein Bier gehen würde.

"Ich bin aus reiner Opposition, obwohl ich das Wort damals weder kannte noch aussprechen konnte, GAK-Anhänger geworden."

Gregor Seberg

LAOLA1: Wie, wo und wann ist deine Liebe zum Fußball entstanden?

Gregor Seberg: Schon in der frühesten Kindheit! Während ich eigentlich Naturforscher werden wollte, strebte mein bester Freund eine Karriere als Kicker an. Kicken zu gehen war eine gute Ausrede, um den ganzen Tag weg zu sein. Als wir größer wurden, hat er bei Puch Graz gespielt. Später kam eben die große Frage auf mich zu: GAK oder Sturm? Meine Schwester und mein bester Freund waren beide Sturm-Fans. Ich bin aus reiner Opposition, obwohl ich das Wort damals weder kannte noch aussprechen konnte, GAK-Anhänger geworden. Wobei in der Gegend, in der ich aufgewachsen bin, viele GAK-Anhänger waren. Ich habe mich damals für den Stärksten entschieden, Sturm war nie ein Thema.

LAOLA1: Wie verlief deine eigene Karriere, schließlich spielst du ja immer noch hobbymäßig?

Seberg: Ich bin aus disziplinären Gründen bei Puch Graz rausgeworfen worden. Mit 13 Jahren bin ich nach Wien gezogen und habe schlagartig mit dem Fußball aufgehört. Erst später hab ich wieder begonnen. Jetzt gibt’s eben den FC Wojtyla, da bin ich Präsident. Ich hab mich in einer nicht gerade demokratischen Wahl zum Präsident auf Lebenszeit ernannt (lacht). An sich kicken wir einmal in der Woche, aber berufsbedingt geht es sich bei mir nur unregelmäßig aus.

LAOLA1: Auf welcher Position spielst du?

Seberg: Ich hab immer als Stürmer gespielt. Jetzt mit zunehmender Reife kommen welche nach, die echt schneller sind, das muss ich mir eben eingestehen (lacht). Jetzt spiele ich am liebsten hinter den Stürmern.

LAOLA1: Mit welchem Spielertypen würdest du dich im modernen Fußball am ehesten vergleichen?

Seberg: Das ist sehr vermessen. Von der Freude her mit Ronaldinho, wenn mir nämlich mal etwas gelingt, dann freu ich mich auch wie ein kleiner Bub. Aber aktuell vergleiche ich mich mit keinem. Ich hab da meinen eigenen Stil, der lautet: Spaß haben. Wir sind Typen, betreten den grünen Rasen und verlieren das gute Benehmen. Die gute Kinderstube ist weg, die zum Teil vorhandene soziale Intelligenz wird komplett verneint. Keine Ahnung was da passiert, aber es ist super.

LAOLA1: Da gibt es auch ein Zitat: "Sieh einem Mann eine Stunde beim Spielen zu und du kannst mehr über ihn lernen als wenn du ein Jahr mit ihm sprichst."

Seberg: Absolut! Menschen die eigentlich friedliche, zurückhaltende Charaktere sind, können plötzlich aus sich heraus gehen (lacht).

LAOLA1: Du hast vorher das Benehmen angesprochen. Bist du ein angenehmer Mitspieler?

Seberg: Ich glaube schon, weil ich immer versuche, gerecht zu bleiben. Wir haben mal in Rom gegen eine jüngere Auswahl gespielt. Die waren alle muskelbepackte Cornettos, doch wir haben gewonnen. Einer von uns, der 'Pommes', hat lange gefeiert, da hab ich gesagt: „Hör auf, das ist unfair.“

LAOLA1: Das von dir beschriebene Verhalten sieht man auch bei vielen Leuten, wenn sie Fußball schauen. Wie bist du als Fußball-Konsument?

Seberg: Ich kann mich in eine künstliche Hysterie hinein begeben und nah an einer Herzattacke herum wandern. Gleichzeitig kann es mir auch völlig wurscht sein, es ist ganz komisch. Meine Woche ist nicht vermiest, wenn mein Verein am Wochenende verloren hat. Das kenn ich von manchen, aber so weit geht es bei mir nicht.

"2004, als der GAK Meister wurde, war ich aber der unangenehmste Zeitgenosse in Wien. Ich hab alle wissen lassen, wo Gott wohnt."

Gregor Seberg

LAOLA1: Kannst du dich an deinen ersten Stadionbesuch als GAK-Fan erinnern?

Seberg: Der war eher mit Angst verbunden, weil wir am Weg zum Spiel durch Gegenden laufen mussten, die für Schlägereien bekannt sind. Sportlich gesehen bleibt mir Mario Zuenelli in Erinnerung, der von Mitte-Links einen Mix aus Heber-Pass-Flanke, was immer es sein sollte, im Tor versenkt hat. Daran erinnere ich mich, er war der Hero.

LAOLA1: Wer sind die nächsten Helden gewesen? Oder warst du dann schon in einem Alter, in dem man Fußballspieler nicht mehr so verehrt?

