Die Unterschiede der NHL-Camps im Sommer

Die Unterschiede der NHL-Camps im Sommer Foto: © GEPA
 

Die NHL kennt keine Pause: Obwohl sich die St. Louis Blues gerade erst zum Stanley-Cup-Champion krönten, beginnen viele NHL-Teams bereits jetzt mit der Vorbereitung auf die neue Saison.

Development Camp, Rookie Camp, Main Camp - im Sommer steigen bei den Vereinen einige Programmpunkte, zu denen auch Spieler aus Europa eingeladen werden, die ad hoc nicht viel mit der NHL zu tun haben.

So auch KAC-Neuzugang Lukas Haudum, der seit Sonntag bei den Toronto Maple Leafs zu Gast ist - doch was bedeutet das?

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen Blick auf diese NHL-Trainingslager und worin sie sich unterscheiden:

(Prospect) Development Camps

Wann? Ende Juni oder Anfang Juli, oft gleich an den Draft anschließend

Wer ist dabei? Gedraftete Spieler der jeweiligen Organisation bzw. eingeladene Spieler (Free Agents) – ca. 40 Cracks

Wo? In der Stadt des jeweiligen NHL-Teams, meist im Trainingszentrum

2007 war das erste Jahr, wo einige Teams solche Camps veranstalteten, bald zogen alle Teams nach. Die Schwerpunkte haben sich über die Jahre gewandelt – einige beliebte Programmpunkte:

  • Vorträge über die Werte der Organisation
  • Schulungen zum Umgang mit den Medien, Social Media, Ernährung, Alkohol und Drogen, etc.
  • Körperliche Tests und individuell ausgearbeitete Trainingsprogramme
  • Videoschulungen und individuelle On- and Off-Ice Sessions
  • Trainingsspiele – sogenannte “Scrimmages”

Einige Organisationen legen mehr Wert auf die On-Ice-Sessions, andere weniger. Einige verkaufen Tickets für die Scrimmages, andere (wenige) schließen Medien und die Öffentlichkeit davon aus. Es geht hier rein um die Weiterentwicklung der eigenen Prospects, nicht um irgendwelche sportlichen Wettkämpfe. Die eingeladenen Spieler machen das ganze Programm mit, stehen aber nicht im Mittelpunkt.

Trotzdem ist ein solches Camp natürlich ein besonderes Erlebnis, läuft meist über Beziehungen. Lukas Haudum verdankt seine Einladung der Toronto Maple Leafs den guten Kontakten seines nordamerikanischen Agenten Serge Payer. Red Bull hingegen verfügt schon seit Jahren über eine enge Verbindung zu den New York Islanders, sodass deutsche und österreichische Cracks wie Dominik Kahun, Florian Baltram oder Nico Feldner bei deren Camps zu Gast waren. Die Islanders verzichteten heuer auf die Ausrichtung.

Für eine Gruppe von Spielern sind diese Lager die einzige Möglichkeit, an die NHL heranzuschnuppern: College-Spieler dürfen für zwei Tage eingeladen werden, das NHL-Team darf lediglich die Hälfte der Kosten für Flug und Unterbringung übernehmen.

Vertragsangebote an Free Agents nach solchen Camps sind so selten wie Schnellfall zu dieser Zeit. Wenn dann ein Team doch aktiv werden will, stehen manchmal die Regeln im Weg: So luden vor Jahren die LA Kings Radko Gudas in ihr Camp ein und waren so von ihm angetan, dass sie ihn gleich unter Vertrag nehmen wollten. Nichts da, sagte die NHL, er ist noch draftpflichtig. Ein Jahr später sicherten sich die Tampa Bay Lightning die Rechte am Verteidiger-Raubein.

Grundsätzlich dienen diese Camps wirklich nur zur "beruflichen Weiterbildung", individuelle Beurteilungen der Scrimmages mitten im Sommer bleiben eher den Fans überlassen. Scouts sind froh, wenn sie zu diesen Camps nicht eingeladen werden, sie wollen nach dem Draft endlich auf Urlaub gehen. Head-Scouts und Directors of Scouting müssen aber mit von der Partie sein, ihr Sommer verkürzt sich damit um eine weitere Woche. Camps der Konkurrenz werden aber natürlich nicht beobachtet.

