Klagenfurt-Coach Micheu: Kampf gegen die "Oase"

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Vom Nachzügler zu einer der heißesten Mannschaften der HPYBET 2. Liga, vom Außenseiter zum frühen Tabellenführer: Der SK Austria Klagenfurt ist absolut im Aufwind.

Der sportliche Trend, der seit fast einem Jahr anhält, ist auch mit Trainer Robert Micheu verbunden: Der ehemalige Bundesliga-Kicker (LASK und Admira) übernahm das Team Ende Oktober 2018, unter der Leitung des 44-Jährigen mussten die Kärntner bis dato nur zwei Niederlagen hinnehmen.

Dabei ist das Kärntner Urgestein als Aktiver zwar noch ein Begriff, die großen Trainer-Stationen gab es bisher aber nicht: Lediglich etwas Regionalliga-Erfahrung mit dem SV Feldkirchen steht im Lebenslauf.

Im LAOLA1-Interview vor dem Topspiel gegen Blau-Weiß Linz (So., ab 10:30 Uhr LIVE bei LAOLA1>>>) spricht der Klagenfurter Coach über seine Herangehensweise, die interessanten Namen in seinem Kader und die Vorteile durch die neue Investorengruppe "Home United".

LAOLA1: Die Austria ist nach vier Runden Tabellenführer, aber die ersten vier Spiele sind sehr unterschiedlich verlaufen. Wie lassen sich die Auftritte einordnen?

Robert Micheu: Man sieht, dass es noch enger ist als letztes Jahr, und dass es immer wichtig ist, eine Top-Leistung abzurufen. Wenn wir zuletzt verloren hätten, wären wir Elfter, so sind wir Erster. In Dornbirn haben wir das nicht so geschafft, aber in den anderen drei Spielen war es in Ordnung.

LAOLA1: Wie ist der Turnaround im Vergleich zum letzten Herbst, als man noch gegen den Abstieg spielte, unter Ihrer Leitung zustande gekommen?

Micheu: Ich glaube, wir haben eine sehr gute Mannschaft mit einem sehr guten Charakter. Die haben wir eben gut verstärkt. Die Chemie im Verein zwischen Mannschaft, Trainerstab und auch Vorstand passt. Dann ist es einfach erklärt, dass man Erfolg hat.

LAOLA1: Irgendwas Bestimmtes muss letzten Winter aber passiert sein. Was haben Sie in den Verein eingebracht?

Micheu: Ich bin ein Trainer, der weiß, dass es harte Arbeit braucht, um Erfolg zu haben. Das habe ich den Spielern verklickert. Sie sind sehr motiviert, hauen sich rein, und was bei uns dazu kommt: Wir haben eine sehr gute Altersstruktur mit jungen Spielern, die noch mehr erreichen können und wollen. Es gibt hier riesiges Potenzial, deswegen ist es für mich auch nicht überraschend, dass wir da sind, wo wir stehen. Aber überheblich darf man nicht werden und glauben, es läuft von alleine. Die 2. Liga ist sehr schwer zu bespielen.

>>> Austria Klagenfurt - Blau-Weiß Linz am Sonntag um 10:30 Uhr LIVE auf LAOLA1 <<<

LAOLA1: Ihre Trainer-Laufbahn ist mit siebeneinhalb Jahren beim SV Feldkirchen und eineinhalb Jahren beim SC Globasnitz noch jung an Stationen, zumal dies unterklassige Vereine waren. Wie ist das Engagement bei einem Zweitligisten zustande gekommen?

Micheu: Alfred Roth (Leiter Sport und Nachwuchs, Anm.) kennt mich ganz gut und weiß, dass ich ein ehrlicher und harter Arbeiter bin. Ich bin zweimal mit einer relativ jungen Mannschaft in die Regionalliga aufgestiegen (mit Feldkirchen 2009/10 und 2011/12, Anm.).

LAOLA1: Man weiß über Sie als Trainer noch nicht viel. Was sind die Charakteristiken, die man an Ihnen festmachen kann?

