NHL-Draft: So entwickelte sich Rossis Konkurrenz

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An die Fortsetzung der Eishockey-Meisterschaften in Nordamerika ist in der aktuellen Saison wohl nicht mehr zu denken, auch wenn der Spielbetrieb in Übersee vorläufig nur ausgesetzt ist.

Konsequenz daraus: Der NHL-Draft – wann und in welcher Form er auch stattfindet – muss mit den Erkenntnissen von heute angegangen werden.

Den Scouts sind jetzt – bis auf Videos vergangener Spiele – die Hände gebunden. LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat die Top-10-Kandidaten bereits im Jänner unter die Lupe genommen. In der folgenden Analyse bewertet der Wiener, wie sich die Positionen der Kandaten in den letzten zehn Wochen verändert haben. Und er fragt sich, wer könnte abdriften?

Vor Start-Ziel-Sieg

Alexis Lafreniere (Kanada - Linker Flügel - geboren am 11. Oktober 2001): Der Top-Player im 58. NHL Entry Draft (geplant für 26. und 27. Juni in Montreal) kann ruhig schlafen, er wird mit größter Wahrscheinlichkeit einen Start-Ziel-Sieg landen. Seit Jahren schon im Fokus der Scouts, enttäuschte nie. Einzige Frage: Kann er ein Franchise-Player werden oder "nur" ein Top-Offensivbringer?

Top-5-Kandidaten

Quinton Byfield (Kanada - Center - 2002): Spaltet die Scouting-Gemeinde vielleicht am meisten. Einige sehen ihn als möglichen Top-Linien-Center, der neben immenser Größe auch gute Beine und Hände mitbringt. Andere wiederum zweifeln sein Offensiv-Potential und seinen Hockey Sense auf NHL-Niveau an. Zeigte sich von der Junioren-WM, wo seine Eiszeit zusehends schwand, aber gut erholt. Der jüngste und größte der potenziellen Top-Picks - und jedes Team sucht einen großgewachsenen Mittelstürmer wie ihn.

Cole Perfetti (CAN- LW - 2002): War bei der WM nicht dabei, danach aber in Top-Form. Scorte als linker Flügel zeitweise wie wild, lieferte sich mit Marco Rossi lange ein Rennen um den OHL-Topscorer-Titel, das schließlich mit 120 zu 111 Punkten für Rossi endete. Ein Goalgetter par excellence, aber auch ein toller Passgeber.

Jamie Drysdale (CAN - D - 2002): Wird aller Voraussicht nach der Top-Defender im Draft werden. Moderner Verteidiger mit toller Beinarbeit und Offensiv-Qualitäten. Wenn ein Team nach Position draftet und einen Verteidiger braucht, kommt er sicher bald dran. Ansonsten muss natürlich beantwortet werden, wo sein Ranking in einem stürmerlastigen Draft liegt.

Tim Stützle (Deutschland - Linker Flügel/Center - 2002): Dutzende von Scouts verfolgten jedes seiner Spiele bei den Mannheimer Adlern, nicht nur aufgrund seiner unbestrittenen Klasse: Er war nämlich bei keinem Februar-Turnier dabei und auf seine Teilnahme an der U18-WM - die parallel zum DEL-Finale gelaufen wäre - hätte sich ohnehin niemand verlassen können.

Hinterließ bei der U20-WM einen ausgezeichneten Eindruck, wirkte danach in der DEL ab und zu etwas verkrampft. Weiter ein Top-5-Kandidat, allerdings mit dem Wettbewerbsnachteil, dass er nie gegen Gleichaltrige spielen (und dominieren) durfte.

Auf dem nächsten Level

Alexander Holtz (Schweden - Rechter Flügel - 2002): Nach einer stabilen Junioren-WM bei Djurgarden nur ab und zu mit Highlights. Wie Stützle, dessen Landsleute Lukas Reichel und JJ Peterka sowie sein schwedischer Landsmann Lucas Raymond ohne U18-Länderspiele im Februar. Der Ausfall der U18-Weltmeisterschaft hilft ihm sicher nicht.

