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Die internationalen Tops & Flops in Mailand/Cortina

Johannes Hösflot Kläbo räumt alle Goldmedaillen ab. Bei den Alpinen schreiben Federica Brignone, Franjo von Allmen und Lucas Braathen besondere Geschichten.

Die internationalen Tops & Flops in Mailand/Cortina Foto: © GEPA

Die Olympischen Winterspiele in Mailand/Cortina sind Geschichte.

In den vergangenen zweieinhalb Wochen wurde besondere Geschichten geschrieben, nicht alle waren von Erfolg gekrönt.

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Das waren die internationalen Tops und Flops der Olympischen Spiele 2026:

Die Tops

Federica Brignone: Die italienische Skirennläuferin schreibt ein Wintermärchen. Nur zehn Monate nach ihrem komplizierten Unterschenkelbruch rast die Gesamtweltcupsiegerin 2024/25 unter anhaltenden Schmerzen auf der Tofana zu Super-G-Gold. Mit Gold im Riesentorlauf krönt sie sich endgültig zur Königin der Alpinbewerbe in Cortina d'Ampezzo. Mit ihren 35 Jahren und knapp sieben Monaten wird sie die älteste Gold-Gewinnerin der Geschichte bei den Alpinen.

Alysa Liu: Die 20-jährige US-Amerikanerin verzückt die Eiskunstlauf-Welt mit ihrer Erscheinung und ihrem Können. Wichtiger als das Gold um den Hals ist ihr, ihre Geschichte zu erzählen. "Was ich brauchte, war die Bühne", sagt die Tochter eines chinesischen Einwanderers. Ihre Geschichte ist facettenreich: Bereits international erfolgreich beendet sie mit 16 Jahren ihre Karriere. Sie kehrt zurück und wird 2025 auf Anhieb Weltmeisterin. Und nun Olympiasiegerin mit dem Team und im Einzel.

Johannes Hösflot Kläbo: Der Langlauf-Topstar aus Norwegen schreibt erneut Sportgeschichte: Mit sechs Goldmedaillen und seinem insgesamt elften Olympiasieg etabliert sich der 29-Jährige als erfolgreichster Wintersportler der Geschichte, womit er seine namhaften Landsleute Marit Björgen, Björn Dählie und Ole Einar Björndalen hinter sich lässt.

Franjo von Allmen: Der 24-jährige Schweizer wird mit Gold in der Abfahrt, dem Super-G und der Teamkombination (mit Tanguy Nef) zum Superstar der Alpinen bei diesen Winterspielen. Er tritt damit in die Fußstapfen von Toni Sailer (1956 in Cortina d'Ampezzo) und Jean-Claude Killy (1968 in Grenoble), die bisher die beiden einzigen Männer waren, die bei ein und denselben Winterspielen drei Goldmedaillen gewonnen haben. Generell räumt das Schweizer Männer-Team wie bei der WM 2025 in Saalbach groß ab.

Lucas Pinheiro Braathen: Der Brasilo-Norweger ist der einzige Skirennläufer, der die Schweizer Dominanz bricht. Mitten in die Zeit des Karnevals, der bekanntlich in Rio de Janeiro ausgelassen zelebriert wird, liefert er den Massen einen Grund zum Feiern, mit dem sie nicht gerechnet hätten. Denn Braathen fährt am 14. Februar im Riesentorlauf zu Gold und schwingt sich damit zum ersten Winter-Medaillengewinner aus einem südamerikanischen Land auf.

Mikaela Shiffrin: Der Alpin-Superstar aus den USA gewinnt Gold im Slalom - zwölf Jahre nach ihrem ersten Olympia-Triumph in dieser Disziplin, was zuvor noch niemand geschafft hat. Für Shiffrin ist es die erste Olympia-Medaille seit 2018, nachdem sie in Peking 2022 zwar in sechs Bewerben angetreten, aber leer ausgegangen war.

Norwegens Goldrausch: 18 Goldmedaillen für ein Land sind neuer Rekord bei Winterspielen. Norge übertrifft die eigene Bestmarke von Peking 2022 (16), Langläufer Kläbo ist auch daran nicht unbeteiligt. Die Norwegerinnen und Norweger holen in Italien zudem zwölfmal Silber und elfmal Bronze. Im Medaillenspiegel hat das skandinavische Land zum vierten Mal in Folge bei Winterspielen die Nase vorne - und das klar.

Team Italia: Die Gastgeber knacken ihren Olympia-Medaillenrekord bei Winterspielen. Zehnmal Gold, sechsmal Silber und 14 Bronzemedaillen gibt es für die Squadra in der Heimat. Der bisherige Rekord stand von 1994 in Lillehammer mit sieben Goldmedaillen und insgesamt 20 Mal Edelmetall. Herausragend sind Alpinskiläuferin Brignone und Eisschnellläuferin Francesca Lollobrigida mit je zweimal Gold sowie Short-Trackerin Arianna Fontana, die eine Gold- und zwei Silbermedaillen holt. Die 35-Jährige ist nun die meistdekorierte italienische Sportlerin überhaupt unter den Fünf Ringen.Schwarz-Rot-Gold im Eiskanal: In allen zwölf Rennen auf der Bahn Eugenio Monti gewinnen deutsche Schlitten zumindest eine Medaille. Im Rodeln sind die Deutschen mit dreimal Gold die Nummer eins, in den drei Skeleton-Bewerben bleiben sie zwar ohne Gold, räumen aber alle Silber- und Bronzemedaillen ab. Im Bob folgen nach dem Dreifachsieg im Männer-Zweier und Silber im Monobob noch Doppelerfolge im Frauen-Zweier und Männer-Vierer. In zwölf Entscheidungen im Eiskanal gibt es in Summe damit 19 Medaillen für Deutschland.