Rookie Camps

Wann? Anfang bis Mitte September

Wer ist dabei? Eigene Prospects (keine College-Spieler), jüngere Profis unter Vertrag und Free Agents

Wo? Verschieden – entweder im eigenen Trainingszentrum oder an einem Ort, wo Turniere gegen andere Organisationen bestritten werden

Rookie Camps sind die Vorstufe zu den Main Camps, die auch die Karotte sind, die vor den Nasen der Spieler baumelt. Teilnehmer: 30-35 Cracks

Michal Cajkovsky
Foto: © GEPA

Auch hier geht es wieder darum, die eigenen Prospects näher an die NHL heranzuführen, im besten Falle schon in der bevorstehenden Saison. Im Gegensatz zu den Development Camps werden die Spieler nach ihren On-Ice-Eindrücken bewertet, jedes Training und Scrimmage zählt. Dazu gehören vor allem Turniere gegen die Rookie Teams der Konkurrenz (meist vier Teilnehmer), die über die Jahre immer populärer wurden.

College-Cracks dürfen hier nicht teilnehmen, das besagt der NCAA-Amateur-Paragraph. Ab und an kommt es vor, dass sich ein Free Agent hier einen Vertrag erspielt. Für europäische Free Agents ist dieser Termin aufgrund des NHL-IIHF-Abkommens allerdings schon zu spät, außer sie sind noch vertragslos. Der slowakische Defender Michal Cajkovsky erspielte sich so im Vorjahr einen Kontrakt bei den Montreal Canadiens.

Nach den Trainingseinheiten und Spielen werden einige Spieler weggeschickt, vor allem die Free Agents ("released") sowie einige Juniorenspieler ("assigned to their junior teams"). Viele der eigenen Cracks übersiedeln aber in die:

Main Camps

Wann? Mitte September bis zu Beginn der NHL Regular Season

Wer ist dabei? Alle Spieler unter NHL-Kontrakt (außer einigen Europäern), Spieler des AHL-Farmteams, einige Junioren und Free Agents - ca. 60 Cracks

Wo? Meist im eigenen Trainingszentrum, Teile davon auch andernorts oder in Europa

Jesper Bratt
Foto: © getty

Aus dieser Riesenmenge an Spielern (meist auf drei Teams aufgeteilt) wird sukzessive ausgesiebt. Erst fallen einige Juniorenspieler weg, dann Free Agents, danach die reinen AHL-Cracks (ohne NHL-Vertrag) oder jüngeren Prospects, die gleich in die AHL-Camps übersiedeln. Doch da die NHL-Fixstarter nur einen Teil der Exhibition Games bestreiten, wird der Kader erst in der letzten Woche vor Saisonstart endgültig zusammengestutzt, einige Junioren dürfen sich über den Einsatz in Preseason-Games freuen.

Vor allem die Erstrunden-Draftpicks kämpfen hier darum, die Saison in der NHL zu beginnen, was allerdings in den letzten Jahren meist zu einer reinen Formsache wurde. Im Gegensatz zu den beiden anderen Camps leiten hier erstmals auch die NHL-Coaches die Trainingseinheiten auf dem Eis, im Gegensatz zu den Development Camps steht hier der reine Leistungsgedanke im Vordergrund.

Doch ab und zu schwindelt sich auch ein Spieler durch, den zu Beginn des Camps niemand auf der Rechnung hatte. Eines von vielen Beispielen: Jesper Bratt – ein Sechstrunden-Pick – überzeugte die New Jersey Devils vor zwei Jahren so sehr, dass sie ihn aus der Allsvenskan gleich volley in die NHL mitnahmen. Der schwedische Flügel debütierte mit 19 Jahren in der NHL und hat bis heute kein einziges AHL-Spiel bestritten.

Die einzelnen Camps weisen also Parallelen und große Unterschiede auf, vor allem die Development Camps kamen in den letzten Jahren groß in Mode. Bleibt nur zu hoffen, dass nach Michael Grabner, Michael Raffl und Thomas Vanek bald auch wieder Österreicher als mehr als nur Gäste teilnehmen...

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