Anton Lundell (Finnland - Center - später 2001er): Versäumte Junioren-WM wegen einer Ellbogen-Verletzung, war aber ab Jänner bei IFK Helsinki wieder mit dabei und mit den üblichen soliden Leistungen. Konnte aber nie so recht die Frage (positiv) beantworten, ob er in der NHL eine führende Offensivrolle einnehmen kann. Allerdings hatten die Scouts bei ihm fast zwei Saisonen Zeit für ihr Endurteil.

Lucas Raymond (Schweden - Linker Flügel - 2002): Nach einer durchwachsenen Junioren-WM mit Problemen bei Frölunda, wenig Eiszeit und auch wenig inspirierten Spielen in der Juniorenliga. Hat sicher am meisten an Land verloren und kann nach der Absage der U18-WM auch nicht beweisen, dass er wenigstens gegen seine Altersgenossen dominiert hätte.

Die Newcomer

Jake Sanderson (USA - Verteidiger - 2002): Kletterte die Draft-Charts hinauf und legte mit dem U18-Team der USA auch ein starkes Februar-Turnier hin. Dynamischer Offensiv-Verteidiger, der auch mehr Größe als Drysdale mitbringt. Hätte er ihn gar noch überholen können?

Jack Quinn (Kanada - Rechter Flügel - später 2001er): War in der zweiten Saisonhälfte auf einer Scoring-Mission, kam auf unglaubliche 52 Tore in 62 Spielen! Profitierte sowohl von der Dominanz der Ottawa 67s als auch von Rossis Pässen im Powerplay. Hat die Gabe, auf engem Raum zum Abschluss zu kommen. Vielleicht kein Komplett-Paket, aber Sniper-Potential.

Der Absteiger

Yaroslav Askarov (Russland - Goalie - 2002): Einer schwachen Junioren-WM folgte ein auch nicht überzeugendes U18-Turnier im Februar. Die Zeiten, wo er als sicherer Kandidat für die Top-10 oder gar Top-5 galt, sind lange vorbei. Den Platz als Top-Goalie im Draft sollte er allerdings behalten.

Der Status von Marco Rossi

Wo ist der Vorarlberger Marco Rossi (Center, geboren am 23. September 2001) unter diesen Namen einzuordnen? Er scorte zuletzt fast schon nach Belieben, wobei sich die OHL in letzter Zeit allgemein zu einer High-Scoring-League entwickelt hat.

Sein Hockey-Sense am ganzen Eis, seine Hände, Übersicht und unglaubliche Ruhe am Puck sprechen für ihn. Schade für ihn und die Ottawa 67's, dass er sich wohl nicht mehr beweisen kann.

Ich würde ihn zwischen den Plätzen zwei oder drei bis sechs einstufen. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie alle Teams – oder zumindest die an der Spitze des Drafts - ihn und Byfield vergleichen.

Die Ottawa Senators dürften zwei Picks unter den ersten Fünf innehaben, allerdings ist noch völlig offen, wie sich die Draft-Lotterie gestalten wird. Doch nicht nur aufgrund der nicht vorhandenen Anreise schauten sie dem Österreicher zuletzt in Mannschaftsstärke zu und die Erfahrung zeigt: Wenn ein GM – in diesem Falle Pierre Dorion – einen Spieler schätzt, dreht das die Liste des jeweiligen Teams in diese Richtung, auch wenn die Scouts vielleicht anderer Meinung sind. Dorion kommt allerdings auch selbst aus der Scouting-Ecke.

Niemand weiß, wie es in der NHL weitergeht, doch einen Draft wird es auf jeden Fall geben. Marco Rossi hat jedenfalls auch bei einem Saison-Abbruch seine Schäfchen längst ins Trockene gebracht…

Textquelle: © LAOLA1.at

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