Keine Einheit? Rapid-Kapitän Schwab wehrt sich

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"Diese Mannschaft ist keine Einheit!"

Die Aussage von Sportdirektor Andreas Müller nach der Niederlage in Ried im "Kurier" hatte gesessen, kam unerwartet und schlug ein wie eine Bombe – inklusive Diskussionspotenzial.

Diesen Vorwurf lässt Kapitän Stefan Schwab gegenüber LAOLA1 aber nicht gelten: "Über dieses Thema will ich mich eigentlich öffentlich gar nicht äußern. Das ist die Kritik von Herrn Müller, die wir respektieren und akzeptieren. Das ist seine Sicht."

Der Angriff richtete sich klar gegen die Spieler, in einer Situation, wo Rapid aufgrund der sportlichen Achterbahnfahrt mit dem Rücken zur Wand stand.

"Ich kann nur sagen, dass in der Mannschaft selber, unter den Spielern und dem Trainerteam, eigentlich gutes Klima und gute Stimmung herrscht."

Schlechte Stimmung? „Das ist nicht der Fall“

Die ungewohnt scharfe Kritik in der Öffentlichkeit war innerhalb des Teams natürlich Thema.

Nach dem Gastspiel in Ried gab es eine Aussprache mit dem Trainerteam: Was sportlich falsch läuft, aber auch was allgemein mannschaftsinterne Themen betrifft.

"Sicher haben wir auch darüber geredet. Das ist ganz klar! Da hat jeder seine Meinung gesagt. Aber zu 70 Prozent ist es um Sportliches gegangen", schwächt der 26-jährige Saalfeldner ab und stärkt lieber noch einmal das positive Klima im Team:

"Ich glaube nicht, dass in der Mannschaft unter den Spielern schlechte Stimmung herrscht oder irgendwer mit dem anderen nicht kann. Das ist nicht der Fall."

"Will nicht über die Öffentlichkeit Krieg führen"

Für Schwab wird in der geäußerten Kritik auch nicht direkt das innermenschliche Verhältnis innerhalb der Büskens-Auswahl angeprangert, "sondern durch die Zeilen hat man da andere Sachen herauslesen können."

Was genau Müller damit bezwecken wollte, kann aber auch vom Mittelfeld-Strategen nicht eindeutig beantwortet werden: "Das ist für mich auch schwierig zu sagen. Da will ich auch nicht über die Öffentlichkeit Krieg führen, aber das sind Dinge, die wir intern lösen müssen."

Fakt ist, dass sich bei den Hütteldorfern zuletzt viel verändert hat. Der Umbruch im Sommer ging nicht spurlos vorbei, für Rapid-Verhältnisse fanden viele Neuzugänge – inklusive Rekordtransfers – den Weg in den Westen Wiens, die es erst einmal zu integrieren galt.

Eine strategische Baustelle. Andere machte sich der Traditionsverein jedoch selber auf. Die Ausbootungen von Mario Sonnleitner und Steffen Hofmann wirbelten viel Staub auf.

Eigens kreierte Baustelllen, Verschiebung in der Hierarchie

Allesamt Entscheidungen und Themen, die natürlich auch an den Spielern nicht ohne Nebenwirkungen vorbeigehen. Schwab gibt es diplomatisch zu verstehen:

"Natürlich hat sich auch in der Hierarchie ein bisschen etwas verschoben. Der Verein hat das mit Mario Sonnleitner entschieden. Er war Vize-Kapitän, jetzt bin ich ein bisschen aufgerückt und Christopher Dibon hat natürlich auch mehr zu sagen. Da hat sich sicher etwas verschoben, darüber spricht man auch in der Mannschaft. Aber im Grunde genommen ist das ein Prozess."

Deshalb sei aber kein böses Blut entstanden. Sonnleitner habe sich stets professionell verhalten, keine schlechte Stimmung verbreitet und auch umgekehrt "hat keiner gegen Sonnleitner gestichelt oder gearbeitet."

Causa Sonnleitner und Hofmann bewegt

Trotzdem ist es ein Thema, das bewegt. Schließlich will keiner ein ähnliches Schicksal erleiden oder von der Vereinsführung als nächstes abgesägt werden.

Diese Gedanken würde laut Schwab aber keiner haben: "Ich glaube, dass kein Spieler Angst hat, dass er der Nächste sein könnte."

Auch die Rolle von Hofmann wurde medienwirksam besprochen. Der Kapitän war plötzlich Bankerldrücker. Offiziell, da er nach seiner Verletzung noch nicht so weit war.

Aber auch der Ersatzkapitän weiß: "Es war sicher für ihn auch keine einfache Situation." Noch bitterer ist es, dass er nach zuletzt längerer Spielzeit erneut verletzt bis mindestens Dezember ausfällt.

Entrup? "Sportdirektor war nicht dieser Meinung"

Und dann wäre da noch die Sommer-Verpflichtung von Ex-Austrianer Maximilian Entrup, welche das Emotions-Fass bei Rapid endgültig hochgehen ließ.

Das Thema gehört Schwabs Meinung nach nicht erneut aufgewärmt, da zuletzt endlich Ruhe eingekehrt war. Da die Kritik der "fehlenden Einheit" aber unter anderem mit dem Youngster zusammenhängen könnte, ist es dann doch noch einmal spruchreif.

"Vom Sportdirektor hat man zwischen den Zeilen lesen können, dass er nicht dieser Meinung war, wie wir damit umgegangen sind. Okay. Aber wir haben Max als Mannschaft immer unterstützt."



Schließlich soll Müller das Team aufgefordert haben, sich nach dem Heimspiel gegen Mattersburg entweder alle zusammen – also mit Entrup – oder gar nicht bei den Fans zu verabschieden. Dieser Aufforderung kamen aber nur ein paar Akteure nach.

"Das ist seine Sicht, dazu kann ich nichts sagen, wenn er das so sieht. Ich kann nur sagen, dass wir ihn unterstützen und er sich wohlfühlt. Da kann ihn jeder persönlich fragen, ob er sich wohl fühlt. Er wird das mit ja beantworten, davon bin ich überzeugt. Da gibt es keine unterschiedlichen Meinungen in der Mannschaft", stellt Schwab klar.

"Versuchen immer, als Mannschaft aufzutreten"

Erst durch gute Leistungen, auch auf den kleinen Plätzen des Landes, wird bei Rapid wieder Ruhe einkehren – sofern man Ruhe bei so einem polarisierenden Klub überhaupt kennt.

Gewisse Baustellen hat man sich aber, wie eingangs erwähnt, selbst aufgemacht. Nur mit Geschlossenheit – die Müller vermisste – wird man die kommenden Aufgaben meistern können.

Deshalb meint Schwab: "Wir versuchen immer, als Mannschaft aufzutreten. Die Kritik vom Sportdirektor nehmen wir uns zu Herzen, aber wir wissen auch, dass es an anderen Gründen gescheitert ist. Die gilt es auszubessern. Auswärts mehr Chancen kreieren, auswärts mehr Tore schießen und in Ried sind wir defensiv nicht gut gewesen. Das sind Gründe, die entscheidend sind, warum wir nicht die Ergebnisse erzielt haben, die wir wollen. Wir können den Hebel ansetzen, dass wir eine geschlossene Einheit sind und bei unserer Performance auf dem grünen Rasen."

Das gilt es sich und auch dem Sportdirektor zu beweisen.


Alexander Karper

 

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