Micheu: Für mich ist Ehrlichkeit innerhalb der Mannschaft wichtig. Auch, wenn es Probleme bei den Spielern gibt. Für mich ist die menschliche Seite wichtig, und dass sich Spieler wohl fühlen. Und das wissen sie auch: Wenn es Probleme gibt, dann gehe ich zum Vorstand, und wir alle schauen, dass die Dinge passen. Am Platz probieren wir immer wieder etwas Neues. Die Spieler merken, dass Vertrauen da ist, und dann ziehen sie auch mit.

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LAOLA1: Das klingt nach einer Herangehensweise, die sehr über die gute Laune in der Mannschaft kommt. Da wird es auch wichtig sein, Ergebnisse zu liefern.

Micheu: Natürlich, es ist immer leichter, wenn man gewinnt. Aber die Spieler wissen auch, dass ich etwas strenger werden kann, wenn es nicht so läuft. Fußball heißt immer Leistung. Wichtig ist, dass wir die am Spieltag bringen. Ich glaube schon, dass es wichtig ist, dass die Spieler mit Spaß und Freude zum Training kommen. Das sind keine Maschinen.

LAOLA1: Was konnten Sie aus Ihrer Spieler-Karriere mit Bundesliga-Erfahrung in den Trainer-Job mitnehmen?

Micheu: Ich hatte verschiedene Trainer, bei Milan Miklavic (1999 und 2000 bei der Admira, Anm.) angefangen, der für mich ein sehr guter Trainer war, oder Hans Krankl, der super gepusht hat. Ich habe auch mit Spielern wie Peter Stöger zusammengespielt. Da nimmt man sich überall was mit und versucht, das umzusetzen.

LAOLA1: Ist Ihr Engagement jetzt schon zum Vollzeit-Job geworden? Angefangen haben Sie noch als "Nebenberufler".

Micheu: Jetzt ist es ein Vollzeit-Job, obwohl ich immer noch in einem Sportgeschäft arbeite. Das taugt mir einfach. Es ist ein bisschen Ausgleich, und man bekommt zu den Zuschauern einen Zugang, es kommen sehr viele Fans ins Geschäft und wir reden über unsere Spiele. Da nimmt man auch etwas mit. Das ist mir wichtig, sich Meinungen der Menschen anzuhören, das ist ja interessant. Deswegen war es mir wichtig, das weiterzumachen.

LAOLA1: Welche besonderen Schwerpunkte haben Sie in der Sommer-Vorbereitung mit dem Team gelegt? Letztes Jahr war die Defensive eine große Stärke, jetzt scheint die Offensive nachgezogen zu haben.

Micheu: Wir haben schon geschaut, dass wir offensiv mehr Qualität haben. Wobei wir letztes Jahr mit Benedikt Pichler und Florian Jaritz auch ganz gut gespielt haben. Wir haben auch versucht, körperlich zuzulegen.

LAOLA1: Welche Tugenden soll man im Spiel der Mannschaft erkennen? Welche Aspekte wollen Sie in eine Mannschaft einbringen?

Micheu: Mir ist es wichtig, dass wir nach dem Spiel in der Kabine sitzen und mit unserer Leistung zufrieden sind. Man kann auch einmal schlecht spielen, das wird es auch in dieser Saison geben. Wenn wir verlieren und die anderen waren besser, muss man das respektieren und anerkennen. Aber es darf uns nicht passieren, dass wir nicht alles gegeben haben. Dann bin ich wirklich angefressen. Es ist uns in Dornbirn leider passiert.

"Eine 'Wohlfühl-Oase' darf nicht aufgebaut werden. Kärnten ist im Sommer mit dem Wörthersee und im Winter mit den Skigebieten ja sehr schön."

LAOLA1: Das klingt nach einem sehr kämpferischen Zugang zum Fußball.

Micheu: Ich war selber Profi. Fußball ist ein super Job, da muss man einen Weg finden, dass man am Freitag um 19:10 Uhr alles geben kann. Schlecht spielen, technische Fehler - das kann alles einmal passieren. Man gewinnt in dieser 2. Liga relativ viel mit der Einstellung.

