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Eishockey-WM: Das große Ranking

Wer ist unser Gold-Favorit? Wer kann überraschen? Wo reiht sich Österreich ein?

Eishockey-WM: Das große Ranking Foto: © GEPA

Mitte Mai! Das heißt immer: Während draußen die Temperaturen steigen, geht es drinnen auch heiß zu. Aber eben doch noch auf Eis.

Die Eishockey-Weltmeisterschaft steigt diesmal in einer der größten Nationen des Sports, in Finnland. Auch Österreich kommt in der Top-Division zu unerwarteten Ehren, nachdem das ÖEHV-Team nach den Suspendierungen gegen Russland und Belarus aufrückte.

16 Nationen spielen um den Titel, die Medaillen, das Viertelfinale und gegen den Abstieg - ganz nachdem, wo sie sich in der Eishockey-Welt einreihen. Wie sind die Kräfteverhältnisse eigentlich vor dieser WM verteilt?

LAOLA1 mit dem Versuch eines Rankings. Und wie sieht deines aus?

 

Die Eishockey-WM in Finnland ab 13. Mai im LIVE-Ticker>>>

1. Finnland

Weltmeister 2019, Vize-Weltmeister 2021, Olympia-Gold 2022, Nummer 1 der Weltrangliste und der Heimvorteil im Rücken: Es gibt keinen Grund, der Truppe von Erfolgscoach Jukka Jalonen die Favoritenrolle nicht umzuhängen. Auch, wenn das jüngste Vorbereitungsturnier gegen die Schweiz, Tschechien und Schweden mit drei Niederlagen noch in die Hose ging. Nur drei Spieler aus der NHL (Mikael Granlund, Joel Armia, Juho Lammikko), dafür genug Power aus der KHL und Liiga sorgen für ein starkes Kollektiv. 

2. Kanada

Wiedergutmachung im Land des Eishockeys ist angesagt! Bei Olympia gab es für den amtierenden Weltmeister das Viertelfinal-Aus gegen Schweden. Im Gegensatz zu Peking ist der eine oder andere NHL-Spieler diesmal aber dabei. Genaugenommen kommt fast das ganze Aufgebot aus der besten Eishockey-Liga der Welt, naturgemäß nicht von den Titelkandidaten. Gruppe A sollte ein Spaziergang werden.

3. Schweden

Als Weltmeister von 2017 und 2018 haben die Schweden im letzten Jahr einen wahren Albtraum durchleben müssen. Nach Niederlagen gegen Dänemark und Belarus verpasste die "Tre Kronor" erstmals, seit es das Format überhaupt zulässt, das Viertelfinale. Die kleine Rehabilitation gelang bei den Olympischen Spielen mit dem Viertelfinal-Sieg über Kanada, auch wenn es mit einer Medaille im Spiel um Platz 3 wieder nichts wurde. Im Kampf um die vordersten Plätze ist Schweden nie abzuschreiben, ein Vorbeikommen an den Top-Favoriten wird aber schwer.

 4. Tschechien

Die einst so erfolgreichen Tschechen haben in den letzten zehn Jahren bei Weltmeisterschaften zwar nicht mehr viel gerissen und bei Olympia 2022 war außer einem Viertelfinal-Aus gegen die Schweiz - nach mühevoller Qualifikation dafür über den dritten Platz in der Gruppe - auch nicht viel los. Das Formbarometer stimmt aber, mit jüngsten Siegen über Finnland, die Schweiz und gleich zweimal Schweden (darunter ein 9:3!) sind ein paar Vorschusslorbeeren erlaubt.

