Benjamin Karl: "Ich will polarisieren"

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Benjamin Karl ist ein Mann klarer Worte.

Mit seiner Frage, ob Darts ein Sport ist, sorgte der Snowboarder rund um die Sportler-Wahl für rege Diskussionen und ernete dafür viel Kritik. "Wenn ich etwas sage, dann stehe ich auch dazu. Ich will ja auch polarisieren und kein 'Ja-Sager' sein wie so viele andere", meint der 32-Jährige.

Im LAOLA1-Interview erklärt Karl, warum Darts für ihn kein Sport ist, wie er mit den Anfeindungen gegen ihn umgeht, wie sehr ihn das Karriere-Ende beschäftigt und wie es um seine Pläne bezüglich einer Ski-Karriere steht.

LAOLA1: Du hast rund um die Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres eine Diskussion entfacht, weil du unter anderem infrage gestellt hast, ob Darts ein Sport ist.

Benjamin Karl: Was soll ich sagen, ich kann von meiner Meinung nicht runter gehen. Wenn ich etwas sage, dann stehe ich auch dazu. Ich will ja auch polarisieren und kein 'Ja-Sager' sein wie so viele andere. Ich will eine Meinung haben und dahinter stehen, das ist mir extrem wichtig. Das ist vielleicht auch meine Art, mich in Diskussionen einzumischen. Mir geht’s hier um einen Grundsatz. Es gibt Sportler, die trainieren so hart, dass sie sich vor lauter Anstrengung fast ankotzen und Mensur Suljovic schießt halt seine Darts-Pfeile sechs Stunden lang an die Wand und trinkt nebenbei ein Bier oder einen Apfelsaft. In meinen Augen fehlt eine ganz entscheidende Komponente, damit man dazu Sport sagen kann. Menschen, die Darts oder Billard oder Schach betreiben, haben gar keine Ahnung, was es heißt, körperlich topfit zu sein.

LAOLA1: Du hast den Vorschlag gemacht, bei der Sportler-Wahl eine eigene Kategorie für kognitive Sportarten einzuführen.

Karl: Es gehört eine Abspaltung her. Darts, Billard oder Schach sind für mich kognitive Sportarten und erfordern in erster Linie Konzentration. Daneben gibt es aber Sportarten, die körperlich extrem anstrengend sind UND bei denen man sich hundertprozentig konzentrieren muss. Ein Tennisspieler, der fünf Stunden am Platz steht, muss eine unglaubliche Fitness haben und sich fünf Stunden lang konzentrieren. Mir fehlt bei Schach, Billiard usw. einfach die Bandbreite, die verschiedenen Faktoren, die zu einem Sport dazugehören. Ich kann einen Energydrink auch nicht mit einem Apfelsaft vergleichen, nur weil sie den gleichen Zuckergehalt haben.

LAOLA1: Deine Facebook-Postings rund um die Sportler-Wahl haben hohe Wellen geschlagen. Hast du damit gerechnet?

Karl: Ja, beim ersten Posting habe ich schon damit gerechnet. Das zweite Posting war quasi als eine Wiedergutmachung gedacht, aber da wurden mir die Worte auch im Mund umgedreht. Man kann ja alles sehen wie man will. Jede Wahl bietet eine Diskussionsgrundlage. Egal wie gut oder schlecht gewählt wurde, jeder Mensch hat eine andere Meinung und deshalb wird es immer Grund zu Diskussionen geben. Das ist aber nichts Negatives. Es wäre toll, wenn Österreichs Sportler des Jahres von österreichischen Sportlern gewählt werden würden. Die Sportler würden das total tolerieren.

"Wenn ich mich für einen Teamkollegen einsetze und die Leute dann schreiben, ich bin neidig, dann weiß ich nicht ganz, ob sie im Duden nachgeschlagen haben, was Neid überhaupt bedeutet."

LAOLA1: Du hast für deine Postings viel Kritik einstecken müssen, die Kommentare dazu waren teilweise unter der Gürtellinie. Nimmst du dir das zu Herzen?

Karl: Die Reaktionen auf das erste Posting sind mir schon ein bisschen nahe gegangen, natürlich nehme ich mir die Kommentare zu Herzen. Wenn ich so eine Diskussion starte, nehme ich sie ernst. Ich schreibe auf Kommentare zurück und lasse sie nicht einfach so stehen, das fände ich feig. Aber wenn es ausfällig wird und mir der gleiche Typ hundert Mal schreibt, dass ich ein Volltrottel bin, dann wird es mir zu blöd. Ich denke, das sind Leute, die nur nach Aufmerksamkeit suchen. Die häufigsten Kommentare haben mir Feigheit und Neid unterstellt. Die Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich einer der neidlosesten Menschen überhaupt bin. Wenn ich mich für einen Teamkollegen einsetze und die Leute dann schreiben, ich bin neidig, dann weiß ich nicht ganz, ob sie im Duden nachgeschlagen haben, was Neid überhaupt bedeutet. Ich bin ja auch nicht auf Suljovic neidig. Das ist absolut kein Neid, ich will das nur von außen betrachten. Suljovic soll erfolgreich sein und Sportler des Jahres werden. Mir ist es auch egal, wie viel er verdient, das ist mir alles egal. Die Kommentare sind teilweise so lächerlich und so weit hergeholt. Ich muss ehrlich zugeben, ich habe mir dann gar nicht mehr alle Kommentare durchgelesen, weil es mir zu blöd war.

