Gold! Brignone: "Wusste nicht, ob ich je wieder Skifahren werde"
Was für ein Ski-Märchen! 315 Tage nach ihrer Horrorverletzung ist Federica Brignone Olympiasiegerin. Dabei hat sie beinahe täglich Schmerzen.
von Daniela Kulovits
April 2025: Federica Brignone stürzt bei den italienischen Meisterschaften schwer. Die Folge: Ein Totalschaden im linken Knie. Waden- und Schienbeinkopf sind mehrfach gebrochen, das vordere Kreuzband gerissen.
315 Tage später ist Federica Brignone Olympiasiegerin. In ihrer Heimat.
Die Italienerin triumphiert im Super-G auf der Tofana und ist mit 35 Jahren und knapp sieben Monaten nun die älteste Gold-Gewinnerin der Geschichte bei den Alpinen.
"Ich habe mich als Außenseiterin gesehen", sagt Brignone nach ihrem Gold-Coup unter Tränen. "Ich dachte mir: Alles oder nichts, ich habe mit dem Start schon alles erreicht. Aber Olympiasiegerin? Damit hätte ich nie gerechnet. Es ist unglaublich."
Manche bezeichnen es als Olympia-Wunder, ein Ski-Märchen ist es definitiv.
Wettlauf gegen die Zeit
Brignones Triumph ging ein Wettlauf gegen die Zeit voraus, eine Olympia-Teilnahme war lange ungewiss. Erst im Jänner feierte "Fede" am Kronplatz ihr Comeback im Weltcup, vor den Olympischen Spiele bestritt sie nur zwei Rennen.
"Ich habe letztes Jahr nicht gewusst, ob ich je wieder Skirennen fahren werde. Deshalb war ich glücklich, dass ich überhaupt hier bin. Ich hatte keinen Druck, wollte einfach mein bestes Skifahren zeigen. Ich habe nie an ein Resultat gedacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier Gold holen kann", sagt Brignone.
Tägliche Schmerzen
Vor allem, weil ihr die Verletzung weiterhin, beinahe täglich Schmerzen bereitet.
"Ich habe vor zwei Tagen versucht Ski zu fahren und es ging nicht, weil ich solche Schmerzen hatte", gesteht die 35-Jährige. "Aber jeder Tag ist neu."
Und der Tag des olympischen Super-G war ein guter Tag. Eine Goldmedaille bei Olympia hat in Brignones Sammlung noch gefehlt.
Die Tochter der ehemaligen Skirennläuferin Maria Rosa Quario ist nun die insgesamt dritte italienische Super-G-Olympiasiegerin nach Deborah Compagnoni (1992) und Daniela Ceccarelli (2002).