Kapitän Janeczek: Noch in Kontakt mit Ter Stegen

 

Bernhard Janecezk war schon in jungen Jahren ein privilegierter Spieler.

Mit 16 Jahren schaffte er nach seinen Anfängen im Admira- und Rapid-Nachwuchs den Sprung in die Jugendschmiede eines deutschen Bundesligisten, nämlich bei Borussia Mönchengladbach. Der Wiener galt als Ausnahmetalent, sein Weg war vorgezeichnet.

Doch zwölf Jahre später gesehen, ist seine Karriere anders verlaufen, als sich das viele und vor allem er selbst vorgestellt hätten. Verletzungen schon im jungen Alter und eine bis heute prall gefüllte Verletztenliste machten der ganz großen internationalen Karriere einen Strich durch die Rechnung.

Bei den "Fohlen" kickte er noch mit Marc-Andre ter Stegen, Marco Reus oder Julian Korb, selten aber doch gibt es auch noch heute Kontakt zum jetzigen Barcelona-Star-Keeper und Co. "Hin und wieder einmal habe ich mit Marc-Andre ter Stegen geschrieben, Julian Korb war damals auch dabei, der heute noch in der 2. deutschen Liga spielt. Mit alljenen habe ich schon in der Jugend zusammengespielt und war dann auch mit ihnen in der Schule. Da versucht man dann schon so gut es möglich ist, den Kontakt aufrechtzuerhalten."

Die Realität heißt aber Blau-Weiß Linz, wo der Innenverteidiger Ende des vergangenen Jahres zum Kapitän aufgestiegen ist - und trotzdem keinen Schritt in seiner Karriere bereut. Denn hätte er auf die Prognose der Ärzte im Jugendalter gehört, hätte er eigentlich gar nicht mehr im Profi-Fußball landen dürfen.

Ärzte "konnten mir nicht garantieren, ob ich noch mal Fußball spielen kann"

Dabei muss man sich vorstellen: Janeczek hatte sich nach oben gearbeitet, trainierte mit den Profis und war wirklich knapp dran, sein Bundesliga-Debüt unter Michael Frontzeck zu geben. Doch zwei schwere Verletzungen, unter anderem ein Knöchelbruch, bremsten die Euphorie gehörig.

LAOLA1 traf Janeczek vor dem Kontaktverbot

"Vor der ersten von den drei Operationen wurde damals gesagt, dass sie mir nicht garantieren können, ob ich noch einmal Fußball spielen kann, weil halt wirklich alles kaputt war. Dann habe ich mir aber gesagt: Im Endeffekt entscheide nur ich, ob ich noch einmal spielen kann oder nicht", erinnert sich der Defensivspieler an eine richtungsweisende Entscheidung in seiner Karriere.

Noch heute findet man auf der Gladbacher Vereins-Homepage ein Zitat vom damaligen Profi-Trainer Frontzeck aus dem Jahr 2010 über den aufstrebenden Österreich-Legionär. "Bernhard ist ein sehr talentierter Innenverteidiger, der zum Beispiel beim Wintercup gegen die Wolfsburger Stürmer Edin Dzeko und Grafite eine Halbzeit lang eine sehr gute Figur abgegeben hat. Leider wurde er dann durch eine Knöchelverletzung zurückgeworfen."

So war es auch, doch der Spieler ordnete der Profi-Karriere alles unter. Gedanken ans Karriereende verschwendete er trotz der damaligen Prognose der Ärzte nicht. "Bis heute eigentlich noch nie, auch nicht mit der zweiten Verletzung und allem, was dazwischen war. Ich habe mit sechs Jahren angefangen, meine Eltern haben damals so viel in Kauf genommen, weil es einfach mein großer Traum war und ich werde das so lange durchziehen, bis wirklich der Punkt kommt, wo es überhaupt nicht mehr geht", sagt Janeczek heute.

Reus, Ter Stegen, Dante: "Von denen kann man unglaublich viel lernen"

Sein Durchhaltevermögen zahlte sich aus. Seine Genesung verdankt er auch den ausgezeichneten Möglichkeiten in Gladbach, wo er direkt nach der ersten Operation ins Reha-Zentrum gebracht wurde und mit eigenen Therapeuten sechs, sieben Stunden am Tag an seinem Comeback arbeitete.

