Die besondere Karriere des Daniel Andre Tande

Die besondere Karriere des Daniel Andre Tande Foto: © GEPA
 

Es sind schreckliche Bilder, die einen durch Mark und Bein fahren.

Der Horror-Sturz von Daniel Andre Tande beim Weltcup-Finale der Skispringer in Planica machte einmal mehr deutlich, wie gefährlich diese Sportart ist und wie schmal der Grat zwischen unendlichem Freiheitsgefühl und Lebensgefahr.

Der 27-Jährige Norweger prallte im Probedurchgang mit voller Wucht auf den Aufsprunghang der Skiflug-Schanze und war sofort bewusstlos. Nach bangen Stunden folgte zumindest leichte Entwarnung: Tande schwebt nicht in Lebensgefahr, wurde aber in künstlichen Tiefschlaf versetzt.

So einen Sturz wünscht man freilich niemandem, am allerwenigsten aber Tande, dessen Karriere schon einmal auf der Kippe stand.

Skispringer mit Höhenangst

Tande war eine Karriere als Skispringer fast vorgezeichnet, er stammt aus Narvik, einer Region mit langer Skisprung-Tradition. Sein Skiklub Kongsberg IF, gilt als Wiege des Skispringens in Norwegen.

Im zarten Alter von zwei Jahren machte Tande seine ersten Erfahrungen mit dem Sport, als er seinem älteren Bruder Hakon nacheiferte. Während sein Bruder das Skispringen aufgab, kämpfte sich Daniel Andre trotz so mancher Hindernisse bis an die Weltspitze.

So leidet er etwa an Höhenangst. "Es funktioniert immer so lange gut, bis ich oben auf der Schanze sitze und direkt hinunterschaue", erzählte Tande einst bei seinem Durchbruch im Weltcup. "Ich versuche dann aber, einfach nur in die Ferne zu starren." Diese simple Strategie sollte sich bewähren.

Nicht kleinzukriegen war Tande auch in Zeiten, als er noch nicht zu den Besten gehörte. Als Norwegens A-Kader vor Jahren in Vikersund ein Trainingslager einlegte, schlug Tande kurzerhand ein Zelt am Rande der Schanze auf, um mittrainieren zu können.

Liverpool-Fan mit Hang zu Andrea Bocelli

Das Durchhaltevermögen sollte sich bezahlt machen, 2014 feierte der Norweger beim Skifliegen am Kulm sein Weltcup-Debüt. Der erste Sieg folgte am 22. November 2015 in Klingenthal.

In der Saison 2016/17 gelang Tande, der Fan des FC Liverpool ist und sich musikalisch gerne mit Metallica oder Andrea Bocelli auf einen Wettkampf einstimmt, der große Durchbruch.

Bei der damaligen Vierschanzen-Tournee gewann er die Springen in Garmisch-Partenkirchen und am Bergisel und kam als Gesamt-Führender zum letzten Bewerb nach Bischofshofen. Dort löste sich im zweiten Durchgang jedoch ein Clip an der Bindung seines rechtes Skis, wodurch Tande die Kontrolle über den Sprung verlor und nur mit Mühe einen Sturz verhindern konnte. Er belegte in der Tournee-Gesamtwertung letztlich Rang drei.

Bei der Skiflug-WM in Oberstdorf 2018 holte Tande nach Mannschafts-Gold 2016 im Einzel und erneut mit dem Team seine WM-Goldenen Nummer zwei und drei. Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang kürte sich der Norweger mit seinen Teamkollegen zum Olympiasieger.

Seltene Krankheit am Höhepunkt der Karriere

Als Skiflug-Weltmeister und Olympiasieger stand Tande auf dem Zenit seines sportlichen Schaffens, als ihn im Mai 2018 eine seltene Krankheit beinahe in Lebensgefahr brachte. Bei ihm wurde das Steven-Johnson-Syndrom, eine infekt- oder arzneimittelbedingte Hauterkrankung, diagnostiziert.

"Die Wahrscheinlichkeit am Stevens-Johnson-Syndrom zu erkranken ist geringer, als im Lotto zu gewinnen. Das ist meine Art von Glück", hat Tande damals der norwegischen Nachrichtenagentur NTB gesagt.

Tandes Organismus spielte verrückt, sein Immunsystem griff die eigenen Zellen an. "Die Schleimhäute, Augen und die Nase waren betroffen. Mein Mund war wie eine große Wunde und ich konnte nichts essen", schilderte Tande.

Der Norweger hatte Glück, dass er die Symptome schnell realisierte und einen Arzt aufsuchte. "Wäre ich nicht so schnell ins Krankenhaus gekommen, hätten sich die Blasen über die Haut ausgebreitet. Mir wurde gesagt, dass die Sterblichkeitsrate bei 30 Prozent liegt, wenn die Bläschen mehr als zehn Prozent des Körpers bedecken."

Tande verbrachte eineinhalb Wochen im Krankenhaus und konnte durch die Krankheit kaum Nahrung zu sich nehmen. Die Folge war ein ordentlicher Gewichtsverlust und eine mehrmonatige Trainingspause.

Mit Ehrgeiz kämpfte sich der manchmal in Norwegen wie ein Popstar gefeierte Tande zurück. 2020 errang er in Planica zum dritten Mal in Folge WM-Gold im Team. Nichtsahnend, dass ihn wenige Monate später am selben Ort ein schwerer Sturz in Lebensgefahr bringen würde.

Doch wenn sich jemand zurückkämpft, dann Daniel Andre Tande.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..