DJ, Model & Ski-Star: Das Leben von "Paradiesvogel" Braathen
Zwischen zwei Welten
Als Sohn eines Norwegers und einer Brasilianerin ist er 21 Mal in seinem Leben umgezogen. Nach der Trennung seiner Eltern im Alter von drei Jahren lebte Braathen zuerst bei seiner Mutter in Brasilien, dann beim Vater in Norwegen.
Schon früh lernte er, zwischen zwei Welten zu leben – sprach Portugiesisch und Norwegisch, fühlte sich mit beiden Kulturen verbunden.
Sein Vater brachte ihn auch zum Skifahren. Lange Zeit war es nur ein Hobby, vergleichsweise spät, mit neun Jahren, wurde die Rennfahrer-Karriere in Angriff genommen.
"Musste für andere Skifahren, nicht für mich"
Ab da ging es schnell: Mit seinem ersten Sieg in Sölden 2020 kam er endgültig an der Weltspitze an. Der Erfolg in Levi war sein insgesamt sechster Weltcup-Sieg, in der Saison 2022/23 gewann der heute 25-Jährige die Slalom-Kristallkugel.
Trotz des Erfolges konnte sich Braathen, damals noch für den norwegischen Verband unterwegs, nie so richtig entfalten. "Ich musste für andere Skifahren, nicht für mich. Ich konnte mein volles Potenzial nicht ausschöpfen", sagt der Technik-Spezialist rückblickend.
"Um eine Inspiration für andere zu sein, musst du authentisch sein."
Es folgte im Herbst 2023 der überraschende Rücktritt. Braathen war ausgebrannt von Strukturen, die ihm zu eng erscheinen, von Regeln, die zu wenig Individualität zulassen, von einem System, das in seinen Augen wenig Raum für Kreativität hat.
Der "bunte Vogel", der lange Zeit aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes - er lackiert sich die Fingernägel bunt, trägt Röcke - polarisierte, wollte sich nicht in eine Schublade stecken lassen.
Braathens Mission
Mit seinem Comeback unter brasilianischer Flagge startete Braathen auch in eine Mission: Er will verändern – den Sport, den Zugang dazu, und vielleicht auch ein wenig die Denkweise jener, die ihn ausüben.
"Um eine Inspiration für andere zu sein, musst du authentisch sein", sagte Braathen erst vor wenigen Wochen. "Brasilien hat mich so akzeptiert, wie ich bin."
Und so nutzte er auch den Moment, in dem er Ski-Geschichte geschrieben hat, für eine Botschaft: "Ich hoffe, dass ich die Leute inspirieren kann, einen eigenen Weg zu gehen."