"Ich habe mit einem Dante zusammengespielt, von dem man unglaublich viel lernen kann. Wie ich nach Mönchengladbach gekommen bin, war schon in der Jugendmannschaft Marc-Andre ter Stegen, in der Profi-Mannschaft ein Marco Reus mit dabei. Von solchen Spielern kann man halt unfassbar viel lernen, auch damals schon. Die spielen nicht umsonst alle bei diesen Klubs, wo sie heute spielen."

Der damals im Defensivbereich als Allrounder geltende Wiener arbeitete sich kontinuierlich wieder heran, für einen Pflichtspiel-Einsatz in der deutschen Bundesliga reichte es jedoch nicht mehr. Ab dem Alter von 16 Jahren in einem fremden Land, bei einem deutschen Top-Klub, auf eigenen Beinen zu stehen, war jedoch die lehrreichste Erfahrung seiner bisherigen Laufbahn.

"Ich würde es immer wieder genauso machen", gibt Janeczek zu. "Nicht nur wegen dem Fußball, aber allein wenn man mit 16 Jahren nach Mönchengladbach kommt ins Internat wirst du einfach auf das ganze Leben danach perfekt hingeschult. Die Internats-Familie nimmt immer wieder Spieler zum Einkaufen mit, beim Wäschewaschen muss man helfen. Sie bereiten dich auf das Leben danach vor, wenn du aus dem Internat ausziehst in eine eigene Wohnung. Das hat mich in der Persönlichkeit extrem weiterentwickelt – und sportlich natürlich auch."

Und sportlich war es ein Meilenenstein. Schon damals war zu sehen, welche Strahlkraft Spieler wie Ter Stegen oder Reus entwickeln werden. "Definitiv, wenn ich mir anschaue, mit welchen Leuten ich dort zusammenspielen durfte. Wenn ich an meine Position denke, habe ich mit einem Dante zusammengespielt, von dem man unglaublich viel lernen kann. Wie ich nach Mönchengladbach gekommen bin, war schon in der Jugendmannschaft Marc-Andre ter Stegen, in der Profi-Mannschaft ein Marco Reus mit dabei. Von solchen Spielern kann man halt unfassbar viel lernen, auch damals schon. Die spielen nicht umsonst alle bei diesen Klubs, wo sie heute spielen."

Nach Diagnose: "War dankbar, doch noch in Profi-Fußball zu rutschen"

Trotz dieser Vergleiche und Erinnerungen plagte den ehemaligen ÖFB-Nachwuchsteamspieler (U21, U17) nie die Frage, wo er heute stehen könnte, wenn ihm die schweren Verletzungen nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten.

"Nie, weil ich bin nicht der Typ, der sich darauf ausredet. Das wäre einfach viel zu leicht. Natürlich hat es nicht für mich gesprochen, was damals alles passiert ist, aber ich trauere dem nicht hinterher. Ich war dann eher froh und dankbar, dass ich es trotz der Verletzung noch geschafft habe, in den Profibereich zu rutschen über die Bundesliga in Österreich und jetzt hier bei Blau-Weiß."

Innenbanddehnung im Knie, Jochbeinbruch, Nasenbeinbruch, Bänderriss im Sprunggelenk, diverse Muskelverletzungen, Pattelasehnenprobleme - nur ein Auszug aus seiner Krankenakte. Zuletzt kosteten ihm die Folgen einer fortgeschrittenen chronischen Instabilität im Sprunggelenk sowie ein Muskelfaserriss nach dem Kurzcomeback fast ein Dreivierteljahr.

"Ich muss ehrlich sagen, dass ich es immer relativ locker genommen habe", lernte Janeczek immer mehr, dass Gesundheit und Fitness das A und O bedeuten. Doch er ließ die Zeit für sich arbeiten, feilte in den Zwangspausen an anderen Defiziten und wollte trotz aller Rückschläge das Bestmögliche erreichen.

Lehrreiche, vereinslose Zeit und Missverständnis Rumänien

Für den ganz großen Sprung reichte es bis dato dann aber nicht mehr. Die SV Ried fing ihn nach dem Aus in Gladbach drei Jahre lang auf. Zu dieser Zeit machte sogar das Gerücht eines Rapid-Angebots die Runde, dieses will der Verteidiger aber heute nicht mehr bestätigen.