LAOLA1: In den ersten vier Runden hat sich bei der Austria Klagenfurt mit Dario Pecirep, Okan Aydin und Oliver Markoutz ein interessantes Offensiv-Trio in den Fokus gespielt. Welchen Stellenwert haben diese drei Spieler für Ihre Mannschaft und was trauen Sie ihnen in dieser Saison zu?

Micheu: Oliver war nicht umsonst bei den Bayern, das sieht man auch beim Training. Okan ist einer der besten Fußballer im Kader, er muss den nächsten Schritt machen. Ich sage, er kann bei seinen Anlagen nicht damit nicht zufrieden sein, bei uns zu spielen. Die sind für etwas Höheres gut. Und ich habe selten einen Stürmer gesehen, der im 16er so eine Qualität wie Dario hat. Wobei man sagen muss: Wir haben mit Petar Zubak, Florian Jaritz, der hinten links spielt und letztes Jahr ein paar Tore geschossen hat, und Baris Ekincier, der aus Bochum gekommen ist und noch nicht einmal ganz fit ist, dahinter auch noch was. Was für uns wirklich entscheidend ist: Dass sie sich gegenseitig pushen, niemand dem anderen was neidig ist, und das macht es einfach aus.

LAOLA1: Und mit Kapitän Sandro Zakany gibt es im Mittelfeld noch einen Mann, den Sie bei Ihrem Antritt als "einen der besten Spieler im gesamten Land" gelobt haben.

Micheu: Ja, er hat das Problem, noch Leistenprobleme zu haben. Wenn er erst einmal fit ist... und Daniel Steinwender ist auch nicht zu vergessen. Wir haben in der Offensive schon Leute, die wirklich ein Spiel entscheiden können. Und solche, die noch mehr schaffen können. Es soll ja nicht so sein, dass jeder nur 2. Liga spielen kann. Es muss jeder ein Ziel haben. Das Ziel muss die Bundesliga sein, und dafür muss man jeden Tag hart arbeiten.

LAOLA1: Kritischer betrachtet hat die Austria Klagenfurt mit 15 Legionären hinter dem FC Liefering die zweithöchste Legionärs-Anzahl. Sehen Sie diesen Aspekt negativ?

Micheu: Das ist sicher ein Aspekt, den man kritisieren kann. Aber da wir deutsche Eigentümer haben, ist unser Zugang eben einfacher. Man darf aber nicht vergessen, dass wir auch zwei Spieler von der WAC-Akademie geholt und relativ viele unserer eigenen Amateure in den Kader aufgenommen haben. Gegen Liefering habe ich mit Alexander Killar einen 17-Jährigen in die Startelf gestellt. Der 18-jährige Florian Freissegger hält bei drei Spielen. Bei den Legionären waren viele eben schon da.

LAOLA1: Die neuen Strukturen im Verein sind eine sehr frische Angelegenheit. Wie haben sich die Bedingungen für Ihre Arbeit in den letzten Monaten geändert? Was hat das mit dem Verein gemacht?

Micheu: Die Spieler haben neue, bessere Wohnungen bekommen, sie sehen, dass etwas weitergeht. Und was entscheidend war: Jeder Spieler hat gemerkt, dass wir ihn halten wollten. Manch einer hat gedacht, dass mit den neuen Eigentümern 15 neue Spieler kommen werden. Aber den Großteil der Mannschaft haben wir zusammengehalten. Wir haben auch viele Verträge über zwei, drei Jahre verteilt, das ist für einen Profi wichtig, dass sein Platz gesichert ist, da tut man sich leichter. Was natürlich immer gefährlich ist - aber da bin ich selbst dahinter, dass das nicht passiert: Eine "Wohlfühl-Oase" darf nicht aufgebaut werden. Kärnten ist im Sommer mit dem Wörthersee und im Winter mit den Skigebieten ja sehr schön. Aber wenn ich den Charakter meiner Spieler ansehe, passt das schon.

LAOLA1: Welche sportlichen Vorgaben gibt es für diese Saison? Wenn die Liga weiter so eng bleibt, könnte ja sogar um den Titel mitgespielt werden. Wäre das schon in dieser Saison ein Ziel? Oder geht man diesen Punkt mittelfristig an?

