Olympia: Ski-Freestyler greifen erstmals in die Trickkiste
Matej Svancer möchte in Italien seine Erfahrungen, die er seit dem letzten Olympia-Einsatz gesammelt hat, anwenden. Lara Wolf hat noch eine Rechnung offen. Bei Julius Forrer steht der Spaß im Vordergrund.
Österreichs Ski-Freestyler dürfen in der Slopestyle-Qualifikation am Samstag erstmals bei Olympia 2026 ihre artistischen Einlagen zeigen.
Matej Svancer und Lara Wolf sind die beiden Aushängeschilder der heimischen Zweibrett-Sparte. An guten Tagen ist ihnen im olympischen Snowpark von Livigno der Sprung ins Finale und an perfekten Tagen eine Medaille zuzutrauen.
Beide hoffen auf ein positiveres Erlebnis als vor vier Jahren bei den Corona-Spielen in China.
Überzogene Erwartungshaltung
Die größte Sportbühne der Welt hatte Svancer 2022 überfordert. "Ich kam mir vor wie ein kleiner Fisch im großen Glas, der von allen beobachtet wird", sagte der damals 17-jährige Shootingstar, der die in ihn gesetzten Medaillenhoffnungen nicht erfüllen konnte.
Auch vier Jahre danach spricht Svancer von einer überzogenen Erwartungshaltung. "Ich habe mir selber Druck gemacht, weil mir Leute von außen Druck gemacht haben. Ich habe lange gebraucht, bis ich verstanden habe, dass ich es eigentlich für mich tue und nicht für euch Medien – obwohl ich euch alle gern habe."
Dabei sei Platz acht im Slopestyle für ihn "ganz groß" gewesen, das Top-Ten-Ergebnis hat sich auch ausgezahlt. "Ich bin von der Sporthilfe gesponsert worden, das war geil."
Svancer als Szenegröße zu seinen zweiten Spielen
Mittlerweile ist der gebürtige Tscheche, der den regelmäßigen Skiurlaub mit seinen Eltern in Kaprun im Alter von zehn Jahren zu einem Daueraufenthalt werden ließ, eine Fixgröße in der Szene. 2025 wurde er als erster österreichischer Freeskier Weltcup-Gesamtsieger in der Kategorie "Park & Pipe".
Dem Großereignis in Italien schaut er ganz anders entgegen. "Natürlich habe ich mehr Erfahrung als vor vier Jahren. Die werde ich auch anwenden." Aufgrund einer Fersenprellung konnte Svancer in den vergangenen Monaten nur reduziert trainieren und wettkämpfen. "Ich spüre sie immer noch, es wird wahrscheinlich nie wieder gut sein. Aber es ist fahrbar."
Im Slopestyle gilt es, möglichst stilbewusst einen Parcours aus Kickern (Sprünge) und Rails (Geländer) zu bewältigen. "Ich würde behaupten, dass mir Slopestyle mehr Spaß machen wird. Es wird ein geiler Kurs", sagte Svancer vor der Qualifikation (ab 14:00, Frauen/10:30).
Dabei seien die Rails gleich hoch wie er selbst, meinte das 1,64 m kleine Springinkerl. Er habe sich einen spannenden "Run" zusammengebastelt. "Kreativer als beim Weltcup." Bei den jüngsten zwei Bewerben im Weltcup wurde er Erster und Zweiter.
Wolf zurück auf größter Bühne
Auch Lara Wolfs Generalprobe glückte mit Platz drei in Laax. 2023 hatte die Tirolerin ihre Karriere bereits beendet, startete vor einem Jahr aber noch einmal durch. Mit WM-Silber im Slopestyle 2025 schaffte sie ein beeindruckendes Comeback.
Das nun folgende Großereignis war der Hauptgrund für ihre Rückkehr. "Ich will einfach die Revanche", sagte Wolf, die sich bei Olympia bisher unter Wert geschlagen sieht. "Keine Sportlerin fährt zu Olympia, um nur dabei zu sein. Also ich beim dritten Mal sicher nicht." Ihr bestes Olympia-Ergebnis ist Platz 14 im Slopestyle (2022).
Der Abstand habe ihr gutgetan, um einen neuen Zugang zu ihrem Sport zu bekommen. "Ich bereue es nicht. Ich bin mental nun viel stärker", sagte die 25-Jährige. "Ich habe mich in der 'Sport-Pension' anderweitig weitergebildet, habe studiert und als Fitnesstrainerin gearbeitet. Ich wollte einfach ein ganz normales Leben führen."
Die Zeit im Park habe sie einige Zeit gar nicht vermisst, doch dann kitzelte es wieder. "Ich habe gemerkt, das erfüllt mich so sehr. Ich wollte einfach sehen, wozu es noch reicht."
Olympiadebütant Forrer
Für eine Topplatzierung muss auch sie den Gusto der Juroren treffen. "Unser Sport wird von Judges, von Menschen beurteilt. Wenn es einem nicht gefällt, wirst du die Punkte einfach nicht kriegen", sagte Wolf, die etwa Chinas Star Eileen Gu oder Weltmeisterin Mathilde Gremaud aus der Schweiz ärgern will.
Komplettiert wird das rot-weiß-rote Slopestyle-Trio von Julius Forrer. Für ihn lief es aber in der zweiten Disziplin Big Air zuletzt besser. Eine Qualifikation des 25-jährigen Zwirbelbartträgers für das 12er-Finale im Slopestyle wäre eine Sensation. "Ich möchte einfach Spaß haben", sagte der Vorarlberger vor seinem Olympia-Debüt.