Mit Spekulationen hat er sich nie anfreunden können. Richtig ernst wurde die Lage, als er im Sommer 2016 fast drei Monate vereinslos war, die Karriere bröckelte. "In der Zeit lernt man extrem, was man eigentlich an dem ganzen Beruf hat und auch an Fußball-Österreich. Es war eine schwierige, aber auch genauso lehrreiche Zeit." Dadurch war sogar ein Angebot von Dinamo Bukarest verlockend - allerdings nicht lange.

"An meinem Biss und meinem Einsatz hat sich noch nie was geändert, aber natürlich geht die Gesundheit in gewisser Weise vor. Man lernt einfach auch mit der Erfahrung und dem Alter, mehr auf seinen Körper zu hören."

"Als Notnagel würde ich es nicht bezeichnen. Ich habe kurze Zeit davor die Spielerberater-Firma gewechselt und dann kam die Möglichkeit dort. Es gab dann vereinsintern einige Probleme, die dann auch stark auf mich zurückgefallen sind, weil mit einem neuen Sportdirektor alles irgendwie im Zusammenfall war. Aufgrunddessen haben wir dann auch nach drei, vier Monaten in Bukarest die Reißleine gezogen, brachen das Kapitel ab und ich ging wieder nach Österreich zurück", durfte sich der Wiener nur kurz als Rumänien-Legionär bezeichnen.

In eineinhalb Jahren in Altach durfte er endlich wieder Bundesliga-Luft schnuppern. Allerdings mehr neben als auf dem Platz, denn mehrere Verletzungen erlaubten nur 20 Pflichtspiel-Einsätze.

Plötzlich Kapitän und fit: "An meinem Biss hat sich nie was geändert"

Es war wie verhext, das Ende im Sommer 2018 die logische Folge. Und logischerweise wurden auch mögliche Interessenten skeptisch, ob Janeczek aufgrund der Verletzungsanfälligkeit für sie überhaupt noch ins Beuteschema passt.

Blau-Weiß Linz gab ihm im Sommer 2018 die Chance, sich in der 2. Liga zu beweisen - dafür ist Janeczek bis heute dankbar. "Was ich alles schon erlebt habe – da ist man natürlich dankbar, 'aufgenommen' und verpflichtet zu werden. Aber die 2. Liga ist für mich genauso eine starke Liga und mir ist es relativ egal, ob das erste oder zweite Liga ist. Für mich geht es darum, egal bei welchem Verein, dass ich hundert Prozent Gas gebe und alles dafür tue, dem Verein helfen zu können."

Das konnte er anfangs auch auf der Gugl nicht. Die Einsatzzeit wurde weniger, ehe er das bereits erwähnte fast Dreiviertel-Jahr ausfiel. Anstatt an ihm zu zweifeln, machte ihn Blau-Weiß jedoch zum Kapitän - ein Vertrauensbeweis, der ihm neues Selbstvertrauen schenkte.

"Es war auf jeden Fall ein großer Vertrauensbeweis vom Verein. Ich habe von Anfang an versucht, das bestmöglich umzusetzen. Natürlich wusste ich, wo ich dann zum Kapitän ernannt worden bin, dass ich noch nicht von Anfang an helfen kann, weil es einfach noch in der Phase der Knöchelverletzung war, aber ich habe damals schon abseits des Platzes probiert, so viel wie möglich zu machen. Sicher beflügelt das einen", freut sich Janeczek. Dieses Amt lehnte er auch nicht ab, obwohl sich der Verein damals aufgrund der finanziellen Situation in Ungewissheit befand.

Noch wichtiger als die Schleife an seinem Arm ist es ihm aber, endlich wieder fit zu sein, die Corona-Pause bremste jedoch seine Euphorie, endlich wieder angreifen zu können. Der Kampfgeist ist trotz aller Rückschläge weiterhin vorhanden: "An meinem Biss und meinem Einsatz hat sich noch nie was geändert, aber natürlich geht die Gesundheit in gewisser Weise vor. Man lernt einfach auch mit der Erfahrung und dem Alter, mehr auf seinen Körper zu hören."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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