Micheu: Wir haben immer gesagt, dass wir unter die ersten Sechs und die Favoriten ärgern wollen. Wenn wir am Ende ganz vorne wären, würden wir sicher nicht nein sagen! Aber es ist noch ein ganz harter Weg. Der Top-Favorit sind wir sicher nicht. Wenn Lustenau einmal eingespielt ist... Auch der GAK ist nicht zu unterschätzen, und natürlich Ried. Die sind von der Qualität noch besser. Es wird so sein: Wer am schnellsten einen Lauf zusammenbekommt und am konstantesten punktet, wird oben stehen.

LAOLA1: Sie sind ein Kärntner Urgestein. Mit dem Wolfsberger AC sorgt auch ein Bundesligist für Furore. Warum läuft es im Kärntner Fußball momentan gut?

Micheu: Beim WAC ist es auch die harte Arbeit. Mit Trainer Gerhard Struber spielen sie das erfolgreiche System weiter - bei uns ist es in etwa das Gleiche. Wenn man gute Spieler hat... bei uns ist nicht viel passiert, auch beim WAC ist der Stamm zusammen geblieben, das ist schon ein Vorteil.

LAOLA1: Wenn es um den Kärntner Fußball geht, dann ist die Geschichte rund um das Wörthersee-Stadion und seiner Nichtverfügbarkeit momentan fast immer im Kopf. Wie wird dieser Punkt momentan im Klub gesehen? Wie groß ist der Ärger, ausgerechnet jetzt ins Karawankenblick-Stadion ausweichen zu müssen? In ein paar Wochen wartet der Cup-Kracher gegen Sturm...

Micheu: Wir können es sowieso nicht beeinflussen. Austria Klagenfurt hat in der Vergangenheit nicht mehr als 1.000 Leute ins Stadion gebracht, das muss man schon sagen. Jetzt waren von vier Konzerten drei ausverkauft. Da muss man die Politiker auch verstehen. Natürlich ist es heuer wirklich blöd, weil der WAC in die Europa League eingezogen ist und wir mit Sturm Graz ein tolles Cup-Los haben. Gegen die spielen wir jetzt im Karawankenblick-Stadion, das vorübergehend auf 5.000 Zuschauer aufgestockt wird.

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LAOLA1: Wann ist die Rückkehr ins Wörthersee-Stadion geplant?

Micheu: Wir spielen erst im Frühjahr drin. Jetzt ist sechs Wochen die Kunst-Installation mit den Bäumen, dann gibt es ein Eishockey-Freiluft-Derby und ein neuer Rasen kommt auch.

LAOLA1: Am Sonntag wartet das LAOLA1-Topspiel gegen Blau-Weiß Linz. Wie lässt sich der Gegner im Moment einschätzen?

Micheu: Blau-Weiß Linz hat auch eher junge Spieler geholt und einen guten Weg eingeschlagen. Mit den zwei Siegen im Rücken haben sie sicher Aufwind. Bei der Analyse habe ich gesehen, dass sie einen sehr guten Fußball spielen. Sie sind sehr aggressiv, haben vorne gute Stürmer. Die Motivation wird auch groß sein, weil wir Erster sind. Aber ohne respektlos zu sein: Es wird an uns liegen, wie wir das Spiel gestalten. Wir spielen daheim und wollen die Tabellenführung verteidigen.

LAOLA1: Zwischen Goran Djuricin und ihnen gibt es ja durchaus Berührungspunkte. Sie sind gleich alt und haben lange unterklassige Vereine trainiert, ehe plötzlich eine größere Aufgabe ins Haus stand.

Micheu: Wir haben auch in Nachwuchs-Nationalteams zusammengespielt. Wir kennen uns und reden auch miteinander, wenn wir uns sehen. Gogo ist ein sehr höflicher Mensch. Wenn man ihn irgendwo trifft, ist er sehr gesprächig, nicht überheblich, weil er einmal Rapid-Trainer war. Er ist ein guter Trainer.

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