 

(Text wird unterhalb fortgesetzt)

5. Slowakei

Das slowakische Eishockey scheint aus seinem Dornröschenschlaf gerissen worden zu sein. Nach schwierigen Jahren, in denen das Abrutschen in das hintere Mittelfeld drohte, setzte Österreichs östlicher Nachbar in Peking ein dickes Ausrufezeichen und gewann Bronze. Auf dem Weg dorthin mussten Deutschland, die USA und Schweden dran glauben. Gleich drei der fünf heißesten NHL-Draft-Aktien bei der WM, auserkoren von LAOLA1-Experte Bernd Freimüller, stehen im Kader der Slowaken (HIER nachlesen>>>).

 6. USA

Jugend forscht: Neun WM-Debütanten und ein Durchschnittsalter von 25 Jahren katapultieren die US-Amerikaner nicht in den Kreis der Titelfavoriten, obwohl sie zuletzt immer für eine Medaille gut waren. Dabei war allerdings immer mehr NHL-Unterstützung mit am Start, als es diesmal der Fall sein wird. Und die sorgte für Tore, was diesmal ein Problem werden könnte. Der ganz große Goalgetter ist in den Reihen nicht zu finden.

 7. Schweiz

Nach zwei Silbermedaillen 2013 und 2018 gingen die Erwartungen bei den Eidgenossen nach oben, die Leistungen aber wieder nach unten. Zuletzt war zweimal das Viertelfinale das Höchste der Gefühle, 2021 setzte sich Deutschland durch. Olympia war eine Enttäuschung, in der Gruppenphase gab es nur einen Punkt. Ein Sieg gegen Tschechien sorgte danach für die Viertelfinal-Qualifikation, in der die Gold-Finnen kein Thema mehr waren. Die Vorbereitung war gut: Finnland wurde geschlagen, Lettland und Frankreich waren kein Problem und gegen Deutschland gab es sogar ein 6:1. Gelingt der Start ins Turnier, ist wieder mehr drin - zumal jetzt NHLer dabei sind.

 8. Dänemark

Die Dänen sind mit ähnlichen Limitierungen konfrontiert wie Österreich: Zu wenige Spieler, zu wenige Eishallen. Dafür ist der Output mehr als respektabel. In den letzten Jahren näherte sich der Mittelständler immer weiter an eine Überraschung heran, die gelang bei den Olympischen Spielen: Siege über Tschechien und die Schweiz bedeuteten eine gute Ausgangslage für die K.o.-Runde, wo nach einem Sieg über Lettland erst mit einem respektablen Auftritt gegen das später versilberte Russland Schicht im Schacht war. In Gruppe A muss eigentlich das Viertelfinale Ziel sein.

 9. Deutschland

Deutschland war in den letzten Jahren eine Wundertüte im Eishockey: Der langsamen Annäherung an eine WM-Medaille, die 2021 mit einem vierten Platz endete, ging Olympia-Silber 2018 zuvor. Peking war mit dem herben 0:4 in der Viertelfinal-Quali gegen die Slowakei dann wieder eine Ohrfeige. Und die Vorbereitung? Auch ein Auf und Ab. Dementsprechend wissen weder die Deutschen selbst, noch wir so richtig, was vom DEB-Team zu erwarten ist.

 10. Lettland

Nach den Olympischen Spielen gab es einen Umbruch, mit Lauris Darzins und Kaspars Daugavins traten zwei wichtige Spieler zurück. Dazu fehlt Stürmer Miks Indrasis verletzungsbedingt erstmals seit 2011. Seit 2018 gab es keinen Viertelfinal-Einzug, die Olympischen Spiele endeten mit einer Enttäuschung, dem punktelosen Vorrunden-Aus. Reichen ein hungriges Umbruchs-Team und eine Menge Fans vor Ort für eine Über-Performance?

 11. Norwegen

Das norwegische Eishockey grundelt bei den Weltmeisterschaften ein wenig herum. Seit 2013 war das Team nie besser als Zehnter, aber nie schlechter als Rang 13 klassiert. Der Abstieg war damit nie ein Thema, das Achtelfinale allerdings auch nicht. In der Vorbereitung wurde schon in der frühen Phase ein Sieg über die schwedische C-Truppe (3:2 n.V.) gleich am nächsten Tag mit einem 0:7 relativiert. Ein 3:1 über Dänemark und ein 5:4 n.P. über die Slowakei war da schon mehr wert. Viertelfinale und Abstiegsstrudel scheinen gleichermaßen unwahrscheinlich.

