Kriechmayr: "Dann musst du Kitz gewinnen"

Kriechmayr: Foto: © GEPA
 

„Ich habe bei der Siegerehrung nur ein Bier getrunken.“

Damit war der Sieg bei der prestigeträchtigen Abfahrt in Wengen am vergangenen Wochenende für Vincent Kriechmayr auch schon wieder abgehakt - und der Fokus auf Kitzbühel gerichtet.

„Kitzbühel ist die schwierigste Abfahrt, da muss ich mit dem Schädl voll da sein. Ich kann mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen, Kitzbühel braucht 100 Prozent Konzentration“, sagt Kriechmayr.

Dass er nach dem Sieg am Lauberhorn auch in der Abfahrt auf der Streif zum Kreis der Topfavoriten zählt, liegt auf der Hand. Die Psycho-Spielchen der Konkurrenz und die gesteigerte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nimmt Kriechmayr mittlerweile gelassen, als der große Gejagte sieht sich der 27-Jährige nicht.

"Es ist eh normal, dass wenn man gewinnt, man der Favorit fürs nächste Rennen ist und ein bisschen in die Rolle gedrängt wird. Natürlich war ich das letzte Mal der Schnellste, aber es geht von Neuem los. Ich muss mich aufs Neue beweisen“, sagt Kriechmayr.

Der Oberösterreicher weiß seine Fähigkeiten sehr wohl selbst einzuschätzen: „Es gibt in Kitzbühel einige Favoriten und ich zähle mich selbst auch dazu. Ich komme sicher mit einer breiten Brust hierher.“

"Ich muss mich am Limit bewegen"

Seit er sich vom Platz- zum Siegfahrer entwickelt hat, hat Kriechmayr ein noch größeres Selbstvertrauen und ein anderes Selbstverständnis, ohne dabei überheblich zu wirken. Der Bauern-Sohn, der an rennfreien Tagen auch mal beim Stall-Ausmisten hilft, ist trotz des sportlichen Aufstiegs bescheiden geblieben. Diese Bescheidenheit endet jedoch im Starthaus.

„Natürlich habe ich eine gewisse Klasse, aber ich muss mich schon am Limit bewegen, damit ich die Konkurrenz in Schach halten kann. Man muss das letzte Hemd riskieren, wenn man vorne dabei sein will. Auf der Streif hat immer der gewonnen, der am letzten Zacken war und alles gut erwischt hat“, weiß Kriechmayr.

So wie Stephan Eberharter. Die legendäre Siegfahrt des Tirolers 2004 (Eberharter im Interview) schaue er sich heute noch gerne an, erzählt Kriechmayr, der sich Eberharter zum Vorbild nimmt.

"Wenn man einer der besten Abfahrer der Geschichte sein will, dann muss man Kitzbühel auf jeden Fall gewinnen."

Damals wie heute ist ein Sieg auf der Streif der Ritterschlag für jeden Abfahrer.

„Jeder kennt die Namen, die hier schon gewonnen haben, es ist das wichtigste Rennen im Weltcup. Wenn man einer der besten Abfahrer der Geschichte sein will, dann muss man Kitzbühel auf jeden Fall gewinnen.“ Diesen Anspruch stellt Kriechmayr an sich selbst.

Das spricht für Kriechmayr

Obwohl er immer mit einer „großen Freude“ nach Kitzbühel kommt, hat es für einen absoluten Spitzenplatz bis jetzt noch nicht gereicht. Auf Rang 28 beim Streif-Debüt 2015 folgten die Plätze 7 und 11. Im Vorjahr "vermasselte" er die Abfahrt im unteren Teil und wurde hinter Thomas Dreßen, Beat Feuz und Hannes Reichelt Vierter. Im ersten Training 2019 belegte er Rang 10. 

Foto: © GEPA

„Natürlich möchte ich zeigen, dass ich hier ganz oben stehen kann“, sagt Kriechmayr. Für ihn spreche, „dass ich mich gut fühle. Und normalerweise ist der Wengen-Sieger in Kitzbühel auch immer recht stark. Das hoffe ich auch für mich“.

Die Streif sei eine ganz andere Strecke als in Wengen, liege ihm aber grundsätzlich. „In Kitzbühel fehlerfrei runterkommen ist nicht leicht, wenn man sich am Limit bewegt. Ich müsste halt einmal die Leistung von oben bis unten runterbringen.“

"Runterfahren alleine funktioniert bei mir nicht"

Seine Fehleranfälligkeit kostete Kriechmayr in der Vergangenheit schon den ein oder anderen Sieg. Der Oberösterreicher will aber nicht zurückschauen, sieht das als „gefährlich“ an.

„Ich möchte mich verbessern. Der Skisport steht ja nicht still, die Konkurrenz wird besser, deshalb muss ich auch den nächsten Schritt machen. Darum schaue ich nicht zurück oder mir an, wie ich letztes Jahr gefahren bin. Ich schaue, was ich besser machen kann“, erklärt Kriechmayr.

"Runterfahren alleine funktioniert bei mir nicht, ich muss das letzte Hemd riskieren. Natürlich passieren da hin und wieder Fehler, aber nur so kann ich schnell sein."

Seine gute Technik - Beat Freuz bezeichnete ihn als den technisch stärksten aller aktuellen Speed-Fahrer - alleine reicht nicht. 

„Mir ist klar geworden, runterfahren alleine funktioniert bei mir nicht, ich muss das letzte Hemd riskieren. Natürlich passieren da hin und wieder Fehler, aber nur so kann ich schnell sein“, sagt Kriechmayr. „In Kitzbühel ist Angriff die beste Verteidigung, genau so werde ich es anlegen.“

Kein Tanz mit nacktem Oberkörper

Geht die Taktik auf und Kriechmayr gewinnt nach Wengen tatsächlich auch in Kitzbühel, wäre er der erste Athlet seit zehn Jahren, dem das gelingt. 

Dafür würde der 27-Jährige seinen Aufenthalt in der Gamsstadt gerne freiwillig verlängern. „Ich habe mir den Slalom ehrlich gesagt noch nie angeschaut. Aber ich glaube, wenn ich in der Abfahrt bei der Siegerehrung dabei bin, also in den Top 3, dann bin ich sicher am Sonntag noch da“, grinst Kriechmayr. 

Eine exzessive Feier wird es aber wohl auch im Fall eines Streif-Sieges nicht geben. Zumindest werde er sicher nicht wie einige andere Kitz-Sieger in der Vergangenheit mit nacktem Oberkörper in einer Bar tanzen, sagt Kriechmayr. „Ich präsentiere mich nicht so gerne.“

Mehr als ein Bier bei der Siegerehrung würde es dann aber wohl doch werden….

Ergebnis des 1. Abfahrts-Trainings>>>

Programm und Infos zu den Hahnenkamm-Rennen>>>

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..