Seberg: So war es, ich bin nach Wien gekommen und hab mich für Literatur interessiert. Meine Helden kamen aus dem Theaterbereich oder aus der Lyrik. Aber für seine Spielkunst bewundere ich Ronaldinho.

LAOLA1: Wie ist es mit deiner Beziehung zum GAK weitergegangen, als du nach Wien gekommen bist?

Seberg: Die war schwierig, ich bin ganz selten noch zu Matches gegangen. 2004, als der GAK Meister wurde, war ich aber der unangenehmste Zeitgenosse in Wien. Ich hab alle wissen lassen, wo Gott wohnt. Nach den finanziellen Problemen ist mein Interesse abgeflaut. Ich hab dann irgendwann mitbekommen, dass der GAK jetzt alles verkauft, auch Schläuche. Da dachte ich mir, „boah, es geht euch echt g'schissn“ (lacht).

LAOLA1: Das war damals diese absurde Auktion, wo es auch auch einen Jet-Ski gegeben hat.

Seberg: Stimmt, da hat man sich auch gefragt: „Warum ein Jet-Ski?“. Das war wohl stellvertretend für all das, was schief gelaufen ist.

LAOLA1: Würdest du mit Peter Svetits (ehemaliger GAK-Präsident, Anm.) auf ein Bier gehen?

Seberg: Nur in einem schalldichten Raum. Es ist schwierig, er hat es eh nicht leicht, aber ich würde gern mit ihm auf ein Bier gehen und durchaus fragen: „Warum? Was haben die Ihnen getan? Haben Sie sich wenigstens ordentlich bereichert?“.

LAOLA1: Wann sehen wir wieder ein Grazer Derby?

Seberg: Auf der einen Seite blutet mein Herz, weil wir momentan grad eine Durststecke durchmachen. Andererseits käme der Aufstieg zu früh. Viele beim GAK sagen mir: „So blöd das klingt, aber eigentlich wollen wir heuer nicht aufsteigen“.  Ich habe ja hinausposaunt, dass wir 2020 schon um die Champions League mitspielen. Das war an sich mein Ziel.

LAOLA1: Das wird jetzt eng.

Seberg: Momentan schaut es schlecht aus, dieses Jahr werden wir wohl im Mittelfeld landen. Nächstes Jahr zeigen wir aber, was in uns steckt. Ich vermute ja, dass der GAK mit Absicht ein bisschen schlecht spielt und nur 70 Prozent gibt. Die haben im Hinterkopf, dass sie nicht gewinnen dürfen.

LAOLA1: Vielleicht muss man die Punkteprämien sparen.

Seberg: Genau, Erfolg ist nämlich wahnsinnig teuer.

LAOLA1: Sponsoring ist im Fußball ein großes Thema. Würdest du zu einer jährlichen Finanzspritze für den GAK „nein“ sagen?

Seberg: Das ist eine knifflige Frage. Zu Mannschaften, die im Geld schwimmen, kannst du schwer einen Bezug haben. Meiner Meinung nach spielen nicht die Spieler, sondern Geld Fußball und Geld schießt Tore, da brauchen wir uns nichts vormachen. Ich hätte ein komisches Gefühl, wenn ein Sponsor kommt, der mit dem Verein eigentlich nichts zu tun hat. Wenn der Klub dann auch nicht wächst, sondern sprunghaft besser wird, hätte das auch nichts mehr mit der bisher verfolgten Philosophie zu tun. Da bin ich eigentlich dagegen.

LAOLA1: Wie macht man in Wien seinen Sohn zum GAK-Fan?

Seberg: (lacht) Er wird ganz normal mit Gehirnwäsche und Fernsehverbot bearbeitet, bis er sich zum GAK bekennt. Momentan spielt er ja noch eher Handball. Letztens sagte ich, er soll öfter mit dem Fuß schießen, so hat er nun mit Fußball angefangen. Ich stelle es ihm frei, ob er GAK-Anhänger wird. Er kann frei entscheiden, ob er sein im GAK-Rot tapeziertes Kinderzimmer verlassen wird oder nicht (lacht).

LAOLA1: Es ist eine strategisch schwierige Entscheidung, weil das erste Stadionerlebnis prägend ist.

Seberg: Da muss man aufpassen. Du darfst zum Beispiel nicht zu Rapid gegen GAK gehen, sonst kommt er noch als Rapidler aus dem Stadion raus. Das wäre eine furchtbare Vorstellung.

LAOLA1: Abschließend zu deiner Aufgabe als Co-Kommentator, worauf dürfen sich die LAOLA1-User freuen?

Seberg: Höchst seriöse, tiefenvorbereitete und staubtrockene Analysen und Objektivität bis zum geht nicht mehr. Ich möchte zeigen, dass man auch mit Unwissen, aber viel Herz bei der Sache sein kann. Die Leute sollen am Ende des Spiels Kraft meines Co-Kommentars das Gefühl haben, auf jeden Fall gewonnen zu haben.

LAOLA1: Da sind wir sehr gespannt drauf.

 

Seberg ist am Sonntag beim Spiel Kapfenberg vs. GAK (ab 10:30 Uhr bei LAOLA1) als Co-Kommentator im Einsatz>>>

Textquelle: © LAOLA1.at

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