Frankreichs Biathleten: Quentin Fillon Maillet, Julia Simon und Co. liefern in Antholz eine Show ab. Frankreich entscheidet mit Männer-, Frauen- und Mixed-Staffel alle drei Teambewerbe für sich und stellt die Konkurrenz aus Norwegen, Schweden, Deutschland und Italien in den Schatten. Insgesamt sechs Goldmedaillen, vier Silberne und drei Bronzene sammelt die französische Equipe.

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Die Flops

Helm-Affäre: Sportpolitische Debatten überschatten den Skeletonbewerb der Männer und führen zum Ausschluss von Wladislaw Heraskewytsch. Der Ukrainer will mit einem Helm fahren, auf dem die Porträts von im russischen Angriffskrieg getöteten Sportkolleginnen und -kollegen abgebildet sind. Das widerspricht laut IOC dem Regulativ, wonach politische Botschaften an den Wettkampfstätten untersagt sind. Wie emotional aufgeladen die Stimmung ist, zeigen Tränen von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry nach einem Gespräch mit Heraskewytsch. Sie erwirkt bei ihrem eigenen Komitee, dass dem Athleten zumindest die Akkreditierung für die Winterspiele nicht entzogen wird.

Bormio: Kein Olympia-Trubel erweckt das Städtchen, es bleibt auch während der Spiele verschlafen. Touristen halten sich weitgehend fern. Weil die alpinen Ski-Frauen separat und 135 Kilometer entfernt in Cortina auf Medaillenjagd gehen, kommt in Bormio nicht einmal die Stimmung einer Ski-WM auf. Auf den Zuschauerrängen ist die Atmosphäre gut, auch das Skibergsteigen begeistert.

Ilia Malinin: Der Eiskunstläufer wird als "Vierfach-Gott" bezeichnet, muss aber ausgerechnet bei Olympia seine erste Niederlage seit über zwei Jahren einstecken. Der 21-jährige US-Amerikaner führt nach dem Kurzprogramm noch, verpatzt danach aber seine Kür und wird nur Achter. Für das Schaulaufen kehrt er mit einem emotionalen Programm auf das Eis von Mailand zurück.

Vonns Alptraum: Skirennläuferin Lindsey Vonn versuchte ein historisches Comeback in Cortina bei ihren fünften Spielen, doch ihr großer Traum vom Gold-Gewinn mit 41 Jahren platzt. Die US-Amerikanerin stürzt in der Abfahrt bereits nach 12 Sekunden und erleidet einen komplexen Schienbeinbruch. Vonn benötigt mehrere Operationen, ob sie noch einmal in den Sport zurückkehren kann, ist mehr als fraglich.

Deutsche Biathleten und Kombinierer: Zum ersten Mal in der Geschichte der Olympischen Winterspiele bleiben sowohl die deutsche Biathlon-Frauen-Staffel als auch jene der Männer ohne Olympiamedaille. Auch in den Einzelbewerben geht die stolze Biathlon-Nation leer aus. Lediglich in der Mixed-Staffel schaut Bronze hinter Frankreich und Italien heraus. Für die deutschen Kombinierer gibt es in drei Bewerben erstmals seit 28 Jahren sogar eine Nullnummer. Im Teamsprint stürzt Vinzenz Geiger im Kampf um die Medaillen im Tiefschnee von Tesero.

Laegreids Seitensprung: Nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Biathlon-Einzelrennen über 20 km gesteht der norwegische Biathlet Sturla Holm Laegreid in aller Öffentlichkeit, seine Freundin betrogen zu haben. Die pikante Beichte, vor allem aber der Zeitpunkt, löst eine Menge Kritik aus. Im Nachgang ist der Seitensprung das beherrschende Thema, der Olympiasieg von Laegreids Landsmann Johan-Olav Botn geht fast unter. "Ich war ein bisschen in meiner eigenen Welt", sagt Laegreid, der mit fünf Medaillen sportlich höchst erfolgreich war.

Eistanz-Kontroverse: Eine Ausreißer-Bewertung des französischen Preisrichters führt dazu, dass das favorisierte US-Team Madison Chock und Evan Bates auf Silber statt Gold landet. Olympiasieger im Eistanz werden ausgerechnet die Franzosen Laurence Fournier Beaudry und Guillaume Cizeron. Trotz heftiger Kritik und Rufen nach Transparenz bei der Punktevergabe erklärt der Weltverband ISU, dass eine große Bandbreite an Punktzahlen unter mehreren Preisrichtern normal sei.

Schwedens Langlauf-Männer: Vom einstigen Glanz der Tre Kronor in den Loipen ist wenig übrig. Das Team um die Hoffnungsträger William Poromaa und Edvin Anger geht zum dritten Mal in Folge bei Olympischen Spielen leer aus. Die schwedischen Frauen dagegen sind in Tesero die dominante Kraft. Frida Karlsson, Ebba Andersson und Co. holen insgesamt zehn Medaillen, davon fünf von sechs möglichen in Gold. Einzig die Frauen-Staffel geht nach einem Sturz der späteren 50-km-Olympiasiegerin Andersson an Norwegen.

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