Bürger, Farkas, Onisiwo: Hier darf niemand weg

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Mattersburg hat es schon wieder getan.

Wie LAOLA1 erfuhr, lagen Patrick Farkas in diesem Sommer drei Angebote aus dem Ausland vor. Sein Klub ließ den 23-Jährigen aber trotz gut dotierter Ablöse-Offerten nicht ziehen.

Seit 2008, dem Bochum-Transfer von Christian Fuchs, hat der SVM keinen Spieler mehr verkauft. Das ist für einen Klub in einer Ausbildungsliga beachtlich. Zum Vergleich: Die Admira verzeichnete alleine in den letzten zwei Jahren sechs gewinnbringende Transfers.

Farkas-Angebote aus Deutschland und England

Im Burgenland scheinen die Uhren jedoch anders zu ticken. Hat ein Spieler einmal beim SVM unterschrieben, so kommt er nur schwer wieder aus seinem Vertrag heraus. Abgesehen von Ausbildungsentschädigungen haben die Mattersburger seit 2008 kein Geld mehr für einen Spieler kassiert. Vereins-Boss Martin Pucher lehnte sogar schon Angebote in Millionen-Höhe ab.

Zum jüngsten Opfer dieser Vereinspolitik wurde der eingangs angesprochene Farkas. Vereine aus England und Deutschland wollten den 23-jährigen Außenbahnspieler verpflichten. Nicht einmal ein am Saisonende erlittener Meniskusriss hielt die interessierten Klubs, darunter der 1. FC Nürnberg, davon ab.

Ein Transfer kam trotzdem nicht zu Stande. Mit übertriebenen Ablöseforderungen schreckte SVM-Boss Pucher alle Abwerbungsversuche ab.

Mattersburg-Absage mit Folgen für das Nationalteam

Farkas-Berater Thomas Böhm will auf LAOLA1-Nachfrage nicht bestätigen, dass ein Wechsel an Mattersburg scheiterte. Angebote seien jedoch vorhanden gewesen, gibt der Manager zu.

„Das wäre für jeden Spieler aus Österreich interessant gewesen. Auch Patricks Entwicklung hätte es gut getan“, meint Böhm, der hinzufügt: „Leider hat es nicht geklappt. Aber Patrick hat in den letzten Jahren alles für den SV Mattersburg gegeben und wird dies auch weiterhin tun.“

Auch wenn Farkas selbst keinen Groll hegt, so werden sich doch zumindest die Fans des österreichischen Nationalteams über diese verpasste Chance ärgern. Denn der Mann aus Oberwart gilt als potenzieller Kandidat für die Rechtsverteidiger-Position in der Koller-Elf.

VIDEO - Als Perlak beim Sieg über den WAC glänzte:
(Artikel wird darunter fortgesetzt)


Der ehemalige U21-Kapitän durchlief sämtliche Nachwuchsauswahlen des ÖFB. Um auch den Sprung ins A-Team zu schaffen, müsste er aber auf einem höheren Niveau zum Einsatz kommen als bei Bundesliga-Abstiegskandidat Mattersburg.

In einem Jahr ist Farkas frei

Farkas muss nun darauf hoffen, auch noch in einem Jahr interessant genug für das Ausland oder einen österreichischen Top-Klub zu sein. Dann läuft sein Vertrag bei Mattersburg aus und er kann sich einen neuen Klub suchen.

„Patrick ist ein Vollprofi, der sich voll reinhaut. Man wird ihn nicht aufhalten können, er wird weitere Angebote bekommen und irgendwann bei einem größeren Verein spielen“, ist sein Berater überzeugt.

Wünschenswert wäre, dass dem Mattersburger Urgestein, an dem auch Rapid dran war, ein ähnliches Schicksal wie Patrick Bürger erspart bleibt. Der Stürmer bestritt 2012 zwei Länderspiele für Österreich. Daraufhin trudelte im Sommer 2013 ein siebenstelliges Angebot von Fortuna Düsseldorf im Burgenland ein.