LAOLA1: Dein Teamkollege Andreas Prommegger hat es bei der Sportler-Wahl trotz WM-Gold und Gesamtweltcup-Sieg nicht unter die Top fünf geschafft. Was sagt das über den Stellenwert des Snowboard-Sports in Österreich aus?

Karl: Ich glaube, dass der Snowboard-Sport schon gewachsen ist. Die Leute in Österreich kennen auf einmal ein paar Snowboarder wie Prommegger, Dujmovits, Karl oder Gasser. Das war früher nicht so. Wir stehen in der Öffentlichkeit schon viel breiter da als vor einigen Jahren.

LAOLA1: Mitte Dezember (14.-16.12.) beginnt in Italien die Weltcup-Saison. Bist du schon bereit?

Karl: Ja, ich habe meine Hausaufgaben erledigt. Alle Material-Tests sind abgeschlossen, ich habe mein Setup soweit zusammen. Das ist immer ein gutes Zeichen, es kann also schön langsam losgehen.

LAOLA1: Du bist seit über zehn Jahren im Weltcup dabei. Wie setzt du in der Vorbereitung neue Akzente?

Karl: Wenn man so lange dabei ist, wie ich, kann man nicht zehn oder 15 Jahre immer dasselbe machen. Es fängt schon im Sommertraining an, dass man sich neue Reize sucht. Das ist extrem wichtig, damit die Motivation aufrecht bleibt. Ich bin viel im koordinativen Bereich unterwegs, gehe laufen, mache Leichtathletik oder Crossfit. Das bringt mir fürs Snowboarden extrem viel. Der Sport hat sich nämlich auch weiterentwickelt, ist sehr professionell geworden. Die Leute trainieren beinhart, wenn du da nicht topfit bist, bleibst du auf der Strecke.

LAOLA1: Es steht eine intensive Saison mit Olympischen Spielen vor der Tür. Was sind deine Ziele?

Karl: Einerseits ist das große Ziel, Olympia-Gold zu holen, andererseits: Wenn das nicht hinhauen sollte, ist meine Karriere auch nicht zerstört. Aber natürlich ist alles auf Olympia ausgerichtet. Dieses Ziel führt man sich schon im Sommer bei jedem Training vor Augen, dadurch wird man auch konsequenter. Ich habe eine gewisse Gelassenheit durch meine erfolgreiche Karriere und nichtsdestotrotz bin ich sehr fokussiert und zielstrebig, damit ich bei Olympia erfolgreich bin.

LAOLA1: Der Parallel-Slalom, in dem du 2014 in Sotschi Olympia-Bronze geholt hast, wurde 2018 wieder aus dem Programm gestrichen. Ihr Fahrer habt hart dagegen gekämpft, bis hin zur Klage.

Karl: Sotschi waren die ersten Olympischen Spiele, bei denen der Slalom im Programm war. Die Russen haben damals Druck gemacht, weil sie gute Slalom-Fahrer haben. Sie wollten den Slalom hineinbringen und haben das auch geschafft, aber eben nur für die Spiele in Russland. Jetzt ist die Situation wie früher und wir haben mit dem Parallel-Riesenslalom wieder nur einen Bewerb. Es ist schade, dass der Slalom wieder rausgeflogen ist, weil es keine Berechtigung dafür gibt. Das ist ein rein politisches Thema. Aber es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass wir in Peking 2022 den Slalom wieder dabei haben. Wir sind eine junge Sportart, es geht auf und ab. Wir kämpfen und sind besser aufgestellt wie eh und je und deshalb bin ich zuversichtlich.

LAOLA1: Du bist 32 Jahre, wie sehr beschäftigt dich das Thema Karriere-Ende?

Karl: Das Thema hat mich schon einmal mehr beschäftigt als momentan. Ich habe die letzten zwei Jahre die Matura nachgeholt und bin jetzt mitten in einem MBA-Lehrgang an der FH Burgenland. Ich kümmere mich neben meiner Snowboard-Karriere also auch um meine berufliche Laufbahn. Das Ziel ist, alle Ausbildungen abgeschlossen zu haben, wenn ich das Snowboard in die Ecke stelle. Vielleicht fahre ich bis Olympia 2022 weiter.

LAOLA1: Würdest du sofort aufhören, wenn du in PyeongChang Olympia-Gold holst?

Karl: Dann schon gar nicht (lacht).

LAOLA1: Wie steht es um deine Pläne, neben dem Snowboarden eine Ski-Karriere zu starten?

Karl: Wenn ich keine Familie hätte und ein Playboy wäre und ein Lotterleben führen würde, dann hätte ich die Zeit, das Skifahren auch noch auszuprobieren. Da das aber nicht der Fall ist und ich meiner Familie es nicht antun will, noch öfter weg zu sein als ohnehin schon, ist es leider unrealistisch.

LAOLA1: Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was sind deine Wünsche für 2018?

Karl: Gesund und motiviert bleiben und Spaß an dem haben, was ich tue.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

Textquelle: © LAOLA1.at

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