Kriechmayr gewinnt Lauberhorn-Abfahrt in Wengen

Kriechmayr gewinnt Lauberhorn-Abfahrt in Wengen Foto: © GEPA
 

Der große Sieger des Abfahrts-Klassikers am Lauberhorn in Wengen heißt Vincent Kriechmayr!

Der Doppel-Weltmeister sticht bei traumhaften Bedingungen im Schatten von Eiger, Mönch und Jungfrau ohne echte Trainingsfahrt und mit Ausnahme-Genehmigung nach seiner Corona-Infektion alle Top-Favoriten aus. Kriechmayr gewinnt auf der 4,5 Kilometer langen und kräfteraubenden Abfahrt 0,34 Sekunden vor Lokalmatador Beat Feuz sowie Dominik Paris (+0,44).

Für Kriechmayr ist es der erste Sieg im Olympia-Winter, der zehnte Weltcup-Erfolg insgesamt sowie der zweite Lauberhorn-Sieg nach 2019. Siegerliste Abfahrt Wengen >>>

"Ich wollte gestern natürlich mehr zeigen, bin aber da schon oft runtergefahren. Es war so eine "jetzt erst recht"-Fahrt heute. Die anderen sind immer am Limit, das habe ich heute auch versucht. Langentrejen habe ich mir bei Beat gestern abgeschaut, das ist mir heute gut gelungen. Von ganz oben zu gewinnen, ist schon etwas Besonderes", sagt Kriechmayr im ORF-Interview.

Der Gesamtweltcup-Leader und Schweizer Publikumsliebling Marco Odermatt verpasst bei seiner ersten Lauberhorn-Abfahrt über die volle Distanz das Podest als Vierter lediglich um zwei Hundertstel. Matthias Mayer wird als zweitbester Österreicher Fünfter (+0,51).

Freitag-Sieger Aleksander Aamodt Kilde findet diesmal nicht die optimale Linie und muss sich mit Platz sieben (+0,98) begnügen. Die Führung im Abfahrts-Weltcup muss der Norweger (305) an Paris (316) abgeben.

Die übrigen Österreicher präsentieren sich mannschaftlich geschlossen stark: Otmar Striedinger, Max Franz und Daniel Hemetsberger belegen die Plätze neun bis elf. Daniel Danklmaier wird 15.

Carlo Janka (SUI) scheidet bei seiner Abschieds-Vorstellung im Weltcup aus.

Ergebnis der Lauberhorn-Abfahrt >>>

Weltcup-Stände >>>

Causa Kriechmayr sorgt für hitzige Diskussionen

Dass Kriechmayr im Klassiker überhaupt seinen zehnten Weltcupsieg ins Visier nehmen konnte, war im Vorfeld emotional diskutiert worden. Aus der Corona-Quarantäne kommend, war der Oberösterreicher verspätet und nach den Abfahrtstrainings im Berner Oberland eingetroffen. Einen Lauf - präziser: einen Trainingsstart - schreibt das Regelwerk für den Rennstart verpflichtend vor. Eine Juryentscheidung machte es aber möglich, dass Kriechmayr am Freitagmorgen vor der ersten Abfahrt aus dem Starthaus ging, nach wenigen Metern abschwang und zur normalen Streckenbesichtigung überging.

Tags darauf gelang Kriechmayr auf wesentlich längerer Strecke und Top-Geschwindigkeiten bis zu 150 km/h in 2:26,09 Minuten sein erster Saisonsieg und sein zweiter Wengen-Erfolg nach 2019. Auch damals hatte er vor Feuz triumphiert. Österreichs Skiverband baute mit dem 18. Erfolg in einer Wengen-Abfahrt seine statistische Vormachtstellung aus - "Verfolger" Schweiz hält bei zwölf.

Kriechmayr stahl Feuz dessen vierten Wengen-Sieg, der Solo-Rekord-Erfolg des Schweizers auf der Traditionsstrecke ist aufgeschoben. Leichte Fehler, etwa beim Silberhornsprung, waren ausschlagend. Auch Vortagessieger Aleksander Aamodt Kilde (7.) war früh geschlagen, der Norweger verpatzte die Einfahrt ins Kernen-S, in dem auch Odermatt neuerlich ans Limit ging, jedoch ebenso nicht gänzlich fehlerfrei herauskam.

Kriechmayr bewältigte das Kriterium besser als am Freitag, legte auch diesmal eine abgespeckte Schneepflug-Version ein - die sich als schnell erwies. Mit der wohl besten Linie aller Topleute machte der Oberösterreicher auch einigen Rückstand wett, den er auf dem von ihm unerprobten oberen Streckenteil aufgerissen hatte.

Mayer hadert mit der Zielkurve

Matthias Mayer meinte, dass er an gewissen Stellen zu viel Platz gelassen habe. "Es war ähnlich wie gestern wieder die Zielkurve, wo ich heute wieder so drei Zehntel verloren habe, wo sicherlich das Podest drinnen gewesen wäre. Ich weiß, was es ist. Es ist nicht lange zu suchen."

Max Franz befand, es sei ihm diesmal nicht so leicht von der Hand gegangen. "Unter mir war es ein bisschen unruhiger und schlagiger, das hat mir einfach die letzten Tage besser gefallen. Die Startkurve hat ich schon viel gekostet."

Hemetsberger musste dem hohen Substanzverlust auf der fordernden Strecke Tribut zollen. "Es war relativ klar, dass meine Kräfte am Ende sein werden. Ich habe ungelogen nach 30 Sekunden schon brutalst geschnauft und mir gedacht: Wie soll ich da runterkommen?", erzählte der Vierte vom Vortag. "Ich habe halt vorher ein bisschen Schnupfen gehabt. Ich war mehrmals Corona testen, es war nicht Corona. Das ist heute ein bisschen durchgeschlagen."


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