Tabelle - Die prominentesten Mattersburg-Abgänge der letzten 8 Jahre

Saison

Name Neuer Verein Ablöse
2008/09 Robert Almer FK Austria Wien Spielertausch mit Thomas Salamon
Christian Fuchs VfL Bochum 1,2 Mio. Euro*
2009/10 Adnan Mravac Westerlo Ablösefrei
2010/11 Cem Atan Genclerbirligi Webster-Urteil
2011/12 Peter Chrappan Inter Baku Ablösefrei
2012/13 Stefan Ilsanker RB Salzburg Ablösefrei
Thomas Salamon SV Grödig Ablösefrei
2013/14 Wilfried Domoraud Admira Ablösefrei
Alexander Pöllhuber Altach Ablösefrei
Marvin Potzmann SV Grödig Ablösefrei
Christian Gartner Düsseldorf Ablösefrei
Ilco Naumoski Inter Baku Ablösefrei
Adnan Mravac Dynamo Dresden Ablösefrei
2014/15 Manuel Seidl WAC Ablösefrei
Michael Mörz Schattendorf Ablösefrei
2015/16 Karim Onisiwo Mainz Ungültiger Vertrag
2016/17 Manuel Prietl Bielefeld Ablösefrei

*Summe laut Transfermarkt.at

Mattersburg verzichtete jedoch auf das Geld und ließ den deutschen Traditionsklub eiskalt abblitzen. Ein paar Tage später riss sich Bürger zum ersten Mal sein Kreuzband. Mittlerweile ist der 29-Jährige nach langwierigen Verletzungsproblemen meilenweit vom Nationalteam entfernt.

Onisiwo und Atan erzwangen Transfer vor Gericht

Andere Ex-Mattersburger, die ebenfalls das Nationalteam-Trikot trugen, mussten sich gerichtlich ihren Weg ins Ausland freikämpfen.

Karim Onisiwos Fall dürfte den meisten noch gut in Erinnerung sein. Der aktuelle Mainz-Legionär hatte bereits letzten Sommer ein Angebot von Brentford vorliegen. Mattersburg ließ ihn nicht ziehen, deswegen klagte er die Ungültigkeit seines Vertrages ein. Onisiwo bekam Recht und wechselte ein halbes Jahr später ablösefrei zu Mainz.

Auch für Cem Atan hätte Mattersburg mit ein wenig mehr Gespür Geld kassieren können. 2008 legte Besiktas 750.000 Euro für den zweifachen ÖFB-Nationalspieler auf den Tisch. Der Transfer platzte jedoch.

Zwei Jahre später kündigte der mittlerweile bei Regionalligist Traiskirchen aktive Flügelspieler seinen Mattersburg-Vertrag auf Basis des Webster-Urteils. Dieses erlaubt Spielern, die zumindest drei Jahre ein- und demselben Verein angehören, einen Auslandstransfer.

Potzmann berichtet von übler Methode

"Im Winter habe ich eine Vertragsverlängerung abgelehnt. Danach habe ich im Frühjahr nicht mehr gespielt."

Marvin Potzmann 2015 im LAOLA1-Interview

Atan blieb bis jetzt der einzige Profi in Österreich, der vom Webster-Urteil Gebrauch machte. Andere Mattersburger nutzten ihre auslaufenden Verträge, um bei einem anderen Verein den nächsten Schritt zu machen. Manuel Prietl (Bielefeld) und Christian Gartner (Düsseldorf) sind solche Beispiele.

Auch diese Variante läuft jedoch nicht immer reibungslos ab. Marvin Potzmann erzählte vor einem Jahr im LAOLA1-Interview seine persönliche Leidensgeschichte mit dem Verein: „Im Winter wurde mir eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags angeboten, was ich aus diversen Gründen abgelehnt habe. Danach habe ich im Frühjahr nicht mehr gespielt.“

Trotzdem fand Potzmann mit Grödig einen neuen Klub, dort empfahl er sich für einen Wechsel zu Sturm Graz. Über seinen Abschied in Mattersburg meint er: „Das war leider nicht die feine Art.“

Warum diese Transfersperre?

Fraglich bleibt, warum sich die Burgenländer so hartnäckig gegen den Verkauf von Spielern wehren.

Von den Transfers würden schließlich auch sie selbst profitieren. Nicht nur aufgrund der finanziellen Einnahmen, sondern auch wegen des Imagegewinns. Etabliert sich ein Verein als Sprungbrett, so wird er dadurch automatisch für weitere Talente interessant.

Dieser Strategie scheint der SV Mattersburg aber nichts abgewinnen zu können. Sportdirektor Franz Lederer war trotz mehrfacher Versuche leider für keine Stellungnahme zu erreichen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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