Was auf den ÖOC-Chefarzt bei Olympia zukommt
5 Mediziner, 4 Psychologen und über 30 zusätzliches medizinisches Personal sind bei Olympia im Einsatz.
Die Olympischen Spiele sind auch für das medizinische Personal des österreichischen Aufgebots ein Großeinsatz. Als Chefarzt des ÖOC-Teams fungiert wie auch schon 2022 in Peking der Salzburger Bernhard Unterkofler.
Der ehemalige ÖSV-Biathlon-Teamarzt koordiniert beim Großevent in Italien einen Stab aus 15 Ärzten, 32 Physiotherapeuten und anderen medizinischen Betreuern sowie 4 Sportpsychologen. Damit deckt man alle sechs Veranstaltungscluster und Sportsparten ab.
Das ÖOC-Medizinpersonal-Aufgebot ist in etwa gleich groß wie bei den Winterspielen vor vier Jahren in China, die Grundvoraussetzungen aber ungleich entspannter. "Der Aufwand damals war gigantisch. Es hat nachweislich einige Leidtragende gegeben, aber es war der einzige Weg, um Olympische Spiele durchzuführen", blickte Unterkofler im APA-Gespräch auf die Corona-Edition mit strengen Hygiene- und Quarantänebestimmungen zurück.
Diesmal traten im Olympiavorfeld bei öffentlichen Terminen zwar auch einige ÖOC-Sportlerinnen und Sportler mit Schutzmasken auf, strikte Regeln für alle wie seinerzeit gibt es laut Unterkofler aber nicht. Sehr wohl aber je nach Bedarf gruppenspezifische Schutzmaßnahmen in Ausdauersportarten wie Langlauf oder Biathlon.
Polikliniken und Spitäler ergänzen medizinische Versorgung
Die Ärzte des österreichischen Teams seien insbesondere in den ÖSV-Sparten Kollegen, die den Weltcupzirkus sehr gut kennen, so Unterkofler.
Sollte dennoch zusätzliche Versorgung nötig sein, würden in den Olympischen Dörfern eigens eingerichtete Polikliniken zur Verfügung stehen. Ergänzt wird das Angebot von Partnerspitälern in oder in der Nähe der Austragungsorte.
Der in Gröbming als Sport- und Präventivmediziner tätige Unterkofler betonte, dass er allerorts mit höchsten Standards rechne. Das sei in China auch der Fall gewesen, lediglich die Abwicklung im Fall eines Rennunfalls werde in Mailand/Cortina besser sein. "Das sind eingespielte Teams."
Guter Draht zu IOC-Medizinkommissionschef Schobersberger
Grundsätzlich will Unterkofler österreichische Sportler im Fall des Falles wie schon oftmals bei schweren Verletzungen im Weltcup zur Versorgung und weiteren Behandlung ehestmöglich nach Österreich bringen lassen.
"Bei Olympia ist das ein bisschen anders, aber doch irgendwie gleich. Olympia hat eine gewisse Größe und Strukturen, an die wir uns natürlich halten. Unser Bestreben ist aber angepasst an Weltcuprennen in Nachbarländern. Wenn sich jemand verletzt, so traurig das dann ist, wollen wir versuchen, schnellstmöglich eine heimatnahe Versorgung zu finden", sagte Unterkofler.
Eine Hilfe dabei sollte der direkte Draht zu Wolfgang Schobersberger sein. Der Tiroler führt bei den Winterspielen den Vorsitz der IOC Medical Expert Group.
In dieser Funktion ist Schobersberger beratend und koordinierend als Schnittstelle zwischen Teamärzten der teilnehmenden Nationen und dem italienischen Organisationskomitee tätig. "Wir haben zu Professor Schobersberger eine sehr gute Verbindung", so Unterkofler.