 12. Kasachstan

Kasachstan war das Überraschungsteam der WM 2021. Eine Niederlage im direkten Duell mit Kanada verhinderte den erstmaligen Einzug ins Viertelfinale, sonst wäre der spätere Champion schon in der Vorrunde rausgeflogen: Die Kasachen waren am Ende punktgleich. Dennoch war der zehnte Rang das beste Ergebnis aller Zeiten, Siege über Lettland und Deutschland dafür verantwortlich. Mangels Olympia-Qualifikation können nur zwei Testspiele gegen Lettland zur Standortbestimmung herangezogen werden, die gingen völlig in die Hose (0:5, 1:5). Nicht gerade very nice.

 13. Österreich

Rot-weiß-rote Brille dabei? Ja. Aber die Darbietungen in der Vorbereitung lassen darauf hoffen, dass dem Team von Roger Bader der so ersehnte Klassenerhalt diesmal auch wieder sportlich gelingt. Das ÖEHV-Team war gegen Schweden, Tschechien und Finnland kein Kanonenfutter, konnte das Tempo phasenweise mitgehen. Deutschland gewann nur mit Glück. Und gegen Italien, einem Gegner auf Augenhöhe, gab es unter anderem ein 5:0. Einziger relevanter Gegner gegen den Abstieg wird aber Großbritannien, das Spiel zum Abschluss - alles davor ist sowieso nur die Kür zur Pflicht, in der nur überrascht werden kann.

 14. Frankreich

Wie das ÖEHV-Team profitierte Frankreich als Absteiger von der Suspendierung von Russland und Belarus. Das heißt aber nicht, dass die Franzosen erster Abstiegskandidat der definitiv leichteren Gruppe A sind. Mit Ausnahme von Kanada kann ein Über-Tag zu Punkten gegen alle anderen Gegner führen, insbesondere Kasachstan und Italien. Für die eine oder andere Überraschung war Frankreich schon in der Vergangenheit gut. Es kann in beide Richtungen gehen - das Fragezeichen ist das Scoring.

 15. Italien

Italiens Truppe ist in erster Linie ein Mischmasch aus Spielern der ICE und Alps Hockey League. Letzteres liest sich nicht beeindruckend, kann aber immer wieder mal weh tun - an dieser Stelle erinnern wir nicht noch einmal an Bratislava 2019. Das wird diesmal aus Gruppeneinteilungsgründen ohnehin nicht Österreichs Problem sein. Italien hat eine akzeptable Vorbereitung in den Beinen, der Klassenerhalt wird dennoch schwer. Psychologischer Vorteil: Das 1:0 gegen Frankreich zwei Wochen vor Turnierstart.

 16. Großbritannien

Vergangenes Jahr - als es keinen Absteiger gab - hätten die Briten den Klassenerhalt mit einem 4:3 über Belarus sogar geschafft. Mit Ausnahme einer Overtime-Niederlage gegen schwächelnde Dänen war ansonsten aber nicht viel von den Insel-Mannen zu sehen. Das gilt auch für die WM-Vorbereitung, in der Großbritannien im Gegensatz zu allen anderen A-Nationen nur vier Spiele bestritt und allesamt verlor, je zweimal gegen Dänemark (darunter ein 0:8) und Italien. Besonders mit dem Toreschießen dürfte es nicht weit her sein, gab es in 240 Spielminuten nur ein Tor zu bejubeln. Die Briten sind ein unbeschriebenes Blatt für Österreich, aber Rot-Weiß-Rot darf sich im Gegensatz zu Frankreich 2019 einfach nicht überraschen lassen.

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