Neues Vertrauen nach "schmutzigem Geschäft"

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Philipp Zulechner will endlich wieder Fuß fassen.

Steiler Aufstieg in Grödig, Wechsel nach Freiburg, mühsame Krankheit, Leihen nach Wien und Bern - gesehen und erlebt hat der Stürmer in den vergangenen drei Jahren einiges, dauerhaft gespielt hat er kaum.

Jetzt ist er bei Sturm Graz. Ein Klub, bei dem er wieder Vertrauen spürt, wie der 26-Jährige im Gespräch mit LAOLA1 erzählt.

Das war unter Trainer Christian Streich nicht mehr so: "Ich habe gelernt, wie schmutzig das Geschäft sein kann."

Neun Spiele hat Zulechner für Freiburg gemacht, ein einziges von Beginn an.

Auch nachdem er einen langwierigen Infekt, der ihn 2014 außer Gefecht setzte, überstanden hatte, bekam er bei den Breisgauern seiner Meinung nach keine vernünftige Chance mehr.

"Ich habe gesehen, wie schnell es gehen kann, dass auf einen Spieler kein Wert mehr gelegt wird", sagt Zulechner.

Nicht jedem liegt Christian Streich

Es wolle keine Schuldzuweisungen machen, angesprochen auf sein Verhältnis zu Christian Streich meint er aber:

"Im ersten Jahr hat er viel mit mir gesprochen. Am Ende hatte ich nicht mehr viel Kontakt mit ihm. Es gibt eben Trainer, die einem mehr und jene, die einem weniger liegen."

Für die ebenfalls nicht nach Wunsch verlaufenen Neustarts in Wien und Bern gebe es unterschiedliche Gründe:

"Im ersten halben Jahr bei der Austria war der Verein in einer schwierigen Phase. Danach bin ich auf der linken Seite aufgestellt worden, wo ich mich ehrlich gesagt nicht unbedingt wohl fühle und nicht meine Stärken sehe." Thorsten Fink war da offenbar anderer Meinung.

Verständnis für Hütter und eine Klausel

Turnaround sollte Zulechner auch bei den Young Boys nicht gelingen, obwohl er dort mit Adi Hütter auf seinen Förderer aus Grödiger Erfolgszeiten traf.

"Ich war wieder verletzt, mehrere Spieler hatten schon in der Hinrunde einen Lauf. Da verstehe ich den Trainer natürlich, dass er auf diese Spieler setzt. Einer (Guillaume Horau, Anm.), war in der Hinrunde verletzt und hat im Frühjahr über 15 Tore gemacht. Das sagt alles über seinen Rang und Status beim Verein aus", schildert der Wiener.

Acht Einsätze (zwei Assists) sollten es am Ende seiner Zeit in Bern sein. Noch vor Meisterschaftende gab der Klub bekannt, die Kaufoption nicht zu ziehen. Der Vertrag war ein weiterer Grund, warum er nicht zu mehr Einsätzen kam.

"Es gab eine Klausel, bei der es dann kompliziert geworden wäre", formuliert es Zulechner.

"Ich war ablösefrei, da hätte man auch sagen können: Wir nehmen dich einmal für ein Jahr und schauen dann weiter. Daher denke ich schon, dass längerfristig mit mir geplant wird."

Somit ging es wieder zurück nach Freiburg. Zu einem Klub, bei dem er nicht sein wollte. Parallel zur Saisonvorbereitung lief die Klubsuche. Bis drei Tage vor Transferschluss Sturm anrief.

"Den ersten Kontakt gab es am 29. August. Ich wollte unbedingt aus Freiburg weg. Dadurch, dass Sturm eine große Adresse in Österreich ist, fiel es mir leicht, mich dafür zu entscheiden", war die Freude über das Angebot aus Graz groß.

Der aktuelle Erfolgslauf bei den "Blackies" habe bei seiner Entscheidung durchaus eine Rolle gespielt. Nach anfangs schwierigen Umständen wie bei der Austria, soll es diesmal von Beginn an harmonischer laufen.



"Ich habe die Spiele verfolgt und gesehen, dass es bei Sturm läuft. Daher glaube ich, dass das ganz gut passen könnte", meint Zulechner, der schon vor drei Jahren beinahe in der Steiermark gelandet wäre.

Damals ließ man ihn aber zappeln, wartete gleichzeitig auf den Abschluss des Transfers mit Robert Beric. Den damalige Horn-Profi zog es nach Grödig, der Rest ist Geschichte: "Mir war das dann zu riskant, ich wollte mir die Bundesliga aber nicht entgehen lassen."

Aufblühen bei Sturm? - "Das kann man bei jedem Verein"

Diesmal waren die Vorzeichen anders, der Plan von Sportchef Günter Kreissl und Trainer Franco Foda klar: "Großteils wurde mit meinem Berater verhandelt und alles abgesprochen. Foda und Kreissl haben mir die aktuelle Lage im Verein geschildert und mir erklärt, wie sie meine Situation sehen."

Schon im abgeschlossenen Vertrag über zwei Jahre plus Option erkennt Zulechner mehr Vertrauen bei seinem neuen Arbeitgeber als zuletzt: "Ich war ablösefrei, da hätte man auch sagen können: Wir nehmen dich einmal für ein Jahr und schauen dann weiter. Daher denke ich schon, dass längerfristig mit mir geplant wird."

Dass Angreifer in Graz wieder der Knopf aufgehen kann, hat man bei Roman Kienast oder später bei Marco Djuricin gesehen. Aktuellstes Beispiel ist Deni Alar mit fünf Toren in seinen ersten fünf Liga-Einsätzen.

"Das habe ich vielleicht irgendwo im Hinterkopf gehabt. Aber ich glaube, dass man bei jedem Verein wieder aufblühen kann. Das ist egal, ob ich jetzt zu Sturm oder zu einem anderen Verein gehe."

Mit den "Village People" Graz erobert

Die ersten Trainingseinheiten hat Zulechner erfolgreich absolviert. Der Schlager gegen Rapid am Samstag (16 Uhr) kommt aber wohl noch zu früh:

"Ich merke schon, dass mir ein bisschen Spielpraxis und Tempo fehlt. Das sieht man auch noch beim Training. Das kommt aber schnell wieder."

Im Hochsommer 2013 nahm sein Erfolgslauf mit einem Doppelpack der Grödiger "Village People" beim 2:0 gegen Sturm im Liebenauer Stadion seinen Anfang.

Jetzt soll sich in der Graz ein Kreis schließen. Erst gilt es aber, wieder einmal richtig Fuß zu fassen.


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