Odermatt: "Jetzt zeigt sich, Hirscher hatte Recht"

Odermatt: Foto: © GEPA
 

Marco Odermatt ist im Kreis der ganz Großen angekommen. Mit nur 24 Jahren darf sich der Schweizer Olympiasieger und bald wohl auch Gesamtweltcupsieger nennen.

Am kommenden Wochenende kann Odermatt beim Riesentorlauf-Doppel in Kranjska Gora den Gewinn seiner ersten großen Kristallkugel fixieren. Er liegt aktuell 189 Punkte vor Aleksander Aamodt Kilde, der die Rennen in Slowenien aber wohl auslassen wird.

Auch im Riesentorlauf-Weltcup liegt Odermatt so gut wie uneinholbar an der Spitze. Sein Vorsprung auf die Verfolger Manuel Feller und Henrik Kirstoffersen liegt bei noch drei ausstehenden Rennen bei über 200 Punkten. Weltcup-Stände >>>

Dass "Odi", wie er von seinem Umfeld genannt wird, einmal derart erfolgreich wird, war zu Beginn seiner Ski-Karriere nicht unbedingt so klar.

"Er war nie das begnadete Supertalent", erzählt Marcel Perren, Journalist beim Schweizer "Blick" und Odermatt-Insider, gegenüber LAOLA1.

Als Odermatt vier Sekunden Rückstand hatte

Bei seinen ersten internationalen Rennen fuhr Odermatt, der mit zwei Jahren erstmals auf Skieren stand, mit seinen dünnen Beinen der Konkurrenz deutlich hinterher. Beim berühmten "Trofeo Topolino", einem der wichtigsten Nachwuchs-Bewerbe, verlor der Schweizer einst bis zu vier Sekunden auf Sieger Albert Popov aus Bulgarien.

Odermatts Vater dachte sich damals, sein Sohn würde gegen Popov nie eine Chance haben.

Mittlerweile fahren Odermatt und Popov gemeinsam im Weltcup, jetzt ist es aber der Bulgare, der das Nachsehen hat.

Papa Odermatt sorgt für Ski-Revolution

Einen großen Anteil daran, dass aus Odermatt trotz der anfänglichen Bedenken doch noch ein mehr als guter Skifahrer geworden ist, hat vor allem sein Vater Walter.

Der gelernte Ingenieur, der früher selbst FIS-Rennen fuhr, hat 2003 bei den Schweizer Behörden eine Begabten-Förderklasse durchgesetzt. In der Schule in Hergiswil im Kanton Nidwalden, der Heimat der Odermatts, können seither Jugendliche ab dem 11. Lebensjahr den Skisport professionell ausüben.

"Er hat in dem kleinen Kanton Nidwalden die Ski-Revolution ausgelöst", sagt Perren über Odermatt senior.

Der kleine Kanton hat seither eine ganze Reihe von Weltcup-Athleten "produziert". "Die haben aktuell mehr im Weltcup als der Mega-Kanton Bern", erklärt der Journalist.

Marco Odermatt war neben Reto Schmidiger einer der ersten, der von der Ausbildung in Hergiswil profitierte. Seine Matura legte Odermatt in der renommierten Sportschule in Engelberg ab.

Das erste Mal so richtig in den Blick der (Ski-)Öffentlichkeit fuhr der Allrounder bei der Junioren-WM 2018 in Davos, wo er fünf Goldmedaillen abräumte. Bis auf den Slalom gewann er in allen Einzel-Disziplinen sowie im Mannschaftsbewerb.

Odermatts Rennintelligenz

Schon in jungen Jahren wurde darauf Wert gelegt, den Skifahrer Odermatt nicht zu verformen und seinen Instinkt zu erhalten.

Sein Vater schickte ihn regelmäßig ins hügelige Gelände zum Freifahren – das kommt Odermatt jetzt in brenzligen Situationen, aus denen er sich immer wieder befreien kann, zugute.

Odermatt verfügt außerdem über eine hohe Rennintelligenz. "Er zieht aus jedem Training die richtigen Schlüsse und kann im Rennen immer eine ordentliche Schippe drauflegen, aber ohne übers Limit hinauszuschießen", sagt Perren.

Und: "Er ist mental unheimlich stark. Er ist sehr entspannt. Man sieht, dass er gut mit dem Druck umgeht, sonst würde er nicht gewinnen."

Odermatts Trainer berichten davon, dass er zudem ein akribischer Arbeiter ist und Sachen bis ins Detail hinterfragt.

Der Tiroler Helmut Krug, RTL-Gruppentrainer der Schweizer, erklärt: "Marco trifft im Vorfeld des Rennens die richtigen Entscheidungen und auch im Rennen selbst trifft er im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen."

"Jetzt zeigt sich, dass Hirscher richtig lag"

Man erkennt hier und da Parallelen zu Marcel Hirscher. Der achtfache Gesamtweltcupsieger prophezeite Odermatt schon nach seinem 10. Platz im RTL in Adelboden 2019 eine große Zukunft.

"Marcos Vater hat damals Angst gehabt, dass ein Erwartungs-Tsunami auf seinen Sohn hereinbricht, an dem er knicken könnte."

Hirschers Lobeshymne kam bei Papa Odermatt nicht gut an

"Er kann Gesamtweltcupsieger werden, Olympiasieger und was alles möglich ist. Potenzial hat der für ganz vieles", meinte Hirscher damals im Schweizer TV – und zog damit prompt den Ärger von Walter Odermatt auf sich.

"Das sind natürlich blöde Worte. Wenn man weiß, wie schmal der Grat ist, sind das die falschen Ausdrücke", monierte Papa Odermatt.

"Marcos Vater hat damals Angst gehabt, dass ein Erwartungs-Tsunami auf seinen Sohn hereinbricht, an dem er knicken könnte", weiß Perren, der einen guten Kontakt zu Familie Odermatt pflegt.

Doch Odermatt ist trotz seines rasanten Aufstiegs nie abgehoben. Gewinnt er, macht er kein großes Theater darum, läuft es mal nicht so, gibt er sich reflektiert. Der Erfolg ist trotzdem da.

"Jetzt zeigt sich, dass Hirscher richtig lag", sagt Perren.

Odermatt und die 400-Euro-WG

Auch wenn er sich nun Olympia- und bald Gesamtweltcupsieger nennen darf – Odermatt wird wohl nie vergessen, wo er her kommt.

Jettet er nicht mit dem Privatflieger seines Sponsors Red Bull von einem Weltcup-Ort zum nächsten, wohnt der 24-Jährige in seiner Heimat mit einem seiner besten Freunde, Gabriel Gwerder, in einer WG, die ihn monatlich keine 400 Euro kostet.

In Stans im Kanton Nidwalden haben sich die beiden in Corona-Zeiten in den Räumlichkeiten einer großen Firma, die Landwirtschaftsmaschinen vertreibt, eine Kraftkammer eingerichtet, wo vor allem im Sommer geschwitzt und der Grundstein für die Erfolge im Winter gelegt wird.

Für "Odi" gibt es aber nicht nur Training und Rennen, der 24-Jährige legt großen Wert auf einen Ausgleich zum Skifahren. So besitzt er etwa den Bootsschein und ist auch bekannt dafür, dass er es nach einer erfolgreichen Saison auch mal abseits der Piste richtig krachen lassen kann.

Gründe zu feiern hat er nach diesem Winter ja einige.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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